Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Apertura Adamante


French Connection

Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 1
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Die Marke Apertura ist in Frankreich seit Langem bekannt für hochklassige Lautsprecher. In Deutschland ist die Marke eher ein Geheimtipp – Grund genug also, der zweitgrößten Apertura-Standbox namens Adamante mal näher auf den Zahn zu fühlen.

Im schönen Nantes, nicht weit entfernt von der französischen Atlantikküste, beschäftigt sich Chefentwickler Christian Yvon mit der Entwicklung von ganz eigenständigen Lautsprechern. Sein Motto lautet: „Weniger ist mehr“ und daher beruhen alle seine Produkte auf dem Prinzip des Minimalismus. „Ein Lautsprecher sollte wirklich nur das reine Musiksignal wiedergeben, ohne Zugabe von Resonanzen, Verfärbungen, Phasenfehlern oder Verzögerungen bei der Impulsantwort“, so Yvon. Was sich so selbstverständlich anhört, ist in der realen Welt allerdings nur durch jahrzehntelange Erfahrung und akribische Detailarbeit möglich.
Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Apertura Adamante im Test, Bild 7
Und dazu hat Christian Yvon seine Hausaufgaben gemacht. Sämtliche Lautsprechermodelle aus dem Hause Apertura besitzen aufwendig konstruierte Gehäuse, die durch 3D-Computersimulationen und umfangreiche Messungen auf minimale Resonanzen getrimmt wurden. Auch bei dem klanglich kritischen Bauteil Frequenzweiche verlässt sich Yvon nicht auf die klassischen Filtertheorien nach Butterworth oder Linkwitz-Riley, sondern entwickelte eine DRIM genannte, ungewöhnliche Filterstruktur, die ihm eine möglichst ideale Kontrolle der Chassis im Frequenzgang und – noch wichtiger – im Phasengang ermöglicht. Bei der Auswahl der eingesetzten Chassis vertraut Yvon hauptsächlich auf superleichte und dennoch stabile Membranen sowie Bändchenhochtöner. 


Adamante

Mit sattem 53 Kilogramm pro Lautsprecher und einer Höhe von rund 110 Zentimetern gehört die Apertura Adamante zu den ausgewachsenen Vertretern ihrer Art. Die massive Verarbeitung des sanft geschwungenen Gehäuses mit einer Wandstärke von 28 bis 44 Millimetern sorgt für eine extrem stabile Konstruktion, ganz im Sinne des Entwicklers. Denn Christian Yvon will Eigenresonanzen des Gehäuses möglichst perfekt unterdrücken. Zusätzlich zu der massiven Bauart sorgen die geschwungenen, nicht-parallelen Seitenwände für die effektive Verteilung der im Gehäuseinneren unvermeidlichen Resonanzen. Durch die unsymmetrische Konstruktion der Gehäusewände in Sandwichbauweise können sich keine ausgeprägten stehenden Wellen entwickeln und störender Schall innerhalb des Gehäuses lässt sich so viel einfacher durch geeignete Dämmstoffe bekämpfen. Dazu sorgt eine massive Metallplatte auf der Gehäuseunterseite für solide Standfestigkeit, vier weit außen angebrachte Spikes dienen der Kippsicherheit und aufgrund eines zentral angeordneten „Extra-Spikes“ steht die Adamante praktisch auf einem zentralen Punkt direkt unterhalb ihres eigentlichen Schwerpunktes. 


Technologie

Auffälliges Merkmal der Adamante ist ihr riesiger Bändchenhochtöner, der mittig zwischen den beiden Tiefmitteltönern in D‘Appolito-Anordnung monitiert wurde. Dieser Hightech-Hochtontreiber bietet die rund vierfache Membranfläche eines üblichen Kalottenhochtöners bei nur sagenhaft geringen 88 Milligramm Gewicht. Enorme Bandbreite und äußerst impulsive Hochtonwiedergabe bei minimalen Verzerrungen und Nichtlinearitäten sind die hörbaren Vorteile einer technisch aufwendigen Bändchen-Konstruktion. Bei der Adamante gibt es einen dezidierten „linken“ und „rechten“ Lautsprecher, deren Grundfläche sich quasi spiegelt. Daher konnte auch der Bändchenhochtöner jeweils in der Nähe einer Gehäusekante (jeweils links und rechts) montiert werden, wodurch störende Kantenbrechungen am Lautsprechergehäuse auf verschiedene Frequenzen verteilt werden und somit deutlich weniger den Klang verfälschen können. Zwei Tieftöner mit einem Membrandurchmesser von 140 Millimetern kümmern sich um die Tiefmitteltonwiedergabe im Bassreflexgehäuse – der dazugehörige große Reflexport befindet sich übrigens unsichtbar auf der Gehäuseunterseite. Als Membranmaterial kommt eine von Apertura „Isotaktische Matrix“ genanntes Material zum Einsatz, welches einen Verbundwerkstoff auf Polyproylenbasis darstellt. Abseits vom hochtrabenden Namen sind die für uns interessanten Aspekte eher die hohe Steifigkeit und hohe innere Dämpfung bei geringem Gewicht der Membran– gut so! Großes Augenmerk hat Christian Yvon auf die zwei separaten Frequenzweichen für Hochton und Tiefmittelton gelegt. Nur hochwertige Komponenten wie Folienkondensatoren und Luftspulen und extrastark mit Kupfer beschichtete Montage-Platinen kommen zum Einsatz, auch soll die eigens entwickelte „DRIM“-Filterschaltung für optimales Phasenverhalten des gesamten Lautsprechers sorgen.

Labor und Praxis

In unserem Akustik-Labor sammelt die Adamante dank vorzüglicher Werten jede Menge Pluspunkte. Ihr ausgewogener, sehr linearerer Frequenzgang erstreckt sich weit über die Hörgrenze hinaus und weist keine Einbrüche oder störende Peaks auf. Auch die Abstrahlung unter Winkel ist vorbildlich – selbst bei einer 30°-Hörposition bleibt die Adamante vorbildlich ausgewogen. Im Tieftonkeller verhält sich die große Apertura Adamante im Labor unter Freifeld-Bedingungen eher zurückhaltend und eignet sich daher problemlos für wandnahe Aufstellung im Hörraum. In puncto Verzerrungsarmut und Impulstreue zeigt die Adamante auch im Messdiagramm, dass wir hier über die Referenzklasse reden, denn im Wasserfall-Diagramm lassen sich oberhalb 500 Hz praktisch keine Überschwinger ausmachen. So sieht eine Impulswiedergabe nach Lehrbuch aus! Beim Hörtest konnte in unserem Hörraum eine Ausrichtung der Boxen mit zur Wand parallelen Vorder- und Rückseiten am besten überzeugen. Denn so lieferte die Apertura Adamante eine beachtlich präzise und griffige Raumdarstellung. Von den Lautsprechern völlig losgelöst sang Cassandra Wilson auf „Blue Light ‘Til Dawn“ und stand dennoch fest verankert auf einer virtuellen Bühne. Selbst die Darstellung der dreidimensionalen Ausrichtung der Bühne in die Tiefe gelang der Adamante mit Bravour. Tonal braucht man zur Beschreibung eigentlich nur ein einziges Wort: perfekt! Trotz ihrer Verliebtheit in feinste Klangdetails springt kein Frequenzbereich in den Vordergrund oder wird vernachlässigt, alles stimmt auf den Punkt genau. Im Basskeller vermisst der ambitionierte Jazz- und Klassikfan kaum Druck oder Tiefgang, auch wenn die Apertura eher sanft und verhalten Kontrabass und Bassdrum wiedergibt. Als Partybox, für Techno- oder Heavy- Metall-Orgien ist die Apertura Adamante sowieso zu schade, ihre Vorzüge liegen ganz klar in der ehrlichen, realistischen, packenden Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten von exzellenten Tonaufnahmen.

Fazit

Steht die perfekte Wiedergabe von erstklassigen Aufnahmen im Vordergrund und sind Aspekte wie packende Räumlichkeit und realistische Klangfarben wichtig, kann die Apertura Adamante eine echte Empfehlung sein. Dann lässt sich auch die durchaus nennenswerte Investition verschmerzen, die für ein Paar extrem hochwertig verarbeiteter Standlautsprecher fällig wird. Apertura Adamante: Ein Klangtipp für anspruchsvolle Genießer!

Preis: um 18000 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

Lautsprecher Stereo

Apertura Adamante

Referenzklasse

5.0 von 5 Sternen

06/2018 - Michael Voigt

Bewertung 
Klang 70% :
Tonale Ausgewogenheit 20%

Abbildungsgenauigkeit 15%

Detailauflösung 15%

Räumlichkeit 10%

Dynamik/Lebendigkeit 10%

Labor 15% :
Frequenzgang 5%

Verzerrung 5%

Pegelfestigkeit 5%

Praxis 15% :
Verarbeitung 5%

Ausstattung 5%

Bedienungsanleitung 5%

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Standlautsprecher 
Paarpreis um 18.000 Euro 
Vertrieb Apertura Audio, Hamm 
Telefon 02385 5236 
Internet www.haertel-vertrieb.de 
Laborbericht
Ausstattung
Ausführungen Hochglanz: Kirsche, Schwarz, Cream, Rosewood, Ahorn 
Abmessungen (B x H x T in mm) 220/353/1150 
Gewicht (in Kg) 52 kg 
Bauart 2-Wege Bassreflex 
Anschluss Single-Wiring Schraubklemmen 
Impedanz (in Ohm) 4 Ohm 
Tieftöner (Nenndurchmesser/Membrand.) Nein 
Tiefmitteltöner (Nenndurchmesser/Membrand.) 2 x 180 / 160-mm Matrixkonus 
Mitteltöner (Nenndurchmesser/Membrand.) Nein 
Hochtöner 1 x 120-mm-Bändchen 
Besonderheiten Nein 
+ erstklassige Verarbeitung 
+ seidige Hochtonwiedergabe 
+/- unkritische Aufstellung im Raum 
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung angemessen 
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Dipl.-Ing. Michael Voigt
Autor Dipl.-Ing. Michael Voigt
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Datum 26.06.2018, 10:01 Uhr
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