Kategorie: Lautsprecherbausätze

Einzeltest: Omnes Audio Note S


King of the Schreibtisch

Lautsprecherbausätze Omnes Audio Note S im Test, Bild 1
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Sie müssen das ja nicht so machen. Aber ich, ich denke fieberhaft an zwei rund zehn Zentimeter hohen Kästchen exakt in der Optik und mit der Grundfläche dieses Lautsprechers herum

Die kenne ich doch irgendwie? Oder nicht? Bitte sehen Sie‘s mir nach, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Möglicherweise hatten wir an dieser Stelle schon mal einen Kompaktlautsprecher mit exakt dieser Treiberbestückung. Selbst wenn das so wäre – die hier, die ist neu. Zumindest in Sachen Filter und Optik. Und ich muss sagen, dass mir die kleine „Schachtel“ mit ihren ausgeprägten Fasen an den langen Gehäusekante ausnehmend gut gefällt. Zumal sich sowohl der kompakte Air Motion Transformer wie auch der vierzöllige Tiefmitteltöner optisch ausgezeichnet mit dem schwarz strukturlackierten Gehäuse vertragen. Das sieht fast aus wie… wie… wie heißt er doch gleich, dieser Studiomonitorhersteller aus Berlin? Auch der hat übrigens ein Faible für AMTs am oberen Ende des Spektrums, aber das nur am Rande. Die hier jedenfalls, die stehen jetzt erst einmal links und rechts neben dem Monitor meines Desktop-PCs und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die da gar nicht so dringend wieder weg müssen. 

Treiber


W4-655. Zur Zeit rund 43 Euro.

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Oder, Blue Planet Acoustic listet auch das auf der hauseigenen Webseite, im Sechzehnerpack für 603 Euro und 19 Cent. Einer dieser „Tang Bänder“, die es schon ewig gibt und die schon in jeder nur erdenklichen Kombination verbaut wurden. Bei uns übrigens zum (wenn mich nicht alles täuscht) ersten Mal anno 2005 im Cheap Trick Nummer 218. Verdammt, 15 Jahre… Klar ist der Klassiker immer mal wieder minimal verändert worden, die aktuelle Version erkennt man an dem goldenen Phaseplug. Die vierzöllige Papiermembran steckt nach wie vor in einem überaus soliden Gusskorb, den Antrieb besorgt ein respektabler Ferritmagnet. Die Sicke ist ein weiches Neopren-Modell, der Träger der zölligen Schwingspule besteht aus sehr temperaturfestem Kapton. Der Parametersatz offenbart eine moderate Resonanzfrequenz um 70 Hertz, eine bestens bassreflextaugliche Güte von gut 0,32 und eine niedrige bewegte Masse von viereinhalb Gramm. Zudem ist der Treiber nicht zu leise, zeigt sich äußerst verzerrungsarm und linear – kein Wunder, dass er zum Klassiker gereift ist. Ihm zur Seite steht der Omnes Audio AMT 50, ebenfalls eine bewährte Kraft und im beliebten Segment der Air Motion Transformer mit 35 Euro so ziemlich die günstigste Variante, die man so bekommen kann. Die beiden Treiber passen bestens zusammen – natürlich will eine solche Kombination realisiert werden. Gehäuse Knapp sechs Liter hat Nick Baur dem W4 zum Atmen gegeben, und das passt prima so. Die „Belüftung“ erfolgt über einen zehn Millimeter hohen Kanal unten an der Boxenfront. Das ist gerade für den Betrieb auf dem Schreibtisch keine schlechte Idee, denn so bekommt man noch ein bisschen akustische Ladung für mehr Tieftonvolumen geschenkt. Das Gehäuse besteht im Wesentlichen aus 16er Material, nur das „Kanalbrett“ ist in zehn Millimeter Materialstärke ausgeführt. Versteifungen sind bei einem so kompakten Gehäuse nicht erforderlich und auch nicht vorgesehen. Wichtig hingegen sind die Fasen an den langen Gehäusekanten. Alternativ kann man die auch als Rundungen ausführen, was handwerklich für Oberfräsenbesitzer etwas einfacher sein mag. 

Frequenzweiche


Okay. Ein bisschen zu laut für den direkten Anschluss an den W4-655 ist er noch, der kleine AMT. Aber nicht viel. Was man an der Dimensionierung des Spannungsteilers direkt vor dem Hochtöner sieht: 2,7 Ohm in Reihe und 5,6 Ohm parallel senken an dieser Stelle nicht soviel ab. Dem Teiler vorgeschaltet ist ein schlichtes Hochpassfilter zweiter Ordnung. Wobei die mit 150 Mikrohenry sehr kleine Spule auffällt, die vermutlich nur ganz oben für ein wenig Ruhe sorgen dürfte, wohingegen der 8,2-Mikrofarad- Kondensator die Hauptarbeit verrichten dürfte. Klassischer geht‘s bei der Abtrennung des Tiefmitteltöners zu. Ebenfalls zweiter Ordnung, aber „normaler“ dimensioniert. Hüben wie drüben gilt: keinerlei Korrekturmaßnahmen, keine Impedanzlinearisierungen. Schön, wenn man eine Filterung so reduziert zum Funktionieren bekommt. 

Messungen


Der Frequenzgang der Note S ist mustergültig linear. Zumindest zum allergrößten Teil. Man kann eine leichte Unregelmäßigkeit im Bereich der Übernahmefrequenz von dreieinhalb, vier Kilohertz ausmachen, die sich in erster Linie im Rundstrahlverhalten zeigt – das ist außerhalb der Achse nämlich besser als direkt drauf. Zugegeben - das ist kein großes Problem. Auf Achse steigt der Frequenzgang des Hochtöners so ab zehn, zwölf Kilohertz leicht an, außerhalb der Achse relativiert sich das aber schnell und sollte nicht zum berüchtigten „AMT-Effekt“ führen. Wirkungsgrad? Realistische 84 Dezibel, das passt für eine Box dieser Größe. Der Impedanzschrieb zeigt ein nicht ganz lehrbuchmäßig abgestimmtes Reflexsystem mit einer Tuningfrequenz von rund 65 Hertz – das passt zum W4-655. Keine Linearisierung, im Mittel würde ich dafür plädieren, das eine Sechs-Ohm- Box zu nennen. Das Klirrverhalten zeigt sich sehr anständig für so eine kompakte Konstruktion. Es gibt einen unkritischen Anstieg der Verzerrungen am oberen Ende des Einsatzbereiches des Tiefmitteltöners, aber nix Gefährliches. Auch nicht bei 95 Dezibel, was schon reichlich viel Pegel ist. Auch der Bass verhält sich hier sehr zivilisiert. Das Wasserfalldiagramm zeigt ein paar leichte Probleme im Mitteltonbereich, aber ebenfalls nichts Schwerwiegendes. 

Klang


Klar kann ich Ihnen jetzt erzählen, was passiert ist, als ich die Note S auf die Ella gestellt, meinen 15500 Euro teuren Lieblingsvollverstärker angeklemmt und versucht habe, 90 Quadratmeter damit zu beschallen. Ja, das geht. Aber natürlich nur bis zu gehobener Zimmerlautstärke. Und ganz eindeutig ist das nicht die Domäne eines solchen Lautsprechers. Deshalb bezog das Pärchen seinen Platz neben dem Monitor und da weiß es zu glänzen. Aber so richtig. Und tatsächlich ist das seit langer Zeit der erste Lautsprecher, der dem bewährten Cheap Trick 255 seinen Stammplatz streitig machen könnte. Und ja, an dieser Stelle geht auch „Pneuma“ von Tool mit korrekter Eindringlichkeit. Was die Schreibtischplatte an Fundament in der richtigen Region dazu addiert ist aller Ehren wert und lässt den Wunsch nach einem Subwoofer zumindest in etwas weitere Ferne rücken. Ich gebe zu: An dieser Stelle bietet CT255 etwas mehr. Was mir extrem gut gefällt ist die Tonalität der Note S gerade in dieser Anwendung, wenn der AMT etwas unterhalb der Hörachse angeordnet ist. Ja, es klingt leicht zurückhaltend und sanft obenherum, aber mit jeder Menge Auflösung und einer erstaunlich realistischen Bühnenabbildung. Die diesbezüglich etwas kitzlige Beckenarbeit von Danny Carey klingt nicht zischelig un künstlich, sondern wie Becken – sehr gut. Das klappt auch mit anspruchsvollerem Material wie „Nina Simone Sings The Blues“. Das Timbre sitzt, die Stimme hat Durchsetzungsvermögen und Kraft. Nichts nervt und ich habe definitiv schon wieder viel lauter gedreht, als es in dieser Situation angemessen wäre. Großartiger kleiner Monitor zu einem sehr fairen Preis! Ach ja – die beiden im Vorspann erwähnten Kästchen. Die wären natürlich als Unterbringung für die passende Verstärkerelektronik gedacht.  

Aufbauanleitung


Das ist ein klassisches „Sechs-Bretter-Geäause“, bei dessen Aufbau man auf einer Seitenwand beginnen und die Rückwand und den Deckel einleimen sollte. Es folgen die (sinnvollerweise vorher gefräste) Schallwand und der Boden. Vor dem Verschluss mit der zweiten Seitenwand gilt es noch, das Trennbrett für den Reflexkanal einzusetzen. 


Holzliste


Material: 16-mm-Multiplex oder -MDF

1 x 260 x 170 mm Schallwand
1 x 228 x 138 mm Rückwand
2 x 260 x 204 mm Seiten
2 x 138 x 204 mm Boden / Deckel 


Material: 10-mm-Multiplex oder -MDF

1 x 138 x 80 mm Reflextunnel  


Zubehör pro Box


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Kategorie: Lautsprecherbausätze

Produkt: Omnes Audio Note S

Preis: um 123 Euro


7/2020
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : Omnes Audio, Tang Band 
Vertrieb: Blue Planet Acoustic 
Internet
Konstruktion: Baur Akustik 
Funktionsprinzip: Zwei Wege, Bassreflex 
Bestückung: Omnes Audio AMT 50 Tang Band W4-655 
Nennimpedanz (in Ohm): 6 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83 V/1m: 84 Dezibel 
B x H x T (in cm) 170/260/220 
Kosten pro Stück: ca. 123 Euro plus Gehäuse 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 12.07.2020, 09:50 Uhr
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