Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Cayin CS-150A


Kraftpaket

Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 1
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Denkt man heutzutage an Röhrenverstärker, dann doch automatisch an eine zumindest angestaubte Technik, die man nur mit ganz sorgfältig ausgewählten Lautsprechern betreiben sollte. Dass man mit Röhren auch einen blitzsauberen, modernen Verstärker bauen kann, zeigt uns Cayin mit dem CS-150A.

Die schlechte Nachricht zuerst: Der neue Cayin CS-150A kostet 5800 Euro. Das ist ohne jede Diskussion eine Menge Geld. Absolut gesehen. In der Relation zu dem Bereich, in dem wir uns hier bewegen, muss der Cayin als absolutes Sonderangebot gesehen werden. Vergleichbare Verstärker kosten in der Regel fünfstellige Beträge und bieten technisch auch nicht mehr, sondern allenfalls das Gleiche. Dort zahlt man eben den Namen mit – obwohl auch diese Aussage inzwischen kaum noch haltbar ist: Cayin hat sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte zu einer angesehenen Marke entwickelt, die durchweg hochwertige Geräte mit sehr guter Verarbeitungsqualität und vielen technischen Finessen entwickelt.

Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 2Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 3Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 4Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 5Röhrenverstärker Cayin CS-150A im Test, Bild 6
Auch die Fertigung in China gilt schon lange nicht mehr als Makel, im Gegenteil: Einige chinesische Firmen haben, darunter auch der Produzent Cayins, haben sich zu absoluten Röhrenspezialisten entwickelt, deren Fertigungstiefe absolut beeindruckend ist. Die relativ hohen Stückzahlen ermöglichen dabei einen unschlagbaren Endkundenpreis.


CS-150A


Dem Röhreninteressierte fällt sofort auf, dass es sich bei dem Gerät um einen Verstärker mit einer ganz speziellen Bestückung handelt. Die Endröhren sind nämlich die so genannten KT150, eine Leistungspentode, die erst vor recht kurzer Zeit marktreif entwickelt wurde und es ermöglicht, auch einem Push-Pull-Verstärker mit zwei Röhren pro Kanal beeindruckende Leistungen zu entlocken. Das Layout des Verstärkers erinnert dabei grundsätzlich an die bekannte Bauweise mit zwei EL34 oder KT88 pro Kanal, der aber bei rund 2x40 Watt die Puste ausgeht. Nicht so der Cayin, der vom Hersteller mit 2x55 Watt im Trioden-Betrieb und 2x100 Watt im Pentoden- Betrieb spezifi ziert wird – Werte, die wir in unserem Messlabor bestätigen konnten. Dabei sind die Abgriffe an den Ausgangsübertragern so ausgelegt dass es an 8- und an 4-Ohm-Lautsprechern nahezu gleiches Verhalten gibt – sehr gut. Die Endröhren lassen sich übrigens ohne Probleme gegen die etwas schwächeren KT- 120 austauschen. Mit der sehr komfortablen, für jede Endröhre separat anwählbaren Ruhestromeinstellung mit Anzeigeinstrument, kann man den CS-150A innerhalb weniger Minuten perfekt feinjustieren und kann sich ganz dem Hörvergnügen hingeben. Die Umschaltung zwischen Pentoden- und Trioden-Betrieb hatte ich schon erwähnt. Damit ist es aber noch nicht genug: Ein weiterer Schalter ermöglicht die Umschaltung zwischen dem normalen und einem etwas erhöhten Ruhestrom. Der Hersteller verspricht sich von der Stellung „High Bias“ ein etwas runderes, satteres Klangbild. Und dann hat man noch die Möglichkeit, zwischen mehr und weniger Gegenkopplung umzuschalten, um den Dämpungsfaktor zu beeinflussen. Diese Schalterstellung würden wir davon abhängig machen, ob man mit einem relativ „normalen“ Lautsprecher arbeitet oder mit einem Hochwirkungsgradmodell, das idealerweise auch noch eine Impedanzlinearisierung besitzt. Insgesamt gesehen hat man damit schon eine Menge Möglichkeiten, den Klang des Verstärkers zu beeinflussen, die ja durch die Option, andere Röhren einzusetzen, noch zahlreicher werden. Für die Eingangs- und Phasenumkehrstufe setzt Cayin je ein Paar 6SN7 ein, die wie die Endröhren aus der TungSol-Fabrik stammen. Und ein richtig „echter“ Röhrenverstärker wird der CS-150A dadurch, dass auch die Gleichrichtung der Netzspannung über einen Röhre erfolgt: Die in der Mitte sitzende RCA 22DE4 sorgt für die Umwandlung der anliegenden Wechselspannung in Gleichspannung. Standesgemäß sitzen der Netztrafo und die mächtigen Ausgangsübertrager unter abschirmenden und schützenden Hauben – hier ist in den Trafokernen eine Menge Eisen verbaut, das zur Gesamtmasse von immerhin 34 Kilogramm entscheidend beiträgt.

Ausstattung


Anschlussseitig gibt es drei Eingänge, einer davon XLR, die über das Lautstärkepotentiometer laufen, sowie einen mit „Pre In“ betitelten Eingang, der den Cayin zur reinen Endstufe werden lässt. Hier sollte man tunlichst keine Quelle direkt anschließen. Die Lautstärke wie die Kanalwahl lässt sich im Übrigen komfortabel per Fernbedienung erledigen. Ein entsprechender Geber, selbstverständlich aus Metall, gehört zum Lieferumfang. Im Inneren des CS-150A gibt es nach alter Väter Sitte eine Point-to-Point-Verdrahtung, die immer noch den Königsweg bei der Herstellung von Röhrenamps gilt. Ehrensache, das hier versilberte, hochreine Kupferlitze als Leitermaterial verwendet wird.


Praxis


Die erste Runde des Hörtests habe ich mit einem Pärchen selbst gebauter Breitband-Hörner bestritten und den CS-150A im Triodenmodus mit wenig Gegenkopplung laufen lassen: So geht Röhrenglückseligkeit in Reinkultur! Satt, klangfarbenstark mit einer immens weit und tief gestaffelten räumlichen Abbildung geht der Cayin zu Werke und treibt die kleinen Hörnchen zu einer Leistung, die weit über ihre Chassis-Größe hinausgehen. Ähnliches gilt für diverse Lautsprecher mit PA-Genen, mit denen der CS-150A leichtes Spiel hat und nicht einmal in die Nähe seiner Leistungsreserven kommt. Aber – und da waren wir wirklich gespannt – wie würde die Röhre mit einem normalen Hifi -Lautsprecher mit wenig Wirkungsgrad und einem schwierigen Impedanzverlauf klarkommen? Nun, exakt genau so: Auch mit unseren Audio Physic Avantera III, die mit einem Wirkungsgrad von 88 Dezibel an 2,83 Volt nicht mehr ganz der Traum aller Röhrenverstärker ist, kommt der Cayin ganz prima klar: Von den glasklaren Höhen bis hinunter zu einem wirklich klar defi nierten und bei aller Tiefe trockenen Bass ist alles da, was einen leistungs fähigen Transistorverstärker auszeichnen würde, plus eben jenes nicht zu imitierende Flair, das einen guten Röhrenamp auszeichnet und ihn zum Traum jedes ambitionierten Musikhörers werden lässt.

Fazit

Der Cayin CS-150A ist ein hervorragend gemachter Röhrenverstärker auf höchsten Klangniveau mit zahlreichen Klangoptionen und hoher Leistungsfähigkeit.

Preis: um 5800 Euro

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Röhrenverstärker

Cayin CS-150A

Referenzklasse

5.0 von 5 Sternen

07/2020 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 5.800 Euro 
Vertrieb: Cayin Audio Distribution, Glashütten-Schlossborn 
Telefon: 06174 9554412 
Internet: www.cayin.com 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm): 420x 218x 389 
Gewicht: 34 kg 
Ausführung: Schwarz, Silber 
Anschlüsse: Line, Pre-in, Lautsprecher 4 und 8 Ohm 
Klang:
Labor: 1,1 
Praxis:
+ exzellenter Klang, Umschaltmöglichkeiten, erstklassige Verarbeitung 
Klasse: Referenzklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 04.07.2020, 09:59 Uhr
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