Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Leema Pulse IV


Maßstabsgerecht

Vollverstärker Leema Pulse IV im Test, Bild 1
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Wenn man HiFi-Enthusiasten fragt was sie wollen, bekommt man häufig die gleiche Antwort. Leema möchte diesen oft gehegten Wunsch nun erfüllen.

Es gibt einige Maßstäbe im Bereich der Musikwiedergabe, die immer wieder angesprochen werden. Einer der am meisten genannten Begriffe, wenn man Hersteller nach ihrem Ziel fragen sollte, ist die Floskel von „wie im Studio“. Auch die Musikindustrie selbst setzt auf diesen Standard und verkauft gerne Alben, die sich mit Zusätzen wie Studio Master, Master Recording oder Master Quality schmücken. Mit Master Quality Authenticated, also MQA möchte eine Firma sogar garantieren, dass in allen Teilen der Aufnahme und Wiedergabekette so gearbeitet wird, dass der Studiosound zu jeder Zeit gewährleistet wird. Wer allerdings weiß, wie Musik heute aufgenommen 

wird, sollte diese Begriffe eigentlich vermeiden, denn so wie die fertige Abmischung nachher klingt, spiegelt sie nur noch in seltenen Fällen den echten Sound der Künstler in der Tonkabine wider. Der Punkt ist allerdings eigentlich ein anderer.

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Was mit der Aussage wirklich gemeint ist, ist dass alles besonders neutral, detailliert und ausgewogen klingen soll. Es soll die beste und perfekteste Grundlage geschaffen sein, die alles widerspiegelt, was die Musik eigentlich ausmachen soll. Dafür braucht man normalerweise spezielle Technik, denn HiFi für den Hausgebrauch unterscheidet sich von Studiosystemen. Auf der einen Seite soll ein spezieller Sound geschaffen werden, auf der anderen soll dies eigentlich vermieden werden. Doch auch der „Studiosound“ hat durchaus seine Freunde und auf technischer Seite sind die Ansprüche hier manchmal deutlich höher. Warum also nicht mal das Beste aus zwei Welten kombinieren und Technik mit Studioflair auch für die Heimanwendung konzipieren. Hier kommt der walisische Hersteller Leema Acoustics ins Spiel. Die beiden Firmengründer Lee Taylor und Mallory Nichols, aus deren Vornamen sich auch der Firmenname zusammensetzt, kommen nämlich ursprünglich ebenfalls aus dem Studiobereich. Beide arbeiteten einst für die BBC und begannen, eigene Lautsprecher für die Studios zu entwickeln, die sich auch bei Kollegen irgendwann großer Beliebtheit erfreuten. 1998 wurde dann die eigene Firma gegründet, die sich in der Mitte des letzten Jahrzehnts entschied, neben Schallwandlern auch Elektronik zu fertigen. Im Jahr 2007 begann Leema außerdem mit einem lokalen Fertigungsbetrieb zusammenzuarbeiten, der mittlerweile in die Audiofirma eingegliedert wurde, so dass nun alle Geräte im eigenen Hause entwickelt und gebaut werden. Das gilt natürlich auch für unser Testgerät, den Vollverstärker Pulse IV aus der Stellar Series, wie der rückwärtige Schriftzug „Proudly made in the UK“ stolz erklärt. Man macht also keinen Hehl um die Herkunft der Geräte und auch der Pulse kann seine Studioeinflüsse nur schwer leugnen. Allerdings hat man bei Leema gut abgewogen, welche Features aus dem Aufnahmeraum auch im Heimbereich Sinn machen und in welchen Dingen das klassische HiFi die Nase vorn hat. So entschied man sich zum Beispiel für ein deutlich gefälligeres Design. Was im Studio keine Rolle spielt, ist im Wohnraum wichtig, denn hier wird Technik gerne auch präsentiert. So bietet der Pulse eine zeitlose Optik mit leicht abgerundeten Kanten und einigen Rundungen an der Front. Dies ist deutlich gefälliger als rechte Winkel und Einbauhalterungen, so dass sich der Verstärker keineswegs zu verstecken braucht. Gleichzeitig wurde die Bedienung optimiert. Während jede Funktion eines Gerätes beim Mastering oder Aufnehmen stets durch einen eigenen Knopf erreicht werden kann, entschied man sich beim Pulse dazu, eine Menüstruktur zu verwenden und nur Hauptfunktionen immer erreichbar zu lassen. Zwei flache Drehregler dienen zum Einstellen der Quelle und der Lautstärke, während ein Drücken der Bedienknöpfe weitere Optionen ermöglicht. Dabei dient das sehr helle, blau schimmernde Display in der Mitte zum Anzeigen der Menüpunkte, bei denen der Pulse einige nette Features bietet. Beispielsweise kann hier die Lautstärke als Skala von 0 bis 150 eingerichtet werden oder mit einer Anzeige in dB. Außerdem lässt sich eine Zeitschaltung für die Dauer der Anzeige festlegen und auch die Eingangsnamen können beliebig angepasst werden. Die Umbenennung mit den Drehreglern benötigt zwar ein wenig Geschick, doch Nutzer von mehreren Quellgeräten können hier deutlich mehr Übersicht schaffen. Die Anzahl der verschiedenen Anschlüsse ist dann wieder ein Punkt, den man sich im Studio abgeschaut hat. Insgesamt 14 verschiedene Eingänge sind hier vorhanden, um eine enorme Bandbreite von Geräten mit dem Pulse zu verbinden. Allein fünf analoge Cinch-Anschlüsse versorgen CD-Player, Tuner und andere Quellen. Dazu hat man bei Leema auch an die weiter wachsende Gruppe der Vinylfans gedacht und dem Verstärker einen separaten Phono-Eingang inklusive RIAA-Entzerrung und Erdung spendiert. Dabei kann der Anschluss sowohl für Moving-Magnet- als auch für Moving-Cartridge-Systeme konfiguriert werden. Die restlichen acht Anschlüsse hingegen sind etwas moderner ausgelegt und beschränken sich auf die Annahme digitaler Daten. Jeweils drei koaxiale und optische S/PDIF-Anschlüsse können genutzt werden, um Audio- und AV-Geräte mit dem Pulse zu kombinieren. Gerade für Flachbildfernseher besteht so eine gute Möglichkeit, den Ton über die Anlage auszugeben, anstatt über die eher dürftigen internen Lautsprecher. Speziell dafür bietet der Pulse auch einen AV-Direct-Modus, bei dem verschiedene Eingänge, die von einem AV-Prozessor angesteuert werden, auf eine bestimmte Lautstärke gesetzt werden können, um als Front- und Center-Kanal eines Surround Sets zu arbeiten. Etwas weniger komplex, aber ebenso nützlich ist die Bluetooth-Verbindung für das schnelle Streamen vom Smartphone, bei der Musik dank aptX auch in CD-Qualität übertragen werden kann. Kernstück der digitalen Eingangsplatine ist der HiRes-USB-B-Anschluss, der die Nutzung hochwertiger Streamer und Musikcomputer erlaubt. Asynchron arbeitend können hier Signale mit bis zu 384 kHz bei 24 Bit übertragen werden und auch die Wiedergabe von DSD ist per DoP möglich. Um die eigentliche Wandlung kümmert sich im Innern des Pulse ein ES918K2M-DAC-Chip aus der Sabre-Reihe von ESS, der in den letzten Jahren bereits in einer Vielzahl hervorragender Geräte zum Einsatz kam. Auch die Ausgangsseite von Leemas Vollverstärker ist absolut durchdacht. Zwei lautstärkegeregelte Cinch-Ausgänge können für Bi-Amping oder die Verwendung eines Subwoofers genutzt werden. Ein zusätzlicher linearer Ausgang ermöglicht die Überrgabe der gewandelten Signale an ein weiteres Gerät. Auch die Lautsprecherklemmen sind gut gemacht. Solide Schraubklemmen bieten guten Kontakt für Bananenstecker, Gabelschuhe und lose Kabellitzen, wobei dank einer Kabelführung an der Klemme dafür gesorgt wird, dass die übliche Fummelei ausbleibt. Während außen also stark auf die Ansprüche normaler HiFi-Nutzer geachtet wurde, ist der Innenaufbau des Verstärkers wieder klar auf das Endergebnis des Klangs ausgerichtet. Eine aufwendige Stromversorgung mit einem recht großen Ringekerntrafo schafft die Grundlage für eine saubere Signalverarbeitung auf digitaler und auf analoger Seite. Gut die Hälfte des Raumes wird hier der Energiezufuhr eingeräumt, die so weit wie möglich von den elektronischen Komponenten entfernt eingesetzt wurde. Auch hier erfolgt eine klare Arbeitsteilung mit einer analogen Hauptplatine und der darüber aufgesetzten Digitalsektion mit dem ESS-Sabre-Wandler. Mittig an einem beinahe ausufernden Kühlkörper angebracht arbeiten die eigentlichen Endstufen des Verstärkers. Mit seinen knapp 85 Watt bei acht Ohm Impedanz und etwa zehn Watt mehr bei vier Ohm Widerstand ist der Pulse wunderbar aufgestellt, um mit einer Vielzahl von Regallautsprechern und kleineren Standboxen problemlos klarzukommen. Im Test erwies sich der Pulse als durchaus antriebsstark, wofür man den Lautstärkeregler gerne einmal stark nach rechts drehen kann. Gerade bei steigender Lautstärke entfaltet Leemas Verstärker seinen wirklich tollen Sound. Es sind die genannten Studioqualitäten, die hier sofort zutage treten. So spielt der Pulse enorm neutral und versucht selbst so wenig wie möglich in die klangliche Charakteristik einzugreifen. Ergänzt wird dies wunderbar durch den verwendeten DAC-Chip, der ebenfalls sehr präzise arbeitet, ohne das Signal zu sehr zu beeinflussen. Das bedeutet Details en masse. Der Pulse geht wirklich in die Tiefe des Signals und fördert zuvor Ungeahntes an die Oberfläche. Gleichzeitig wirkt das Spiel sehr dreidimensional und verteilt sich gut um Raum. Der Pulse ist eines dieser Geräte, bei denen man hervorragend auch die Qualitätsunterschiede einzelner Aufnahmen heraushören kann. Steigende Abtastraten bedeuten hier auch Zunahmen in Sachen Dynamik und Größe. Dabei bewahrt ein eher weicher eingestelltes Filter den Verstärker davor, den Hörer zu sehr zu ermüden. Mit seiner guten Langzeittauglichkeit schlägt der Pulse sehr schön die Brücke zwischen professionellen Ansprüchen und täglicher Nutzbarkeit. Somit erreicht er zwar weniger den authentischen „Studioklang“, doch der sollte für ein HiFi-System wie gesagt nur teilweise das Ziel sein. Leema erreicht mit dem Pulse genau das. Ein technisch toller Verstärker, der die Musik in den Vordergrund stellt.

Fazit

Der Pulse IV bietet Studioklang für zu Hause. Mit seiner enormen Anschlussvielfalt für analoge und digitale Quellen bietet der Verstärker auch Qualitäten, die bei einem modernen HiFi-System gefragt sind. Leema verbindet hier wirklich die Vorteile beider Welten.

Preis: um 2750 Euro

Vollverstärker

Leema Pulse IV


07/2018 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 2.750 Euro 
Vertrieb: F.o.M. – Friends of Music, Roßdorf 
Telefon: 06071 737475 
Internet: www.f-o-m.eu 
Abmessungen (B x H x T in mm) 435/95/310 
Leistung 4 Ohm (in Watt): etwa 96 Watt an 4 Ohm 
Leistung 8 Ohm (in Watt): etwa 85 Watt an 8 Ohm 
Eingänge: 1 x USB-B, 3 x S/PDIF koaxial, 
Ausgänge: 3 x RCA Stereo (davon 2 x Pre-out) 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 384 kHz, 24 Bit 
checksum Der Pulse IV bietet Studioklang für zu Hause. Mit seiner enormen Anschlussvielfalt für analoge und digitale Quellen bietet der Verstärker auch Qualitäten, die bei einem modernen HiFi-System gefragt sind. Leema verbindet hier wirklich die Vorteile beider Welten. 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 05.07.2018, 15:00 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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