Kategorie: Endstufen

Einzeltest: PS Audio Stellar M1200


Röhrencharme mit Leistung

Endstufen PS Audio Stellar M1200 im Test, Bild 1
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1974 hatte der Radio-DJ Paul McGowan Probleme. Aus akutem Geldmangel beim lokalen Radiosender musste er schnell einmal die dort dringend benötigte Phonostufe eben mal selbst konstruieren und zusammenlöten – das Ergebnis bei Hörtests im Bekanntenkreis war so überzeugend, dass McGowan mit geliehenen 500 Dollar seines neuen Kompagnons Stan Warren unter dem Namen PS-Audio eine Kleinserie auflegte und so den Grundstein für die bis heute florierende Firma legen konnte.

Noch ein bisschen mehr Geschichte: Nach der Phonostufe (die übrigens mit vollem Rückgaberecht verkauft wurde – und trotzdem wurden von 2000 Exemplaren nicht einmal zehn zurückgegeben) legten die beiden nach: Es gab Vorstufen, Endverstärker und dann auch irgendwann der erste separate DA-Wandler der Welt.  

Und doch - trotz des Erfolgs mit PS-Audio, verließ Paul McGowan die Firma, suchte nach neuen Herausforderungen und fand sie durch seinem neuen Geschäftspartner Arnie Nudell – das Ergebnis waren die absoluten Traumschallwandler von Genesis, die unter Audiophilen ganz heiße Anwärter auf den Titel „Beste Lautsprecher der Welt“ gelten. Allen Ehren und Erfolg zum Trotz: seine Wurzeln kann man nicht so einfach vergessen und so war es nur logisch, dass McGowan 1998, als „sein“ PS-Audio in eine schwere finanzielle Schieflage geriet, die Firma zurückkaufte und wieder in sicheres Fahrwasser brachte.

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In Deutschland sind uns zuerst die seitdem mit großem Erfolg produzierten Power Plants aufgefallen, quasi kleine Kraftwerke, die eine von der Netzversorgung fast völlig unabhängige saubere Wechselspannung zur Verfügung stellen.  

Aber natürlich baut PS Audio mit großem Erfolg verschiedene Serien von Verstärkern, die ich persönlich in ihrem äußerlichen Understatement sehr attraktiv finde.  

PS-Audio-Geräte setzen nämlich in meinen Augen einen äußerst attraktiven Gegenpol zu den oftmals optisch komplett überkandidelten Vertretern der High-End-Fraktion, bei denen man leider allzu oft „außen hui, innen pfui“ konstatieren muss.   


Ausstattung

 
Ganz anders dagegen unsere Testgeräte, ein Pärchen der recht neuen Endstufen der „Stellar“ Serie, ganz einfach Stellar M1200 benannt. Wenn Sie in Ihrer Phantasie jetzt so mutig sind, zwischen der Zahl in der Typenbezeichnung und der Ausgangsleistung einen Zusammenhang zu erkennen, dann kann ich Ihnen sagen: Sie haben völlig Recht!  

Aber zurück zum Äußeren der beiden Monoblöcke. Die Front ist angenehmen unaufgeregt: Eine durch eine Schattenfuge unterteilte Frontplatte in Silber (die M1200 gibt es auch in Schwarz), rechts unten die Typenbezeichnung, links oben das Firmenlogo, das gleichzeitig auch ein blau beleuchteter Einschalter ist – einfach, aber genial. Mehr ist über die Vorderseite auch schon nicht zu berichten. Rückseitig gibt es 4 massive Polklemmen aus Metall – das bedeutet aber nicht, dass man hier ein Paar Lautsprecher anschließen kann - es ist einfach ein Service für Kunden, die Bi-Wiring betreiben wollen. Oder man schließt einen Subwoofer an, der High- Gain-Eingänge hat. Man sollte übrigens nicht in die Versuchung geraten, hier eine Brückenschaltung zu wagen: Erstens ist der Verstärker schon in einer erdfreien Brückenschaltung ausgeführt, deswegen auch die separate Ground- Klemme, zweitens sollte die erzielte Leistung wirklich, also WIRKLICH für alle Einsatzzwecke reichen.  

Ansonsten gibt es kleine Klinkenbuchsen für die anlageninterne Steuerung des Ein- und Ausschaltens. Der Vorverstärker wird entweder über Cinch- oder XLR-Kabel angeschlossen. Der harte Netzschalter komplettiert das Bild der Rückseite.   

Technik

 
Fast: Eine kleine Service-Klappe hinten links erregt die Aufmerksamkeit: Dahinter verbirgt sich – tatsächlich! – eine Röhre des Typs 12AU7, die der europäischen ECC82 entspricht.  

Diese Doppeltriode bildet das Herzstück der Eingangsstufe und zeichnet maßgeblich für den Klang der M1200 verantwortlich. Ein kleiner Exkurs dazu: Röhrenverstärker gelten in der audiophilen Gemeinde bei vielen als das Maß der Dinge in Sachen Verstärker, ganz einfach, weil sie durch ihr Klirrverhalten die angenehmen, geradzahligen Obertöne zum eigentlichen Signal hinzufügen. Dies erkauft man sich aber durch etliche Nachteile: oft geringe Ausgangsleistung und ein fast immer lausiger Dämpfungsfaktor machen die Paarung mit handelsüblichen Lautsprechern zur reinen Lotterie. Also kombinieren viele gewitzte Leute eine Röhrenvorstufe mit einer Transistorendstufe, um die Vorteile beider Bauarten ohne ihre Nachteile zu bekommen. Und genau das macht PS-Audio hier in einem Gerät und man geht sogar einen Schritt weiter: Die nachgeschaltete Leistungsendstufe ist nicht einmal mehr eine klassische AB-Endstufe, sondern ein Class-D-Verstärker modernster Bauart. Allen Unkenrufen zum Trotz: Davor muss heute nun wirklich niemand mehr Angst haben: Class-D-Verstärker klingen weder hart noch „digital“ – dank einer ausgeklügelten Filtertechnik spielt die Schaltfrequenz im hörbaren Bereich absolut keine Rolle mehr.  

Auf der Habenseite findet man eine Verstärkertechnik, die in Sachen Energieverbrauch wesentlich effiziente ist, als Class-A, Class-AB oder gar Röhrenverstärker – in heutigen Zeiten des Umdenkens ein gewichtiges Argument! Und wo sonst findet man eine Endstufe, die bei einem Gewicht von gerade mal 13 Kilogramm eine Ausgangsleistung von über 1000 Watt an 4 Ohm mobilisiert?  

Für unseren Test hat uns PS Audio noch die passende Vorstufe mit DAC geliehen, um die beiden M1200 mit Signalen zu versorgen. Zu diesem Gerät auch noch ein paar Worte: Der Stellar Gain Cell DAC ist äußerlich ebenso schlicht aufgebaut wie die M1200. Er beinhaltet einen kompletten DAC, der alles an digitalen Signalen verarbeitet, was heute üblich ist, natürlich auch inklusive DSD. Die analoge Verstärkerschaltung basiert auf der PS-Audio- Entwicklung namens Gain Cell Dieser Begriff bezeichnet eine komplette Verstärkerstufe, die von PS-Audio für eine theoretische Maximalverstärkung von 130(!) Dezibel konstruiert wurde. Stolz ist man beim Hersteller auf die hervorragenden Messwerte (die wir übrigens bestätigen können) und vor allem darauf, dass kein Lautstärke-Potentiometer mehr im Signalweg liegt. Der Regler auf der Frontplatte steuert nur noch den variablen Verstärkungsgrad der integrierten Schaltung. Die Gain Cell ist inzwischen Bestandteil fast aller Geräte von PS-Audio, kein Wunder, kann sie doch durch die externe Beschaltung universell für jeden Verwendungszweck eingesetzt werden.   

Praxis

 
Nach dem grandios absolvierten Gang im Messlabor mussten die M1200 zeigen, was sie können. Und das ist eine ganze Menge: Keine Spur von „Technik-Klang“ – im Gegenteil: Mit der Röhren klingt´s frisch und klangfarbenreich – mit der Leistung der Endstufe oben drauf dynamisch wie selten gehört. Und das ist auch nur logisch: Die M1200 hat auch bei hohen Grundlautststärken noch schier unendliche Reserven für dynamische Sprünge. Da muss man sich auch gar nicht lange mit totkomprimierten Mainstream-Pop-Produktionen aufhalten – die klingen auch halbwegs übers Küchenradio.  

Aber ein Album, das ich immer wieder gerne höre, wie der grandios remasterte Rolling- Stones-Klassiker Beggar´s Banquet tönt lebensnah und frisch wie gestern eingespielt aus den Lautsprechern – über die Maximallautstärke dabei entscheidet allein der Hörer.  

Und bei klassischer Musik, die ja grundsätzlich einen höheren dynamischen Spielraum erfordert als Popmusik, laufen die beiden Endstufen zu ganz großer Form auf: Klavieraufnahmen haben diesen kleinen Extra-Schub bei harten Anschlägen, während ausklingende Saiten schier unendlich nachschwingen. Orchester- Tutti geraten besonders eindrucksvoll: Während viele Verstärker hier die weiße Fahne schwingen und aus brachialen Einsätzen ein verwaschenes Getöse machen, behalten die PS-Audio den Überblick und bilden jedes einzelne Instrument tonal präzise und mit perfekter Ortbarkeit an seiner Position ab – das ist ganz große Musikalität und ganz nah an der Perfektion.

Fazit

Die PS-Audio-Hybridendstufen M1200 verbinden das Flair einer Röhreneingangsstufe mit der schier unendlichen Kraft moderner Class-D-Verstärkung zu einem hochmusikalischen Ganzen.

Preis: um 7500 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

Endstufen

PS Audio Stellar M1200

Referenzklasse

5.0 von 5 Sternen

12/2021 - Thomas Schmidt

 
Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Mono-Endstufen 
Vertrieb Hifi 2die4, Leinzell 
Telefon 07175 909032 
Internet www.hifi 2die4.de 
Ausstattung
Ausführung: Schwarz, Silber 
Abmessungen (in mm) 95/430/310 
Gewicht (in Kg) ca. 13 
Garantie (in Jahre) 3 Jahre 
Anschlüsse: XLR, Cinch 
Preis/Leistung sehr gut 
+ exzellenter Klang 
+ elegante Optik 
+/- + hohe Energieeffizienz 
Klasse Referenzklasse 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 10.12.2021, 09:58 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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