Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Krell Digital Vanguard


Kraftwerk

Vollverstärker Krell Digital Vanguard im Test, Bild 1
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Man sagt ja immer, man braucht nur wenige Sekunden, um sich ein Bild von jemandem zu machen. Der erste Eindruck zählt aber manchmal auch bei Verstärkern.

Ein  Krell  fällt  einfach  auf.  Manche Marken, egal ob bei Unterhaltungselektronik, Autos oder Küchengeräten,  erkennt  man  einfach  an  immer wiederkehrenden Elementen in  ihrem Aussehen. Der geneigte Werbetexter spricht hierbei gern von Designsprache,  was  tatsächlich  gar  nicht  so  verkehrt  ist,  denn  dadurch  versuchen  Hersteller ihren Geräten einen gewissen Vibe, etwas Mitschwingendes, Unterschwelliges  zu  verpassen,  das  schon  beim reinen Ansehen für den Charakter von Gerät und Marke sprechen soll.  Den Trick hat Krell absolut raus, denn  jedes der Systeme der Amerikaner verwendet  ähnliche  Designelemente,  die  vor allem eines wiedergeben: Stärke.

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Das macht Sinn, denn schließlich befindet sich im Portfolio der Firma eine  ganze Reihe kräftiger  Verstärker für  Mono- und Stereo-Signale Auch den  Trend zur Miniaturisierung macht Krell  nicht  mit,  denn  ein  Gerät  unter  40  Zentimeter  Breite  wird  man  nicht finden, und auch beim Thema Gewicht  sollte man stets im Hinterkopf behalten, einen stabilen Untergrund für seine Anlage auszusuchen. Die Präsenz,  die ein Krell verströmt, fängt schon bei  der Farbe an. Dunkles Schwarz ziert  die  Gehäuse  der  meisten  Geräte.  Die  Dunkelheit  wird  vom  silbern  schimmernden  Schild  an  der  Vorderseite  durchbrochen,  als  würde  der  rettende  Lichtstrahl  den  Betrachter  förmlich  suchen,  um  ihn  aus  der  Finsternis  zu  erlösen. Kein Zufall, dass der Firmenname genau dort angebracht ist. Auf  einem weiteren kleinen Schild hervorgehoben und mit hellem blauen Licht  umrandet,  folgt  die  parabelförmige  Einbuchtung des Untergrunds dem  Weg zu den fünf glänzenden Buchstaben. Fast könnte man meinen, dass ein  Psychologe mit in der Designabteilung  sitzen würde. Auch  der Vollverstärker  namens Vanguard  folgt  diesem  optischen  Credo  und  reiht  sich  so  perfekt  in  die  übrigen Kraftpakete der Firma ein. Auch  der Name spielt hier mit einem Eindruck  von  militärischer  Präsenz,  denn  zu  Deutsch  würde  das  Gerät  Vorhut  heißen. Auch an anderen Stellen findet  man weitere, kleine Elemente, die mit  den Themen Gefahr und Stärke spielen.  Neben  den  vier  soliden,  ebenfalls schwarzen  Lautsprecherklemmen  auf  der Rückseite ist nämlich nicht nur die  Beschriftung für den jeweiligen Kanal angebracht, sondern zusätzlich ein  kleines Blitzsymbol. Elektrizität liegt  in der Luft. Trotz des Designs und des Namens  sollte man aber keine Angst vor dem  Vanguard haben, denn wie man so  schön sagt: „Der will nur spielen.“ Das  ist vollkommen richtig, denn der Verstärker ist durchaus so konzipiert, dass  er eine ganze Menge anderer Geräte  ablösen kann. Ganz besonders trifft  das auf unser Testmodell zu, denn das  wurde mit dem optionalen Zusatzmodul ausgestattet, das dem  Verstärker  nicht nur das Streamen, sondern auch das Wandeln beibringt. Damit ist er  auch auf digitaler Seite gut gewappnet,  so dass der Verstärker passenderweise  gleich  als  Digital  Vanguard  bezeichnet und so zur kompletten Anlage in  einem einzigen Gerät wird. Dadurch  erhöht  sich  zwar  auch  der  Preis  des  knapp 5.900 Euro teuren  Verstärkers  um  nochmals  etwa  1.900  Euro,  doch  eine entsprechende Kombination aus  Streaming-Bridge und D/A-Wandler  läge im Preis ähnlich bis darüber. Dafür  erhält  man  dann  ein  durchaus  vielseitiges Gerät, das nicht nur HiFi- Freunde bedient, sondern auch Audiovisuelles bietet. Bei einem Blick auf die  Rückseite fallen nämlich drei HDMI- Anschlüsse auf. Das ist mittlerweile  nicht mehr ganz so ungewöhnlich,  denn  auch  bei  der  Musikwiedergabe  wird diese  Verbindungsart nun nach und nach eingesetzt. Beim Digital  Vanguard dienen sie aber als Anschluss  für Sat-Receiver, Spielekonsolen, oder  Blu-ray-Player, deren  Ton dann vom  Krell gewandelt und verstärkt wird,  während die Bildinformationen über  einen  HDMI-Ausgang  an  den  Fernseher weitergegeben werden. Ein gute  Möglichkeit, den eher dünnen Sound  der  kleinen TV-Lautsprecher  zu  verbessern. Da es sich beim HDMI-Ausgang um einen Audio Return Channel  (ARC)  handelt,  reicht  hier  sogar  nur  ein  Kabel, um auch den Fernseherton  über den Vanguard laufen zu lassen. Doch  zurück  in  die  Welt  der  Musikwiedergabe,  denn  da  ist  der  Krell  nun mal zu Hause. Neben dem Streamingmodul, das natürlich über einen  Ethernetanschluss  mit  Daten  versorgt  wird, bietet der Digital Vanguard noch  einen koaxialen und einen optischen  S/PDIF Eingang. Bei Letzterem reduziert sich aber erwartungsgemäß die  maximal mögliche Abtastrate auf 96  kHz bei 24 Bit, während Ethernet, Koaxialanschluss und auch HDMI in der  Lage sind, High-Res Signale mit bis zu  192 kHz zu verarbeiten. Über HDMI  ist  sogar  die Verarbeitung  von  DSD- Signalen einer SACD möglich. Um die Wandlung aller Digitalsignale  kümmert sich dann ein Chip von ESS.  Auch  hier  zeigt  der  Krell  sich  wieder  von seiner starken Seite, denn natürlich  entscheidet  man  sich  bei  einem  solchen Verstärker nicht für die Standard-Chips, sondern für einen, der dem  monumentalen Auftritt des Vanguard  entspricht.  In  diesem  Fall  handelt  es  sich um den ES9018S aus der Sabre32- Referenzreihe von ESS, der selbst dort  als Flaggschiff  gilt. Doch  nicht  nur  High-Res-Netzwerkstreaming  macht  das  Modul  möglich,  denn  um  alle  nötigen  Bereiche  eines  echten  Allrounders  abzudecken,  muss  man auch ein wenig an den Alltag denken. Für bequemes Musikhören zwi- schendurch verfügt der Vanguard auch  über  eine  Bluetooth-Schnittstelle,  mit  der Smartphones, Tablets und Laptops  in die Anlage eingebunden werden  können. Auf diesem Weg können auch  Streamingdienste genutzt werden, so  dass man nicht auf die eigene Musikbibliothek beschränkt ist. Dank Unterstützung des AptX-Standards ist sogar  eine verlustfreie Übertragung möglich.  Selbst beim Convenience-Faktor Bluetooth  hat  Krell  darauf  geachtet,  dass  der so gut geplante optische Eindruck  nicht durch eine kleine Plastikantenne  getrübt wird, die verstohlen hinter dem  Gerät  hervorschaut.  Stattdessen  setzt  man hier auf eine gewickelte Antenne,  die unauffällig an der Gehäuserückseite untergebracht ist.    Hier findet  man  natürlich  auch  analoge  Anschlüsse  in  Form  von  gleich  drei Cinch-Eingängen sowie einem  symmetrischen XLR-Eingang. Die jeweils anliegende Quelle wird auf einem  Display an der Vorderseite angezeigt,  ebenso wie die momentan eingestellte  Lautstärke.  Bei  digitalen  Quellen  wird man hier außerdem über Dateiformat,  Abtastrate  und Worttiefe  des aktuell laufenden Titels informiert. Da  es sich beim Vanguard um einen Verstärker mit Streaming-Modul handelt,  kommt hier natürlich kein gigantisches  Display mit Coverdarstelungen zum  Einsatz,  sondern  ein  schlankes  Dot-Matrix- Display, farblich passend zum  Gerät.  Alle  Informationen,  die  hier  nicht dargestellt werden, findet man in  der entsprechenden Steuerungs-App.  Hier hat man im Prinzip die freie Auswahl, denn der Digital Vanguard lässt  sich mit jedem UPnP-fähigen Steuerungsprogramm für Smartphones und  Tablets bedienen. Krell selbst empfiehlt  die App mConnect, die es in kostenloser Form mit eingeblendeter Werbung gibt, ebenso wie in einer Premiumvariante für wenige Euro.  Egal mit welcher App der  Vanguard  verbunden  wird,  was  im  Gerät  passiert zählt. Bei einem Blick ins Innere  des Verstärkers  setzt  sich  die  Designsprache  mit  der  Zurschaustellung  von  Kraft nahtlos fort. Auffällig ist hier klar  der  gigantische  Ringkerntransformator, von dem man meint, dass er eine ganze Wohnsiedlung mit Energie versorgen könne. Auch bei der messbaren  Leistung  zeigt  der  Krell  seine  Zähne.  Bei einer Impedanz von 8 Ohm liefert  die digitale Endstufe 200  Watt pro  Kanal, während die Kurve bei nur  4 Ohm Widerstand sogar bis knapp  340 Watt reicht, ehe der Klirr die 0,7-Prozent-Hürde übersteigt. Dabei hielt  sich der Klirr über die komplette Messung hinweg in erfreulich niedrigen  Bereichen auf, bevor er dann erst kurz  vor der Leistungsgrenze nach oben  stieg. Nicht alltäglich für einen Schaltverstärker. Bei der Vorverstärkung setzt  man bei Krell hingegen auf ein klassisches Class-A-Modul, das die Lautstärke analog reguliert. Spielt keine  Musik, bleibt der Krell hingegen still,  wie  auch  der  gemessene  Rauschabstand von etwa 86 dB zeigt. Lediglich  ein fast unhörbares Surren geht dann  vom Verstärker aus, denn da das Gehäuse des Vanguard keine Kühlkörper besitzt, wird hier mithilfe zweier kleiner Lüfter die Temperatur im Inneren  kontrolliert. So  kräftig  der Vanguard  auch  daherkommen  mag,  klanglich  zeigt  er  sich  durchaus  von  einer  flligraneren  Seite.  Der ESS-Chip löst digitale Signale  sehr detailliert auf und gibt sie realitätsnah wieder. Das führt zu einem  sehr lockeren, musikalischen Spiel, das  dem  Verstärker  wirklich  gut  zu  Gesicht  steht.  Das  bedeutet  aber  nicht,  dass man hier auf die nötige Kraft  verzichten  muss,  denn  durch  die  gute  Leistungsentfaltung  der  Endstufen  wird jeder Raum ausgezeichnet gefüllt.  Dabei  hilft  die  gute  Dynamik,  alles  zu  einem  sehr  runden  Gesamtpaket  zu  machen.  Der  Vanguard  schafft  es  sogar, dem dynamisch sehr komprimierten Album „Sonic Highways“ der  Foo Fighters wieder die nötige Portion  Leben einzuhauchen. Beinahe ein wenig ungewöhnlich für einen DAC von  ESS,  die  normalerweise  wenig  Fehler  im  Quellmaterial  verzeihen.  Das  Zusammenspiel zwischen digitaler und  analoger Sektion funktioniert also  wirklich  gut.  Mithilfe  des  digitalen  Zusatzmoduls  vermag  der  Krell  es  dann sogar beinahe, alle Funktionen im  Wohnzimmer zu übernehmen, was neben der Musikwiedergabe ja auch noch das Fernsehen einschließt, so dass hier  ein echter Mehrwert geschaffen wurde.  Alles  in  allem  täuscht  der  erste  Eindruck beim Krell Digital Vanguard also  nicht, denn wie sein Aussehen es schon  verspricht, gibt es hier eine Menge  Klangpower nach Hause.

Fazit

Optisch, technisch und klanglich ist Krells  Digital Vanguard wirklich gewaltig. Trotzdem geht ihm dabei nicht die Musikalität  verloren, so dass man ihn, auch wegen der  vielen Funktionen, wirklich als Alleskönner  bezeichnen kann.

Preis: um 5900 Euro

Vollverstärker

Krell Digital Vanguard


03/2016 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 5.900 Euro (Optionales Streaming-Modul um 1.900 Euro) 
Vertrieb: Audio Reference, Hamburg 
Telefon: 040 53320359 
Internet: www.audio-reference.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 434/105/445 
Leistung 4 Ohm (in Watt): etwa 338 Watt an 4 Ohm 
Leistung 8 Ohm (in Watt): etwa 200Watt an 8 Ohm 
Eingänge: 1 x Ethernet, 2 x HDMI, 1 x S/PDIF koaxial, 
Rauschabstand: etwa 86 dB 
Ausgänge: 1 x Lautsprecher Stereo, 
Unterstützte Formate: MP3, AAC, WMA, WAV, ALAC, FLAC 
Unterstützte Abtastraten: Ethernet, S/PDIF, HDMI: Bis 192 kHz, 24 Bit (HDMI auch DSD) Toslink: 96 kHz, 24 Bit 
checksum Optisch, technisch und klanglich ist Krells Digital Vanguard wirklich gewaltig. Trotzdem geht ihm dabei nicht die Musikalität verloren, so dass man ihn, auch wegen der vielen Funktionen, wirklich als Alleskönner bezeichnen kann. 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 03.03.2016, 09:56 Uhr
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