Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Phonovorverstärker Aurorasound VIDA MK II


Aurora mit dem Sonnenstern

Verstärker Phono Vorverstärker Aurorasound VIDA MK II VI-6 im Test, Bild 1
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Machen wir uns nichts vor, Produkte zu denen wir einen persönlichen Kontakt bekommen, mögen wir am Ende des Tages einfach besser leiden. Genau wie diesen herrlich unkonventionellen Phonovorverstärker aus Japan.

Umbrüche und Sicherheiten


Wir erleben gerade nicht nur in unserer Gesellschaft einen weiteren großen Umbruch, sondern auch in unserer Branche. Firmen und damit auch Verlässlichkeiten verschwinden, Sicherheiten geraten ins Wanken. Aber es gibt noch Entwickler, die uns das Gefühl zurück geben, das alles gut ist. Und genau dazu gehört die Firma Aurorasound aus Japan mit diesem Phonovorverstärker. Das Gerät klingt nicht nur hervorragend, es hat diesen schwer zu beschreibenden Retrocharme und erinnert mich an einen vertrauten Werbeslogan aus meiner Kindheit: “Aurora mit dem Sonnenstern“. Als ich recherchierte, ob es die Firma noch gibt, hielt mein Zug gerade in Köln-Messe-Deutz an.

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Und da fand ich heraus, dass die ursprüngliche Aurora-Mühle 111 Jahre in Köln-Deutz gemahlen hatte. Zufall oder Schicksal?  

Geschichte


Shinobu Karaki war 28 Jahre lang für Texas Instruments Japan tätig und beschäftigte sich vor allem mit der Entwicklung digitaler Audiotechnik. Als Liebhaber von Röhren und Schallplatten baute er aber privat Röhrenverstärker und Phonostufen für lokale Audiophile. Damit generierte er eine Fanbase und beschloss 2010, Texas Instruments zu verlassen, um Aurorasound mit Sitz in Yokohama zu gründen. Karaki-san ist ein vielschichtiger Charakter: Audiodesigner, Bluesmusiker, Gitarrenlehrer und Leiter des japanischen Büros der DIRAC-CEVA-Forschung, bekannt für ihre Raumeinmess-Systeme. Das Coole an seiner Firma ist, dass es keine Konflikte zwischen Entwicklung, Verkauf und Produktion geben kann, da er alle Fäden in der Hand hält. Neue Produkte würfelt er in seine audiophilen Kreise, wo sie ausführlich gehört und verglichen werden. Das kann ja nur Spaß machen.  

Gerätschaften


Die Aurorasound VIDA Phonostufen sind mir schon früher durch ihren Look und sehr gute Testberichte aufgefallen. VIDA bedeutet übrigens VINYL DISK AMPLIFIER, so einfach ist das. Es gibt als Einstiegsangebot den Prima, einen vereinfachten MM/MC-Amp, der ebenfalls einen sehr guten internationalen Leumund hat. Dann unseren MKII, den man auch in Doppelmonoausführung bekommen kann. Und am Ende der audiophilen Fahnenstange thront der VIDA Supreme mit MC-Übertragern und anderen Optionen. Daneben hält die Firma eine Menge anderer Schmankerl wie Röhrenvoll-, Vor- und Endverstärker bereit. Oder ein schlaues Kästchen namens „MM Expander AFE-10“ mit dessen Hilfe man MM-Tonabnehmer fein anpassen kann – samt Monoschalter. Und mit dem RIAA-Converter AFE-11 eine irre Kiste, die digitale Signale zu analogen MM-Signalen konvertieren kann. In Japan und den USA kennt man Aurorasound wegen ihrer Röhrenverstärker, in Europa haben die Phonostufen mehr Bedeutung.   

Technologien


Karaki-san sucht sich besondere Schaltungen aus, die er zum Teil auch selbst entwirft, immer mit Bezug zur „Goldenen Ära“ von Röhren und Transistoren und der Schallplattenproduktion. Aber warum baut er dann keine Röhrenphono, denn er hat ja keine Berührungsängste mit Röhren. Warum er sich bei seinen Phonovorverstärkern gegen Röhren entschieden hat, kann er ganz klar sagen. Es sind die immanenten Vorteile von Halbleitern: Baugröße, Rauschabstände, Bandbreite. Allerdings nimmt er nicht irgendwelche, sondern ausgewählte und klanglich hervorragende Typen von NEC oder Toshiba aus der besten Transistorzeit zwischen 1970 und 1990: rauscharm, linear und hoch verstärkend. Außerdem entschied er sich für eine gegenkopplungsfreie, mit Spulen nach seinen Spezifikationen von unserem Freund Lundahl gebaute LCRRIAA. Das ist eine integrierte Entzerrung mit Spulen, Kondensatoren und Widerständen, die auf 600 Ohm (Studionorm) ausgelegt ist. Eine LCR-RIAA mit Röhren ist ungleich aufwendiger zu bauen und wird alleine schon physisch deutlich größer, was Karaki-san nicht wollte. Die Vorteile einer LCR-RIAA liegen in einer hohen Auflösungsfähigkeit und geringen harmonischen Verzerrungen gerade im Bassbereich. Karaki-san schreibt: “Der Klang ist über den gesamten Frequenzbereich extrem stabil, ohne Nervosität in den Spitzen und ohne Begrenzung der Dynamik.“ Im Eingang übernimmt der bekannt gute LT1028 OpAmp die Verstärkung für MC/ MM und die LCR-RIAA.

Verstärker Phono Vorverstärker Aurorasound VIDA MK II VI-6 im Test, Bild 3
Unter dem Kühlkörper in der Mitte sitzt ein LM49600, der sonst als Kopfhörerverstärker dient. Hier treibt er die Bufferstufe
  Die Aufwärtsverstärkung für MC obliegt einem hauseigenen Vorvorverstärker oder Headamp, dessen Schaltung Karaki für sich behalten möchte. Unter einem Kühlkörper arbeitet ein LM49600 IC, den man als sehr guten Kopfhörerverstärker kennt. Hier spielt er die Rolle eines Buffers für lange Kabel und eine niedrige Ausgangsimpedanz. Im Ausgang finden wir dann die ausgewählten NEC und Toshiba Halbleiter. Das ist nicht Mutters 08/15 Schaltung und man kann das auch hören. Die herrlich orange leuchtende Taste links oben ist keineswegs der Ein-Ausschalter, wo denken Sie hin. Das ist die Mutefunktion, wodurch man gewissermaßen an ihre Funktion erinnert wird und alle Umschalt- und steckarbeiten am Setup erledigen kann, ohne durch Störgeräusche belästigt zu werden.   

Angepasst


Karaki-san hat so ziemlich jeden Top- MC-Tonabnehmer getestet und gehört, alle Klassiker und schier jedes aktuell erhältliche. Das Ergebnis brachte ihn zu den beiden standardmäßig vorhandenen Impedanzwerten von 10 und 100 Ohm und ich kann ihm nur Recht geben. Das Herumdrehen an Stellen hinter dem Komma erinnert mich ein wenig an das akustische Herumirren mit Equalizern, als ich begann, mich mit der Materie zu beschäftigen. Mein Fazit: Zeitverschwendung. Ihres kann ganz anders sein. Bei unserem Testgerät gibt es optional sechs Werte zwischen 120 und 2000 Ohm, beim Kauf kann man seine Wunschwerte angeben. Die Impedanzanpassung erfolgt über Widerstände. Für MM-Tonabnehmer kann man die Eingangsimpedanz variieren und Kapazitäten schalten. Dazu gibt es eine Degauss- Funktion, einen Monoschalter und ein Subsonicfilter – alles praktische und willkommene Features. Die beiden Eingänge können wie der Ausgang beliebig für Cinch oder XLR konfiguriert werden.  

Ran an den Speck


Wenn ich neue Komponenten zu Hause teste, mache ich das auf die denkbar einfachste Weise: einstecken, spielen, was anderes machen und schauen, was passiert.

Verstärker Phono Vorverstärker Aurorasound VIDA MK II VI-6 im Test, Bild 6
Sieht das gut aus? Oh ja, so muss ein Anschlussfeld aussehen. Und die Impedanzen darf der Erstkäufer bestimmen
Passiert nichts, na gut, dann muss ich tiefer schürfen. Passiert etwas – umso besser. Hier hat es sofort klick gemacht: ein extrem stimmiger Klang, störgeräuschfrei und komplett einnehmend, frei, offen, lebendig und natürlich. Wenn man nicht nur einfach anerkennend nickt, sondern zuzuhören beginnt und Platten, die man gut, aber vielleicht nicht überragend fand, plötzlich mit einer neuen Aufmerksamkeit hört, dann wird es richtig gut. Von Jamie Safts Album „loneliness road“ habe ich früher einige Stücke immer wieder gehört, andere gar nicht. Jetzt höre ich beide Platten am Stück. Seine Klavieranschläge klingen derart natürlich, hyperdynamisch und tief im Raum verortet. Dazu dieser unnachahmlich rahmige E-Bass-Sound von Steve Swallow. Beim Aufräumen habe ich kürzlich eine Konzertkarte aus dem Jahr 1980 vom John Scofield Trio gefunden, auf dem mir Swallow für meinen Enthusiasmus dankte. Lang ist’s her und jetzt höre ich nach Swallows Solo extraknackige Schlagzeugbreaks mit wunderbar farbigen und dynamisch unbestechlichen Beckenschlägen. Und das Sahnehäubchen, auch wenn man das nicht mit ihm assoziieren mag, sind die Gesangsparts von Iggy Popp, der so ein herrlicher Alterscrooner geworden ist. Alleine diese Doppel-LP wäre Grund genug, sich diesen Phonovorverstärker zu kaufen. Aber das gilt auch für jede andere Scheibe und jeden Tonabnehmer, den ich mit diesem Gerät gehört habe. Das Koetsu Black hat mich ebenso komplett überzeugt wie ein Denon DL-103GL oder das Hana Umami Blue. Und ganz gleich ob ich Chet Bakers weichen Trompetenton genie-ßen durfte, zu den fluffigen Souljazz-Arrangements der Crusaders mit den Fingern geschnippt oder über die knallharten Klavierakkorde von Vlado Perlemuter gestaunt habe: mit dem VIDA MK II fühlte ich mich geborgen wie im audiophilen Mutterschoß: Aurorasound halt. 

Fazit

Die Aurorasound VIDA MK II ist ein höchst kompetenter, klanglich herausragender Phonovorverstärker, der zudem noch so einen herrlichen Retrocharme hat. Eindeutig ein Lieblingsgerät.

Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Produkt: Aurorasound VIDA MK II VI-6

Preis: um 4990 Euro

6/2024

ein höchst kompetenter, klanglich herausragender Phonovorverstärker, der zudem noch so einen herrlichen Retrocharme hat.

Aurorasound VIDA MK II VI-6

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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Musikae / Frankreich 
Internet www.musikae.fr 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 100 x 260 x 250 mm 
Gewicht etwa 3 kg / Netzteil: etwa 1,4 kg 
Unterm Strich... Die Aurorasound VIDA MK II ist ein höchst kompetenter, klanglich herausragender Phonovorverstärker, der zudem noch so einen herrlichen Retrocharme hat. Eindeutig ein Lieblingsgerät. 
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Autor Christian Bayer
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Datum 20.06.2024, 10:01 Uhr
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Topthema: Wenn man ehrlich ist ...
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... dann braucht man zum guten Musikhören nicht mehr als den neuen Mivoc-Vollverstärker HA200 BT. Vor allem angesichts der Tatsache, dass man hier aus einer Hand eine komplette Anlage bekommen kann, die es in sich hat.

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