Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Transrotor Rondino FMD


Magnetic Fields

Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 1
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Irgendwann, sollte man meinen, ist bei einer über 100 Jahre alten Technik das letzte Wort gesprochen. Und doch: Sowohl beim Auto als auch beim Plattenspieler geht es immer noch weiter. Und selbst, wenn es nur ein wohlgeratenes Design ist, lassen wir uns das gerne gefallen. Wenn es sich aber um wohlproportionierte Formen, gepaart mit technischer Innovation handelt, dann werden wir nervös

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Phonoverstärker:


Linn Uphorik
Trigon Advance


Tonabnehmer:


Phase Tech P-3G
Benz ACE L


Verstärker:


Accustic Arts Power ES
AVM V3ng und M3ng


Lautsprecher:


Kudos X2
K+T CT252


Zubehör:


Netzleiste: PS-Audio
Phonokabel Furutech, Nordost, Horn Audiophiles
NF-Kabel: Van den Hul
Lautsprecherkabel: Silent Wire
Racks und Basen: SSC, Empire, Tabula Rasa


Gegenspieler



Plattenspieler:


The Funk Firm Vector III
Transrotor Fat Bob


Der Rondino ist natürlich erst einmal eine konservative Angelegenheit. Mit konservativ meine ich: Traditionellen Werten verpflichtet – und von traditionell kann man nach mehreren Jahrzehnten in diesem Geschäft schon reden. Ein Beispiel: Als ich den Plattenspieler bei Transrotor in Bergisch Gladbach abgeholt habe – eine Sache, die ich mir inzwischen nicht mehr nehmen lasse, denn es gibt dort im hauseigenen kleinen Museum immer viel zu sehen und immer ein paar interessante Anekdoten des Senior-Chefs – da kam Jochen Räke auch auf das Thema Polieren. Ich habe es ihm angesehen: Als ökonomisch denkenden Unternehmer wäre es ihm lieber, seine Zulieferer könnten ihm seine perfekten Aluminiumoberflächen maschinell realisieren – für den gewohnten Standard beschäftigt er jedoch weiterhin Leute, die die Arbeit per Hand machen.

Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 2Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 3Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 4Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 5Plattenspieler Transrotor Rondino FMD im Test, Bild 6
Ein gewaltiger Zeit- und Kostenfaktor – für den Traditionalisten Räke aber der einzig gangbare Weg, den an sich selbst gelegten Qualitätsmaßstab zu halten und sogar zu erhöhen. Und so ist auch unser Rondino nichts weniger als eine perfekt gefertigte Plattenspielskulptur mit makellosen Oberflächen und wundervoll geschwungenen Linien. Das asymmetrische Design ist über einen längeren Zeitraum gewachsen – hier legt man bei Transrotor Wert auf die Meinung der Mitarbeiter, die im Entstehungsprozess andauernd involviert werden. Wie lange es insgesamt gedauert hat, bis der Rondino auf seinen drei Füßen gestanden hat, entzieht sich meiner Kenntnis – angesichts des fertigen Modells gestehe ich ihm aber gern zu, dass er einer der gelungensten Plattenspieler der letzten Jahre geworden ist. Man mag ein bisschen irritiert sein, denn der Name suggeriert ja etwas Kleineres, Schnuckeligeres als den doch recht mächtigen Aufbau der sich stolz in Acryl und Aluminium präsentiert. Der dreieckige Grundriss ist wie gesagt asymmetrisch gestaltet. Grundthema des Designs ist die Umfassung: Grundplatte und Tonarmboard bestehen aus einer Mittelschicht Aluminium, das oben und unten von einer Acrylschicht eingefasst ist. Die Basis wiederum wird optisch umrahmt von zwei mächtigen Metallteilen: Oberhalb der Teller – mit 9 Zentimetern Dicke einer der mächtigeren im Transrotor-Sortiment, unterhalb der massive Block der FMD-Antriebseinheit, der den Rondino berührungslos auf Schwung bringt – dazu aber gleich mehr. Betrachtet man das Laufwerk von oben, dann fällt die extrem weit geschwungene Tonarmbasis auf, die sich über fast ein Drittel seines Umfangs an den Teller schmiegt. Das hat natürlich vor allem eine Menge mit Design zu tun, bietet aber auch einen handfesten Vorteil: Man hat bei der Wahl des Tonarms alle Freiheiten – ein beherzter Schwenk macht aus der 9-Zoll- Basis eine für Zwölfzöller oder jedes andere beliebige Maß. Bedenken wegen Resonanz- oder Verwindungsproblemen aufgrund der Länge der Basis muss man sich bei der verwendeten Materialkombination nicht machen. Die eigentliche Montageplatte für den Tonarm besteht aus zwei Metallringen, die im Board gegeneinander verschraubt werden. Zum Paketpreis von 12.000 Euro gehört der vorzügliche SME-Tonarm 5009 – im Prinzip also ein SME V, der mit einem demontierbaren Headshell versehen wurde. Bei den höherwertigen Transrotoren ist dieser Tonarm üblich – eine solche Standard-Ausstattung lässt man sich gerne gefallen, denke ich. Vorne am Tonarm verrichtet das MC-System Merlo seinen Dienst mehr als ordentlich, ach was sage ich: Es bildet eine so glückliche Kombination mit dem Tonarm, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob an dieser Position in der Kette überhaupt Handlungsbedarf besteht. Technisches Highlight des Rondino FMD (so der offizielle Name) ist natürlich sein Free Magnet Drive. Was wir in Ansätzen schon im Tourbillon bewundern durften (LP Ausgabe 4/2006), hat Transrotor mit dem FMD auf die Spitze getrieben: eine Antriebseinheit, die keinerlei Berührungspunkte mehr zum Plattenteller hat. Wie funktioniert das? Nun, dass Magnetkraft im Spiel ist, versteht sich. Zwei rotierende Scheiben, eine davon angetrieben, werden über zwei Kränze Neodymmagneten so miteinander gekoppelt, dass die zweite, nicht angetriebene Scheibe mit exakt der gleichen Geschwindigkeit läuft. Das hat es so schon im TMD-Prinzip gegeben – damals mussten sich die beiden Rotationskörper noch eine Achse teilen. Beim FMD gibt es keine gemeinsamen Teile mehr: Die FMD-Einheit (übrigens ein wunderschön gefertigtes Teil mit integriertem Motor, Riemen und verchromter Messingschwungscheibe) steht autonom unter einem kreisrunden Loch in der Plattenspielerbasis. Zentriert wird sie nach Augenmaß mithilfe eines kleinen Gegenstands, der so lange auf der Schwungscheibe gedreht wird, bis unter jedem Drehwinkel der gleiche Abstand zur Basis gegeben ist. Eine Aufstellschablone für die drei Füße und die FMD-Einheit liegt jedem Rondino bei. Auf so etwas muss man erst einmal kommen – ich kann gar nicht mehr zusammenzählen, wie viele Momente der Panik ich schon durchlebt habe, weil ich einen schweren Plattenspieler mit Spikes auf Unterlegscheiben stellen musste, die ich vorher nach Augenmaß platziert hatte – so etwas klappt nie und wird bei empfindlichen Holzoberflächen auch sehr schnell ärgerlich. Einen Sonder-Innovationspunkt also für Transrotor! Nach dem Zentrieren wird eine massive Aluwanne mit dem Lagerdorn in der Mitte in die Basis eingesetzt und erst danach folgt der massive Subteller mit seinem Magnetkranz an der Unterseite. Zu guter Letzt wird der Teller aufgesetzt und das Laufwerk ist spielfertig. In Sachen Qualität hat man sich selbstverständlich nicht lumpen lassen. Schon das Lager der Motoreinheit entspricht dem des Zet 1, ist also wahrlich nicht von schlechten Eltern. Wer sich Sorgen wegen eines eventuellen Einflusses der Neodymmagneten auf den Tonabnehmer macht, dem sei gesagt, dass das magnetische Feld der kleinen Tabletten in Höhe des Tonarms keine Rolle mehr spielt. Der FMD-Aufbau könnte jetzt sogar so weit auf die Spitze getrieben werden, dass Antrieb und Laufwerk mechanisch getrennt voneinander aufgestellt werden könnten, z.B. der Rondino auf einer Wandhalterung und der FMD auf einer Säule. Oder zwei ineinander geschachtelte Basen mit getrenntem Aufbau oder, oder, oder ... Für die Klangbeurteilung muss fürs Erste die gemeinsame Aufstellung im Hörraum genügen. Und hier stellt der Rondino sofort heraus, dass er etwas Besonderes ist. Ich zitiere einen Kollegen, der zufällig des Weges kam und quasi nach Sekundenbruchteilen feststellte: „Das strahlt eine unglaubliche Ruhe aus“. Guter Mann: In der Tat ist Ruhe eines der Hauptmerkmale, die ich primär mit dem Transrotor in Verbindung bringen möchte: Souveränität, Kraft und Übersicht gehören ebenso dazu. Die neue Ausgabe des Tripelkonzerts Ludwig von Beethovens macht es deutlich: Vom ersten Ton an rückt der Rondino die Musik in den Vordergrund, hält ihr so zu sagen den Rücken frei, so dass keinerlei Störungen mehr einen negativen Einfluss haben können. Obwohl – bei „keinerlei Störungen“ sollte ich vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein: Vor dem FMD-getriebenen Transrotor bin ich ja auch schon ein paar Male davon überzeugt gewesen, die Grenzen der Neutralität und Nebengeräuscharmut ausgelotet zu haben. Wir bewegen uns mit Geräten wie dem Rondino und vergleichbaren auf einem derart hohen Niveau, dass man seine Klasse in technischen Einzeldisziplinen nur aus seiner Klangqualität ableiten kann. Und die ist nichts weniger als sensationell. Man höre nur, wie tief das Orchester in der oben genannten Re-Issue gestaffelt ist und wie plastisch das Solotrio davor platziert wird. Die Bandbreite des Anschlags von Sjatoslav Richter – von Samtpfötchen bis Tigerpranke – wird genauso unbestechlich wiedergegeben wie die Virtuosität der Solostreicher. Karajans Orchester begleitet kongenial mit seinem ganz eigenen Klang. In Sachen Klassik muss der Rondino keine Konkurrenz befürchten – selbst unser alter Fat Bob mit seinen drei Motoren muss sich in Sachen Räumlichkeit und Präzision geschlagen geben. Nur wenn es in Richtung ganz straighter Rockmusik geht, verkauft „der Alte“ sein Fell sehr teuer – hier muss der geneigte Hörer abwägen, welches Prinzip ihm besser gefällt: gnadenlose Durchzugskraft oder ein bisschen (wirklich ein gaaaanz kleines bisschen) mehr verhaltene Transparenz. Sprich: Der AC/DC-Faktor des Rondino ist etwas geringer als der des Dreimotorers. In allen anderen Disziplinen ist er quasi konkurrenzlos: Der Umfang des Frequenzbereichs und vor allem die klare Definition nicht nur aus der Mitte heraus, sondern gerade auch an den Rändern, ist absolut beeindruckend. Die ganz hohen und die ganz tiefen Töne sind nicht einfach nur irgendwie da, sondern kommen mit aller Dynamik und scharfer Abgrenzung. Damit einher geht die bereits erwähnte saubere Räumlichkeit – und eben diese einmalige Ruhe, die sich vom Plattenspieler auf den Hörer überträgt und ihm die Sicherheit gibt, dass es das Richtige ist, Musik von Schallplatte zu hören. Sollte man in der glücklichen Lage sein, den geforderten Betrag für einen Plattenspieler ausgeben zu können, dann ist der Transrotor Rondino in meinen Augen die momentan beste (und schönste) Art, analog Musik zu hören.

Fazit

Unterm Strich ist der mit 12.000 Euro nicht gerade billige Rondino das Gerät, das uns zeigt, wie Musikhören funktioniert. Näher an das Medium Schallplatte kommt man nicht heran.

Preis: um 12000 Euro

Plattenspieler

Transrotor Rondino FMD


06/2011 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Transrotor, Bergisch Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 470/220/420 
Gewicht (in Kg) 30 
Varianten/Ausführungen: k.A. 
Unterm Strich... » ... ist der mit 12.000 Euro nicht gerade billige Rondino das Gerät, das uns zeigt, wie Musikhören funktioniert. Näher an das Medium Schallplatte kommt man nicht heran. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 08.06.2011, 12:20 Uhr
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