Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thorens TD 403 DD


Plattenspieler Thorens TD 403 DD

Plattenspieler Thorens TD 403 DD im Test, Bild 1
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Geschätzte 98 Prozent aller Plattenspieler des HiFi-Marktes sind per Riemen angetriebene Konstruktionen. Eine kleine Gruppe Unbeugsamer allerdings ist der Meinung, dass das nicht der Weg zur Glückseligkeit ist.

Zunächst ist da natürlich Technics. Die Japaner haben den Direktantrieb in den späten Sechzigern erfunden und ihn in den Rundfunkstudios der Welt salonfähig gemacht. Die extrem kurzen Start- und Stopp-Zeiten des Konzeptes waren hier echte Vorteile, für die sich bald auch die DJs in den Clubs interessierten. Und so ganz langsam aber sicher schickte sich der Direktantrieb ab Mitte, Ende der Siebziger an, die Plattenspielerweltherrschaft zu übernehmen. Rabiat ausgebremst wurde die Entwicklung vom Erscheinen der CD, die den Plattenspieler zunächst in einen tiefen Dornröschenschlaf schickte.  

Als der erste Schock überwunden und sich der Plattenspieler als erstaunlich zäh erwies, waren die Zeiten großer Stückzahlen und teurer Motorentwicklungen jedoch vorbei. Was man bauen konnte, waren Laufwerke mit relativ schnell drehenden Motoren mit wenig Drehmoment.

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Deshalb war der Riemen als „Getriebe“ zwischen Antrieb und Teller unerlässlich. Für langsam und präzise drehende Antriebe wie die, die man für direkt angetriebene Plattenspieler braucht, war kein Markt mehr da.   

Das gilt zwar prinzipiell auch heute noch, es gibt aber ein paar Ausnahmen. Der eine oder andere Hersteller hat den DJ-Dreher- Markt für sich entdeckt und bedient ihn mit Direkttrieblern im Technics-Style. Und deshalb gibt es da draußen solche Motoren. Das weiß auch Thorens-Eigner Gunter Kürten, der sein Topmodell TD 124 DD nicht ohne Grund mit einem solchen Motor ausgestattet hat. Das funktioniert ausgezeichnet, das Gerät ist international ein durchschlagender Erfolg. Ob‘s nicht vielleicht ein bisschen günstiger geht als die 8000 Euro, die man für so eine Maschine hinblättern muss? Aber ja! Schon vor geraumer Zeit hat man mit dem TD 402 DD bewiesen, dass ein unter HiFi-Gesichtspunkten „fähiger“ Direkttriebler kein finanzieller Overkill sein muss.

Wenn‘s eine Nummer feiner sein darf, dann ist der neue TD403 DD das Mittel der Wahl. Auf den ersten Blick ist das 1400-Euro-Komplettpaket als klassischer Thorens zu erkennen, die beiden Knebelschalter links und rechts vorne auf dem Chassis sind unverkennbar. Der Aufbau gleicht dem des bewährten TD 402 DD, unterscheidet sich aber in einigen entscheidenden Punkten. So gibt‘s beim TD 403 DD einen deutlich schwereren (1,4 Kilogramm) Metallteller und den sehr gelungenen Tonarm TP 150, der schon den Riementriebler TD 1500 ziert.

Was es beim TD 403 DD nicht gibt – beim kleinerem Bruder auch nicht – ist das Thorens- typische Subchassis. Was nur dann ein Problem darstellen würde, wenn der Unterbau für den Plattenspieler von der eher resonanzanfälligen Sorte wäre. Wenn Sie aber in dieser Preisklasse investieren wollen, dann werden Sie vermutlich auch für eine standesgemäße Standfläche sorgen. Die sollte dann auch gleich exakt waagerecht sein, weil‘s beim Thorens keine Möglichkeit zur Höhenverstellung gibt. Bei einem deutlich vierstelligen Preisschild müssen ein paar Worte der Kritik sein: Vier Dämpferfüße der günstigen Art, verschraubt in einer eher mickrigen Drei-Millimeter- Hartfaserplatte als Geräteboden – das ist nicht sehr highendig. Die Zubehörindustrie wird sich bestimmt schon die Hände reiben und fleißig Upgrades konzipieren.   

Unter besagter Platte kommt eine solide MDF-Zarge zum Vorschein. Mittig ist der Direktantriebsmotor verschraubt – das dürfte das Modell sein, das wir schon vom TD 402 DD kennen. Die in sich geschlossene Einheit ist deutlich schlichter konzipiert als das, was zum Beispiel den Teller des TD 124 DD antreibt, bei dem die Statormagnete direkt am Teller montiert sind – wie wir das von den kräftigen Profi - Direkttrieblern kennen.   

Beim TD 403 DD mahlen die Mühlen diesbezüglich etwas langsamer, was man schon an den Hochlaufzeiten des Tellers erkennt. Die gerieten deutlich länger als bei den Profigeräten, weil hier einfach deutlich weniger Drehmoment ansteht. Da der Anwender mit dem Gerät aber wohl keine hitzigen Club-Abende bestreiten will, ist das nur von untergeordneter Bedeutung. Eine Drehzahlfeineinstellung hat der TD 403 DD zwar, die ist aber nur dem Service zugängig. Da die Drehzahlen aber auf den Punkt stimmen, ist das ein ebenfalls zu verschmerzender Umstand.   

Widmen wir uns dem TP-150, einem wahren Tonarm-Prachtstück. Optisch ist er ganz klar an den EMT-Klassiker 929 angelehnt. Der J-förmige Neunzöller gehört zur mittelschweren Gattung und ist am vorderen Ende mit einem SME-kompatiblen Headshell ausgestattet, was Zeitgenossen mit Tonabnehmerwechselambitionen das Leben sehr einfach macht: Headshell mit vorjustiertem Abtaster wechseln, Auflagekraft nachdrehen, fertig. Das mitgelieferte Headshell ist eine übrigens sehr feine, aber eher schwere Aluminiumangelegenheit. Zu den Highlights des Tonarms zählt ohne Frage die Antiskating- Einrichtung, die Designer Helmut Thiele clever im Ausleger der Armbasis untergebracht hat. Die Verstellung erfolgt über das Verschieben einen Gewichtes, zu diesem Zweck liegt ein Stift bei, damit man besser dort herankommt. Auch sehr schön gelöst: die Höhenverstellung des TP 150. Sie erfolgt über einen großformatigen Gewindering mit außen angebrachten Bohrungen. Hier kann man ebenfalls einen Stift einstecken und die Justage feinfühlig erledigen. Die Auflagekraftverstellug erfolgt nach alter Väter Sitte per verdrehbarem Gegengewicht. Nach dem Ausbalancieren des Arms wird die „Einstellscheibe“ vorn auf dem Gewicht auf Null gedreht, im Anschluss das Doppel aus Gewicht und Scheibe anhand der Skala auf den gewünschten Wert eingestellt. Das funktioniert bestens und ist erfreulich genau, so dass man ohne den Einsatz einer Tonarmwaage davonkommt.   

Der letzte Punkt ist auch der Einzige, um den man sich nach dem Erwerb des TD 403 DD Gedanken machen muss, alle anderen Einstellungen hat der Hersteller bereits vorgenommen. Das betrifft auch die Justage des mitgelieferten Tonabnehmers. In diesem Falle entschied man sich für das Ortofon 2M Blue, ein ausgesprochen solides MM in der 200-Euro-Klasse. Vom kleineren 2M Red unterscheidet es sich unter anderen durch einen „nackten“ elliptischen Abtastdiamanten. Das bedeutet, dass der Diamant hier durch ein Loch in den Nadelträger geschossen und damit unverrückbar festgeklemmt wird. Dem gegenüber steht die Variante mit angeklebtem Diamant, die mehr unerwünschte Masse mit sich bringt. Das 2M Blue generiert mit 5,5 Millivolt bei 5 cm/s Schnelle ordentlich Ausgangsspannung, so dass auch weniger empfindlichere Phonostufen hier keinerlei Mühe haben sollten.   

Der TD 403 DD mag impulsreiche Musik, das macht er nach ein paar Takten unmissverständlich klar. Nehmen wir zum Beispiel das großartige jazziger Elektroalbum „Future Flora“ der belgischen Band „Black Flower“. Es feiert das Zusammenspiel zwischen Bläsern und elektronischen Beats. Wenn die Spielfreude nicht stimmt, kommt das Ding nicht auf Touren. Das kann man hier nun wirklich nicht behaupten. Es klingt überaus agil, kernig und drahtig, wir haben beste Übersicht über das meist quietschfidele Geschehen. Das Schlagzeug hat Drive, die Bläser Energie und Strahlkraft, und ganz unten gibt‘s richtig Schub. Nicht schlecht, gerade in Anbetracht des eher günstigen Ortofon-MMs. Ob da noch mehr geht? Nach überaus positiven Erfahrungen mit dem Quintet Blue im Pro- Ject X8, gerade in Verbund mit symmetrischem Anschluss an die Pro-Ject-Phonovorstufe habe ich eben jene Kombi auf den TD 403 DD transplantiert. Und wie da noch was geht! Der wunderbar schleppende „K-rauta“ der schwedischen Atmosphärenrocker „Kungens Män“ lebt von einer ganz tiefen Bassdrum- Linie, die den Song rhythmisch trägt. Mit diesem Setup bekommt das Ganze eine großartige Stabilität und Intensität. Es ist nicht die schiere Wucht, die den Reiz macht, sondern die knochentrocken Präzision. Die beiden Gitarrenlinien flirren schwerelos durch den Raum, alles schwingt, alles ist Groove. So geht Musik.

Fazit

Der TD 403 DD vermittelt Direktantriebs- Drive pur: Er klingt extrem impulsiv und lebendig, ist denkbar einfach zu bedienen und stellt eine tolle Rundum-glücklich- Lösung dar.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Thorens TD 403 DD

Preis: um 1400 Euro


7/2022
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Thorens, Bergisch Gladbach 
Telefon 02204 8677720 
Internet www.thorens.com 
Abmessungen 420 x 141 x 360 mm (BxHxT) 
Gewicht (in Kg) ca. 7,2 kg 
Unterm Strich ... » Der TD 403 DD vermittelt Direktantriebs- Drive pur: Er klingt extrem impulsiv und lebendig, ist denkbar einfach zu bedienen und stellt eine tolle Rundum-glücklich- Lösung dar. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 17.07.2022, 09:56 Uhr
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