Kategorie: Stereovorstufen

Einzeltest: Audio Research SP17


Das letzte Einhorn

Stereovorstufen Audio Research SP17 im Test, Bild 1
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Möglicherweise sind wir zu spät. Vielleicht haben wir zu lange gewartet. Ich bin mir nicht ganz sicher. Bedauerlich wär‘s auf alle Fälle

Klack. Nicht eben leise, aber dafür satt und vertrauenerweckend. Mit genau diesem Geräusch quittiert die Audio- Research-Vorstufe SP17 die Aufnahme ihrer Arbeit nach dem Betätigen des Power- Tasters auf der Front. Und dieses eine Geräusch sagt eigentlich schon alles, was es über dieses Gerät zu wissen gibt. Das Geräusch suggeriert unmissverständlich: „So, jetzt bin ich dran. Mach dir keine Sorgen, ich hab‘s bestens im Griff.“ Schaltet man per Input-Taster die fünf Eingänge durch, gibt’s Zustimmung von fünf etwas kleineren, aber ebenfalls absolut überzeugend tönenden elektromechanischen Schaltern. Traditionell nennt Audio Research seine komplett ausgestatteten, also mit Phonoteil versehenen Vorstufen „SP“, was wohl für „Stereo Preamplifier“ stehen dürfte.

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Im Gegensatz dazu gibt’s die „LS“-Modelle ohne Phono, das Kürzel steht für „Line Stage“. Und die in der Nomenklatur passende LS17, die gab‘s bei uns tatsächlich schon mal, nämlich in Ausgabe 6/2009. Richtig: Auch die SP17 ist nicht eben eine nagelneue Entwicklung. Tatsächlich finde ich sie nur noch auf der Webseite des deutschen Audio-Research-Vertriebs und nicht mehr auf der des Herstellers. Was Anlass zu der Vermutung gibt, dass es diese wunderbare Maschine, die mit 4.000 Euro zudem für heutige Verhältnisse erfreulich human bepreist ist, wohl nicht mehr allzu lange geben wird. Und so ist das Gesicht der SP17 denn auch eins, das dem Audio Research-Kenner bestens bekannt sein dürfte: In zwei rechteckigen Fenstern auf der Front stecken einerseits größere Mengen von grünen Leuchtdioden als Anzeigeelemente, andererseits sechs Taster, die die Bedienung übernehmen, falls man das nicht mit der beiliegenden Fernbedienung erledigt (über die man auch auf Mono schalten kann, das geht nicht am Gerät). Ja, richtig, keine Drehknöpfe. Auch die Lautstärke will am Gerät mit zwei Tasten eingestellt werden. Klar geht’s haptisch noch besser, aber nach Jahren des Umgangs mit Audio-Research-Geräten dieser Generation hab ich mich dran gewöhnt, also sei‘s drum. Die neue Vorstufe der Galileo- Baurehe, die hat wieder Drehknöpfe. Dafür hat sie aber auch ein – igitt – italienischens Designerkleidchen übergestülpt bekommen und kostet, wenn ich das richtig mitbekommen habe, mal eben das Vierfache der SP17. Das hier, das ist Audio Research. Und nichts, was keine Griffe und gerundete Kanten hat. Auch im Inneren finden wir das, was wir aus Plymouth, Minnesota erwarten: Eine flächendeckende Platine, beidseitig mit Leiterbahnen und Bauteilen versehen. Hier gibt’s nacktes Platinenmaterial, keinen Lötstopplack, der könnte die elektrischen Eigenschaften des Boards verschlechtern. Gut die Hälfte des Aufbaus wird vom Netzteil in Beschlag genommen. Jede Betriebsspannung wird elektronisch stabilisiert, ich zähle mindestens vier aus Einzeldioden aufgebaute Brückengleichrichter, jede Menge Spannungsregler und passive Bauteile vom Feinsten: Die anerkannt guten REL-Caps fürs Signal, Bewährtes von Wima für die peripheren Funktionen. Und was ist mit den Röhren? Die gibt’s natürlich, aber nur zwei Stück. Und an dieser Stelle unterscheidet sich die SP17 ganz erheblich von der LS17, die zwar auch mit zwei russischen Doppeltrioden vom Typ 6H30 arbeitet, aber auch kein Phonoteil an Bord hat -– tatsächlich haben beide Geräte technisch nur bedingt miteinander zu tun. Bei der SP17 muss der Hochpegel- und der Phonozweig mit einem Triodensystem pro Kanal auskommen. Das, was die halbe Röhre an Verstärkung bereitzustellen imstande ist, wird von einer vorgeschalteten Halbleiterlösung erledigt. Natürlich diskret, mit rauscharmen JFets realisiert. Diese Kombination kennen wir von Audio Research, die Amerikaner setzten seit vielen Jahren auf hybride Lösungen dieser Art, auch bei ihren großen Modellen. Die SP17 ist eine konsequent unsymmetrisch aufgebaute Vorstufe, deshalb gibt’s auch nur Cinchbuchsen auf der Rückseite. Das Phonoteil versucht, nach Möglichkeit jedem Tonabnehmer gerecht zu werden. Es gibt nur eine Verstärkung, und die liegt in der Gegend von 48 Dezibel. Das erscheint für MCs wenig, ob‘s funktioniert, muss die Praxis zeigen. Hinzu kommt der Umstand, dass die Eingangsimpedanz fix auf 50 Kiloohm eingestellt ist. Auch das scheint zunächst erst einmal auf die ausschließliche Verwendung von MM-Abtastern hinzudeuten. Die Lautstärkeeinstellung obliegt beim SP17 zwei kleinen SMD-Chips, die den Job in 104 Stufen erledigen. Beim Durchfahren des nutzbaren Pegelbereichs hört man fast keine Sprünge, lediglich eine minimale Geräuschentwicklung gibt’s beim Weiterschalten – ein typisches Kennzeichen fast aller elektronischen „Potis“. Kinofans werden sich noch über den „Processor“-Anschluss freuen, bei dessen Anwahl der Vorverstärker zum sprichwörtlichen Stück Draht mutiert und alle Verantwortung an die davorzuschaltende A/V-Lösung abgibt. Einen Aufnahmeausgang haben wir auch, allerdings keinen Tape-Eingang. Verschmerzbar. Nach dem Umzug in den Hörraum bekam die SP17 erst einmal reichlich Einspielzeit – der Hersteller fordert da ja diverse hundert Stunden, bevor die Geräte so richtig auf den Punkt spielen. Als Signallieferant klemmten wir denn auch gleich mal ein auf dem Papier nur sehr bedingt geeignetes Clearaudio DaVinci an – ein echtes Hochleistungs-MC, das eigentlich 470 Ohm Abschlusswiderstand sehen will und 0,6 Millivolt Ausgangsspannung liefert. Ob das gut geht? Es tut, und zwar ausgezeichnet. Mit einer Einschränkung: Man muss weit aufdrehen. Die Pegelskala des PH17 geht bis 20, Zimmerlautstärke ist ungefähr bei 16 – zumindest in Verbindung mit der Accuphase A-46 auf maximaler Verstärkung. Wir hören Aalt van den Huls hervorragendes Jazz- Konzert „A Tribute to Analog“ und die kleine Audio Research hat ihn sofort parat, den einzig wahren Audio-Research-Sound: farbig, dynamisch, kräftig und überaus beeindruckend. Das aufgespannte Panorama ist riesig, das machen auch echte Spitzenkönner an dieser Stelle nicht besser. Tonal gibt’s keine Spur von einem zu gering bedämpften System: Das DaVinci klingt oben heraus fein, zart, sehr detailliert und. Okay, im Bass rumpelt‘s vielleicht ein bisschen, das ließe sich wohl mit etwas weniger Impedanz hinbekommen. Der zum Vergleich herangezogene MalValve preamp three phono wusste das denn auch gleich zu bestätigen.

Fazit

Die SP17 klingt so richtig nach Audio Research: farbig, dynamisch, groß. Beeilt euch, eine echte „SP“ zu diesem Preis wird’s wohl nie weider geben. Was ich schon jetzt außerordentlich bedauere.

Kategorie: Stereovorstufen

Produkt: Audio Research SP17

Preis: um 4000 Euro


4/2015

Die SP17 klingt so richtig nach Audio Research: farbig, dynamisch, groß.
 
Ausstattung & technische Daten 
Preis: 4000 
Vertrieb: Audio Reference, Hamburg 
Telefon: 040 53320359 
Internet: www.audio-reference.de 
Garantie:
Ausführungen Alu silber, Schwarz 
Abmessungen (B x H x T in mm) 480/134/305 
Gewicht (in Kg) 10 
Unterm Strich... » Die SP17 klingt so richtig nach Audio Research: farbig, dynamisch, groß. Beeilt euch, eine echte „SP“ zu diesem Preis wird’s wohl nie weider geben. Was ich schon jetzt außerordentlich bedauere. 
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Autor Holger Barske
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Datum 23.04.2015, 10:03 Uhr
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