Kategorie: Lautsprecher Stereo
Lautsprecher Live Act Audio Viola S

Überzeugungen infrage stellen

Lautsprecher Stereo Live Act Audio Viola S im Test, Bild 1
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Bei Lautsprechern habe ich klare Präferenzen. Bitte versuchen Sie erst gar nicht, mich von anderen Dingen zu überzeugen.

Philosophisches


Schwierig wird’s immer dann, wenn Emotionen ins Spiel kommen. Was beim Musikhören ja durchaus schon mal vorkommen kann. Und wenn Sie mein Treiben hier und an anderen Stellen schon länger verfolgen dann wissen Sie, dass das bei mir am Besten klappt, wenn die Membranen groß und aus Pappe sind und sich darüber der eine oder andere Druckkammertreiber an einem ordentlichen Trichter vergnügt. Das hier, das ist so ziemlich das exakte Gegenteil von dem, was ich unter einem ernstzunehmenden Lautsprecher verstehe. Nun habe ich aber so meine Erfahrungen mit Lautsprechern aus dem Hause Live Act Audio gemacht. Und ich weiß, dass unsere Hörpräferenzen da gar nicht so weit auseinander liegen – die wirkungsgradstarken Koaxialwandler aus dem Hause sprechen da eine deutlich Sprache, die ich definitiv verstehe.

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Es hat mich etwas gewundert, dass der Sonthofener Hersteller jetzt mit einen so niedlichen kleinen „Böxchen“ wie der Viola um die Ecke kommt, aber: Wenn Firmenchef Dieter Molitor mir das Ding so wärmstens ans Herz legt, dann muss irgendwas dran sein.  

Konzept


Der Name der pro Paar 6000 Euro teuren Edelkompakten ist übrigens eine Reminiszenz an Viola Vieregge, der langjährigen guten Seele der Firma, die seit Neuestem aber (leider) nicht mehr dort arbeitet. Wer allerdings durchaus noch in Diensten des Unternehmens steht ist Lautsprecherprofi Nico Germanos. Den kenne ich seit vielen Jahren, einerseits wegen seiner Entwicklertätigkeit für diverse große Namen in der Branche, andererseits wegen seines Engagements im Lautsprecherselbstbau. Und auch wenn Nico und ich über die Jahre nicht immer derselben Meinung zu bestimmten Konstruktionen waren – das ist ein erfahrener Mann, der richtig viel kann, das steht völlig außer Frage. Die Viola ist eigenem Bekunden nach eine der aufwändigsten Entwicklungen gewesen, die Nico jemals getätigt hat. Sprich: Die Box ist wirklich fertig durchentwickelt. Ohne Zeit- und Preisdruck. Kein anderer Aspekt dürfte für die Qualität des Ergebnisses so wichtig sein.  

Zur Viola gehört ein spezielles Paar Lautsprecherständer

Lautsprecher Stereo Live Act Audio Viola S im Test, Bild 5
Der Ständer ist der optimale, weil genau auf die Viola zugeschnittene Standort für die Box
für ebenfalls nicht ganz günstige 1800 Euro pro Paar. Darin enthalten sind allerdings acht magnetische Absorberfüße vom Typ Levar Resonance, die ihre Wirksamkeit auch bei uns schon unter Beweis gestellt haben. Die Zylinder verschwinden übrigens zum großen Teil im dicken Gehäuseboden des Lautsprechers, der scheinbar knapp über dem Ständer schwebt – hier zeigt sich die Handschrift des Designers, der bei der Gestaltung des Viola mit involviert war. Wer die Viola auf den ersten Blick für einen ganz gewöhnlichen Zweiwege-Schuhkarton hält, der könnte nicht gründlicher danebenliegen. Tatsächlich haben wir es mit einer ausgewachsenen Dreiwegebox mit Passivmembranunterstützung im Bass zu tun, verpackt als Unschuld vom Lande – sehr gelungen.  

Treiber


Die dunklen Ringe rund um die beiden Treiber auf der Front lassen die Protagonisten größer wirken, als sie tatsächlich sind: Sowohl der eingesetzte Bass als auch der darüber zum Zuge kommende Koaxialtreiber begnügen sich mit mit rund 125 Millimetern Durchmesser. Koaxialtreiber? Sie haben richtig gehört: Mitten und Höhen liegen in der Hand eines ursprünglich in der Beschallungstechnik beheimateten Spezialisten, der die mittleren Töne mit einer beschichteten Papiermembran überträgt und die Höhen einem ausgewachsenen Ein-Zoll-Druckkammertreiber überlässt. Von dem sieht man von außen nicht viel, weil er seinen Schall durch die Polkernbohrung des Mitteltöners abstrahlt, und davor ist ein Gitter. Sagte ich nicht vorhin was von Pappen und Hörnern…? Die Gene des Tieftöners liegen ebenfalls fernab des HiFi-Bereiches. Weder er noch der „Koax“ kommen in der Viola zum Einsatz, wie Gott sie einst schuf. Der Bass zum Beispiel würde ab Werk mit Sicherheit kaum nennenswert tiefe Töne produzieren, da hilft Germanos mit gezielten Modifikationen nach. Die gehen zwar zu Lasten des Wirkungsgrades, davon ist aber immer noch genug übriggeblieben. Für die tiefen Töne von entscheidender Bedeutung ist die ovale Passivmembran, die fast die komplette Rückseite des Lautsprechers einnimmt. Ihre Funktion ist der eines Bassreflexrohres nicht unähnlich, was in diesem Falle aber so lang sein müsste, dass es sich kaum in der Box hätten unterbringen lassen und zudem unschöne Längsresonanzen produziert hätte.  


Gehäuse


Der Koax bekam übrigens ein eigenes Abteil im Gehäuse zugewiesen. Das muss auch so sein, sonst würde ihn der rückwärtige Schall des Tieftöners zu unerwünschten Auslenkungen zwingen. Überhaupt, das Gehäuse. Ein nicht geringer Teil des ordentlichen Gewichts der Viola geht auf dessen Kosten. Den Einsatz besonderer Materialien sind wir bei Live Act Audio schon seit Langem gewohnt, hier hat der Hersteller abermals einen spannenden neuen Werkstoff ausgegraben: Er heißt „CDF“, das steht für „Compact Density Fibreboard“ und ist dem klassischen MDF nicht unähnlich, allerdings wesentlich höher verdichtet. Damit sind Dichten bis zu einem Kilogramm pro Liter möglich, womit das Material im Wasser langsam untergehen würde. Nur die schwersten Tropenhölzer können mit diesem spezifischen Gewicht mithalten.  

Frequenzweiche


Die Frequenzweiche der Viola ist zweiteilig aufgebaut. Die Filterung für den Koax sitzt an dessen Kammer, die für den Bass ist im unteren Teil des Gehäuses untergebracht. Der Entwickler favorisiert Filter dritter Ordnung, hinzu gesellen sich aber der „natürliche“ bauartbedingte Schalldruckabfall der Treiber. Rein akustisch ergeben sich so sehr viel steilere Filterverläufe bis hin zu achter Ordnung. Die Weiche entbehrt nicht eines ziemlichen Aufwandes, was abermals Konsequenzen für das nutzbare Gehäusevolumen hat: Von den ohnehin überschaubaren vielleicht zehn Litern, die im Inneren der Viola zur Verfügung stehen, ist das Volumen für die Mittelhochtonkammer zu subtrahieren. Die Frequenzweiche kostet abermals Luft, die dem Bass nicht zur Verfügung steht. Unter diesem Aspekt kann man die messtechnische Performance des Lautsprechers in tiefen Lagen gar nicht hoch genug einschätzen: Der Minus-Drei-Dezibel-Punkt liegt bei etwa 50 Hertz, dass ist „richtiger“ Bass. Dass dabei noch ein Wirkungsgrad von 83 Dezibel herauskommt, ist in Anbetracht der Größe des Lautsprechers schon fast ein Wunder. Die Viola ist eine moderne Vier-Ohm-Box, auch das ist typisch für Entwicklungen von Nico Germanos.

Kombinatorisches


Trotz eines weitgehend ausgeglichenen Impedanzverlaufes halte ich Röhrenverstärker nicht in jedem Falle für die erste Wahl bei der Ansteuerung der Viola, sie will gerne an einem etwas festeren Zügel geführt werden. Als perfekter Match hat sich der brandneue Accuphase-Vollverstärker E-5000 erweisen, von dem wir im nächsten Heft erzählen werden.  

Klang


Hier gibt’s Leistung und Dämpfungsfaktor satt, und das tut dem Ergebnis gut: Es ist schier unfassbar, wie erwachsen und souverän diese beiden niedlichen Böxchen agieren können. Das lässt sich mit kaum einer Aufnahme so gut unter Beweis stellen wie mit Ray Browns und Laurindo Almeidas „Moonlight Serenade“. Die Viola projiziert das in jeder Hinsicht fordernde Zusammenspiel von Kontrabass und Konzertgitarre absolut überzeugend in den Raum. Sie schafft es, die beiden völlig unterschiedlichen klanglichen Welten der beiden Instrument als solche darzustellen, spinnt die feinen Fäden des Zusammenspiels jedoch gleichwohl überzeugend. Dass sich der Lautsprecher sanft und unauffällig ausklinkt, wenn Ray Brown die letzten Stufen in den Basskeller hinabsteigt – geschenkt. Es dürfte zum nicht geringen Teil der koaxialen Auslegung des Mittelhochtonteils geschuldet sein, dass die Viola das Geschehen auf eine weite und überzeugende Bühne stellt und völlig losgelöst von der Lautsprecherebene zeigt. Das klappt auch bei Ryan Adams in den heiligen Mauern der Carnegie Hall ganz ausgezeichnet, man kann die Grenzen des Gebäudes förmlich fühlen. Auch hier zeichnet die Viola die Gitarrenparts schnell, kräftig und ausgewogen, genau so wie die mal sanfte, mal kräftige Stimme des Musikers. Er hatte Lust an diesen zwei Abenden, der Herr Adams, das ist deutlich zu hören. Genau so wie ich während der Beschäftigung mit diesen absolut faszinierenden Kleinodien. Vielleicht, irgendwann mal, wenn ich nicht mehr bereit bin, soviel Platz für Fünfzehnzöller und große Hörner… 

Fazit

Soviel Souveränität, Ausgewogenheit und Bühne mit einem so kleinen Lautsprecher – die Viola zählt sicherlich zum Überzeugendsten, was jemals in einem so kompakten Gehäuse realisiert worden ist.

Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Live Act Audio Viola S

Preis: um 6000 Euro


11/2022

Die Viola zählt sicherlich zum Überzeugendsten, was jemals in einem so kompakten Gehäuse realisiert worden ist.

Live Act Audio Viola S

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Live Act Audio, Sonthofen 
Telefon 08321 6078900 
Internet www.live-act-audio.de 
Garantie 2 Jahre 
H x B x T 180 x 335 x 280 mm Verstärker / Netzteil 
Gewicht: ca. 12,5 / 16 kg 
Unterm Strich... Soviel Souveränität, Ausgewogenheit und Bühne mit einem so kleinen Lautsprecher – die Viola zählt sicherlich zum Überzeugendsten, was jemals in einem so kompakten Gehäuse realisiert worden ist. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 13.11.2022, 09:58 Uhr
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