Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Totem Acoustic Sky


Klein, aber oho

Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 1
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Totem Acoustic aus Kanada gehört zu den Lautsprecherherstellern, denen definitiv mehr Aufmerksamkeit gebührt. Allein: Kanada ist weit weg. Auch wenn die in der Schweiz ansässige High-End Company sehr engagiert ist, die Marke in den DACH-Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu vertreten, ist sie bisher nur Kennern ein Begriff

Vince Bruzzese ist mittlerweile eine bekannte Erscheinung auf allen bedeutenden HiFi-Messen. Die große Gestalt mit der weißen Mähne brennt für ihre Lautsprecher und ihre Begeisterung ist ansteckend. Was mir persönlich sehr sympathisch ist, ist, dass Bruzzese mit dem gleichen Engagement seine kleinen und preiswerteren Lautsprecher präsentiert wie seine großen Topmodelle der Element- Serie. Ich bin mir sicher, dass er auch mit vollem Engagement dabei ist, wenn es um die Konzeption und Entwicklung preiswerterer Modelle geht.

Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Totem Acoustic Sky im Test, Bild 7
Wobei – das mit dem preiswert ist bei Totem so eine Sache. Die kanadischen Preziosen sind allesamt eines ganz sicher nicht: billig. Darüber hinaus sehen sie eher schlicht und geradlinig aus, so dass man angesichts dessen, was man für sein Geld bekommt, wohl von Understatement sprechen muss. Das betrifft allerdings lediglich das Aussehen. Klanglich haben mich bisher alle Totem-Lautsprecher, die ich gehört habe, restlos überzeugt. Und ich gehe mal optimistisch davon aus, dass das bei den flammneuen Sky kein Bisschen anders sein wird. Die Sky hat sich Totem zum 30-jährigen Firmenjubiläum „geschenkt“. Zum 30-Jährigen ein paar so kleine, schlicht aussehende Lautsprecher? Ach ja, die Sache mit dem Understatement. Und natürlich auch eine Reminiszenz an Totem-Modelle wie zum Beispiel das ganz pragmatisch „Model 1“ genannte erste Modell von Totem, das am Beginn der Erfolgsstory von Totem Acoustic stand und in einigen Punkten deutliche Ähnlichkeit zur Sky aufweist. So ein bisschen habe ich die Vermutung, dass die Sky eine aktuelle Neuauflage des Modell 1 ist.


Sieht ein bisschen aus wie ...

Ja, ist aber etwas ganz anderes. Sowohl das geradlinige Design der Gehäuse als auch der 13-cm-Tiefmitteltöner mit der imposanten Dustcap und die mit 33 mm recht große Gewebekalotte erinnern zwar an eine bekannte dänische Marke, die inzwischen chinesische Besitzer hat, doch handelt es sich bei der Totem Sky um komplett andere Lautsprecher mit vollkommen eigenständigen Konstruktionsprinzipien. So bezieht Totem seine Chassis von anderen Zulieferern bzw. lässt diese dort nach eigenen Spezifikationen fertigen. Hier sei noch mal ein Blick auf das oben erwähnte Modell 1 gestattet – früher kamen wirklich Dynaudio-Chassis zum Einsatz. Der 5-Zoll-Tiefmitteltöner der Sky besitzt eine 3 Zoll durchmessende Schwingspule – die große Dustcap ist also keine Show. Das kleine Langhub-Chassis hat nach Angaben von Totem eine Belastbarkeit von bis zu 500 Watt. Die Trennfrequenz zur Hochtonkalotte liegt bei 2,5 kHz – das ist im Rahmen des Üblichen. Die Weiche arbeitet mit einer vergleichsweise flachen Filterkurve von 6 dB. Das war früher mal typisch für die Dänen; die sind allerdings mittlerweile auf einem anderen Trip. Totem setzt dagegen auf so wenig Filter wie möglich. Das geht so weit, dass die Kanadier die Tieftöner ihrer Spitzenmodelle gar nicht filtern, sondern einfach bis zu ihrem konstruktionsbedingten Roll-off laufen lassen. Allerdings handelt es sich bei den Tiefmitteltönern der Element-Serie um extrem aufwendige Treiber, die bei Totem selber in kleinen Stückzahlen von Hand gebaut werden. Das ließ sich beim Preis der Sky nicht machen. Eine andere Totem-Spezialität kommt allerdings auch bei den Sky zum Einsatz: Totem verzichtet weitgehend auf Dämmmaterial im Inneren der Lautsprechergehäuse. Stattdessen soll eine spezielle Beschichtung aus Borsilikat die Energie von Gehäuseresonanzen auf ein breites Spektrum verteilen, so dass sie nicht stören, sondern den Klang der Lautsprecher unterstützen. Die Gehäuse selber sind schlicht. Beim genauen Hingucken sieht man allerdings schon, dass sie exzellent verarbeitet sind. Das geht bei dem schlichten Furnier unserer Testexemplare, Esche schwarz, leider etwas unter. Von den beiden anderen verfügbaren Gehäuseausführungen würde ich mir am meisten vom Mahagoni-Furnier versprechen. Daneben gibt es noch eine mattweiße Variante für alle, die der Apple-Ästhetik die Treue halten. Zum Lieferumfang gehören magnetisch haftende Frontabdeckungen. Angeschlossen werden die Sky über Bi-Wiring-Terminals. Konzipiert sind die kleinen Lautsprecher für eine wandnahe Aufstellung. Sogar die Aufstellung auf einer Tischplatte oder in einem Bücherregal empfiehlt Totem.

Klang

In unserem großen Hörraum auf Ständern aufgestellt, verlieren sich die Totem Sky regelrecht. Da sie dafür konzipiert sind, mit einer Wand im Rücken, ggf. sogar auf einem Sideboard oder in einem Bücherregal zu spielen, habe ich sie recht weit in die Raumecken gerückt. So ist ein Stereodreieck von fast fünf Metern Seitenlänge entstanden. Aus der Entfernung übersieht man die kleinen Boxen regelrecht. So ganz ernst habe ich die Sache zugegebenerweise eigentlich gar nicht gemeint. Aber da im Hörraum nun mal alles bereitsteht, um schnell ein Paar Lautsprecher in Betrieb zu nehmen, hab ich‘s einfach mal drauf ankommen lassen. Zu meinem großen Erstaunen sind die Sky in dieser Hörsituation zwar zu übersehen, aber definitiv nicht zu überhören. Auch wenn das Ganze jetzt nach einer Phrase klingt: Die Totem füllen den Raum derart souverän mit Musik, dass ich einfach vollkommen überrascht bin. Meinen ursprünglichen Plan, mit Laptop, den Lautsprechern, einem Verstärker und einem DAC ausgerüstet in einen kleineren Raum zu ziehen, stelle ich erst einmal zurück. Ich höre das Caroline Wegener Acoustic Trio mit „Jazzscetches“. Das erste Stück, „Berlin bei Nacht“, bestreitet Frau Wegener am Piano allein. Die Sky projizieren das Instrument souverän mitten in den Raum, geben es mit der recht hohen Brillanz wieder, die die Aufnahme auszeichnet, und schaffen es sogar, dem Instrument den nötigen Körper zu verleihen. Nichts nervt mich mehr, als wenn Lautsprecher ein Klavier oder einen Flügel auf das Spielwerk und die Saiten reduzieren. So ein Instrument hat einen Resonanzboden, einen großen Holzkörper, eine physische Ausdehnung, und das will ich hören. Genau das bieten die Sky – und kümmern sich noch ganz selbstverständlich um jedes Detail, jede Nuance der einzelnen Anschläge. Ich gebe zu, dass mich die kleinen Lautsprecher damit schon fast gewonnen haben. Aber ganz so leicht mache ich es ihnen dann doch nicht. Als Nächstes nehme ich mir Stimmen vor. Liz Wright (Dreming Wide Awake) bringen die Sky genau mit der richtigen Mischung aus Eindringlichkeit und „Smoothness“ rüber, die die Stimme der amerikanischen Jazzsängerin auszeichnen. Um mal eine krassen Stilbruch zu wagen, wechsele ich zu AC/DC, „Let There Be Rock“. Die nicht so ganz aktuelle Aufnahme bringen die Sky mit der ihr innewohnenden Energie rüber. Die Gitarren klingen so „dreckig“, wie das gehört, und auch die eigentümliche Stimme von Bon Scott inszenieren die kleinen Lautsprecher mit der passenden Intensität. Klassik? Aber gerne. Wobei – hier kommen die Sky im großen Hörraum am ehesten an ihre Grenzen. Liszts „Preludes“ unter Sir Georg Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra kann man nur laut hören. Zeit, dann doch mal in einen kleineren Raum umzuziehen. In einem leerstehenden Büro mit ca. 16 m² fühlen sich die Sky eher zu Hause. Von ihren bisher beschriebenen Talenten gibt es keinerlei Abstriche zu machen; dafür kommt hier bei wandnaher Aufstellung noch ein durchaus nennenswerter Bass dazu. Bass war zwar bisher auch vorhanden, allerdings eher sehr zurückhaltend. Mit ein bisschen Unterstützung durch den kleineren Raum macht das Ganze aber richtig Spaß. Jetzt geht es tief hinunter, hat Substanz – genau für solche räumlichen Verhältnisse sind diese Lautsprecher gedacht. Auch lautstärkemäßig kommt man hier deutlich weiter. Wunderbar.

Fazit

Mit den Sky hat sich Totem Acoustic absolut würdige Geschenke zum 30-jährigen Firmenjubiläum gemacht. Sie knüpfen an die große Tradition kleiner Lautsprecher bei Totem an, sind hoch praxistauglich, da sie (auch) in kleineren Hörumgebungen und bei suboptimaler Aufstellung hervorragend funktionieren, und klingen einfach großartig.

Preis: um 2199 Euro

Lautsprecher Stereo

Totem Acoustic Sky


08/2017 - Dr. Martin Mertens

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 2199 Euro 
Vertrieb High-End Company, Frauenfeld, Schweiz 
Telefon +41 71 911 8690 
Internet www.highendcompany.ch 
Garantie (in Jahre) 3 Jahre 
Ausführungen Esche schwarz, Mahagoni, Weiß 
B x H x T (in mm) 162/305/229 
Gewicht (in Kg) ca. 5 kg 
Unterm Strich... Mit den Sky hat sich Totem Acoustic absolut würdige Geschenke zum 30-jährigen Firmenjubiläum gemacht. Sie knüpfen an die große Tradition kleiner Lautsprecher bei Totem an, sind hoch praxistauglich, da sie (auch) in kleineren Hörumgebungen und bei suboptimaler Aufstellung hervorragend funktionieren, und klingen einfach großartig. 
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Autor Dr. Martin Mertens
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Datum 09.08.2017, 10:01 Uhr
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