Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Calyx CTI


Taktgefühl

Vollverstärker Calyx CTI im Test, Bild 1
5171

Komisch, nachdem ich lange Jahre gar nichts von der koreanischen Firma Calyx gehört habe, feuern die auf einmal aus allen Rohren und bringen einen Digitalknaller nach dem anderen heraus. Die Calyx-Mannen behaupten aber von sich selbst, dass sie eine Sache ganz besonders gut beherrschen: Verstärker. Mal sehen.

Peripherie:


Quellen: Apple MacBook Pro 2,3 GHz i5, OSX 10.7.1, iTunes 10, Channel D PureMusic 1.8 CD-Player Bladelius FREJA MK-III Streamingclient Logitech Squeezebox Touch, RipNAS Z500 Streamingclient Musical Fidelity M1 CLiC, RipNAS Z500
D/A-Wandler: dCS Debussy
Lautsprecher: KEF XQ50 Audio Physic Scorpio 25
USB-Kabel: Audioquest Carbon
NF-Kabel: Van Den Hul The First Ultimate


Der Calyx-Amp, um den es hier geht, arbeitet schon eine ganze Weile hier im Verlag völlig unauffällig. Es war längst an der Zeit, ihm mal ein ganz genaues Hinschauen zu gönnen. Sein Name ist angenehm kurz und verräterisch: Ausgeschrieben heißt der Koreaner nämlich „Calyx The Integrated“.

Vollverstärker Calyx CTI im Test, Bild 2Vollverstärker Calyx CTI im Test, Bild 3Vollverstärker Calyx CTI im Test, Bild 4
Ganz klar, das ist ein Vollverstärker. Und zwar einer ohne Schnickschnack. Dieser Verstärker hat eine Quellenwahl, einen Lautstärkeregler und – sonst nichts. So was finde ich absolut sympathisch, schließlich hantieren wir mit Quellgeräten, die so vollgepackt mit Optionen und Features sind, dass man noch mehr Ein- und Umstellwahn absolut nicht braucht. Einen Vollverstärker will man einfach hinstellen, anschalten und loslegen. Da ist es viel wichtiger, was der Amp im Verborgenen tut. Der Calyx versteckt jedenfalls hinter seiner stabilen, perfekt gefertigten Aluminium-Fassade ein mächtiges Class-D-Paket, dem man umgehend einiges zutraut. Nein, „Digitalverstärker“ nenne ich ihn nicht, was daran liegt, dass diese Bezeichnung reichlich irreführend wäre, auch wenn‘s so schön zum Hefttitel passen würde. Die Bezeichnung „digitaler Verstärker“ ist nämlich sogar falsch. Durch das Modulieren des Signals in PWM-Form bekommt es zwar eine diskrete Amplitude verpasst, die Informationen stecken jedoch in der Pulsweite – und das in analoger Form. Im Prinzip kann man sagen, dass so ein Class-D-Verstärker lediglich eine andere Modulation verwendet – die Class-A/B-Endstufen nehmen Amplituden- und die Schaltverstärker Pulsweitenmodulation. Der Vorteil des Ummodulierens liegt in der abschließenden MOSFET-Endstufe, die dank stromarmer Ansteuerung nur wenig Leistung verbrät, womit ein recht hoher Wirkungsgrad erzielt werden kann. Was in der Regel herauskommt, sind kleine Verstärker, die trotzdem eine nennenswerte Leistungszahl auf dem Karton stehen haben. Klein und schnucklig ist er ja, der CTI, zumindest von vorn. Ein wenig relativiert sich das, wenn man sich die Dimensionen des Verstärkers ansieht: Statt auf standardmäßigen 43 Zentimetern Breite zu bestehen, baut er mit über 40 Zentimetern weit in die Tiefe. Das ist nicht schlimm, damit erkauft man sich natürlich die Möglichkeit, von vorneherein sehr schlank und kompakt aussehen zu können. Nur sollte halt der Käufer prüfen, ob das Rack tief genug ist, um den Verstärker mitsamt Kabel aufnehmen zu können. Auf so ein handelsübliches Sideboard passt der Gute nämlich nicht. Wenn man in einen solchen Verstärker reinguckt, hat man heute wenig Chancen, die Paradetricks herauszulesen. Die Zeiten, in denen man ungefähr erkennen konnte, was so ein Gerät macht, sind vorbei. Zu viele SMDTeile, zu viele Chips, wenig Nachvollziehbares ist heute auf die Platine gelötet. Klar, man erkennt sehr wohl, dass es sich um einen Vollbrückenverstärker handelt, der positive und negative Halbwellen gesondert verstärkt. Auch kann man wunderbar die recht hohe Güte der analogen Ausgangsfilter abschätzen, die so ein Schaltverstärker zwingend haben muss. Und ordentliche Ausgangsinduktivitäten braucht der CTI auch, denn er zeigt im Mess- labor eindrucksvoll, was so ein moderner Schaltverstärker auf der Pfanne hat – 200 Watt an vier Ohm sind eine Hausnummer, die man erst mal erreichen muss. Gut, diese Leistungsangabe bezieht sich auf vier Ohm, aber selbst an doppelter Last schiebt er noch 150 Watt und damit genug, um ordentlich was zu reißen. Die Ausgangsfilter sind recht satt gesetzt, jedenfalls ist kaum etwas vom Taktrest auszumachen. Ich sehe normalerweise recht häufig, dass sich der Takt eines Schaltverstärkers als hochfrequente Schwebung auf dem Ausgangssignal breitmacht. Diese Verunreinigung ist zwar in der Regel so hochfrequent, dass sie weit außerhalb des hörbaren Bereiches liegt, aber schön ist das nicht. Wer weiß, was derartiges Ungemach mit dem Rest der Kette anstellt? Aber um so etwas muss sich der Besitzer eines Calyx TI nicht scheren, sein Ausgangsfilter bügelt so gut wie alles weg von der Leitung. Das ist schon mal ein Class-D-Problem vergangener Tage weniger. Und noch eins: Das Thema Dämpfungsfaktor hat man offensichtlich heutzutage auch im Griff , die liegt hier mit Werten um die 200 im mehr als grünen Bereich. Rauschen gibt es auch nicht, was soll ich jetzt also dazu sagen? Ganz klar, jetzt muss der Klang entscheiden. Genau das sollen Class D-Verstärker laut vieler Meinungen ja auch nicht können. Dieses charakterlose, „digitale Zeug“ vermittelt angeblich kein Gefühl für die Musik. Und genau jetzt haue ich mit der Faust auf den Tisch. Zum einen ist ein Class- D-Verstärker wie bereits beschrieben alles andere als digital, zum anderen kann man damit ganz wunderbar Musik machen. Diese negative Stimmung entstammt noch den Anfangszeiten der Schaltverstärker. Mittlerweile ist man auf einem viel höheren Entwicklungsstand angekommen. Jetzt muss ich sagen, dass ich bis jetzt schon mal sehr angetan von dem Alu- Brett namens CTI bin. Das wird durch folgendes Detail noch maßgeblich verstärkt: Was diesen Verstärker so interessant für die „digitale“ Leserschaft macht, ist der verbaute USB-DAC. Richtig, Sie können den CTI direkt an einen Computer anschließen und Musik in bis zu 96 Kilohertz abspielen. Asynchron, versteht sich. Und schon wird aus einem normalen, hübschen, kleinen Verstärker ein gerade für Computer- HiFi-Leute hochspannendes Teil. Die Formgebung erlaubt es, einen Mac Mini draufzustellen, per USB zu verbinden und eine optisch gefällige Komplettanlage zu haben, die per iPad/iPhone fernbedienbar und klanglich astrein ist. Das mit dem astreinen Klang kann ich mit Fug und Recht behaupten. Ich hatte zwar keinen Mac Mini, aber ein Apple-Notebook und konnte diese Anwendung somit simulieren. Und das war klasse, das kann ich Ihnen sagen. Ich habe großen Spaß an der satten, unbestechlichen, tonal einwandfreien Wiedergabe gehabt. Da war nichts von Sterilität und Charakterlosigkeit zu spüren, der Junge macht Attacke. Und er hat sich viele Wochen in unserem Hörraum bewährt. Eine Menge Kollegen durften ihn „mitbenutzen“, jeder war angetan von der Zuverlässigkeit und seiner Fähigkeit, völlig unabhängig vom angeschlossenen Lautsprecher seine absolut sahnigen klanglichen Fähigkeiten durchzusetzen. Das muss man ihm ganz hoch anrechnen. Wenn Sie wüssten, wie viele verschiedene Lautsprecher dieser Verstärker zur vollsten Zufriedenheit zu bedienen wusste, Sie würden den Hut ziehen. Im ganz ernsten Hörtest habe ich nur zwei zurate gezogen – was nettes Kompaktes und einen Lautsprecher mit ein wenig mehr Membranfläche und einer nennenswerten Anzahl von Schwingspulen, die ja auch alle ihre Energie abbekommen wollen. Das Resultat war mit beiden Lautsprechern absolut erfreulich. Ich bestätige hiermit, dass die Koreaner mit stolz geschwellter Brust von sich sagen können, absolute Verstärker-Spezialisten zu sein. Und digitale Signalverarbeitung können sie auch.

Fazit

„Dieser Verstärker bekommt meine uneingeschränkte Empfehlung. Er liefert hohe Zuverlässigkeit, Laststabilität und verführerischen Klang, sieht klasse aus und kann bei Ihnen zu Hause die unbestechliche Bank sein, die immer sicherstellt, dass Ihr Lautsprecher adäquat angetrieben wird – egal, was für einen Schallwandler Sie auch anschließen.“

Preis: um 2200 Euro

Calyx CTI

01/2012 - Christian Rechenbach

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 2.200 
Vertrieb: Higito, Essen 
Telefon: 0201 8325825 
Internet: www.higoto.de 
B x H x T (in mm): 220/70/405 
Leistung (in Watt): 2 x 200 Watt (4 Ohm) 2 x 150 Watt (8 Ohm) 
Eingänge: 1 x USB (bis 96 kHz, 24 Bit, asynchron)/3 x analog RCA 
Ausgänge: 1 x analog RCA 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. Heimkino

>> mehr erfahren
Christian Rechenbach
Autor Christian Rechenbach
Kontakt E-Mail
Datum 09.01.2012, 12:14 Uhr
344_21533_2
Topthema: Vier Hochtöner von Mundorf
Vier_Hochtoener_von_Mundorf_1654163855.jpg
Mundorfs neue U-Serie mit massiven Frontplatten

Im zweiten Teil des Einzelchassistests zeigen wir noch einmal die Mundorf Hifi U-Serie, die jetzt auf Kundenwunsch durch passende Frontplatten ergänzt wurden.

>> Mehr erfahren
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 16.67 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 9.46 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (deutsch, PDF, 1.99 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages