Kategorie: Lautsprecher Stereo

Lautsprecher Relco Venus


Mit Leichtigkeit

Lautsprecher Stereo Relco Venus im Test, Bild 1
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Ihnen sind aktuelle Lautsprecher irgendwie zu gewöhnlich und letztlich nichts weiter als Kopien voneinander? Dann hätten wir da vielleicht etwas für Sie.

Zur Einordnung


Nein, nicht doch – die Lautsprecherphysik neu erfunden hat hier niemand. Und letztlich ist die Relco Venus auch kein Konzept, was über die Jahre nicht schon andernorts realisiert worden ist. Ob aber mit der hier gebotenen Konsequenz – das darf bezweifelt werden. Dieser Test ist das Einlösen eines Versprechens, das ich Ihnen im letzten Herbst gemacht habe. Seinerzeit war ich nämlich im schwäbischen Rottweil zu Gast und durfte die „Wiederauferstehung“ der gewaltigen Relco DaVinci miterleben. Dabei handelt es sich um einen sehr ambitionierten Lautsprecher, den wir 2007 schon einmal zu Gast hatten und der dann im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwand. Bereits damals deutet ich an, dass die DaVinci ein paar kleine Geschwister hat, bei denen sich eine genauere redaktionelle Betrachtung durchaus lohnen könnte.

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Und genau das machen wir jetzt: Mit der „Venus“ steht nunmehr das kleinste der insgesamt vier Relco-Modelle in unserem Hörraum.  

Nochmal kurz zum Mitschreiben: Relco Audio ist ein Kind der Liebe. Das Label wurde von den beiden italienischen Brüdern Rambone ins Leben gerufen, die sich im richtigen Leben als „Hohner Automazione“ In der Automatisierungstechnik verdingen. Lautsprecher bauen sie aus Passion und garantiert nicht „stromlinienförmig“ – keiner der beiden Brüder hat jemals geplant, mit diesem Unternehmenszweig Reichtümer anzuhäufen. Diese Einstellung teilen sie mit dem im Schwabenland ansässigen gebürtigen Serben Predrag Veselinovic, der das Projekt im letzten Jahr aus seinem Dornröschenschlaf erweckt hat. Er ist nunmehr der Eigentümer der Marke, Entwicklung und Fertigung liegen nach wie vor in der Hand der unweit von Modena ansässigen Italiener. Relco-Lautsprecher sollen verzaubern und begeistern. Die sollen die Welt vergessen machen und den Zuhörer in eine Welt entführen, die zumeist besser ist als die da draußen.  

Bändchen-Mittelhochtöner


Diese exklusive Aufgabe liegt bei Relco vor allem in der Hand ganz besonderer Mittelhochtonlautsprecher, hier agieren nämlich Bändchensysteme. Und zwar „richtige“ Bändchen, bei denen eine gewellte Metallfolie als Membran zum Einsatz kommt und keine metallisierte Kunststofffolie, die man andernorts gerne als Bändchen tituliert, obwohl es sich faktisch um Magnetostaten handelt.

Lautsprecher Stereo Relco Venus im Test, Bild 4
Das Hochtonbändchen fertigen die Italiener im Hause
Klar gibt’s auch woanders echte Bändchen, aber mir ist derzeit keines bekannt, was auch nur ansatzweise so viel Abstrahlfläche hat wie der 60 Zentimeter lange Treiber der Relco Venus. Und das ist der kleinste Wandler dieser Art im Relco-Programm: Beim Topmodell DaVinci ist die Membran fast anderthalb Meter lang, wodurch man den Treiber noch deutlich früher einkoppeln kann. Aber auch bei der Venus geschieht das schon bei beeindruckend niedrigen 500 Hertz. Woraus sie folgern dürfen, dass es sich bei der Venus – wie bei allen anderen Relco-Lautsprechern auch – um eine Zweiwegekonstruktion handelt.    

Mit einem einzigen Treiber einen so großen Frequenzbereich abzudecken ist keine leichte Aufgabe und da wundert es nicht, dass der konstruktive Aufwand für den Treiber sehr hoch ist. Die lediglich 30 Milligramm leichte Folie hängt senkrecht in einem stabilen Stahlgestell. Sie wird auf eine spezielle Art gefaltet, um eine genau definierte Längenänderung zu ermöglichen. Links und rechts von der Folie, also an den schmalen Seitenkanten, sind über die ganze Länge extrem starke Magnete montiert. Wenn die Membran nun von Strom – dem Musiksignal – durchflossen wird, entsteht eine Kraft, die die Membran je nach Stromflussrichtung nach innen oder nach außen treibt.
Lautsprecher Stereo Relco Venus im Test, Bild 8
Das Bändchen verfügt über eine üppige Abstrahlfläche und eine trotztdem extrem leichte Membran
Das Prinzip gehört zu den ältesten Lautsprecherbauformen überhaupt, erfordert aber reichlich Materialeinsatz. Weil die Membran de fakto einen elektrischen Kurzschluss darstellt, braucht man einen Transformator, der das aus der „Vier-bis-acht-Ohm-Welt“ stammende Verstärker ausgangssignal an die wenigen Milliohm der Aluminiumfolie anpasst. Der Umstand, dass das Bändchen praktisch keinerlei „bremsende“ Einspannung hat und weitgehend ungedämpft schwingt, sorgt für zusätzliche Besonderheiten: Die Pegelfestigkeit der Anordnung ist trotz ihres hohen Wirkungsgrades begrenzt und man muss mit Zugluft im Zimmer aufpassen: Es wurden schon Bändchenhochtöner durch eine zu schwungvoll geschlossene Zimmertür „hingerichtet“. Der Umstand, dass das Bändchen nach hinten offen ist und nicht auf ein Gehäuse arbeitet, macht dieses Risko nicht geringer.   

Erscheinungsbild


Die Venus besteht aus einem eher unspektakulären Bassgehäuse mit davor montierter Schallwand. Während ersteres grundsätzlich in Mattschwarz daherkommt, gibt es die sich leicht nach oben verjüngende Schallwand entweder in massivem Kirschholz wie bei unserem Testpärchen für 12500 Euro oder in hochgläzendem Schwarz für 11700 Euro.   

Bassabteilung


Dem gegenüber ist der Tieftonpart der Venus schon fast gewöhnlich: Ein 16 Zentimeter durchmessendes Chassis von Focal arbeitet auf ein recht kompaktes Bassreflexgehäuse. Der mit einer Doppelschwingspule und einer beschichteten Kevlarmembran ausgestattete Treiber ist sicherlich 30 Jahre alt, was seinen Qualitäten allerdings keinerlei Abbruch tut. Gefertigt wird er schon seit Ewigkeiten nicht mehr, es gibt in Italien aber nennenswerte Vorräte davon, so dass sowohl Neufertigung wie auch etwaige Reperaturen überhaupt kein Problem sind.   

Frequenzweiche


Die Filterung zwischen beiden Zweigen besorgen klassische Filter zweiter Ordnung, die Frequenzweiche ist mit guten Bauteilen bestückt und residiert auf dem Boden des Bassgehäuses. Ein rückseitig angebrachtes Potentiometer ermöglicht eine Justage des Hochtonpegels nach Geschmack und Hörsituation.   

Kombinatorisches


Die Venus ist kein ganz einfach anzutreibender Lautsprecher, was erstaunlicherweise nicht an dem Bändchen liegt, sondern an der Tieftonabteilung. Deren Impedanz fällt im Bereich von 80 Hertz nämlich auf zwei Ohm. Da der Impedanzverlauf auch sonst recht stark schwankt, halte ich Röhrenverstärker nicht für die erste Wahl beim Antrieb dieser Lautsprecher. Neben Stabilität ist auch ein bisschen Leistung kein Fehler, der Wirkungsgrad ist mit im Schnitt 83 Dezibel nicht allzu hoch. Ich hab’s mir einfach gemacht und die wunderbaren Atma-Sphere-Class-D-Endstufen angestöpselt, um die es an anderer Stelle in diesem Heft geht.   


Klang


Die Kombination passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und liefert genau das, was der Hersteller vorsprochen hat: einen Mittelhochtonbereich von ätherischer Schönheit. Esbjörn Svenssons Solo-Meisterwerk klingt über die Relcos mit einer unfassbaren Inbrunst und Ergriffenheit; hier ist es wirklich nicht einfach, trockenen Auges über die Runden zu kommen. Das Klavier hat bei aller Intimität ganz viel Energie, es klingt niemals auch nur ansatzweise scharf. Paul Kuhns Großtat „Live At Birdland“ steht dem in nichts nach, hier weicht die nordische Kühle aber einer höchst überzeugenden Lockerheit, der Live-Eindruck hier gerät höchst überzeugend. Meine Versuche, mit diesen Wandlern die dreckigeren Ecken der Rockmusik auszuloten habe ich recht schnell wieder drangegeben, dafür sind sie nicht gemacht. Dafür, sich von Williy De Villes Unplugged-Konzert in Berlin eine Stunde lang mitreißen zu lassen, allerdings schon.

Fazit

Für Freunde feiner Wiedergabe von akustischen Instrumenten und Gesangsstimmen könnte die Venus lang gehegte Wünsche erfüllen: Mit dem richtigen Material spielt sich überragend authentisch, zart und faszinierend.

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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Relco Venus

Preis: um 11750 Euro

6/2024

Für Freunde feiner Wiedergabe von akustischen Instrumenten und Gesangsstimmen könnte die Venus lang gehegte Wünsche erfüllen

Relco Venus

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Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis (in Euro) ab ca. 11.750 Euro 
Vertrieb Relco Audio, Rottweil 
Telefon 07404 4710760 
Internet www.relco-audio.com 
B x H x T 280 x 1320 x 240 mm 
Gewicht: ca. 22 kg 
Unterm Strich... Für Freunde feiner Wiedergabe von akustischen Instrumenten und Gesangsstimmen könnte die Venus lang gehegte Wünsche erfüllen: Mit dem richtigen Material spielt sich überragend authentisch, zart und faszinierend. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 16.06.2024, 09:57 Uhr
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