Kategorie: Lautsprecherbausätze

Einzeltest: Monacor Aspera MK2


Auf zu den Sternen

Lautsprecherbausätze Monacor Aspera MK2 im Test, Bild 1
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„Preiswert, leicht nachbaubar, pegelfest und für jede Musik geeignet“, so beschreibt der Bremer Hersteller Monacor seinen Lautsprecher „ASPERA MK2“; Aspera ist lateinisch und bedeutet übersetzt: „das Raue“

Nun weiß ich nicht, ob der Namensgeber dieser Box damit deren Granitlack- Oberfläche im Sinn hatte. Optisch ist diese Lackierung elegant und gefällig, taktil eher als rau zu bezeichnen. Bei Wikipedia findet man zu dem Begriff Aspera das lateinische Sprichwort: „Per aspera ad astra“ – sinngemäß: Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen. Mit der Aspera soll man also zu den Sternen gelangen? Das schauen wir uns mal näher an.

Bestückung


Da wären zunächst zwei gute alte Bekannte: Zum einen der 13er-Tiefmitteltöner SPH-130 im Doppelpack und dazwischen eine Metallkalotte vom Typ DT-250, die uns schon in der Cognito MK2 sehr gut gefallen hat. Beiden gemein ist die Fertigung in Deutschland und eine sehr gute Verarbeitungsqualität.

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Mit nur einem Millimeter Korbrand beim SPH-130 und zwei Millimetern Frontplattenstärke beim DT-250 erübrigt sich bei beiden die Notwendigkeit des bündigen Einfräsens. Dies ist bei der gegebenen Korbform des SPH-130 besonders angenehm, weil diese schwierig und nur mit Schablone einzufräsen wäre. Jeden Selbstbauer, der schon einmal diese Prozedur hinter sich gebracht hat, dürfte dies freuen. Aber auch diejenigen, die schlichtweg nicht über das geeignete Werkzeug – sprich: Oberfräse – verfügen oder keine Räumlichkeiten haben, in denen sie nach Herzenslust Holzstaub produzieren können, haben so die Möglichkeit, optisch ansprechende und technisch korrekte Lautsprecher zu bauen. Der SPH-130 ist aufgrund seiner Membranfläche von 80 cm² ein typischer Vertreter der 5“-Klasse, auch wenn seine Außenmaße mit 14,5 cm Durchmesser darüber liegen. Er ist mit einer leichten Membran auf Zellulosebasis ausgestattet, die mit einer resonanzdämpfenden Beschichtung versehen ist. Früher nannte man das schlichtweg beschichtete Papiermembran. Man muss sich mit solchen Materialien selbst heute, im Zeitalter der innovativen Hightechmembranen, keineswegs verstecken. Nicht ohne Grund hält sich diese Technik extrem hartnäckig am Markt. Den SPH-130 zum Beispiel gibt es bereits seit rund 21 Jahren im Programm von Monacor, und das völlig zu Recht. Dessen leichte Membran wird in einer profiloptimierten Gummisicke geführt und trägt in der Mitte eine Staubschutzkalotte aus weichem Kunststoff. Allerdings gibt’s keine Belüftung (Polkernbohrung) für den Bereich hinter der Staubschutzkalotte und im sauber gefertigten Stahlblechkorb keine Druckausgleichsöffnungen für den Bereich hinter der Zentriermembran; vor 21 Jahren waren diese Details noch nicht üblich. Zusammen mit dem Schwingspulenträger aus Aluminium müsste all das eigentlich den mechanischen Widerstand (Rms) nach oben treiben. Dass er dennoch mit 0,82 kg/s im grünen Bereich liegt zeigt, dass Sicke und Zentriermembran für eine sehr geringe Dämpfung ausgelegt sind. Daraus kann man zweierlei schließen: Einerseits zeigt die Membran keine Unarten, die über eine stark dämpfende Sicke korrigiert werden müssten. Andererseits stellt ein Schwingsystem mit geringen mechanischen Verlusten in Kombination mit einer geringen bewegten Masse (Mms) eine leichtfüßige Wiedergabe in Aussicht, die auch feine Details nicht unterschlägt. Mit vier Millimeter Schwingspulenüberhang können auch insgesamt vier SPH-130 keine Bäume ausreißen. Trotzdem eine durchaus vernünftige Auslegung, die ausreichende Pegelfestigkeit und eine geringe bewegte Masse gewährleistet. Der Hochtöner ist mit einer 25-mm-Metallkalotte aus einer Titanlegierung ausgestattet, die durch eine Gummisicke optimal bedämpft wird. Geschützt wird die berührungsempfindliche Kalotte durch ein optisch ansprechendes Metallgitter in Wabenstruktur – gut gegen die gefürchtete Spezies der „Kalottendrücker“. Die rechteckige Frontplatte erlaubt minimalen Abstand zum Mitteltonpartner. Dies ist bei symmetrischen Konzepten wie hier, bei denen zwei Tiefmitteltöner einen Hochtöner in ihre Mitte nehmen, besonders wichtig, um den Abstand der akustischen Zentren der Tiefmitteltöner möglichst gering zu halten. Der abgeflachte Korb des SPH-130 unterstützt dieses Bestreben zusätzlich.

Gehäuse


Schlank und unauffällig reckt sie sich in die Höhe; bei einer Breite von 17 cm und einer Höhe von 98 cm ist das auch nicht weiter verwunderlich. Zweifellos ein Lautsprecher mit ziemlich hohem WAF (Wife Acceptance Factor). Die beiden Tiefmitteltöner arbeiten gemeinsam auf ein 26 Liter großes Volumen. Die Bassreflexabstimmung liegt recht tief, was einer sauberen und tiefen Basswiedergabe zuträglich sein dürfte. Der Hochtöner befindet sich auf knapp 89 cm Höhe, was bei den üblichen Hörentfernungen und Sitzhöhen für die allermeisten Anwender passen dürfte. Das Gehäuse besteht aus 19 mm starkem MDF und ist etwas außermittig per Kreuz versteift. Durch die asymmetrische Anordnung wird die Effektivität der Stabilisierung noch erhöht, weil die verbleibenden schwingfähigen Flächen nicht alle gleich groß sind und somit auch nicht auf gleicher Frequenz schwingen. Ansonsten ist dieses Gehäuse auch für einen Anfänger ideal, es gibt nur rechte Winkel, und alle Ausschnitte lassen sich mit Bohrmaschine und Stichsäge (mit etwas Mühe auch mit Bohrmaschine und Raspel) realisieren.

Frequenzweiche


Die Frequenzweiche weist in beiden Zweigen Filter zweiter Ordnung auf. Beim Tiefmitteltöner gesellt sich eine Impedanzlinearisierung dazu. Die Bauteilequalität geht absolut in Ordnung. Alle Spulen sind Luftspulen, was Verzerrungen durch Kernmaterialien gar nicht erst aufkommen lässt. Bis auf den Paralellkondensator im Tiefpass der Tiefmitteltöner sind alle Kondensatoren als Folien ausgelegt. Zwischen Filter und Hochtöner befindet sich ein Spannungsteiler aus soliden Zementwiderständen. Dieser reduziert den Pegel des Hochtöners um etwa vier Dezibel und gleicht ihn so dem des Tiefmitteltöners an. Der Hochtöner bündelt erstaunlich wenig. Dies wurde durch eine transparente Schallverteilungslinse hinter dem Gitter erreicht, die den abgestrahlten Schall auf einen größeren Winkelbereich verteilt. Dadurch weist der Hochtöner auf Achse einen etwas geringeren Schalldruck auf, als es ohne diese Linse der Fall wäre. Dies wird durch einen Schaltungskniff clever korrigiert: Der Serienwiderstand R2 wird von dem Kondensator C4 überbrückt und dadurch seine Wirkung mit steigender Frequenz aufgehoben. Damit wird der Superhochtonbereich angehoben und auf das Niveau des übrigen Frequenzverlaufs gebracht – perfekt gelöst. Um ein optimales Zusammenspiel auch mit Röhrenverstärker zu ermöglichen, haben wir eine Impedanzlinearisierung entwickelt. Diese kann optional eingesetzt werden und ist für Transistorverstärker nicht zwingend erforderlich. Dazu werden parallel zu den Anschlussklemmen folgende Bauteile in Reihe geschaltet: Elko 47 μF, Widerstand 5,6 Ohm/10 Watt und Luftspule 0,39 mH/0,71 mm. 

Messungen


Der Amplitudenfrequenzgang zeigt sich insgesamt ausgewogen und das Rundstrahlverhalten sehr überzeugend: Selbst unter 30 Grad bleibt der Nennpegel von rund 85 Dezibel bei 2,83 Volt bis über die Hörgrenze hinaus erhalten. Die kleine Unregelmäßigkeit zwischen 400 Hz und 900 Hz weist auf eine Sickenresonanz der Tiefmitteltöner hin und diese wiederum auf eine Sicke mit geringer Dämpfung und geringen Verlusten. Bei 2,5 kHz zeigt sich im Frequenzverlauf eine Resonanz der Papiermembran, die sich aber im Zerfallspektrum nicht bemerkbar macht. Die Erfahrung zeigt, dass beide Störungen kaum hörbar sind. Oberhalb von 200 Hz bleiben die Klirrwerte bei 85 Dezibel deutlich unter einem Prozent und bei 95 Dezibel nur minimal darüber. Der Impedanzschrieb zeigt einen gutmütigen Verlauf und sortiert die Aspera bei vier Ohm Nennimpedanz ein. Mit unserer Impedanzlinearisierung zeigt sie sich noch ausgewogener und auch für Röhrenverstärker geeignet.

Klang


Oh – das klingt aber deutlich größer und souveräner, als es das optische Erscheinungsbild hätte erwarten lassen, und vor allem klingt es gereift. Man merkt diesem Lautsprecher deutlich an, dass einige Zeit in seine Entwicklung geflossen ist. Er klingt sehr ausgewogen und ist mit einem schönen Grundtonbereich gesegnet. Dadurch werden Holzinstrumente sehr natürlich dargestellt. Ob Holzflöte, Xylophon oder Akustikgitarre – alles behält seinen natürlichen Charakter. Des Weiteren werden viele Details der Instrumente wiedergegeben, wie zum Beispiel Anblasgeräusche bei Flöten, metallische Griffgeräusche bei den Western- oder Folkgitarren oder feinste Details bei Perkussionsinstrumenten. Stimmen kommen sehr direkt und ohne unnatürliche Zischlaute, die Anbindung des Hochtöners an den Tiefmitteltöner ist durchaus gelungen. Zudem löst der DT-250 feinste Klanginformationen auf, die Darstellung von Schlagzeugbecken ist ein Genuss. Die Basswiedergabe wirkt sehr schnell und konturiert, ohne zu trocken zu werden, sie bleibt stets schön substanziell. Auch reicht der Bass tief in den Frequenzkeller. Bei aller Feinsinnigkeit und Ausgeglichenheit bewahrt sich dieser Lautsprecher eine dynamische Spielweise. Mir drängte sich die Formulierung „hingetupfte Mikroexplosionen“ auf. Die Agilität drängt sich nicht auf, aber sie macht die Musik lebendig, eines der Hauptargumente für leichte Membranen und Schwingsysteme mit geringen mechanischen Verlusten. Die tiefe und präzise Räumlichkeit sowie die substanzielle und tief reichende Basswiedergabe ermöglichen es, auch Klassik zu genießen. Unseren doch sehr großen Hörraum füllt die Aspera mühelos mit Musik und klingt auch bei verhältnismäßig hohem Pegel gutmütig und ungestresst.

Aufbauanleitung


Der Zusammenbau erfolgt auf einer der Seitenwände, auf der die Rückwand, der Deckel und der Boden aufgeleimt werden. Danach wird die Schallwand angeklebt, und nach dem vollständigen Abbinden aller Verleimungen wird die kreuzförmige Versteifung eingebracht. Bevor die zweite Seitenwand die Box verschließt, ist es in jedem Fall sinnvoll, die Weiche und Verkabelung einzubringen sowie die erste Hälfte des Dämmaterials, welches an Deckel und Rückwand befestigt wird. Nachdem alle Lochausschnitte vorgenommen wurden, wird die andere Hälfte des Dämmaterials durch die Terminalöffnung in den unteren Bereich der Box unterhalb der Bassreflexrohröffnung gestopft.

Holzliste pro Box


MDF 190 mm:

 Seitenwände 2 x 980 x 250 mm
 Front- / Rückwand 2 x 942 x 132 mm
 Boden / Deckel 2 x 250 x 132 mm
 Versteifungsleiste 1 x 212 x 50 mm
 Versteifungsleiste 1 x 132 x 50 mm 


Zubehör pro Box


 Terminal 1 ST-955G
 Dämmwolle 2 MDM-2
 Schrauben 20 MZF-8614 (VE=16)
 Kabel 3 m SPC-125
 Bassreflexrohr 1 x MBR-70 (180 mm Gesamtlänge)

Lieferant: Monacor International, Bremen


Fazit

Hier hat einer die richtigen Teile zu einem stimmigen Ganzen geformt. Natürlicher und lebendiger Klang, einfacher Aufbau, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und schlichtes Äußeres: ein prima Lautsprecher für Anfänger, Kenner und Ehemänner. Per aspera ad astra? Ja, kann man so stehen lassen.

Preis: um 240 Euro

Lautsprecherbausätze

Monacor Aspera MK2


12/2011 - Ronald Waßen

 
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : Monacor, Bremen 
Vertrieb: Monacor 
Konstruktion: Monacor 
Funktionsprinzip: Bassreflex 
Bestückung: 2 x Monacor SPH-130 / 1 x Monacor DT-250 
Nennimpedanz (in Ohm):
Kennschalldruckpegel 2,83 V/1m: 85 dB / 2,83 Volt 
B x H x T (in cm) 17/98/25 
Kosten pro Stück: 240 
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Autor Ronald Waßen
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Datum 16.12.2011, 09:29 Uhr
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