Kategorie: Lautsprecher Stereo

Standlautsprecher · Klangmanufaktur Orbid Sound Maridur


Das gewisse Extra

Lautsprecher Stereo Orbid Sound Maridur im Test, Bild 1
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Kompromisslos – das ist das erste Schlagwort, das mir einfällt, wenn ich an Orbid Sound denke. Die Lautsprecher aus dem Süden Deutschlands hatten nämlich schon immer Kritiker, aber auch eine Menge glühende Verfechter.

Aber bevor wir auf die „Maridur“, das neue Referenzmodell aus Balingen eingehen, noch ein paar Weisheiten zum Theme Lautsprecherbau allgemein: Lautsprecher sind immer ein Kompromiss. Wenn Sie tief runter wollen, müssen Sie sie groß bauen – oder Wirkungsgrad opfern. Wenn Sie eine hohe Linearität der Chassis wollen, müssen Sie Abstriche bei Dynamik und Belastbarkeit machen, und so weiter. Das alles führt dazu, dass heute im Hifi -Bereich eine gewisse Austauschbarkeit der Produkte herrscht. Sicherlich haben alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht und bieten ihren Kunden heute in jeder Preisklasse ganz ausgezeichnete Boxen an, die alle breitbandig und sehr linear arbeiten, keine Fehler machen und Musik ganz im Wortsinne von „High Fidelity“, also hoher Klangtreue, wiedergeben.

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Aber – und das ergibt sich daraus ja zwangsläufig – sind sich diese Lautsprecher dann auch alle recht ähnlich. Ich persönlich sehne mich aber manchmal nach Lautsprechern „mit Charakter“, also Boxen, die bewusst vom Mainstream abweichen, dabei vielleicht nicht alles perfekt richtig machen, aber eben vom Entwickler eine gewisse „Attitude“ verpasst bekommen haben, weil dieser klare Vorstellungen von „seinem“ Klang hat. Und das beschreibt ziemlich genau die Philosophie des 1967(!) gegründeten Unternehmens.   

Technik

 
Die Orbid Sound Maridur sehen unprätentiös und kantig aus. Die Gehäuse sind rechteckige Kisten mit einer Grundfläche von 23,5 x 38 Zentimetern und etwa einem Meter Höhe. Darauf sitzt ein weiteres kleines Gehäuse, das dem Hochtöner ein Zuhause bietet und das zur Korrektur der Phasenlage nach hinten versetzt ist. Der Hochtöner selbst ist ein brandneuer Treiber von Beyma, eigentlich eine Spezialfirma für PA-Treiber, die aber traditionell auch immer schon Chassis gefertigt haben, die zwischen dem „zivilen“ Hifi -Bereich und Beschallungstechnik liegen. Auf der Front sitzen zwei 20 cm Tieftöner, die mit ihrer markanten achteckigen Front und den strukturierten Kohlefasermembranen eigene optische Akzente setzen. Vor allem die Tieftöner sind dabei echte technische Leckerbissen, die nicht nur interessant aussehen, sondern auch technisch das momentan Machbare auf dem Chassismarkt darstellen. So gehört eine enorme Belastbarkeit ohne Änderung der Parameter ebenso zum Pflichtenheft wie ein einwandfreies Übertragungsverhalten im Einsatzbereich. Der Hochtonkalotte aus Gewebe ist ein flacher Waveguide vorgesetzt. Das ist im Prinzip ein kurzes Horn, dass das Abstrahlverhalten optimieren soll. Dem Wirkungsgrad hilft er auch auf die Sprünge – das ist angesichts der Leistungsfähigkeit der beiden Tieftöner auch angezeigt.  

Im Inneren der dickwandig aufgebauten Box finden wir zahlreiche Stabilisierungen, die zur Optimierung des Resonanzverhaltens als Rundstäbe ausgeführt werden. Außen gibt es eine Auswahl an allen RAL-Farben für die Flächen – die Übergänge zwischen dem Hauptgehäuse, dem Hochtonaufsatz und Sockel sind immer in Schwarz gehalten. Das Reflexrohr, dass die beiden Tieftöner im Bass unterstützt, mündet an der Vorderseite in einer stabilen Aluminiumplatte.

Lautsprecher Stereo Orbid Sound Maridur im Test, Bild 3
Vorzügliche Verarbeitung und Materialien, wohin das Auge blickt
Die Frequenzweiche sitzt hinter dem Äquivalent dieser Platte an der Rückseite der Box. Die Verbindung zur Außenwelt stellen Polklemmen aus dem Hause Mundorf her. Ebenfalls von Mundorf stammen die Bauteile der doch recht besonderen Frequenzweiche. Zum einen ist die Frequenzweiche symmetrisch aufgebaut das heißt alle Bauteile werden in der Plus- und Minusleitung zum Chassis gespiegelt eingebaut. Das ist ein Bauprinzip, dass von einigen namhaften Entwicklern heutzutage eingesetzt wird. Zum anderen – und das ist typisch für Lautsprecher von Orbid Sound – sind die Filter sehr flach ausgeführt. Bei der Maridur handelt es sich nominell um eine Zweieinhalb-Wege-Box. Das bedeutet in der Praxis dass sich beide Tieftöner die Arbeit im Bassbereich teilen, der untere der beiden Treiber aber etwas früher aus dem Rennen genommen wird, während der obere Treiber bis zur Übergangsfrequenz zum Hochtöner weiter überträgt.   

Labor

 
Das bedeutet vor unserem Messmikrofon dass sich die Resonanzen der Membranen der Tieftöner noch recht kräftig im Gesamtfrequenzgang zeigen. Auf Rückfrage hat uns die Entwicklungsabteilung von Orbid Sound aber versichert dass dieses Verhalten durchaus gewünscht sei. Steilere Filtertopologien hätten nicht mehr die gewünschte Lebendigkeit im Klang gehabt. Bis auf den etwas unruhigen Verlauf im Übergangsbereich zwischen den Treibern sehen die Messungen der Maridur hervorragend aus: Die Box ist breitbandig und hat einen recht guten Wirkungsgrad. Verzerrungen und Resonanzen spielen tatsächlich keine Rolle. Der Impedanzverlauf spricht durch seine hohe Linearität für den Betrieb mit Röhrenverstärkern.   

Praxis  


Klanglich hört man der Maridur ihre Gene an. Im Bass könnte man eventuell etwas mehr Tiefgang erwarten. Doch Orbid Sound nutzt die Membranfläche wie gesagt grundsätzlich lieber, um einen guten Wirkungsgrad zu realisieren und um dem Bass ein sehr direktes Ansprechverhalten zu geben, sprich: ihm Punch zu verleihen. Das klingt dann auch wirklich schnell, kontrolliert und differenziert, auch in unserem nicht ganz kleinen Hörraum. Und der Tiefbass ist auch tatsächlich vorhanden – nur wummert er sich eben nicht aufdringlich ins Ohr, sondern kann abgerufen werden, wo das aufgelegte Musikmaterial es verlangt. Die Maridur bietet darüber hinaus eine pointierte Stimmwiedergabe, die klar auf der neutral- ehrlichen Seite liegt – mit dem Bonus, dass der eben so speziell abgestimmte Präsenzbereich jedem Sänger noch eine kleine Portion Extra-Prominenz einräumt: Stimmen klingen tonal und räumlich einfach noch ein bisschen größer als auf streng neutralen Lautsprechern. Die reine Lehre? Nein, aber sehr faszinierend und nicht zuletzt mit einem großen Spaßfaktor. Die Maridur erinnert mich dabei manchmal an einen berühmten Monitorlautsprecher von JBL, der ebenfalls mit einer sehr einfachen Weiche eine unglaubliche Faszination ausstrahlt. Diese Box will im Mittelpunkt stehen und die ganze Aufmerksamkeit des Hörers haben. Doch die Orbid Sound können auch akustische Musik wie Jazz und Klassik. Bei großen Klangkörpern werfen sie ihre Membranfläche in die Waagschale, bei kleineren Ensembles können sie ihre genannte überlebensgroße Abbildung einsetzen. Im obersten Hochtonbereich sind die Maridur gefällig-unauffällig – die Kalotte setzt nach oben hinaus ihre Glanzlichter, wenn erforderlich, spielt sich aber nicht in den Vordergrund. Und – ich habe es ja schon ein paar Male erwähnt: Die Maridur machen ihre ganz eigene räumliche Darstellung. Die Bühne liegt recht weit vorne, die Abbildung ist größer als normal, löst sich vollständig von den Lautsprechern und steht frei im Raum – und das beschränkt sich durchaus nicht nur auf einen festen Sweet Spot, sondern gilt für einen ungewöhnlich großen Hörbereich, in dem sich die Faszination dieser besonderen Box genießen lässt.  

Fazit

Ganz klar: Die Maridur ist keine Box für Hintergrundgedudel, sondern ein großer, ein außergewöhnlicher Lautsprecher, der gehört werden will und den Zuhörer für seine Aufmerksamkeit mit einem ganz besonderen Klangerlebnis belohnt.

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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Orbid Sound Maridur

Preis: um 15000 Euro Paarpreis

Ganze Bewertung anzeigen


5/2024
4.5 von 5 Sternen

Referenzklasse
Orbid Sound Maridur

Bewertung 
Klang 70%

4.5 von 5 Sternen

Labor 15%

3.5 von 5 Sternen

Praxis 15%

5 von 5 Sternen

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Standlautsprecher 
Preis (in Euro) 15.000 Euro 
Vertrieb: TF Klangmanufaktur 
Telefon: 07433 3910122 
Internet www.orbid-sound.de 
Ausstattung
Ausführungen: in jeder RAL Farbe 
Abmessungen (B x H x T in mm) 1240 x 235 x 380 
Gewicht (in Kg) 42 kg 
Garantie (in Jahren): 5 Jahre 
+ hohe Wertigkeit 
+ lebendiger Sound 
+/- + große Dynamik 
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung gut 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 15.05.2024, 09:58 Uhr
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