Kategorie: Stereovorstufen

Einzeltest: Atmasphere UV-1


Wenn‘s mal etwas weniger sein darf

Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 1
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Der US-Hersteller Atma-Sphere ist vor allem mit seinen ausgangsübertragerlosen Endstufen bekannt geworden und baut auch exzellente Vorstufen. Wir sehen uns mal das untere Ende der Produktpalette an

Danke, Fritz. Das Angebot habe ich mit Freuden angenommen. Fritz heißt mit Nachnamen Himmel und ist der Statthalter für Atma-Sphere-Produkte in Deutschland. Ihm habe ich es auch zu verdanken, dass ich seinerzeit die überragende vollsymmetrische Vorstufe MP-3 („Music Preamplifier 3“ (was Sie gleich schon wieder denken) testen durfte. Und mit jener auf den letzten Stand gebrachte Vorstufe darf ich derzeit wieder ein bisschen spielen, was außerordentlich viel Freude macht. Hier allerdings geht‘s um ein merklich schlichteres Kaliber: Der „UV-1“ markiert den Einstieg in die Atma-Sphere-Vorstufenpalette. Es gibt ihn in vier unterschiedlichen Versionen: eine reine Line-Version, eine ebenfalls nur hochpegeltaugliche Kophörerverstärkerversion, mit MM-Phonoeingang oder als voll MC-taugliche Vorstufe.

Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 2Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 3Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 4Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 5Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 6Stereovorstufen Atmasphere UV-1 im Test, Bild 7
Letzteres ist das, was hier Gegenstand des Interesses sein soll und bildet mit 2.990 Euro preislich die Obergrenze der Modellreihe. Atma-Sphere-Chef Ralph Karsten baut HiFi in bester US-Tradition, und das schon seit über 40 Jahren. Die Größe der Firma ist überschaubar und sehr bewusst hechelt man hier keinen aktuellen Trends hinterher, „Zeitgeist“ dürfte hier ein Fremdwort sein. Wenn man keinen Konzern aufbauen und Aktionäre befriedigen will, dann kann man sich das erlauben und die Dinge so machen, wie man es aus Vernunftgründen für richtig hält. Das ist bei Atma-Sphere ganz eindeutig der Fall, deshalb sehen die Geräte auch so aus, als ob Design hier eher an zweiter Stelle stünde, um es mal vorsichtig zu formulieren. Ich mag das so. Gekantetes Alublech, schwarzer Strukturlack – das ist ehrliche Arbeit und keine mehr oder weniger sinnfreie Fünfachsen-CNC-Spielerei. Zum Charme des Gerätes gehören zweifellos die blass-fliederfarbene Beschriftung und die Kunststoffdrehknöpfe aus dem Elektronikzubehör, besonders großartig finde ich die violette Einschaltkontrollleuchte mit Facettenschliff. Klar, so sahen die Selbstbauprojekte zu meiner Elektronik- Anfangszeit auch aus, wenngleich handwerklich deutlich weniger professionell gemacht. Der Eingangswahlschalter ganz links hat vier Positionen, von denen gleich drei mit „Aux“ und einer mit „Phono“ tituliert sind. Mittig in der angeschrägten Front steckt der Lautstärkesteller, das Poti dahinter ist von eher schlichter Natur. An dieser Stelle steckt übrigens der einzige technische Kritikpunkt am UV-1: Das Ding ist kein Gleichlauf-Weltmeister. Aber: Nebenan gibt‘s einen Balance-Steller, mit dem man auch solcherlei Ungemach umschiffen kann, wenn‘s sich als erforderlich herausstellen sollte. Ganz rechts: der Netzschalter. Ein dicker fetter Kippschalter. Wie sich das gehört. Standby? Also bitte. Sehr einverstanden bin ich mit der Rückseitenbestückung. Vier Eingänge und zwei (parallele) Ausgänge stehen zur Disposition. Alle zwölf Cinchbuchsen sind bombenfest mit dem Gehäuse verschraubt, hier kann man gefahrlos auch dicke Freak-Taue anleinen. Zum Phonoeingang gehört ein Erdungsanschluss (solide Laborpolklemme), neben der Kaltgeräteeingangsbuchse sitzt ein guter Sicherungshalter mit Bajonettverschluss. Dem Röhrenfan deutlich wichtiger dürfte das sein, was seine Häupter durchs Deckelblech steckt, nämlich die vier glimmenden Hauptdarsteller dieses Stücks. Zwei Fernost-12AT7 (ECC81) kümmern sich ums Phonosignal, zwei Oktal-Doppeltrioden vom Typ 6SN7 GT (gute alte RCA-Ware) übernehmen den Hochpegelpart. Letztere werden zudem von Röhrendämpfern beruhigt. Ein rund gebogener, federnder Draht trägt drei „Rollen“ aus dämpfendem Material, das Ganze lässt sich einfach auf die Röhren schieben. Der Netztrafo – ein eher kompaktes Modell – residiert ganz rechts auf dem Chassis, mit maximalem Abstand zur Elektronik. Der Zugang zum Allerheiligsten führt durch den Boden des Gerätes. Darunter kommt eine große Platine zum Vorschein, die auf der der einen Seite die Röhren, auf der anderen die sonstigen Komponenten beherbergt. Das dem Trafo zugewandte Ende gehört der eher unspektakulären Stromversorgung: (Halbleiter-) Gleichrichter und Elkos kümmern sich um die Bereitstellung von Anoden- und Heizungsversorgung. Daneben folgt die Hochpegelstufe. Wie genau Ralph Karsten die beiden Doppeltrioden verschaltet, verrät er nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort eine Topologie zum Zuge kommt, die die Welt noch nicht gesehen hat, ist gering. Zwei dicke Folienkondensatoren koppeln das Signal an die Ausgangsbuchsen aus, mehr ist dem Anschein ohne größeren Aufwand nicht zu entnehmen. Den Eingang der Phonovorstufe bilden zwei Übertrager vom Spezialisten Jensen. Jene sorgen für das Anheben des Signalniveaus auf eines, das der folgenden Röhrenstufe genehm ist. Diese ist eigentlich für MM-Pegel ausgelegt, die Übertrager legen aber ordentlich eins drauf: Die angegebenen 70 Dezibel Verstärkung des Phonozweigs scheinen realistisch. Auch zu der Beschaltung der beiden 12AT7 fi ndet sich nichts Detailliertes. Wir nehmen wohlwollend die Qualität der passiven Komponenten zur Kenntnis und freuen uns über die guten Verzerrungs- und Störabstandwerte auch über den Phonozweig. Deckel drauf, ab in die Anlage mit dem Ami. Die erste gute Nachricht lautet: Es gibt keine Probleme beim Setup. Das Gerät benimmt sich absolut problemlos, es rauscht nicht, brummt nicht und fällt auch sonst nicht ungebührlich auf. Weil‘s gerade noch auf dem VPI Prime Scout montiert war, war das Lyra Kleos der erste Spielpartner für den übertragergekoppelten Phonoeingang. Bei dem gibt‘s keinerlei Möglichkeiten zur Impedanzanpassung, man muss also damit leben, was der Hersteller diesbezüglich für gut und richtig erachtet hat. Und, was soll ich sagen? Das funktioniert großartig mit dem Kleos. Auf dem Teller liegt das 2011er-Album „You Can‘t Teach an Old Dog New Tricks“ von Seasick Steve, einem der bekanntesten Spätzünder der Musikgeschichte (sprich: Der Mann ist erst im Rentenalter zu Ruhm und Ehren gekommen). Er spielt auf einer Vielzahl mehr oder weniger selbst gebauter Saiteninstrumente einen ausgesprochen hitzigen Blues. Über die kleine Atma-Sphere-Vorstufe tönt‘s überaus flüssig und geschmeidig, das Geschehen scheint noch eine Spur schneller abzulaufen als sonst (ja, ich habe die Tellerdrehzahl kontrolliert). Zweifellos schmeichelt er ein bisschen, der UV-1. Ich kenne Seasick Steve einfach ein bisschen dreckiger, als er hier spielt. Das allerdings ist überhaupt kein Nachteil, sondern macht den Klang schön „fluffi g“ und langzeitkompatibel. Wir legen Chris Thile uns Brad Mehldau auf. Schon die ersten Klavieranschläge machen klar, dass der Atma-Sphere einen wunderschönen Klavierton produziert. Gleichzeitig leichtfüßig und mit Substanz, mit eben dem Schuss Extraschmelz, der sich schon zu Beginn beobachten ließ. Der Quercheck mit einer anderen Phonovorstufe zeigt: Jawohl, für diesen Charakter zeichnet in erster Linie der Phonoeingang verantwortlich. An diesem klingt sogar das Ortofon SPU Classic NE freundlich-dezent, was sonst kaum der Fall ist. Auch über die Line-Eingänge macht das Gerät keinen Hehl daraus, dass hier mit Röhren verstärkt wird, die glaskolbentypische Leichtigkeit und Geschmeidigkeit scheinen immer wieder durch. Nach dem Musikhören mit dieser Vorstufe ist der Rücksturz in die reale Welt – sprich: der Umbau auf andere Geräte – kein einfacher: Alles klingt kantig und hart. Das relativiert sich zwar wieder, aber ein bisschen Wehmut beim Zurückdenken an diese feine, kleine Vorstufe bleibt.

Messtechnik-Kommentar

 Der Atma-Sphere lieferte einen sehr guten Labordurchgang ab. Der Fremdspannungsabstand über den Line-Eingang bei einem Volt am Ausgang beträgt 88 Dezibel(A), über den MC-Eingang 63,3 Dezibel(A). Die Kanaltrennung schafft 69,8 Dezibel (Line) respektive 55,8 Dezibel (Phono). Dabei klirrt das Gerät wenig: 0,043 Prozent über den Line-Eingang, 0,05 Prozent bei Phonobetrieb, jeweils bei 1 V am Ausgang. Mit 19 Watt ist der Stromverbrauch relativ niedrig.

Fazit

Das ist ein sehr feiner, kleiner Vorverstärker mit einem dezenten, präzisen Klangbild mit einem Schuss „Röhrenfreundlichkeit“ insbesondere über den ausgezeichneten Phonoeingang.

Preis: um 2990 Euro

Stereovorstufen

Atmasphere UV-1


04/2018 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 2.990 Euro 
Vertrieb: Himmlisch Hören Friedrich Himmel, Bochum 
Telefon: 0177 3136829 
Internet: www.himmlisch-hoeren.de 
Garantie: 3 Jahre 
Abmessungen (B x H x T in mm) 387/135/185 
Gewicht (in Kg)
Unterm Strich... Das ist ein sehr feiner, kleiner Vorverstärker mit einem dezenten, präzisen Klangbild mit einem Schuss „Röhrenfreundlichkeit“ insbesondere über den ausgezeichneten Phonoeingang. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 02.04.2018, 09:59 Uhr
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