Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: VPI Avenger


He´s back

Plattenspieler VPI Avenger im Test, Bild 1
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Klar – der Name ist griffig und passt gut in die etwas martialische  Nomenklatur von VPI – aber wen oder was der „Avenger“ jetzt  rächen soll, entzieht sich unserer Kenntnis. Seinen anderen Job, die  Wiedergabe von Schallplatten, macht er übrigens ziemlich gut

Außer natürlich, es handelt sich um eine augenzwinkernde Anspielung auf diverse Hollywoodstreifen, die das Thema Rückkehr und Rache thematisieren. Es handelt sich beim Avenger nämlich in zweierlei Hinsicht um ein Comeback:  Zum einen ist das Modell, das wir in diesem Artikel testen, beileibe nicht neu. Der Avenger, im Arbeitstitel einfach „Tripod“ genannt, ist eine 12 Jahre alte Entwicklung des Firmengründers Harry Weisfeld, der zum damaligen Zeitpunkt einfach mal etwas radikal anderes machen wollte, als viereckige Zargen.  Nun, der Erfolg hat ihm sozusagen nicht Recht gegeben – nicht, dass der Tripod ein Misserfolg gewesen wäre, nein, dazu hätte er ja überhaupt einmal auf dem Markt erscheinen müssen.

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Ist er aber nicht – zum damaligen Zeitpunkt bestand eine so hohe Nachfrage nach dem Spitzenmodell TNT HR-X, dass die Produktion für die höchstwertigen Komponenten voll ausgelastet war.  Und nichts weniger als ein neues Spitzenmodell sollte der dreifüßige Dreher werden, mit dem Harry Weisfeld den Stand der Technik ausreizen wollte.  Nun, nach dem offiziellen Rückzug Weisfelds aus der Firma vor ein paar Jahren und Übergabe an den Sohn Mat, wurde zumindest die Modellgeschichte recht wechselvoll – ich erinnere mich da an den Versuch, mit dem „Traveller“ ein günstiges Einstiegsmodell zu schaffen. In der Sache war das Gerät auch durchaus gelungen, allerdings gab es in der Folge derartig haarsträubende Probleme mit den Zulieferern, dass die ganze Geschichte mehr oder weniger eingestampft wurde, wenn es auch – zumindest auf dem amerikanischen Markt – wohl ein ähnliches Modell namens „Nomad“ gibt.  Auf jeden Fall wurde irgendwann im Verlaufe des letzten Jahres – so zumindest wird die Geschichte kolportiert – bei einer Lagerräumung der Prototyp des dreibeinigen VPI wieder entdeckt. Und der Semi-Rentner Harry Weisfeld hat aufgrund dieser archäologischen Sensation noch einmal Blut geleckt und das Projekt kurzerhand zur Seniorchefsache erklärt. Und da ist er nun, der alte, neue Avenger, der auf den ersten Blick erst einmal gar nicht wie ein VPI aussieht. Böse Zungen würden jetzt behaupten, dass die dreibeinige Form nur sinnvoll ist, so könnte der Plattenspieler ja nicht kippeln. Im Prinzip richtig, aber mangelnde Standfestigkeit war bei VPI-Plattenspielern noch nie ein Problem.  Schwerer wird die Argumentation für den Avenger anhand des Preises – grundsätzlich ist er nämlich – zumindest an entscheidenden Stellen – nicht besser ausgestattet als der Prime, der im letzten Jahr unser Wohlwollen erregt hat und der als Komplettpaket mit 5100 Euro zwar kein Sonderangebot, so doch im besten Sinne preis-wert ist. Dagegen überspringt der Avenger mal eben locker die fünfstellige Hürde und kostet in der Basisversion 12000 Euro, die sich im Vollausbau noch verdoppeln lassen.  Jetzt ist es natürlich so, dass für die Serienfertigung einer ganz neuen Bauform neue Werkzeuge angeschafft und Maschinen eingerichtet werden müssen – Initialkosten, die sich natürlich auf den Stückpreis auswirken. Aber lange genug philosophiert, kommen wir einmal zu unserem Testgerät: Der Avenger ist wie gesagt als Dreibein ausgelegt und zwar so streng, dass durch die Ecken ein gleichseitiges Dreieck gelegt werden könnte. Die Zarge selber ist dreischichtig aufgebaut: Die mittlere Schicht aus einer besonders harten Aluminiumlegierung ist eingebettet zwischen zwei Acrylplatten. Zwischen den Ebenen wird  zusätzlich je eine Dämpfungsschicht eingebracht. Die Zarge ist mit massiven Edelstahlschrauben in sich verschraubt.  In den drei Ecken hat man die im Prime bewährten Classic-Füße montiert, die für eine gute Kombination von Ent- und Ankopplung sorgen – in Sachen Resonanzen muss man sich bei dem  gut 30 Kilo schweren Avenger ohnehin nicht so viele Gedanken machen.  Die neuen Füße sind nun zweiteilig aufgebaut: Oben an der Zarge gibt es eine fast schon extrem weiche Aufhängung für die drei Kegel, die in die Classic-Füße tauchen.  Nach oben stehen in den Ecken drei Stahlsäulen, an denen sich auch drei Tonarmbasen befestigen lassen, die ebenfalls aus Aluminium gefräst werden. Auch hier muss man angesichts der Preisgestaltung einmal schlucken: Ein Board für einen Nicht-VPI-Tonarm schlägt mit 1550 Euro zu Buche, während man für einen weiteren VPI-Arm nur 840 Euro für eine Zusatzbasis einkalkulieren muss. Nun ja... Montiert ist auf dem einfachen Avenger ein JMW 3D 10, das Zehnzoll-Modell aus dem 3D-Drucker, das wir schon vom Prime kennen.Dieser neueste Arm aus dem Hause VPI sieht fast genau so aus wie die bekannten JMW-Tonarme, nur eben nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff gefertigt. Die VTA-Verstellung erfolgt bequem und skaliert an der Basis – beim Antiskating setzt man nach wie vor auf den Klassiker aus Faden und Umlenkhebel. Den Teller kennen wir ebenfalls vom VPI Classic – ein schweres Stahlteil, das sich auf einem großzügig dimensionierten invertierten Tellerlager dreht. Die von VPI bekannte schwere Motordose steht in einem drei Kilo schweren Stahlgehäuse – der Synchronmotor läuft nach einer gewissen Einlaufzeit geräuschlos. Das zur Geschwindigkeitsfeineinstellung leicht konisch verlaufende Pulley mit umlaufenden Rillen verschiedener Durchmesser überträgt die Antriebskraft genau in der Höhe der Mitte des Lagerdorns auf den Plattenteller. Der Teller dreht sich auf einem invertierten Lager mit Edelstahldorn und –kugel, mit einem Lagerspiegel aus einem Delrin-Teflon-Kompositmaterial und einer Buchse aus Bronze. Zur Fixierung der Schallplatte ist die bekannte schraubbare VPI-Plattenklemme mit Unterlegscheibe vorgesehen, die auch verwellte Platten auf die Unterlage presst – mitgeliefert wurde mit dem Prime ein einfacheres Tellergewicht, wie auch die schon öfter gesichtete „Disco“-Filzmatte mit dem Firmenlogo in den US-amerikanischen Farben.  Der Tonabnehmer der Wahl lässt sich mit der immer beiliegenden Spezialschablone recht einfach justieren – davor muss man auch keinen übertriebenen Respekt haben, auch wenn es sich um einen Einpunkt-Tonarm handelt. Die Schablone stabilisiert nämlich den Arm an der Basis, während man komfortabel und angstfrei die Geometrie des Systems einstellt.  Schon auf unserem in Sachen Resonanzen nicht ganz umproblematischen Tabula-Rasa-Rack verdeutlicht der Avenger seinen Anspruch nach Höherem: Extreme Laufruhe, selbst für VPI-Verhältnisse. Offensichtlich kann der Dreipunkt-Stand oder die dicke Zarge oder beide Zusammen hier noch etwas herausholen. Der dynamische Spielraum wirkt einfach riesengroß – man hat bei keiner aufgelegten Platte das Gefühl, an irgendwelche Grenzen zu kommen, selbst bei diversen berüchtigten Telarc- und Sheffield-Lab-Scheiben.  Nach den drei „Leichtgewichten“, die ich zunächst zum Testen für diese Ausgabe in der Mangel hatte, musste ich mir den VPI erst einmal ganz neu er-hören. Zunächst einmal gibt´s nämlich beim Preisklassensprung durchaus lange Gesichter, weil ja auch ein absolut hochklassiger Plattenspieler nichts anders macht als die schlichteren Kollegen.  Aber, und dafür nimmt man sich ja die Zeit beim analogen Hören, gibt´s dann doch an fast allen Ecken und Enden Unterschiede, die dann den vielfachen Preis doch erklären: Das In-sich-Ruhen des Avengers erzeugt in allen Bereichen des hörbaren Spektrums nicht nur eine spürbar verbesserte Grobdynamik. Klar, die ganz tiefen Töne haben eine unglaubliche Substanz und Schwärze – bei entsprechendem Material gehen die Bässe durch Mark und Bein, ohne auch nur ansatzweise zu wummern oder die Kontrolle zu verlieren. Und selbst, wenn man hier eine große Box angeschlossen hat, wünscht man sich eine noch größere, nur um dieser Macht im Bass gerecht zu werden. Auf Dauer beeindruckt aber neben dieser recht offensichtlichen Qualität noch etwas anderes viel mehr: Der Avenger ist ein Meister vor allem der kleinen Unterschiede – die feinsten Nuancen, flirrende Schwebungen zweier leicht nebeneinander liegenden Geigen, arbeitet er deutlich und völlig mühelos heraus. Und das schafft er immer, ob diese Feinheiten jetzt Bestandteil eines großen Ganzen sind, oder – einfacher – im Zentrum des musikalischen Geschehens stehen. Dass aus diesem virtuosen Differenzierungsvermögen heraus eine ebenfalls beeindruckend souveräne räumliche Gestaltung resultiert, versteht sich von selbst. Und es sind nicht nur die scharfen Konturen, sondern auch die Gesamtheit des Raums mit seinen vielen kleinen Echos, die sich zu einem einmaligen akustischen Fingerabdruck verbinden, wenn der Tontechniker mit seinen Mikrofonen alles richtig gemacht hat.  Und Aufnahmen, bei denen es die Technik nicht so gut gemeint hat, gibt er immerhin mit soviel Wohlwollen wieder, dass man auch sie genießen kann.

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Fazit

Ja, der Avenger kostet richtig Geld – aber  auch hier gilt die Devise, dass die letzten paar  Prozente das meiste kosten. Dieser  VPI macht alles richtig und ein paar  Dinge so, wie ich sie noch nicht gehört habe.

Preis: um 12000 Euro

Plattenspieler

VPI Avenger


02/2017 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HEAR, Hamburg 
Telefon 040 41355882 
Internet www.h-e-a-r.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 470/200/430 
Gewicht (in Kg) 30 
Unterm Strich... » Ja, der Avenger kostet richtig Geld – aber auch hier gilt die Devise, dass die letzten paar Prozente das meiste kosten. Dieser VPI macht alles richtig und ein paar Dinge so, wie ich sie noch nicht gehört habe. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 03.02.2017, 09:55 Uhr
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