Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Accuphase E-600


Goldene Zeiten

Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 1
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Als echter Accuphase-Fan müssen Sie jetzt ganz tapfer sein: Das brandneue Vollverstärker-Flaggschiff E-600 rüttelt nämlich gewissermaßen an den Grundfesten des HiFi-Universums

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p

Tonabnehmer:

 Lyra Etna

Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Avalon Idea
 Klang + Ton „Ophelia“

Zubehör:

 Netzsynthesizer Accuphase PS1210
 NF-Kabel von Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Vorstufen:

 Rowland Capri S2

Endstufen:

 Rowland Model 525



Tatsächlich ist‘s auch mir erst ziemlich spät aufgefallen. Und den entsprechenden Passus im wie immer überragend informativen Prospekt zum Gerät habe ich schlicht übersehen.

Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 2Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 3Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 4Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 5Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 6Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 7Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 8Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 9Vollverstärker Accuphase E-600 im Test, Bild 10
Und wenn man einfach so unbedarft auf die Front des Gerätes blickt, dann sieht man den Riss im Raum-Zeit-Kontinuum auch gar nicht sofort. Wenn Sie anfangen Musik zu spielen und das Gerät ein gewisses Maß an Ausgangsleistung erzeugt, dann passieren sie, die unvorstellbaren Dinge: Im Fenster mit den Aussteuerungsinstrumenten, dem unverwechselbaren Gesicht jedes Accuphase-Vollverstärkers, zucken zwei orange LED-Ketten. Keine Zeiger. Bei diversen Endstufenmodellen gab‘s die Abkehr von der Nadel immer mal, aber bei einem Vollverstärker, der wohl wichtigsten Ikone im Programm der Japaner? Ich sag mal mit aller Vorsicht: Das ist neu – allerdings habe ich nicht jeden einzelnen der zahllosen Vollverstärker in der langen Accuphase-Historie vor Augen. Natürlich sitzt der Schock tief, auf der anderen Seite jedoch verstehen die Damen und Herren in Yokohama ihr Handwerk so gut, dass sie den überzeugten Accuphase-Interessenten nicht kalt lächelnd vor die Wand laufen lassen: Die neuen Aussteuerungsinstrumente sind ausnehmend dezent realisiert, die Leuchtkraft der kleinen rechteckigen Dioden wurde haargenau so eingestellt, dass sich das Ganze nicht in den Vordergrund spielt. Außerdem gibt’s, wie damals in den Tagen des Tapedecks, eine „Peak Hold“- Funktion, sprich: Die letzte LED in der Kette verlischt verzögert, so dass man tatsächlich Spitzenwerte ablesen kann. Nach dem kleinen Exkurs zu diesem Detail ein paar Worte zum großen Ganzen: Der E-600 ist der neue Top-Vollverstärker und löst das Modell E-560 ab. Der Neue ist erfreulicherweise sogar ein wenig günstiger geworden und kostet 9.500 Euro, wohingegen der E-560 zuletzt mit 10.670 Euro in der Liste stand. Als echter Accuphase-Bolide präsentiert sich die Maschine im unverzichtbaren Champagner-Outfit mit ordungsgemäß beeindruckender Physis: So eine Maschine muss 20 Zentimeter hoch sein und knapp 25 Kilogramm wiegen, sonst stimmt irgendwas nicht. Hier passt‘s natürlich. Und was bei jedem anderen Hersteller fürchterlich kitschig klingen würde, geht hier völlig in Ordnung: Accuphase tituliert das Gerät als „Class-A Precision Integrated Amplifier E-600“. Jawohl, Class-A. Eben wegen der Konzeption mit reichlich klangförderlichem Ruhestrom hat die Ausgangsleistung Grenzen: Accuphase spezifiziert 30 Watt an acht Ohm, mit korrekter Verdopplung bis hinunter zu Zwei-Ohm-Lasten, sogar ein Ohm soll das Gerät zur Not noch treiben können. Unser Messparcours spricht eine etwas andere Sprache: Wir maßen 60 Watt an acht und gut 100 an vier Ohm. Wer A-Betrieb will, der kann bei der Stromaufnahme nicht geizen: Das Gerät verbraucht im Leerlauf 160 Watt. Das spricht für A-Betrieb über weite Bereiche der Aussteuerung, irgendwann aber wird das Gerät in den B-Modus übergehen. Der E-600 strahlt die beruhigende Sicherheit einer atomwaffensicheren Kommandozentrale aus. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben ihm seine Erbauer so ziemlich alle Features spendiert, die man einem Vollverstärker zuteil werden lassen kann. Sechs unsymmetrische (einer davon als Tape-Schleife), zwei symmetrische Eingänge, Vorverstärkeraus- und Endstufeneingänge ebenfalls in beiden Formaten, zwei paar Lautsprecheranschlüsse (natürlich einzeln schaltbar) und zwei Optionssteckplätze. Wer mag, kann dort ein Phono- und ein D/A-Wandlermodul unterbringen. Trotz aller Komplexität: Wer in den Siebzigern und Achtzigern schon mal mit einem großen Vollverstärker zu tun hatte, der wird sich beim E-600 unmittelbar zurechtfinden und vor allem Spaß dabei haben. Das liegt daran, dass es hier keine „Schmutzecken“ gibt und kein „aber“. Das Gerät tut alles, was es tut, mit bedingungsloser Präzision. Bei aller Vielfalt hakt nichts, knackst nichts, jeder Schalter erledigt genau den Job, für den er gedacht ist. Der Fairness halber muss ich zugeben, dass das auch schon beim „Einsteigermodell“ E-260 der Fall war – Accuphase-Standard halt. Den Pegel stellt man am E-600 mit einem einmalig geschmeidig laufenden Drehknopf ein, die dahinter sitzende Mechanik wurde jüngst überarbeitet und ist ein Beispiel für den komplett irrsinnigen Aufwand, den die Japaner in scheinbar nebensächliche Details stecken. Klangregler? Selbstredend. Überbrückbar natürlich. Die Aussteuerungsanzeige und das Display für den eingestellten Pegel sind separat abschaltbar, so dass am Gerät nur noch ein dezent grünes Herstellerlogo und eine Leuchtdiode leuchten. Erstmals ist auch der Schriftzug „USB“ zu lesen, weil das neue D/A-Wandlermodul über diese angesagte Art des digitalen Signaleingangs verfügt. Technisch hat Accuphase wieder einmal sanfte Evolution betrieben. Die seit Jahren bewährte „AAVA“-Lautstärkeregelung erfuhr insofern ein Upgrade, als dass bestimmte Schaltungsteile nunmehr doppelt parallelgeschaltet ausgeführt sind, was für einen verbesserten Störspannungsabstand sorgt. An dieses extrem aufwendige Prinzip, bei dem das Signal in viele gewichtete Ströme aufgespalten und je nach gewünschter Lautstärke wieder „zusammengebaut“ wird, hat sich übrigens noch kein anderer Hersteller herangetraut. Die Endstufenschaltung arbeitet mit zweimal drei Mosfets pro Kanal, Details zur stromgegengekoppelten Schaltungstechnik erspare ich Ihnen. Interessant: Es gibt keine Relais mehr im Ausgang, Accuphase vertraut das Endstufenausgangssignal neuerdings hochmodernen Mosfet-Schaltern an: garantiert verschmutzungsresistent und verschleißfrei. Einen noch zum Kapitel „Liebe zum Detail“: Die Drossel im Endstufenausgang ist kein schnöder Drahtwickel mehr, sondern eine Luftspule aus hochkant gewickeltem Flachkupfer. Kriegsentscheidend wird das nicht sein, es verdeutlicht aber einmal mehr, dass hier aber auch gar nichts „einfach so“ verbaut wird. So eine Drossel jedenfalls habe ich in 35 Jahren Beschäftigung mit dem Thema HiFi noch nie gesehen und mit genau solchen Kleinigkeiten kriegt man mich. Auch bei einem Vollverstärker für knapp zehn große Scheine. Klanglich? Vergessen Sie mal den Respekt vor der moderaten Ausgangsleistung. Ich habe jedenfalls keine Situation herbeiführen können, mit der der E-600 dynamisch überfordert gewesen wäre. Das Gerät baut superfein verästelte Klangskulpturen auf einem schwarzen, überaus starken Fundament aus unerschütterlicher Ruhe. Wir hören das neue Dillon-Album The Unknown. Der Verstärker braucht ungefähr drei Takte, um jemanden, der nicht komplett „speziellen“ Klangidealen frönt, in seinen Bann zu ziehen. Es beginnt mit dem ungeheuer kräftigen und warmen Basseinsatz und explodiert bei den ersten Tönen der Sängerin, die völlig frei im Raum stehend und geradezu beängstigend perfekt fokussiert sind. Der E-600 erzeugt kein Klangbild, in das man sich erst groß hineinfinden muss. Er überzeugt aus dem Stand, und das ist etwas, was man von einer Maschine mit diesem Preisschild verdammt noch mal auch erwarten darf. Das Phonomodul macht übrigens einen ausgezeichneten Job und verträgt sich mit dem Lyra Etna bestens. Wenn ich‘s drauf anlege, bekomme ich mit einer externen Lösung dynamisch noch eine Spur mehr aus dem japanischen Vulkan gekitzelt, aber das steht eigentlich in keinem Verhältnis zum finanziellen Aufwand. Ebenfalls bemerkenswert: Den Gerüchten zurfolge gar nicht einfach anzutreibenden Avalon-Lautsprecher sind praktisch der perfekte Spielpartner für diesen Verstärker. Gerade im Bass generiert diese Kombi ein Maß an Kraft und Präzision, das keinerlei Wünsche mehr offen lässt. Und auch sonst fällt mir absolut nichts ein, was ich auch nur im Geringsten hätte anders haben wollen – mehr geht nicht.

Fazit

In Sachen Vollverstärker setzt Accuphase einfach die Maßstäbe: Der neue E-600 kann in Sachen Ausstattung schlicht alles und liefert eine perfekte Synthese aus Wohlklang, Auflösung und Kraft.

Preis: um 9500 Euro

Vollverstärker

Accuphase E-600


08/2014 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb PIA HiFi, Weiterstadt 
Telefon 06150 50025 
Internet pia-hifi.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 465/191/428 
Gewicht (in Kg) 24.7 
Unterm Strich... » In Sachen Vollverstärker setzt Accuphase einfach die Maßstäbe: Der neue E-600 kann in Sachen Ausstattung schlicht alles und liefert eine perfekte Synthese aus Wohlklang, Auflösung und Kraft. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 01.08.2014, 15:53 Uhr
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