Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Klein Technik Phono Pur


Spezialeinheit

Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 1
3101

Bei aller Vielfalt etablierter Marken, die den Audiobereich unter sich aufteilen: Es sind oftmals die Neulinge, die frischen Wind in die Szene bringen, im HiFi wie anderswo auch. Manche kommen, manche gehen, die wenigsten bleiben. Wenn sie sich aber halten können, dann hat es einen Grund

Mitspieler



Tonabnehmer


EMT JSD 5
Denon DL103, 103R
Benz Ace L

Plattenspieler


Scheu Premier III mit SME 309
Transrotor Fat Bob S mit SME 5009

Verstärker


Audiomat Aria
MalValve Preamp Three und Poweramp Three
WLM Sonata Integrated


Lautsprecher


WLM Stella
K+T 4430-Klon
Coral Beta 8


Zubehör


Netzleiste, -kabel: PS-Audio, HMS
Phonokabel Furutech, Nordost, Audioquest
NF-Kabel: Van den Hul, Horn Audiophiles
Lautsprecherkabel: Silent Wire
Racks, Basen, Unterstellfüße: SSC, Thixar, Aktyna


Gegenspieler



Phonoverstärker


MalValve Preamp Three Phono
Quad Twentyfour P


Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen. Es ist ein paar Jahre her, da stand ein freundlicher Herr in den Redaktionsräumen und wollte einen Redakteur sprechen.

Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 2Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 3Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 4Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 5Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 6Phono Vorstufen Klein Technik Phono Pur im Test, Bild 7
Er habe da einen Plattenspielerantrieb entwickelt, von dem er überzeugt sei und den er gerne einmal vorstellen möchte. Nun, Spontan-Hörtests in Anwesenheit des Entwickler liebe ich ja besonders, aber was sollte schon passieren? Also haben wir kurzerhand ein paar A-B-Vergleiche mit ein paar eben herumstehenden Laufwerken (deren Marken ich aus politischen Gründen verschweige) gemacht, und ich musste tatsächlich zugeben, dass sich etwas getan hatte. Seitdem besitze ich einen solchen Antrieb und verwende ihn ebenso gerne an Fremdlaufwerken wie an Eigenbauten. Der Mann heißt übrigens Karlo Klein und hat seinen Antrieb samt Steuerung inzwischen in der Szene etabliert. Die Kombination von sauberer Schaltungstechnik, sorgfältigem Aufbau und soliden Materialien gefällt mir wirklich gut – allein die Motordose ist ein einziges haptisches Vergnügen. Die Qualität des Klein-Technik-Antriebs ist übrigens nicht nur mir aufgefallen – von Anfang an waren die exquisiten Laufwerke der inzwischen recht bekannten Marke Montegiro mit dem Antrieb Karlo Kleins ausgestattet – ein Glücksfall für alle Beteiligten, meine ich. In der vergangenen Zeit ist es etwas stiller gewesen um den Entwickler aus Montabaur, aber das ist ja auch verständlich: Der Mann hat neben der HiFi-Branche immer noch einen Beruf als Medizintechniker, er ist vor Kurzem Vater geworden – das bindet in jedem Fall freie Kapazitäten. Und doch ist Karlo Klein den Audiovirus nie losgeworden, eine Netzleiste hat er entworfen, ein paar Kabel – bis er mich schließlich mit der Nachricht überraschte, dass er eine Phonostufe gebaut hat, und zwar für genau einen Tonabnehmer! Das ist doch immerhin eine Ansage, die neugierig macht – also habe ich mir das erste Exemplar besorgt, ein bisschen damit herumgespielt und für diesen Test die endgültige Version geordert. Und da sitze ich nur mit zwei silbernen Kästchen und einem ebenfalls silbernen Tonabnehmer, dem EMT JSD 5, um den es hier geht. Richtig, Karlo Klein hat sich nicht etwa einen verbreiteten Tonabnehmer à la Denon DL-103 ausgesucht, auf den er seine Phonostufe abgestimmt hat, nein, er liebt das EMT-System, benutzt es selbst schon lange Zeit und wollte es endlich einmal adäquat betreiben können. Was soll ich dazu sagen, außer: Der Mann hat völlig recht. Nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Zwängen, die in einer unübersichtlichen Branche immer eine Spezialisierung fordern, nein, aus rein technischen Gründen. EMT-Systeme haben zwar einen Innenwiderstand von nur 20 Ohm, liefern aber eine mehr als gesunde Ausgangsspannung von immerhin einem Millivolt. Damit sitzen sie zwischen allen Stühlen. Für empfindliche MC-Stufen sind sie schlicht und ergreifend zu laut, obwohl es in diversen Fällen noch passen dürfte. MM-Stufen haben dagegen einfach zu wenig Verstärkung. Natürlich hat es für die EMT-Systeme genau abgestimmte Phonostufen gegeben – die steckten allerdings stets in den entsprechenden Moduleinschüben in den Laufwerken der professionellen Studioausstatter. So ein Laufwerk gilt heute mehr denn je als der heilige Gral des Plattenspielerbaus – die Phonomodule einzeln zu bekommen, ist nahezu unmöglich und wenn, werden auf dem Gebrauchtmarkt horrende Preise aufgerufen, ganz abgesehen von einem aufwendigen Umbau auf den Einzelbetrieb. Diese Module, die mit speziell angepassten Übertragern arbeiteten, hat sich Karlo Klein zum Vorbild genommen und ein ganz ähnliches Gerät realisiert. Der „Phono“ glänzt tatsächlich durch die Abwesenheit jeglicher Anpassungsmöglichkeiten – das ist ja auch nicht der Anspruch des Geräts. Das vermeintliche Netzteil ist nur ein ausgelagerter Trafo, um jegliche Kopplung der Netzspannung mit der Verstärkerschaltung zu vermeiden. Die Siebkapazität beträgt satte 30.000 Mikrofarad. Pro Kanal kommen nur vier verstärkende Transistoren zum Einsatz – die Widerstände werden quasi frei mit einem gewissen Abstand zur Platine gelötet, um Mikrofonieeffekte auszuschließen. Im Signalweg gibt es nur Glimmer-Kondensatoren – das Edelste, was man verbauen kann. Das Signal vom Tonabnehmer geht durch den geschirmten Übertrager und dann durch die RIAA-Entzerrung. Die Schaltung wirkt durchdacht und recht sparsam – hier ist wirklich kein Bauteil mehr verbaut als nötig. Ich denke, den damaligen Entwicklern von EMT hätte ein solch sauberer technischer Ansatz gut gefallen. Vor dem Praxistest muss ich aber noch eines gestehen: Ich bin nie der ganz große Freund von EMT-Systemen (an „normalen“ Phonostufen) gewesen. Sie waren mir immer zu schonungslos offen und ehrlich – ich kann mich an so manche meiner Lieblingsplatten erinnern, um die ich einen großen Bogen gemacht habe, wenn ich ein EMT montiert hatte. Sicher: im Rundfunkstudio benötigt man genau diese Qualitäten, aber – sehen wir den Tatsachen ins Auge – Platte wird heute fast nur noch privat gehört. Und hier setzt die „Phono Pur“ genannte Klein-Technik- Vorstufe an. Irgendwie schafft es dieses Gerät, die Neutralität und Übersicht, die ich von EMT kenne, in etwas beeindruckend Musikalisches – man gestatte den müden Scherz – zu übertragen. Dabei muss keiner befürchten, dass hier der Konstrukteur einen mittelmäßigen Übertrager die beeindruckende Hochtonenergie des EMT einfach kappen lässt und es dann schon irgendwie nett klingt. Im Gegenteil: Sieht man sich die Frequenzgangmessung der Klein Phonostufe an, dann erkennt man eher noch einen kleinen Energieschub an der oberen Grenze des menschlichen Hörvermögens und darüber hinaus. Und so klingt dann das Zusammenspiel auch: Sehr luftig, sehr fein aufgelöst in den Höhen, auch – wenn erforderlich – mit der nötigen Bissigkeit, aber niemals mehr. Die tonal sehr nüchterne Spielweise in den Lagen darunter bleibt voll erhalten, und doch gewinnt der musikalische Fluss, das Packende, Treibende, Emotionale und was immer noch den Reiz eines Musikstücks ausmacht. Das EMT und die Klein Phonostufe kommen mir fast vor wie eine Gruppe hoch talentierter Musiker, die endlich einen Dirigenten gefunden haben, der aus ihnen ein Orchester formt, aus den vielen brillianten Einzelstimmen einen wahren Klangkörper bildet. Ich habe ein bisschen mit den mir zur Verfügung stehenden Phonovorstufen herumgespielt und bin letztlich nur auf ein Gerät gestoßen, das eine ähnlich „passende“ Einstellung erlaubte wie die getestete Phonovorstufe: Die Twentyfour Phono von Quad. Die arbeitet auch mit Übertragern und stammt aus der Werkstatt Tim de Paravicinis. Nicht die schlechteste Referenz, wie ich meine. Zuletzt habe ich noch ein bisschen herumgespielt, was den Einsatzbereich der Spezialvorstufe angeht. Tatsächlich geht noch ein bisschen mehr als nur EMT – Systeme mit einem nicht allzu kleinen Innenwiderstand (ab etwa 20 Ohm) und einer gesunden Ausgangsspannung ab etwa einem halben Millivolt laufen ebenfalls sehr gut an der Klein Phonovorstufe – sogar das gute alte DL-103 hat sich recht wohl gefühlt und wieder einmal gespielt wie ein Großes. Fast sollte ich Karlo Klein ein bisschen böse sein, aber er hat es tatsächlich geschafft, dass ich, nachdem ich jahrelang keines mehr hatte, mir wieder Gedanken mache über die Anschaffung eines EMT-Systems. Die passende Phonostufe habe ich ja jetzt gefunden.

Fazit

Es ist immer ein mutiger Schritt, einen solchen Sonderweg zu gehen. Das Endergebnis überzeugt aber so sehr, dass wir uns von Karlo Klein bald eine universelle Phonovorstufe wünschen! Bis dahin wünschen wir (ein bisschen neidisch) allen EMT-Besitzern viel Vergnügen mit Kleins Spezialeinheit.

Preis: um 2900 Euro

Phono Vorstufen

Klein Technik Phono Pur


01/2011 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Klein Technik, Montabaur 
Telefon / E-Mail 02602 9990614 / vertrieb@kleintechnik.de 
Internet www.kleintechnik.de 
Garantie (in Jahren)
Unterm Strich... » Es ist immer ein mutiger Schritt, einen solchen Sonderweg zu gehen. Das Endergebnis überzeugt aber so sehr, dass wir uns von Karlo Klein bald eine universelle Phonovorstufe wünschen! Bis dahin wünschen wir (ein bisschen neidisch) allen EMTBesitzern viel Vergnügen mit Kleins Spezialeinheit. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 13.01.2011, 12:40 Uhr
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