Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Lyngdorf TDAI-3400


Wenn schon, denn schon

Vollverstärker Lyngdorf TDAI-3400 im Test, Bild 1
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Lyngdorf hat sich mit dem TDAI-3400 ganz dem Digitalen verschrieben. Halbe Sachen gibt es hier keine.

Während viele Hersteller nach wie vor zögern, bestimmte Teile einer HiFi-Anlage zu digitalisieren, hat die dänische Firma Lyngdorf solche Vorbehalte längst abgelegt. Nutzer der produzierten Geräte sollen guten Klang genießen können, und dafür ist schließlich jedes Mittel recht – wenn es denn auch gut gemacht ist. Für die Entwicklung und Implementierung solcher Technologien wird ein eigenes Team genutzt, das verschiedene Ansätze verfolgt und schließlich in den Geräten der Marke vereint. Spitze dieser Entwicklung ist der TDAI-3400-Vollverstärker von Lyngdorf, der eine ganze Reihe technischer Feinheiten aufweist und in einem vielseitigen System zu vereinen versucht. Wie vielseitig der 3400 tatsächlich ist, erkennt man bereits an der knapp 32 Seiten starken Anleitung.

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Dabei behandelt diese so manche Dinge sogar recht kurz, was dem Verständnis keinen Abbruch tut, aber durchaus zeigt, wie viel der TDAI eigentlich kann. Lyngdorf möchte seinen Verstärker anscheinend mit jedem beliebigen Gerät auf dem Markt nutzbar machen. Gerne sogar gleichzeitig, denn die Anzahl und Art der verfügbaren Anschlüsse ist hier wirklich enorm. Dazu muss man allerdings sagen, dass unser Testgerät bereits mit zwei optionalen Eingangsmodulen ausgestattet war, die eine Reihe zusätzlicher Eingänge mit sich bringen. Als Erstes wäre da das analoge Modul, das einen XLR- und drei Cinch-Eingänge besitzt, wodurch die Gesamtzahl an unsymmetrischen Inputs auf fünf steigt. Gerade digitale Anschlüsse sind aber im Fokus des Herstellers, und auch hier gehen die Dänen in die Vollen. Mehrere optische und koaxiale S/PDIF-Eingänge und ein AES/EBU stehen zur Verfügung. Dazu gibt es natürlich einen USBB- Port für besonders hoch aufgelöste Signale. Das optionale HDMI-Modul bietet sich für Nutzer an, die den Verstärker auch für ihre AV-Geräte nutzen wollen. Drei Eingänge und ein Ausgang für den Fernseher bietet die zusätzliche Platine. Dabei sind die Anschlüsse 4K- und HDR-kompatibel und damit auch für anspruchsvolle Nutzer bestens geeignet. Per USB-A-Anschluss an Rück- und Vorderseite lässt sich der Verstärker auch direkt mit der gewünschten Musik beliefern, doch am elegantesten geht dies natürlich mit den umfangreichen Streamingfunktionen des TDAI-3400. Wahlweise per Ethernetkabel, was bei einem Gerät wie dem Lyngdorf am angemessensten erscheint, oder auch per WLAN-Einbindung kann der Verstärker mit einem Router verbunden werden. Apple-Nutzer können so ihre iOS-Geräte per AirPlay mit dem System verbinden, während mit der Spotify-Connect-Unterstützung ein Streamingdienst direkt mit an Bord ist. Auch auf den Internetradiodienst vTuner kann man bei Anbindung an das Internet zugreifen. Für Nutzer, die ein NAS oder einen echten Musikserver besitzen, bietet sich der integrierte UPnP- Streamer an, der seine Daten direkt vom gewählten Speicher bezieht. Auch an Nutzer des audiophilen Programms Roon wurde bei Lyngdorf gedacht, denn der Verstärker ist mit dem Roon- Ready-Siegel ausgezeichnet, das volle Kompatibilität verspricht. Damit lässt sich der 3400 in eine Roon-Umgebung einfügen, mit anderen Geräten zentral steuern und er erhält Zugriff auf mit dem Programm gekoppelte Streamingdienste wie Qobuz oder Tidal. Voraussetzung dafür ist natürlich der Besitz der entsprechenden Abos und Lizenzen. Mit einer Bluetooth-Verbindung, die dank Standard 4.2 verlustfrei arbeitet, ist die gesamte Palette an nutzbaren Anschlüssen dann endlich abgedeckt. Man muss ganz klar sagen, dass der TDAI-3400 absolut zu den am besten ausgestatteten Geräten seiner Art gehört. Im Prinzip benötigt man nur ein paar Lautsprecher, schon ist die HiFi-Anlage fertig. Was für Schallwandler man sich aussucht, stellt Lyngdorf dem Nutzer vollkommen frei. Sie geben ihrem Prachtstück einfach so viel Leistung mit auf den Weg, dass praktisch alles möglich ist. In unserem Messlabor erreichte der Verstärker mit acht Ohm Impedanz satte 225 Watt, während es bei nur vier Ohm sogar enorme 416 Watt Leistung waren, die an den festen Lautsprecherklemmen an der Rückseite anlagen. Was will man mehr? Was neben der reinen Leistung beim TDAI-3400 interessant ist, ist, was mit den Signalen passiert, bevor sie ausgegeben werden. Lyngdorf nutzt hier nämlich eine vollständig digitale Signalverarbeitung. Erst mit der Verstärkung und der Ausgabe wird ein analoges Signal erstellt. Dafür werden PWM-Endstufen genutzt, bei denen kein separater Digital-Analog-Wandler nötig ist. Dennoch ist das Gerät in der Lage, eine große Bandbreite an möglichen Abtastraten zu verarbeiten. Per Streaming und USB sind bis zu 384 kHz bei 32 Bit möglich. Auch DSD kann bis 5,6 MHz genutzt werden. S/PDIF und HDMI-Eingänge sind technisch bedingt wie immer auf 96 beziehungsweise 192 kHz und 24 Bit limitiert. Die rein digitale Verarbeitung der Signale hat aber noch einen anderen Vorteil, denn so kann eine umfangreiche Klangregelung vorgenommen werden. Auch hier geht Lyngdorf wieder deutlich über Branchenstandards hinaus. Während andere Verstärker sich oft auf eine simple Anpassung von Höhen und Bässen beschränken, wird hier ein aufwendigerer Weg gewählt. Im TDAI-3400 kommt Lyngdorfs Room-Perfect-System zum Einsatz. Dabei wird der Raum mit einem beigelegten Mikrofon analysiert und eine passende Korrekturkurve erstellt, was sehr nutzerfreundlich umgesetzt wurde. Nachdem man das Mikro angeschlossen hat, wird es zunächst am Hörplatz aufgestellt. Nach einer ersten Lautstärkeanpassung gibt der Verstärker erst links, dann rechts einige Töne aus, mit denen der Fokuspunkt optimiert wird. Anschließend kann man das Mikrofon noch an mehreren zufälligen Stellen, Höhen und Richtungen im Raum aufstellen, wodurch die Anpassung weiter verbessert wird. Nach ungefähr 10 Minuten und vier bis fünf unterschiedlichen Positionen zeigte das Gerät eine Raumkenntnis von 95 Prozent an, womit der Vorgang abgeschlossen ist. Danach können noch weitere Positionen gemessen werden, um das Ergebnis weiter zu perfektionieren. Neben dieser automatischen Raumkorrektur bietet das System noch eine weitere Art der Anpassung, die aber manuell vorgenommen werden muss. Mit einem Kurzbefehl, den man in die Adresszeile eines Webbrowsers eingibt, gelangt man in das Webmenü des Verstärkers. Hier kann man auf Abspielfunktionen zugreifen oder das Voicing-Setup vornehmen. Dabei handelt es sich um einen Equalizer, der unabhängig von Room Perfect arbeitet. Hier lassen sich Filter und Frequenzbänder einstellen, mit denen man das Signal weiter auf verschiedene Genres oder persönliche Präferenzen hin bearbeiten kann. Sowohl die Room-Perfect-Korrektur wie auch die Voicing-Presets lassen sich als Backup auf einer SD-Karte speichern, die man an der Geräterückseite einstecken kann. Sollte man also mal etwas verstellt haben oder etwas verloren gehen, kann man auf seine Sicherung zurückgreifen. Das große Display an der Front des Gerätes zeigt stets an, welche Klangreglungsalgorithmen gerade genutzt werden. Auch Lautstärke und Quelle werden hier angezeigt, die entweder mit den beiden Reglern an der Front oder der Fernbedienung eingestellt werden können. Auch die Bypass-Funktion des Gerätes, die jede Klangregelung umgeht, kann mit der Fernbedienung spontan aus- und angeschaltet werden, um einen besseren Eindruck von den klanglichen Veränderungen zu machen, die vorgenommen wurden. Für die Nutzung des integrierten Streamers hingegen sollte die Lyngdorf-Remote-App genutzt werden, sofern man auf die Roon- Einbindung verzichtet. Hier dominiert klar der virtuelle Lautstärkeregler das Interface. Damit lässt sich der Schalldruck ausgenommen präzise einstellen. Deutlich besser, als dies selbst bei Roon der Fall ist, und auch der echte Regler an der Front hat hier aufgrund seiner enormen Leichtlauf-Eigenschaften ein wenig das Nachsehen. Über die App lassen sich dann bequem Stücke von Servern, USB oder aus dem Internet auswählen. Die obere Bildschirmkante bleibt der Quellenwahl, der Room- Perfect- und der Voicing-Einstellung vorbehalten. Insgesamt eine schön gemachte App, mit der sich der Verstärker gut bedienen lässt. Wie aber bereits gesagt, ist ja alles, was Lyngdorf hier zusammengetragen hat, nur Mittel zum Zweck. Der Klang soll schließlich stimmen, was er zweifelsohne tut. Sehr differenziert und räumlich gibt der TDAI-3400 die Musik wieder. Die Bühne wirkt sehr breit und tief, lässt eine gute Ortung zu und hüllt den Hörer beinahe mit Musik ein. Dazu löst der Verstärker die Signale sehr fein auf, bietet viele Details und gibt gerade den Hochton wunderbar fein wieder. Auch in den mittleren Frequenzbereichen spielt der Verstärker seine Stärken aus. Stimmen wirken klasse und Percussion-Instrumente sind dynamisch, ohne aufdringlich zu werden. All dies gelingt dem TDAI-3400 bereits mit eingeschalteter Bypass- Funktion. Ein kurzer Befehl reicht ihm, um die ganze Kraft seiner digitalen Klangregelung zu demonstrieren. Mit eingeschaltetem Room Perfect wirkt alles noch mals deutlich dynamischer und druckvoller. Dazu scheint die Musik noch mehr Kontur zu erhalten, wirkt etwas definierter und mehr auf den Punkt. Dazu wird der Raum nochmals vergrößert und der Verstärker schafft es so, den Hörer mitzureißen. Ein beeindruckender klanglicher Unterschied, der gerade in akustisch ungünstigen Räumen zu klar verbesserter Performance führt. Lyngdorf hat mit dem TDAI-3400 ein echtes Schlachtschiff von einem Digitalverstärker geschaffen. Während Puristen vielleicht noch den Kopf schütteln werden, genießen andere die enormen Vorteile der digitalen Signalverarbeitung und profitieren von der technologischen Entwicklung. Natürlich bleibt Musikwiedergabe immer auch von physikalischen Dingen abhängig, denen man auch mit noch so hervorragender Technik niemals beikommen wird. Doch wer in jedem Raum wirklich ausgezeichneten Klang haben möchte, ohne renovieren zu müssen, erhält mit dem TDAI-3400 ein enorm mächtiges Werkzeug.

Fazit

Bereits für sich selbst genommen ist der TDAI-3400 ein toller Verstärker. Exzellent ausgestattet, schön designt und mit enorm viel Leistung versehen, ist er schon eine Nummer für sich. Mit der ausgefeilten Klangregelung bietet Lyngdorf dann das perfekte Mittel für hervorragenden Klang in jeder Umgebung.

Preis: um 5000 Euro

Vollverstärker

Lyngdorf TDAI-3400


06/2019 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 5.000 Euro (Analog-Modul um 400 Euro) (HDMI-Modul um 400 Euro) 
Vertrieb: G8 & friends, Hamm 
Telefon: 02369 2068003 
Internet: www.g8friends.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 450/105/360 
Eingänge: 1 x Ethernet WLAN (inkl. AirPlay) 1 x USB-B 1 x AES/EBU 2 x S/PDIF BNC 3 x Toslink optisch 1 x XLR Stereo 5 x RCA Stereo 1 x SD Karte (Backup) 2 x USB-A (1 x vorne) 1 x 3,5-mm-Klinke (Mikro) Bluetooth 
Unterstützte Formate: gängige PCM-Formate und DSD 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 384 kHz, 32 Bit DSD bis DSD128, 5,6 MHz, 1 Bit 
Ausgänge: 1 x Lautsprecher Stereo 1 x XLR Stereo 1 x RCA Stereo 1 x S/PDIF koaxial 1 x 3,5-mm-Kopfhörerausgang (vorne) 
Leistung: etwa 225 Watt an 8 Ohm, etwa 416 Watt an 4 Ohm 
checksum „Bereits für sich selbst genommen ist der TDAI-3400 ein toller Verstärker. Exzellent ausgestattet, schön designt und mit enorm viel Leistung versehen, ist er schon eine Nummer für sich. Mit der ausgefeilten Klangregelung bietet Lyngdorf dann das perfekte Mittel für hervorragenden Klang in jeder Umgebung.“ 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 19.06.2019, 14:10 Uhr
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