Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Nubert nuPower A


Der Klotz

Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 1
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Manchmal erwischt dich einfach ein trockener Haken in die Magengrube. Neulich zum Beispiel. Die Faust hinter diesem hier ist im Schwabenland beheimatet und kam so überraschend, dass wir eine Weile gebraucht haben, um wieder zu Atem zu kommen

Ausgerechnet Nubert. Seit vielen Jahren erfolgreicher Lautsprecherhersteller, von nichts anderem beseelt als des Ingenieursgeistes reiner Lehre. In letzter Zeit extrem präsent mit DSP-gesteuerten Aktivlautsprechern, Und wem das noch nicht reicht, für den gibt‘s seit einiger Zeit eine „Digital“-Verstärkerkombination modernster Machart, ebenfalls mit digitalem Signalprozessor in der Vorstufe und schaltender Endstufe mit Ausgangsleistung bis zum Abwinken. Also alles bestens, den technologischen Anspruch ans eigene Tun passend umgesetzt – und jetzt das hier: 42 Kilogramm pure Anarchie. Und das teuerste Nubert-Produkt aller Zeiten. Der „nuPower A“ ist eine „analoge“ Endstufe reinsten Wassers.

Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 2Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 3Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 4Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 5Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 6Endstufen Nubert nuPower A im Test, Bild 7
Eigentlich sind alle Leistungsverstärker – auch Schaltverstärker – analog, aber wir passen uns hier sicherheitshalber mal dem allgemeinen Sprachgebrauch an. Das „A“ in der Typenbezeichnung steht also für analog, nicht etwa für die Ruhestromeinstellung – so weit geht’s dann doch nicht. Das dicke Ding leistet fast 500 Watt pro Kanal an Vier-Ohm-Lasten, ist so weit von Fernostware entfernt, wie es nur geht und kostet verhältnismäßig moderate 3.750 Euro. Nervös? Waren wir auch. Fast mittig auf der Front des nuPower A prangt ein großer Drehknopf. Da will der Vollverstärkerreflex unterdrückt werden, denn das Ding ist beileibe kein Lautstärke knopf, sondern ein Drehschalter für die beiden anschließbaren Lautsprecherpaare. Fast wie damals bei den Japanern aus der großen Zeit des Fernost-HiFis. Mit dem Unterschied, dass der Nubert so potent und stabil ist, dass Sie ruhigen Gewissens so ziemlich alles an beide Klemmensätze stöpseln dürfen, was Sie so da haben. Sorgen ob irgendwelchen impedanzbedingten Ungemachs brauchen Sie nicht zu haben. Rein äußerlich gibt sich das Gerät dezent und wertig verarbeitet. Die Aluminium-Wandstärken stellen auch den sensiblen Highender zufrieden; die Kühlkörper, die die beiden Seiten bilden, sind sauber abgerundet – eine der wenigen schweren Endstufen, die mit geringem Verletzungsrisiko zu transportieren ist. Rückseitig gibt’s Cinch- und XLR-Eingänge, und das sind beileibe keine Alibi-Buchsen: Der nuPower A ist bis vor die Ausgangsstufe symmetrisch aufgebaut. Warum nicht konsequent bis zum Schluss? Weil dann kein Brückenbetrieb möglich wäre – jawohl, die beiden Kanäle lassen sich so verkoppeln, dass nochmals das ungefähr Doppelte an Leistung zur Verfügung stünde – wir haben’s weder ausprobiert noch nachgemessen, das hätten unsere Messwiderstände nicht gemocht. Der Blick unter den Deckel offenbart alles, aber keine sprichwörtlich schwäbische Sparsamkeit: Dem strengen Doppelmonodiktat gehorchend, sitzt eine Endstufenplatine auf dem linken, die andere auf dem rechten Kühlkörper. Die Eingangsstufe residiert da, wo es am sinnvollsten ist, nämlich direkt bei den Eingangsbuchsen, und steckt in einem abschirmenden Blechgehäuse. Mittig gibt’s eine ausladende Netzteilplaine. Dort tummeln sich acht großvolumige Siebelkos, aus schnellen Einzeldioden aufgebaute Gleichrichter auch für die Leistungsstufen. Ein kompakter Ringkerntrafo versorgt „den Kleinkram“, ein Schaltnetzteil bildet die Standby-Versorgung, damit das Gerät unterhalb der erlaubten 0,5 Watt Stromaufnahme in diesem Modus bleibt. Die Endstufe selbst arbeitet pro Kanal mit acht modernen Lateral-Mosfets. Das ist eine spezielle Bauform des klassischen Mosfets, die tatsächlich eigens für Audiozwecke entwickelt wurde und sich sich durch hohe Dauerbelastbarkeit, geringe Temperaturdrift und hohe Bandbreite auszeichnet. Jeweils vier davon parallelgeschaltet haben auch mit den hier auftretenden Leistungen überhaupt kein Problem. Die Ansteuerung der Power-Halbleiter überlässt Entwickler Markus Pedal einem integrierten Baustein von Texas Instruments, der eigens für solche Aufgaben gedacht ist. Und der, wie so viele andere für „unser“ Metier spannende Teile, schon nicht mehr gefertigt wird – ich denke aber mal, dass Nubert ausreichende Stückzahlen bevorratet hat. Die Endtransistoren sind penibel auf Gleichheit selektiert, damit beim Betrieb im Grenzbereich nicht einer „besser“ ist als die anderen, die ganze Arbeit allein macht und seinem frühen Ableben „entgegenmalocht“; der nuPower A trägt seine imposanten Leistungsdaten nämlich nicht nur publikumswirksam zur Schau, er kann auch wirklich liefern – und das auf Dauer. Mich würd’s nicht wundern, wenn die Endstufe auch im Beschallungsbetrieb eine ziemlich gute Figur machen würde – wenn denn irgendjemand heutzutage noch bereit wäre, ein solches Gewicht durch die Gegend zu schleppen. Ein Gutteil der erklecklichen Masse des Gerätes sitzt im Untergeschoss und ist so gut unter abschirmendem Blech verborgen, dass sogar ich mein Verlangen, ein Foto davon abzuliefern, aufgegeben habe: Zwei Schnittbandkerntrafos mit je 700 VA Belastbarkeit versorgen den nuPower A. Das hat nichts mit den allgegenwärtigen Ringkerntrafos zu tun; Schnittbandkerne sind nicht aus gepresstem Eisenpulver gefertigt, sondern aus echten Blechen gewickelt. Sie brauchen bei gleicher Belastbarkeit etwas mehr Platz, sind teurer als Ringkerne, jedoch elektrisch deutlich gutmütiger und erzeugen kleinere Einschaltströme. 1400 VA auch davon schaltet man aber trotzdem nicht ein, ohne dass die Haushaltssicherung fliegt: Markus Pedal ersann deshalb einen speziellen Nulldurchgangsschalter, der die Trafos zuverlässig im günstigsten Moment der Netzwechselspannung in Betrieb nimmt. Funktioniert bestens. Bleibt noch das Kästchen mit der Eingangsstufe: Darin verbergen sich ebenfalls Spezialchips, die symmetrisch verstärken und unsysmmtrische Signale (also die von den Cinchbuchsen) in symmetrische umwandeln. Klar gibt’s Schutzschaltungen gegen alle denkbaren Fehlerquellen, selbstverständlich werden die Lautsprecher beim Ein und Ausschalten des Gerätes verzögert zu- und schnell abgeschaltet. Ich nenne das eine rundum gelungene, professionelle Entwicklung. Was fehlen mag, ist ein gewisses Maß an highendigem Flair, eine kleine elektronische Sensation oder zumindest vergoldete Leiterbahnen. So aber ist die Nubert-Endstufe „nur“ eine auf den moderneren Errungenschaften der Halbleiterindustrie basierendes, überaus solides, bestens funktionierendes Gerät mit gewaltigen Leistungsreserven. Zugegeben – ich hatte ein wenig befürchtet, das Ganze würde sich in einem technisch sehr korrekten, aber das gewisse Etwas vermissen lassenden Klangbild niederschlagen. Glück gehabt – dem ist nämlich beileibe nicht so. Der nuPower A ist ein immens stabiler, flüssig-charmanter Verstärker, dessen Reserven für jederzeit fühlbaren Nachdruck sorgen. Gerade im Bass gibt‘s Volumen, gepaart mit bester Durchzeichnung. Das klingt nicht knochentrocken, sondern schafft eine selten schöne Kombination aus Substanz und Feinsinn. Das klappt am kompkaten Zweiweglautsprecher gleichermaßen wie an der gewaltigen Gauder Berlina RC8, die in Verbund mit der nuPower A in Sachen Dynamik und Autorität Bestmarken in unserem Hörraum aufstellt. Tatsächlich klingt sogar die großartige Bryston 4BSST² nicht ganz so losgelöst und selbstverständlich wie die Nubert, kann‘s ganz oben heraus aber noch mit ein bisschen mehr Luft. Die Nubert gibt sich erfreulich transparent und schafft es locker, den charakterlich durchaus besonderen Auftritt des SPEC-Plattenspielers mit all seinem Charme und Mut abzubilden. Über diese Kette Nina Simones 1961er-Konzert im Village Gate, New York zu genießen, ist ein Erlebnis der Extraklasse – ganz erstaunlich für eine Endstufe, die nach dem Tonabnehmer die zweitgünstigste Komponente in der Kette ist.


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Designauszeichnung für nuPower A: Red Dot Award 2017


Der analoge Endverstärker nuPower A von Nubert erhielt mit der Ernennung zum „Best of the Best“ die höchste Auszeichnung im angesehenen Red Dot Award: Product Design 2017. Bereits 2016 hatten die Vorstufe nuControl und die Endstufe nuPower D den Red Dot für ihre hohe Designqualität errungen. Die neue Spitzenauszeichnung unterstreicht, dass Nuberts Anspruch, Maßstäbe zu setzen, außer dem ehrlichen Klang auch erstklassige Gestaltung umfasst.


Der Red Dot Award: Product Design wird jährlich vom Design Zentrum Nordrhein Westfalen e.V. ausgeschrieben und von einer international hochkarätig besetzten, rund 40-köpfigen Jury in 47 Kategorien vergeben. Mit der Auszeichnung „Best of the Best“ in der Sparte Unterhaltungselektronik/Audio beweist der nuPower A nun nicht nur, dass er sich in Innovationsgrad, formaler Qualität, Funktionalität und Ergonomie – um einige der Bewertungskriterien zu nennen – von vergleichbaren Produkten auf dem Markt abhebt. Vielmehr würdigt diese höchste Auszeichnung nur die besten Produkte einer Sparte für ihre „wegweisende Gestaltung“. Für diese verantwortlich zeichnet das Nubert Projektteam: Roland Spiegler von der Geschäftsleitung, Projektleiter Markus Pedal und Produktionsleiter Miro Micklitz. Sie haben die ebenfalls mit einem Red Dot prämierte Formensprache von nuControl und nuPower D, die zusammen mit dem verstorbenen Produktdesigner Andreas Utz entworfen wurde, für den nuPower A auf die zwei zentralen Power- und Selector-Bedienelemente auf der massiven Frontplatte reduziert. Die markanten Kühlrippen an den Gehäuseflanken visualisieren zudem ausdrucksvoll, mit wie viel Kraft der Verstärker Klänge von höchster Reinheit reproduziert.Unternehmensgründer Günther Nubert sieht sich durch die erneute hochklassige Auszeichnung bestätigt: „Unsere Lautsprecher und Verstärker haben sich bislang vor allem aufgrund ihrer technischen Brillanz durchgesetzt. Dass sie nun auch vermehrt Designpreise erringen und dennoch in ihrer Klasse durch attraktive Preise bestechen, beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“


Fazit

Gewaltige Reserven, feinsinniger, gefühlvoller Sound – Nuberts Experiment in Sachen klassischer Verstärkertechnik ist ein voller Erfolg zu einem angenehm zivilen Preis.

Preis: um 3750 Euro

Endstufen

Nubert nuPower A


07/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Nubert, Schwäbisch Gmünd 
Telefon 07171 926900 
Internet www.nubert.de 
Garantie 2 Jahre 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/220/455 
Gewicht (in Kg) ca. 42 kg 
Unterm Strich... Gewaltige Reserven, feinsinniger, gefühlvoller Sound – Nuberts Experiment in Sachen klassischer Verstärkertechnik ist ein voller Erfolg zu einem angenehm zivilen Preis. 
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Autor Holger Barske
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Datum 04.07.2017, 09:55 Uhr
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