Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G. (MPS)


Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G.

Schallplatte Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G. (MPS) im Test, Bild 1
13734

Meine erste „Begegnung“ mit Friedrich Gulda ist ziemlich genau 30 Jahre her: Mein damaliger Klavierlehrer, der mit einem zum Klavierspiel spät berufenen Teenager viel Geduld aufbringen musste, war selbst ein gestandener Multiinstrumentalist als Klassik- und Jazzmusiker, der schon einiges erlebt hatte. Aber Gulda hatte selbst bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen – als Musiker und weil er angeblich, nachdem sich seine Mitstreiterin auf der Bühne nackt ausgezogen hatte, sich selbst seiner Klamotten entledigt hatte, um dann ungerührt mit dem Konzert weiterzumachen. Ehrlich gesagt finde ich die Geschichte zu gut, um ihrem Wahrheitsgehalt jemals wirklich auf den Grund gehen zu wollen – passt sie doch so gut in die Wahrnehmung eines extrem talentierten und gleichzeitig exzentrischen Musikers, der im Verlaufe seines Lebens immer mehr seine Grenzen ausweiten konnte, weg vom konservativen klassischen Musikbetrieb.

Schallplatte Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G. (MPS) im Test, Bild 2Schallplatte Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G. (MPS) im Test, Bild 3
Nun also „Message from G.“, eine Kompilation aus drei Konzerten, die Friedrich Gulda Mitte Oktober 1978 gegeben hat, einer Zeit in der seine ersten Ausfl üge in den Jazz auch schon ein paar Jahre zurücklagen. Die richtige Anerkennung für diese Ausweitung seines musikalischen Horizonts war ihm vom konservativen Klassikpublikum immer verwehrt geblieben, in Jazzkreisen selbst genoss er dafür umso größeren Respekt – vor allem von Seiten Joe Zawinuls, mit dem ihn eine lange künstlerische Freundschaft verband. Egal: Das Publikum wollte Mozart und Bach, also musste Gulda es entsprechend füttern und seine Liebe zur modernen Musik wohldosieren. Drei thematisch und in der größeren Geste zusammenhängende Konzerte hat Gulda mit seiner Mitmusikerin und Lebensgefährtin Ursula Anders da gespielt, unter einem Gefühl besonders inniger Stimmung zwischen den beiden, wie sie offen und sehr explizit im Vorwort beschreibt. Der Produzent selbst erklärt noch den aufwendigen Prozess der Wiederaufarbeitung der Originalbänder (von denen übrigens zwei verschwunden sind und so von der Erstpressung der Platte rekonstruiert wurden – die einzigen Stellen, an denen auch auf digitaler Ebene gearbeitet wurde). Die Konzerte selbst verteilen sich auf je zwei LPs, so dass das Box-Set auf üppige sechs Scheiben kommt, standesgemäß auf dickem Vinyl gepresst und mit zwei Booklets versehen, die es dem Zuhörer, unter anderem mit einem langen Interview, leichter machen, die Konzerte zu verstehen. So leicht ist das nämlich gar nicht – das klassische Repertoire mischt sich mit zahlreichen Eigenkompositionen Guldas, auch das Instrumentarium beschränkt sich nicht auf den Konzertfl ügel und das verstärkte Clavicord, sondern greift tief in die Trickkiste, bis hin zum Playback von Band. Das dritte Konzert beinhaltet das Programm „Besuch vom alten G.“, das Gulda mit Ursula Anders und Texten Goethes erarbeitet hat – hier geht es schon klar in Richtung Performance. Wenn man sich auf die Angelegenheit einlässt, und das ist aus heutiger Sicht gar nicht mehr so schwer, dann erhält man mit „Message from G.“ einen schönen Einblick in einen in sich geschlossenen Zyklus, der zu seiner Zeit sicher für viel Aufsehen gesorgt hat, und in den Künstler Friedrich Gulda, der auf höchst unkonventionelle Weise den Rahmen des Konzertbetriebs gesprengt hat. Klanglich sind die Aufnahmen kein High End, aber auf einem soliden Niveau – die restaurierten Seiten kann man minimal heraushören, aber nicht so, dass es stören würde. Wie gesagt: Die Box ist umfassend ausgestattet, so dass keine Wünsche offen bleiben – daher gibt es eine dicke Empfehlung.

Fazit

Unkonventionelles, erfrischendes, spannendes Live-Boxset von Friedrich Gulda.

Schallplatte

Komponist: Bach, Debussy, Mozart, Gulda et al. Interpreten: Friedrich Gulda, Ursula Anders - Message from G. (MPS)


05/2017 - Thomas Schmidt

Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. Hifi Test

>> mehr erfahren
Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 27.05.2017, 11:54 Uhr
324_21181_2
Topthema: Philips 65OLED936
Philips_65OLED936_1640176466.jpg
Preisgekrönte OLED-TVs

Der Philips OLED936 gehört zweifelsohne zu den besten Fernsehern überhaupt.

>> Lesen Sie hier den gesamten Test!
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 16.67 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 9.46 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (deutsch, PDF, 1.99 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages