Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Unison Research MAX-2


MAXimalausbau

Lautsprecher Stereo Unison Research MAX-2 im Test, Bild 1
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Zweifellos war und ist Unisons MAX-1 in all seiner hemdsärmeligen Unangepasstheit einer der spannendsten Lautsprecher der letzten Jahre. Und wissen Sie was? Da geht noch was!

Große Bassmembran, Beschallungsgene, Kunststoffhörner, Druckkammertreiber – so was soll sich irgend jemand ins Wohnzimmer stellen? Aber ja! Der bis dato vor allem mit Röhrenverstärkern in Erscheinung getretene italienische Hersteller Unison hat nachdrücklich bewiesen, dass es ein vitales Interesse an solchen Konstruktionen auch für den Einsatz im trauten Heim gibt. Die MAX-1 zeichnete sich neben all ihren klanglichen Meriten und technischen Besonderheiten dadurch aus, dass sie ein für heutige Wohnzimmerverhältnisse ziemlich großer, aber sehr apart verpackter Lautsprecher war/ist. Was mit einem Zwölfzoll-Tieftöner gar nicht so einfach ist. Und was kommt als Nächstes? Richtig, eine MAX-2 mit Fünfzehnzöller im Bass. Wieso auch nicht? Offensichtlich hatte man den richtigen Nerv getroffen, dann kann man die Idee auch noch etwas weiter ausreizen. Interessanterweise sind die optischen Unterschiede zwischen der kleinen und der großen MAX gar nicht so offensichtlich. Ich bin der MAX-2 jetzt mehrfach auf diversen Messen begegnet und musste mich jedes Mal fragen, welches Modell das denn nun eigentlich war.

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In letzter Konsequenz machen 3 Zoll oder 7,5 Zentimeter Membrandurchmesser nebst entsprechender Hochskalierung der Gehäusedimensionen den Kohl auch nicht mehr fett. Will sagen: Wer mit der MAX-1 liebäugelt, den wird die MAX-2 nicht weiter erschrecken. Zumindest nicht optisch. Klanglich – das ist ein anderes Thema. In der MAX-2 sorgt ein Tieftöner vom italienischen Spezialisten Eighteensound für den nötigen Nachdruck. Treiber dieses Herstellers befeuern auch die MAX-1. Tatsächlich ist der hier verbaute Fünfzehner ein enger Verwandter des Zwölfzöllers aus der MAX-1 und verfügt über die gleichen, für diese Anwendung aber komplett überdrehten Nehmerqualitäten: Eine Nennbelastbarkeit von 800 Watt braucht‘s hier eigentlich nicht – der Treiber ist konsequent auf „Unzerstörbarkeit“ getrimmt. Den PA-Profi mag ein Maximalhub von 37 Millimetern freuen, wir brauchen aber weder den noch die satte Vierzoll-Schwingspule, die die bewegte Masse auf gut über 100 Gramm treibt. Meine erste Wahl wäre ein solcher Treiber für dieses Projekt nicht gewesen, aber damals wie heute beuge ich mich der Qualität des Resultates und gebe zu, dass es bei der Lautsprecherkonstruktion ein paar Wahrheiten abseits des Offensichtlichen gibt und nur bei deren Berücksichtigung werden die echten Helden geboren. Absolut betrachtet ist der Bass ein Prachtstück: gekühlter Neodym-Antrieb, kohlefaserverstärke Papiermembran mit wetterfester Oberfläche, Dreifach-Gewebesicke und ein offensichtlich auf geringste Verluste getrimmtes Design: Das ist ein überaus moderner Hochleistungstreiber. Erfreulicherweise ist er zudem in Sachen Volumenbedarf genügsam, eine untere Grenzfrequenz von sauberen 40 Hertz ist außerdem genau das, was sich unter Wohnraumbedingungen kompromisslos gut anhört. Wenn dabei noch ein Über-alles- Wirkungsgrad von 95 Dezibel herausspringt, dann hat der Konstrukteur alles richtig gemacht. Chapeau. Und womit kombiniert man so etwas? Mit einem Druckkammertreiber aus gleichem Hause, dessen Spezifikationen kaum weniger extrem sind. Mit einem Nenndurchmesser von 1,4 Zoll ist er größer als der Treiber in der MAX-1 und kann entsprechend tiefer angekoppelt werden: Hier darf er ab 800 Hertz ran, theoretisch wäre eine noch tiefere Trennung möglich. Nicht aber mit dem eingesetzten Horn – das stammt auch aus Italien, aber mal nicht von Eighteensound. Vertragen tun sich beide bestens. Der über drei Kilogramm schwere Treiber arbeitet mit einer 75-Millimeter- Titanmembran, ist ebenfalls praktisch unzerstörbar und ist in Sachen Wirkungsgrad (110 Dezibel) und Berlastbarkeit (100 Watt) hier gnadenlos unterfordert. Aber natürlich wissen wir auch, dass ein großzügiger Mindestabstand zwischen Belastbarkeitsgrenzen und tatsächlichen Betriebsbedingungen in klanglicher Hinsicht nur von Vorteil sein kann. Fürs Zusammenspiel der beiden Treiber sorgt eine Weiche aus deutscher Fertigung, die zumindest teilweise vergossen ist und sich somit übertriebener Neugier widersetzt. Ganz offensichtlich ist jedoch, dass die technischen Protagonisten dieses Ensembles in einem überaus attraktiven, sanft nach hinten verrundeten Gehäuse mit gefälliger Formgebung stecken. Front und Deckel sind in hochwertiges Kunstleder geschlagen, die fein furnierten Seitenteile sind hochglanzlackiert. Eine matte Version soll folgen, bei der kann man dann auch 500 Euro sparen. Der Bass atmet durch einen breiten Schlitz am unteren Rand der Gehäusefront; hier steht auf alle Fälle genug Querschnitt an, um Strömungsgeräusche gar nicht erst entstehen zu lassen. Die eigentliche Gehäusestruktur besteht aus MDF, an strategisch wichtigen Stellen sorgen zusätzliche Rippen für Stabilität. Ich hätte mir gewünscht, dass man den schweren Treiber an dem tiefen Kunststoffhorn von unten gestützt hätte, aber gut: Das ist eine HiFi-Box, die wird nicht einmal am Tag auf einen Laster geworfen. Natürlich war ich ob meiner Historie mit der MAX-1 vorgewarnt. Zumal ich wusste, dass bei der Abstimmung der MAX-2 wiederum Max Krieger von Audio Creativ in Riedenburg die Finger im Spiel hatte, das hat er auch schon bei der Einser gemacht. Und außerdem höre ich zu Hause mit doppelt so viel Membranfl äche und noch viel extremeren Horntreibern. Und trotzdem: Das hier geht so böse, das ist mit „normalem“ HiFi nur schwer zu vergleichen. Damals wie heute gilt: Augen auf bei der Verstärkerwahl: Ein dicker Transistorbolide und man betritt ein Klanguniversum der besonderen Art: überaus voluminös, mit interessantem Loudness-Charakter. Feinheiten gehen etwas unter und so richtig zackig um die Ecke will die Fuhre nicht. Auch das überrascht nicht, das war nämlich auch bei der MAX-1 schon so. Sie brauchen Röhren. Im Ernst. Sonst wird‘s nix. Mit dem richtigen Verstärker aber ist das Grinsen im Gesicht festgeschraubt. Der Vertrieb lieferte mir zwei Alternativen zum Ausprobieren: einen EL34-Gegentakter „Triode 25“ und einen ungleich gewichtigeren S6, einen potenten Eintakter mit drei parallelen EL34 pro Kanal. Natürlich beide von Unison. Und tatsächlich hat der Gegentaktverstärker im Triodenbetrieb mit reduzierter Gegenkopplung zumindest im Bass die Nase vorn. Das erschließt sich zum Beispiel mit Otis Taylors großartigem Blues-Album „Fanatasizing About Being Black“ ganz unmittelbar: Bei die Synthese aus Wucht, Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit machen die (verbliebenen) Synapsen zumindest in meinem Hirn sofort „klick“ und signalisieren: So. Genau so. Mach bloß nix anders jetzt. Der S6 klingt im Vergleich etwas dezenter im Bass, dafür vielleicht eine Spur detaillierter am oberen Ende des Spektrums. Ist mir egal. Ich will diesen Ton. Diesen leidenschaftlichen, unmissverständlichen Tritt untenherum, der alle Diskussionen überflüssig macht. Das ist das erste Mal seit langer Zeit, dass ich vor einem Lautsprecher sitze, der den Wunsch nach Hause zu fahren und die großen JBLs anzuwerfen, relativ wenig dringend werden lässt. Neben zweifellos gesteigerter Basspotenz ist es vor allem der Hochtöner, der bei der MAX-2 den Unterschied macht: Der Einzöller der MAX-1 ist nicht eben ein Kind von Traurigkeit, der große Treiber der MAX-2 im Vergleich dazu ein echter Musterknabe. Beispiel gefällig? Die MAX-2 schafft das Kunstück, das äußerst direkt und rabiat eingefangene Organ von Leon Russell auf seinem gerade auf Audio Fidelity wiederveröffentlichten Debütalbum von 1970 mit vollem Gänsehautpotenzial und immenser Akkuratesse wiederzugeben, aber es schmerzt nicht. So gar nicht. Die typische Kalotte klingt dagegen saft- und kraftlos; dieser Energie, diesem Drive haben normale HiFi-Konstruktionen einfach nichts entgegenzusetzen. Ja, ja, ich dreh leiser, die Kollegen eine Etage höher müssen auch arbeiten, ist ja schon gut. Aber ihr geht gleich nach Hause und ich bleib noch, der Plattenkoffer ist voll


Fazit

Noch etwas erwachsener, merklich disziplinierter im Hochton: Unsion hat es tatsächlich geschafft, der MAX-2 ein paar Tricks anzuerziehen, die die MAX-1 noch nicht beherrschte. Ohne jeden Zweifel die gelungenste Synthese aus Kraft und Disziplin weit und breit!

Preis: um 7500 Euro

Unison Research MAX-2

09/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 7.500 Euro 
Vertrieb TAD Audio Vertrieb, Aschau 
Telefon 08052 9573273 
Internet www.tad-audiovertrieb.de 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T 440 x 1000 x 500 mm 
Gewicht: ca. 50 kg 
Unterm Strich... Noch etwas erwachsener, merklich disziplinierter im Hochton: Unsion hat es tatsĂ€chlich geschafft, der MAX-2 ein paar Tricks anzuerziehen, die die MAX-1 noch nicht beherrschte. Ohne jeden Zweifel die gelungenste Synthese aus Kraft und Disziplin weit und breit! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 08.09.2017, 09:54 Uhr
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Topthema: Philips 65OLED936
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Preisgekrönte OLED-TVs

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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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