Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Fusion Sound Hi 2-MK3


Grandiose Fusion vieler Welten

Lautsprecher Stereo Fusion Sound Hi 2-MK3 im Test, Bild 1
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Ist es nicht wunderbar, dass es in der großen weiten Welt der Lautsprecherentwicklung immer noch Hersteller gibt, die das Thema ein Stock weit, äh Stück weit neu erfinden?

Da die Firma Fusion Sound aus Krefeld am Niederrhein schon in mehreren Lautsprecher-Jahrbüchern vertreten war, ist sie kein totaler Newcomer mehr. Für mich ist es allerdings die erste Begegnung des Joint Ventures zwischen dem HiFi- Händler Radio Kox in Krefeld und dem Entwickler Karl-Heinz Stock. Kern seiner Idee ist ein System von Kammern im Gehäuse, durch das bestimmte Frequenzbereiche gezielt manipuliert werden.  

Das klingt spannend und da lohnt sich ein längerer Ausflug in die Gedankenwelt von Karl-Heinz Stock. Seine Leidenschaft sind seit 50 Jahren Lautsprecherentwicklungen, hauptberuflich war und ist er Entwickler von Windkraftanlagen. Stock meint süffisant:“Damals gab es die Erkenntnisse von Thiele/Small noch nicht in verständlicher Form.“ Nachdem diese bekannt wurden und Einzug in die Lautsprechertechnik hielten, habe sich zwar viel verändert, die Grundprinzipien seien jedoch gleich geblieben. Mit seiner Sicht auf die Materie und der Erfahrung aus fünf Jahrzehnten kann er aus erster Hand verifizieren, wie sich die Qualität der Chassis, der Weichenbauteile und der Gehäusematerialien in der Breite verbessert hat.

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Durch seine Arbeit mit Strömungsmaschinen und Tragflächen inspiriert hat er, wie oben schon angedeutet, ein sogenanntes Diffusionsgehäuse entwickelt. Das ist ein Begriff aus Molekularmechanik und Strömunglehre der Gase und Flüssigkeiten und hier wird es richtig spannend.  

Die grundsätzliche Überlegung dabei ist, dass Schall keine „Welle“ sei, sondern eine Strömung, ausgelöst durch eine molekulare Anstoßbewegung, wobei das Medium „Luft“ weitgehend ortsfest bleibe. Vergleichen könne man das mit dem Newton´schen Pendel, bei dem sich nur die erste und die letzte Kugel bewegen – so funktioniere Schall auch, sprich nur am Ende und am Anfang des Schallereignisses findet eine Bewegung statt. Stock führt aus, dass im Inneren eines Lautsprechers ein chaotischer herrsche, der sich negativ auf den Hub und die Partialschwingungen der Treiber auswirke. Daher kämen auch die typischen „Dämmstofforgien” in konventionellen Lautsprechergehäusen, um diese wirren Reflexionen irgendwie in den Griff zu bekommen. Stock löst das Problem durch gezielte Diffusion in einer Vorkammer, teilt die Strömungen und mischt sie dann hinter einem „ordnenden“ Filter / Weiche. Die Vorkammer, durch das aufgesetzte Brett markiert, beträgt etwa 25% des Gesamtvolumens. Resultat hiervon ist laut Stock eine verbesserte Raumdarstellung sowie eine Begrenzung des Hubs, was die Belastbarkeit erhöhe und den Verstärker entlaste, da der weniger generatorische Energie kurzschließen muss und die Strömungen sich ohnehin vom Treiber weg bewegten. Diese so aufbereiteten oder wie Stock sie nennt, gesäuberten Signale treiben nun die darunter liegende Tiefbasskammer an, die „nur noch aus Luft bestehe“. Er vergleicht sie mit einer masselosen Membran. Und hier kommt wieder sein Wissen aus der Strömungslehre zum Zug. Strömungen, zu denen auch der Schall gehört, beschleunigen über gekrümmte Flächen. Die Formel dafür lautet: Energie = Masse x Beschleunigung. Beschleunigt man also eine Strömung um den Faktor 2 ist die vierfache Energie enthalten. Das korreliert auch mit der Erkenntnis, dass Lautsprecher einen elektrisch/akustischen Wirkungsgrad von nur wenigen Prozent haben. Stock sagt:“Ich verbessere einfach den Wirkungsgrad, mehr nicht.“ Das schafft er, in dem er in der Tiefbass-Verstärkungskammer verschieden dimensionierte kleinere Kammern mit gekrümmten Flächen aus einem bestimmten Kunststoff einsetzt, die nach sich eine Art Sog- Situation erzeugen. Die Folien sind nur zwischen 0,5 und 1,1 mm dick, ihre Oberflächenstruktur ist Betriebsgeheimnis. In unserem Modell wird die Variante mit glatter Oberfläche verwendet, die weitgehend ausgetestet ist. Stock sagt dazu:“Exakt berechnen kann man Strömungen nicht, das ist nur mit Versuchen zu lösen.“ Die Dicke der Folie ist aber nicht entscheidend, da das Gehäuse drucklos arbeitet. Das Prinzip beruht auf der Überlegung, dass Druckerzeugung sehr uneffektiv ist und drucklose oder im Annäherungsfall Unterdruckereignisse deutlich effektiver sind. Anders herum betrachtet ist Sog etwa sieben mal effektiver in der Energieverwertung als Druck, sonst würde kein Flugzeug fliegen und sich auch kein Windrad drehen.  

Da die Partialschwingungen mit dieser Methode sehr niedrig sind, kann das Gehäuse ohne zusätzlich Versteifungen in MDF von 19 oder sogar nur 16 mm gebaut werden. Und in der Tat resoniert das Gehäuse extrem wenig. Vor dem Port setzen sich die Signale dann mit sehr geringen zeitlichen Differenzen zusammen, die laut Stock unter der Wahrnehmungsschwelle des Gehirns liegen. Durch Erhöhung des Wirkungsgrades soll mit dem 20cm Scan-Speak Discovery Bass eine untere Grenzfrequenz von knapp 80% unterhalb der Freiluftresonanz des Chassis erreicht werden. Im unserem Fall wären das laut Stock 18 Hz (-3 dB), was etwas zu optimistisch ist. Trotzdem ist die Basswiedergabe erstaunlich und geht richtig tief. Obenrum setzt er den berühmten Scan-Speak Ringradiator 832000 ein. Die Weichenbeschaltung hält er einfach, da er den kritischen Mittenbereich über die Diffusoren der Vorkammer manipulieren kann. Also setzt er eine 12dB-Weiche ohne Phasenumkehr ein, ganze fünf Bauteile plus Vorwiderstand sind das. Die Bauteile sind entsprechend hochwertig bzw. selektiert. Dips im Frequenzgang vermeidet er und tatsächlich klingen seine Lautsprecher, ich würde mal sagen freundlich neutral.  

Und schon sind wir beim entscheidenden Kriterium, dem Klang. Denn wie oft habe ich schon von den tollsten Entwicklungen gehört, die sich dann doch nicht in einem wie auch immer geartet besseren Klang niedergeschlagen haben. Nicht so beim Fusion Sound Hi 2-MK3. Neben seinem „freundlich neutralen“ und sehr geschlossenen Grundcharakter erinnert er mich an einen Wolf im Schafspelz aus dem Autobereich. An so einen harmlos daher kommenden Audi, der aber in Wirklichkeit ein RS-Modell mit dem entsprechenden Überholprestige ist. Denn Hubraum scheint der Lautsprecher wirklich ohne Ende zu haben: frei und sehr weitgehend unlimitiert spielt er sich durch jedwedes musikalisches Genre und besticht tatsächlich mit einer Basswiedergabe, die seiner Gehäuse- und Treibergröße spottet. Das Design kann der Kunde übrigens frei gestalten, zum Kaufpreis gehört sowohl die sachgerechte Aufstellung als auch die Ausphasung der Anlage. Gebaut werden die Sachen in Krefeld. Stock hält übrigens für seine Technologie ein Patent.

Und wie klingt diese Wunderbox? Richtig, richtig gut. Jennifer Warnes´ Stimme ist mit mir im Raum, wenn sie, so intim und präsent können die Lautsprecher sie vermitteln und das gerade auch bei niedrigen Lautstärken, was ich besonders schätze. Roman Leykams (Synthie)-Gitarrensounds erklingen in einem spektakulären Raum, die Perkussion ist weit dahinter angesiedelt – auch hier springt mich eine Art magischer Realismus an. Auffällig sind Impulstreue und Schnelligkeit der Transienten – sowas kenne ich sonst eher von Elektrostaten. Stimme ist mit diesem Lautsprecher aber ein einmaliges Erlebnis. „These Bones“ von den Fairfield Four müssen Sie sich einfach einmal damit anhören. Hier zeigt sich auch die wirklich tiefe Basswiedergabe. Und wie der Brustton ansatzlos im Raum steht, ist schlicht Weltklasse. Dass das Rundstrahlverhalten ebenfalls auf diesem Niveau ist, macht mir besonders viel Freude, denn das ist mir sehr wichtig. Wenn dann schließlich Film & The BB´s ein knackiges Schlagzeugsolo in den Hörraum feuern, hat die Fusion Sound Hi 2-MK3 auch die letzte Hürde genommen, denn auch grobdynamisch lässt sie einfach mal gar nichts anbrennen.  

Fazit

Extrem erwachsen und begeisternd spielender Lautsprecher, der sowohl bei kleinen wie auch bei erstaunlich hohen Lautstärken nichts von seiner Souveränität einbüsst und nicht nur im Bass weit über seine Klasse hinaus spielt.

Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Fusion Sound Hi 2-MK3

Preis: um 8000 Euro


3/2022
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Radio Kox GmbH Krefeld 
Telefon 02151 23613 
Internet www.fusion-sound.de 
Garantie 5 Jahre (Treiber); 10 Jahre (Gehäuse) 
H x B x T 115 x 22 x 357 mm 
Gewicht: ca. 22kg / Stück 
Unterm Strich... Extrem erwachsen und begeisternd spielender Lautsprecher, der sowohl bei kleinen wie auch bei erstaunlich hohen Lautstärken nichts von seiner Souveränität einbüsst und nicht nur im Bass weit über seine Klasse hinaus spielt. 
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Autor Christian Bayer
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Datum 02.03.2022, 09:56 Uhr
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