Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: AVM Ovation A 8.3


Raus aus dem Schubladendenken

Vollverstärker AVM Ovation A 8.3 im Test, Bild 1
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Menschen teilen Dinge gerne in vorgefertigte Kategorien ein. Mit dem neuen Ovation-Vollverstärker durchbricht AVM die mentalen Barrieren.

Was ist bedeutet schon digital? Blöde Frage, mag man meinen, besonders in einem Magazin für digitales Audio. Um die Definition des Begriffes geht es dabei auch nur am Rande, sondern eher um das, was manche Menschen mit dem Begriff in Verbindung setzen. Die Audiowelt scheint, gerade im High-End-Bereich, in zwei nahezu unversöhnliche Lager aufgeteilt. Selbstverständlich gibt es auch eine große Menge von Leuten, die sich über jede Art guter Musik freuen und diese genießen können, doch wie so oft bilden diese Leute die leider meist schweigende Mehrheit. Stattdessen teilt man Audiophile in zwei Kategorien ein: analog oder digital. Die einen sind der Meinung, dass HiFi nach der Schallplatte keine wichtige Neuerung mehr zu bieten hatte.

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Wenn keine Nadel durch eine Rille fährt und keine Röhren leuchten, dann ist das Endergebnis auch für ihre Ohren zu unterwältigend, als dass man sich damit abgeben muss. Auf der anderen Seite hingegen gibt es digitale Vertreter die behaupten, Musik unter 24 Bit klingt, als ob sie über ein Dosentelefon wiedergegeben wird. Da muss Hightech am Werk sein, mit hochwertigsten Chips und leistungsstarken DSPs. Die einen wollen das, was immer als Wärme bezeichnet wird. Runden Klang mit Fluss und Gefühl. Der Sound der anderen Fraktion wird oft als kalt bezeichnet. Viel Dynamik mit Kontur und Details. Auch wenn die beiden Interpretationen stark überzogen sind und viele Geräte in allen Bereichen tolle Leistungen zeigen, gibt es natürlich persönliche Vorlieben. Dementsprechend muss ich sagen, dass ich persönlich den „digitalen Sound“ liebe. Die Dynamik eines Stückes darf mich gerne bei jedem Notenanschlag aus dem Sessel hauen. Ich will hören, wie ein Plektrum eine Gitarrensaite anschlägt, ein Drumstick auf eine Snare kracht und ob der Bassist mit den Zähnen knirscht. Das bedeutet auch, dass ich Transistoren normalerweise bevorzuge. Röhren sind zwar stets nett anzusehen und auch ihr Klang wirkt durchaus sympathisch, doch wenn ich die Wahl habe, mag ich es direkt, klar und knackig, ohne die angesprochene Wärme. Warum ich mich nun so über dieses Thema auslasse? Weil AVM mir ein Testgerät gegeben hat, das meine Vorlieben infrage zu stellen droht. Der neue Ovation A 8.3 ist ein Vollverstärker mit Röhrenstufe und HiRes-DAC, dessen Sound mich wirklich begeistert hat. Zwei 803-T-Doppeltrioden mit speziell angepasster Stromversorgung sitzen auf einer Platine im Innern des 8.3. Per LED angeleuchtet und durch die abgedunkelte Scheibe im Deckel des großen Gerätes bei ihrer Arbeit betrachtbar. Sie klassifizieren das Gerät als 8.3, während die Version mit Transistoren unter dem Namen 6.3 erhältlich und ansonsten baugleich ist. Diese beiden Röhren verleihen dem Ovation einen Sound, der mich einige mir sehr gut bekannte Alben neu wertschätzen ließ. Die Räumlichkeit ist klasse, der Raum ist groß, wirkt dabei aber dicht gefüllt und lässt eine gute Ortbarkeit zu. Der Bassline gilt besondere Aufmerksamkeit, denn sie groovt unheimlich, lässt dabei aber zu keiner Zeit Präzision und Druck vermissen. Es wirkt präzise und knackig, niemals aufgeweicht oder zu schwer. Auch Details gibt der A 8.3 zu Hauf aus. Anschläge treffen den Punkt und bieten gute Dynamik im groben wie im Feinen. Alles wirkt irgendwie stimmig und harmonisch, ohne den Biss der durchaus hektischen Rockaufnahmen zu verlieren. Es wirkt einfach alles wie aus einem Guss und fügt sich hervorragend ineinander. Dabei reden wir hier von Aufnahmen in CD-Qualität und dazu nicht einmal besonders ausgezeichnet aufgenommene, sondern Alben mit einem gewissen rotzigen Unterton. Dem Ovation ist es egal. Er zaubert aus dem Signal eine absolut gelungene Vorstellung, die jenseits jeder Einteilung in analog oder digital besteht. Doch es wäre kein AVM, wenn es einfach nur gut klingen würde. Auch in der neuesten Modellgeneration, die nun mit der Nachkommastelle 3 identifizierbar wird, bietet die Ovation Line den gewohnten Komfort und Anspruch. Die Verarbeitung des edlen Verstärkers ist wie immer top. So wie man es aus der Hauptstadt der Spaltmaße Malsch erwartet. Die Materialstärken sind enorm, die Haptik ist erhaben und natürlich macht ein A 8.3 auch rein optisch bereits einen bleibenden Eindruck. Das in hellem Blau erstrahlende Display gibt sich besonders informationsfreudig, gerade wenn man digitale Quellen nutzt, bei denen die Abtastrate zusätzlich zu Lautstärke, Anschluss und weiteren Dingen eingeblendet wird. Für eine bessere Übersicht über die verfügbaren Eingänge kann man diese sogar selbst mit passenden Namen versehen. Zwei enorm große, schraubenlose Regler dominieren die ansonsten glatte Front des Verstärkers. In ihrem spiegelnden Chromglanz bilden sie gerade in Kombination mit dem schwarzen Finish einen wunderbaren Kontrast. Das kennt man von der Ovation Line natürlich und auch die recht schlichte Quaderform der Systeme ist bekannt. Das Design hat seine Fans und wirkt natürlich eindrucksvoll, doch ein wenig mehr Mut zu einer anderen Optik wäre bei der Neuauflage der Ovation Line auch schön gewesen. Die größte optische Neuerung findet man stattdessen an der Rückseite des Verstärkers. AVM hat unter großem Aufwand völlig neue Lautsprecherklemmen entwickeln lassen, die sich hervorragend anfühlen und bombenfest sitzen. Gleich vier Paar der edlen Terminals befinden sich aufgereiht an den Außenkanten der Rückseite, um den Ovation Lautsprecher auch per Bi-Wiring antreiben zu können. Auch an Leistung mangelt es einem AVM selbstverständlich nie, sodass auch der A 8.3 mit genügen Power gesegnet ist, um große Schallwandler mühelos in Bewegung zu versetzen. Knapp 300 Watt brachte unser Testgerät als Dauerleistung bei vier Ohm zustande, während auch bei acht Ohm noch knappe 200 Watt anlagen. Verantwortlich für die Muskelspiele ist eine Schaltung in Class-A/AB mit 20 MOSFETS pro Kanal. Seine enorme Kraft stellt der Verstärker praktisch jedem erdenklichen Quellgerät zur Verfügung. Fünf analoge Anschlüsse in symmetrischer oder unsymmetrischer Form stehen zur Verfügung. Dazu ist die digitale Quellenwelt per Toslink oder koaxialem S/ PDIF erreichbar, ergänzt um einen USB-B-Anschluss für hochwertige Streamer oder Musikcomputer. Auch Bluetooth bietet der Verstärker, um unkompliziert von Smartphones oder Tablets Musik abzuspielen. Selbst ein Erweiterungsport für ein HDMI-Modul mit ARC ist bereits vorhanden, sodass man zukünftig auch seinen Fernsehton über AVMs Prachtstück ausgeben können wird. So sehr ich den „analogen“ Klang des Ovation auch mag, in Sachen Quelle bleibt digital bei mir klar die erste Wahl. Gut also, dass der A 8.3 auch eine hochwertige DAC-Plattform verwendet. Ein ES9018K2M kümmert sich auf einem separaten Modul um die Wandlung eingehender Datenströme von 16 bis 32 Bit. Maximal 384 kHz bei PCM dürfen es hier ruhig sein und auch DSD bis 5,6 MHz stellt den internen DAC des AVM vor keinerlei Probleme. Auch beim neuesten Vertreter bleibt die Ovation-Serie ihren bekannten Tugenden treu. Optisch ist es klar ein AVM, der Blicke auf sich ziehen kann und der überall eine gute Figur macht. Über die Qualität der Verarbeitung braucht man bei den Malschern so oder so kaum etwas zu sagen. Höchste Qualität ist hier eben keine hohle Phrase. Dazu gibt es analoge und digitale Anschlüsse zu Hauf, einen vollständig symmetrischen Aufbau mit guter Stromversorgung, modularem Aufbau mit Möglichkeiten zur Erweiterung und natürlich Leistung ohne Ende, die sich wunderbar kontrollieren lässt. Woran ich mich beim Ovation A 8.3 aber klar am meisten erinnern werde, ist der hervorragende Sound des Vollverstärkers, der sich mit Kategorien wie analog der digital einfach nicht beschreiben lassen möchte.

Fazit

Mit dem A 8.3 hat die Ovation Line ihren bisher besten Neuzugang bekommen. AVM schafft es, dem Vollverstärker einen famosen Sound zu entlocken, der die vielen anderen Talente des edlen Gerätes beinahe zur Nebensache werden lässt.

Preis: um 12500 Euro

Vollverstärker

AVM Ovation A 8.3


07/2019 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 12.500 Euro 
Vertrieb: AVM, Malsch 
Email: 07246 309910 
Internet: www.avm.audio 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/130/355 
Leistung 4 Ohm (in Watt): etwa 297 Watt 
Leistung 8 Ohm (in Watt): etwa 198 Watt 
Eingänge: 1 x USB-B, 2 x S/PDIF koaxial, 2 x Toslink optisch 
Ausgänge: 2 x Lautsprecher Stereo, 2 x RCA Stereo (1 x Pre-out, 1 x Fixed) 
Unterstützte Abtastraten: Abtastraten: PCM bis 384 kHz, 32 Bit; DSD bis DSD128, 5,6 MHz, 1 Bit 
checksum „Mit dem A 8.3 hat die Ovation Line ihren bisher besten Neuzugang bekommen. AVM schafft es, dem Vollverstärker einen famosen Sound zu entlocken, der die vielen anderen Talente des edlen Gerätes beinahe zur Nebensache werden lässt.“ 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 07.07.2019, 09:58 Uhr
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