Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Thivan Labs Fullrange 10 Mark III


Lautsprecher maximal reduziert

Lautsprecher Stereo Thivan Labs Fullrange 10 Mark III im Test, Bild 1
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Im Laufe der letzten 100 Jahre haben wir gelernt, Lautsprecher auf eine Vielzahl unterschiedlicher Arten und Weisen zu bauen. Bei allem Fortschritt gibt es ihn jedoch immer noch: den Schallwandler in seiner ursprünglichsten Form.

Zu Beginn der elektromechanischen Schallreproduktion stellte sich die Frage nach zwei, drei oder vier Wegen bei der Lautsprecherkonstruktion natürlich nicht. Der elektrodynamische Wandler begann selbstredend als universelle Konstruktion, die einen möglichst großen Teil des akustischen Spektrums abzudecken hatte. Die Idee, dass große Membranen tiefe Töne besser wiedergeben können und sich kleine Exemplare eher für hohe Töne eignen, wurde erst viel später geboren. Bei allen Vorteilen, die der Mehrwegelautsprecher zweifellos bietet, ist der ursprünglichen Fullrange-Wandler jedoch nie komplett von der Bildfläche verschwunden.

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Die Idee, den Audiofrequenzbereich nicht mit elektrischen Filtern in Bereiche zerlegen zu müssen, übt bis heute eine spezielle Faszination aus: Wo keine Frequenzweiche ist, da kann sie auch nicht stören. Wo nur einen Membran den Schall abstrahlt, da kann es auch keine Probleme mit der Addition verschiedener Schallquellen geben. Kurz: Es ist der Reiz der Einfachen, der den Vollbereichswandler bis heute im Spiel gehalten hat.  

Dabei sind im Laufe der Zeit mehr oder weniger exotische Konstruktionen entstanden, unter denen der hier zur Debatte stehende Lautsprecher „Fullrange 10 Mark III“ des vietnamesischen Herstellers Thivan Labs zweifellos zu den eher konventionellen gehört.  

Thivan Labs – richtig, das sind die, die in den letzten Jahren mit eine ganzen Reihe preiswerter Röhrenverstärker auf sich aufmerksam gemacht haben. Passend dazu hat der Hersteller jedoch immer auch große und wirkungsgradstarke Lautsprecher angeboten, bei denen vor allem die „Eros 9“ bei uns einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Das ist eine ziemlich ernste Zweiwegekonstruktion mit 15-Zoll-Bass und Hornhochtöner – genau richtig für die Röhrengeräte aus eigenem Haus. Neben solchen Großkalibern gibt‘s aber auch den Gegenentwurf: einen extrem reduzierten Lautsprecher, der trotzdem große Musik reproduzieren können soll. Mit einem Listenpreis von derzeit 1600 Euro fürs Paar bewegen wir uns in erfreulich moderaten Preisregionen. Ein solides Paar Ständer ist zum Betrieb unerlässlich, der Vertrieb hätte da passende stabile Modelle für 500 Euro pro Paar im Angebot.  

Über den Lautsprecher selbst gibt‘s eher wenig zu erzählen. Es handelt sich um eine Kompaktbox der voluminöseren Art, in der ein zehn Zoll durchmessender Treiber arbeitet. Jener läuft komplett unbeschaltet, will sagen: Es gibt keinerlei Korrekturelemente, die etwaiges akustische Ungemach zu korrigieren versuchen. Das ist Fullrange pur, was bei vielen Verfechtern dieses Lautsprechertyps als einzig legitime Betriebsart gilt.  

Der Zehnzöller steckt in einem ordentlich verarbeiteten MDF-Gehäuse, die Oberfläche sieht nach Echtholzfurnier aus, bei der Qualität der heutzutage verfügbaren Folien will ich dafür jedoch nicht meine Hand ins Feuer legen. Es gibt keinerlei optischen Schnickschnack, wie haben es mit einem klassischen Quader mit geraden Kanten zu tun. Der Treiber ist von hinten an der Schallwand montiert. Um an ihn heranzukommen, muss die Gehäuserückwand herausnehmbar sein. Das ist leider nur in der Theorie der Fall, denn die Verschraubungen auf der Rückseite haben nur kosmetische Funktion – die Platte ist bombenfest mit dem Gehäuse verklebt. Wer an den Treiber will, der muss zur Säge greifen – was wir mit Einverständnis des Vertriebs denn auch getan haben. Für den – wenn auch unwahrscheinlichen – Servicefall ist diese Konstruktion natürlich inakzeptabel, der Hersteller hat versprochen, von dieser Praxis künftig abzusehen.  

Die Mühe fördert ein ziemlich unspektakuläres Lautsprecherchassis mit schlichtem Blechkorb und Ferritantrieb zu Tage. Die weiße Papiermembran wird von einer doppelten Textilsicke geführt, auf dem Rand der anderthalb Zoll durchmessenden Schwingspule ist ein Schwirrkonus angebracht, der die Hochtonwiedergabe verbessern soll. Mein Vertrauen in die Qualität der Konstruktion hatte erst einmal Grenzen, Beruhigung trat jedoch ein, nachdem die Box ihren Messtechnikdurchgang absolviert hatte: Das ist gar nicht schlecht. Für die relativ große Zehnzollmembran ist das Maß an erzeugter Hochtonenergie sogar beachtlich. Es gibt so etwas wie Linearität, die Verzerrungen sind niedrig, der Wirkungsgrad liegt bei erfreulichen 93, 94 Dezibel – ich bin angenehm überrascht. Zur klanglichen Überprüfung durften die Thivans auf den soliden Ständern Platz nehmen. Wer will, kann die beiden Mittelsäulen sogar mit Sand befüllen, was dann für völlige Unverrückbarkeit sorgen sollte. Ob ein Lautsprecher und ich Freunde werden, entscheidet sich meistens in den ersten Sekunden. Bei dem hier habe noch weniger Zeit gebraucht als üblich und die Antwort ist ein klares „Ja“. Es gibt eine Form von Unmittelbarkeit und Direktheit, die geht nur mit solchen Konzepten, und der Fullrange 10 kann genau das. Und ich hab noch nicht einmal besonders „breitbandfreundliche“ Musik aufgelegt. Mir fiel „Bränna Tid“ in die Hände, eines der zahlreichen mit nur vier Titeln versehenen Alben der schwedischen Psychedelic-Spezialisten „Kungens Män“. An der mit uralten Klangfilm-Röhren bestückten Silvercore- Hybridendstufe fühlte sich die Box sofort pudelwohl und brillierte mit hypnotischpräzisem Timing Timing, ganz feiner Dynamik und einer etwas spröden, perfekt zu dieser Musik passenden Tonalität. Das tönt weder betont lieb noch rund, es lebt von einer vibrierenden Lebendigkeit, fast scheint die Platte ein bisschen zu schnell zu drehen.  

Nein, das ist nicht der beste Lautsprecher, den ich seit langer Zeit gehört habe. Dafür fehlt‘s ihm, ganz objektiv betrachtet, einfach ein wenig an Auflösung im Hochtonbereich, außerdem ist der Bassbereich nicht unbedingt das Präziseste, was ich je gehört habe. Das ist aber in dem Moment egal, wo irgendjemand auf eine Snare schlägt. All das Gerede von unerwünschten Speichereffekten in Filterbauteilen bekommt in Sekundenbruchteilen Sinn. Es klingt einfach… echt. So schnell und auf den Punkt geht das bei guter Abstimmung nur noch mit Hörnern, sonst wird‘s schwierig. Noch ohrenfälliger wird dieses Festival der Impulse, wenn man diesbezüglich geeignetere Musik auflegt. Klassischen Jazz zum Beispiel, wie ihn Thelonious Monk und sein Quartett mit Big-Band-Unterstützung in den frühen Sechzigern live eingespielt haben. Das hat soviel Feuer und Attacke, dass es eine wahre Freude ist. Und da ich gerade mit einem ziemlich neuen Paar dieser Lautsprecher höre (eines der eingespielten Exemplare musste ja fürs Innenfoto sterben), gibt‘s definitiv noch ein bisschen zuviel des Guten in den Präsenzlagen. Das stört bei den Bläsern gar nicht, beim Klavier freue ich mich schon ein bisschen auf die Zeit, in der das nachgelassen hat. In Grenzen kann man das mit einer fast parallelen Ausrichtung der Lautsprecher kompensieren, dann muss man aber aufpassen, dass die akustische Mitte nicht wegbricht. Die Thivans können ansonsten nämlich eine wunderbare Bühne bauen, auf der alles bestens sortiert geschieht, die Größenverhältnisse stimmen und die Illusion der Live-Darbietung ausgezeichnet gelingt.  

Konstruktionen dieser Art liebt man entweder oder wendet sich kopfschüttelnd ab. Das kommt auch darauf an, welche Art von Musik man so zu konsumieren pflegt. Typisch Audiophiles wie zum Beispiel das jüngste London Grammar-Album „Californian Soil“ ist bestimmt nicht jedermanns Ding über diesen Lautsprecher. Die orchestralen Parts, sogar die synthetischen Beats meistert er überraschend überzeugend, die Gesangsstimme büßt, das ist nicht zu leugnen, deutlich von ihrer ätherischen Schönheit ein. Aber – das mag sich noch legen, wenn die Thivan ein Paar Stunden mehr auf dem Zähler hat. Bis dahin freue ich mich über ihre überragend direkte Ansprache und darauf, Musik herauszusuchen, mit der sie mich ungeniert vom Sofa boxt.

Fazit

Wow – das geht nach vorne! Thivans Fullrange-Wandler spielt extrem direkt, dynamisch und mit ganz viel Attacke. Bass und Hochton sind mehr als ausreichend vorhanden, lediglich Fans betont lieblicher Wiedergabe müssen hier ein bisschen Toleranz mitbringen.

Preis: um 1600 Euro

Lautsprecher Stereo

Thivan Labs Fullrange 10 Mark III


03/2022 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TCG GmbH, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet www.tcg-gmbh.de 
Garantie 2 Jahre 
H x B x T 350 x 330 x 500 mm, mit Ständern 
Gewicht: ca. 15 kg 
Unterm Strich... » Wow – das geht nach vorne! Thivans Fullrange-Wandler spielt extrem direkt, dynamisch und mit ganz viel Attacke. Bass und Hochton sind mehr als ausreichend vorhanden, lediglich Fans betont lieblicher Wiedergabe müssen hier ein bisschen Toleranz mitbringen. 
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Autor Holger Barske
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Datum 16.03.2022, 09:55 Uhr
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