Kategorie: Plattenspieler, Phono Vorstufen

Systemtest: Pro-Ject X8 SuperPack, Pro-Ject Phono Box DS3 B


Maximal vernünftige Lösung von Pro-Ject

Plattenspieler Pro-Ject X8 SuperPack, Pro-Ject Phono Box DS3 B im Test , Bild 1
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Gewiss erfindet auch der weltgrößte Plattenspielerhersteller die Welt der Vinylabtastung nicht andauernd neu. Manchmal allerdings passt die Kombination bewährter Dinge so auf den Punkt, dass das Ergebnis mehr ist als die Summe seiner Teile

Die Plattenspielerabteilung von Pro- Ject umfasst derzeit so ungefähr 35 Modelle, hinzu gesellen sich noch ein paar zusätzliche Ausstattungsvarianten. Und das ziemlich genau 40 Jahre nach Markteinführung der CD. Ich möchte wetten, so etwas hat es zur Hochzeit der Schallplatte nicht gegeben, heutzutage schon mal gar nicht. Pro-Ject-Boss Heinz Lichtenegger hat den Kosmos der drehenden Vinylscheibe bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet und hält wirklich für jeden Interessenten eine passende Lösung parat, und das zu immer wieder erfreulich zivilen Preisen. So wird man Weltmarktführer.   

Unser heutiger Proband hört auf den Namen Pro-Ject X8, wir stellen die „SuperPack“-Variante vor. Die kostet laut Liste 2300 Euro, das etwas einfachere Grundgerät ohne Tonabnehmer gibt’s für 2000 Euro zu erstehen.

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Und da Pro-Ject kürzlich die Segnungen der symmetrischen Signalübertragung und -aufbereitung entdeckt hat, garnieren wir das Ganze mit der brandneuen symmetrischen Phonovorstufe Phono Box DS3 B für erfreulich zivile 600 Euro.   

Der Plattenspieler ist ein entkoppeltes Massekonzept in bester Pro-Ject-Tradition. Will sagen: Das Laufwerk ist in sich steif und schwer und wird per bedämpfter Stellfüße vom Untergrund isoliert. „Schwer“ heißt in diesem Falle: rund 15 Kilogramm. Gut fünf davon gehen auf das Konto des massiven Alu-Plattentellers. Den, genau so wie die eingesetzte Lager- und Antriebskonfiguration, kennen wir schon von ein paar der deutlich teureren Pro-Ject-Modelle – diese Art von Downsizing nehmen wir immer gerne zur Kenntnis. Den Glockenklang nimmt dem Teller eine breite an der Unterseite eingefräste Nut, die mit dem hoch dämpfenden Elastomer „TPE“ gefüllt wurde. Das funktioniert ausgezeichnet, der Teller neigt fast nicht zum Klingeln. Die Schallplatte wird mit einer dünnen und recht harten Filzmatte angekoppelt, das ist hier sicherlich eine gute Idee. Das fettgeschmierte invertierte Lager arbeitet mit einer eher kurzen Achse, Keramikkugel und Magnetunterstützung. Für letztere sind Neodym-Ringmagnete zuständig, die die Last auf der Kugel gering halten, trotzdem aber ein definierte Führung in der Vertikalen bieten. Und das bei einem 2000-Euro-Dreher? Respekt!   

Den Antrieb besorgt ein bewährter Synchronmotor, der hinten links in der Zarge residiert und seine Kraft über ein recht großes Alu-Pulley per Rundriemen an die Telleraußenseite überträgt. Die beiden Geschwindigkeiten werden per Taster vorne links auf der Zarge umgeschaltet, schön klassische Leuchtdioden informieren über den Betriebszustand. Eine Möglichkeit zur Geschwindigkeitsfeineinstellung konnte ich nicht entdecken, die sich bei mit der Zeit abnehmendem Riemendurchmesser durchaus als sinnvoll erweisen könnte. Eingeschaltet wir der Antrieb per Kippschalter auf der Chassisunterseite. Beim ersten Mal habe ich eine Weile danach gesucht, das gebe ich zu. Unser Testgerät hat eine schwarz glänzende Oberfläche in ordentlicher Qualität. Zwar drücken sich an den Seiten die Stirnkanten der drei aufeinandergeleimten MDF-Platten durch, das fällt aber nur auf, wenn man nach so etwas sucht. Alternativ bietet der Hersteller eine weiß glänzende Oberfläche oder ein Walnuss-Echtholzfurnier.   

Als überaus passende Ergänzung montiert Pro-Ject den ziemlich beeindruckenden Tonarm von Typ „9cc Evolution“. Der gerade Neunzöller mit konischem Kohlefaserrohr und integriertem Headshell erlaubt eine Justage des Tonabnehmerazimuts durch Verdrehen des Armrohrs, auch die Höhe ist justierbar. Das Ganze sitzt in einer ziemlich beeindruckenden Lagerkonstruktion: Eine mächtige Klammer trägt die feinen ABEC-7-Lager für die Bewegung in der Horizontalen, der innenliegende Ring tut Gleiches für die Vertikallagerung. Sehr gut gefällt die magnetische Arretierung des Arms in der Ruheposition. Etwas weniger erfreulich ist der Umstand, dass das Headshell in der Vertikalen nicht genau mit dem Armrohr fluchtet, sondern leicht nach oben zeigt. Das fällt zum Beispiel dann auf, wenn man die Armhöhe wie ich per Linienlaser einstellt. Orientiert man sich bei der Justage an der Headshell-Unterkante und nicht am Tonarmrohr, laufen die Dinge in die richtige Richtung.   

Die SuperPack-Ausgabe des Gerätes wird mit einem MC vom Typ Ortofon Quintet Blue geliefert. Das ist ein feines 400-Euro- MC mit 0,5 Millivolt nomineller Ausgangsspannung und einer Nadelnachgiebigkeit von 15 μm/mN, was es mitten in der Kategorie „mittelhart“ positioniert. Am Ende des Aluminiumnadelträgers sitzt ein elliptischer Diamant, die Spulen sind aus Reinsilber gewickelt. Der Hersteller empfiehlt 23 mN Auflagekraft, ich nehme lieber 25 mN. Pro-Ject liefert ein Anschlusskabel mit Cinch-Armaturen auf der einen und Fünfpol-Standardstecker auf der anderen Seite mit. Das ist solange prima, wie man eine Phonovorstufe mit unsymmetrischen Eingängen verwendet. Neuerdings gibt’s bei den Österreichern jedoch die eine oder andere Phono mit symmetrischen Eingängen – zum Beispiel die Phono Box DS3 B. Diese erstaunliche Maschine bietet nicht nur einen aufwändigen diskreten Aufbau, sondern auch ein gelungenes Bedien- und Ausstattungskonzept. So kann man MCs symmetrisch via XLR- oder leicht exotischem fünfpoligen Mini-XLR-Verbinder anschließen, oder aber unsymmtrisch via Cinchbuchsen. Die symmetrischen und unsymmetrischen Anschlüsse sind gleichzeitig verwendbar, so dass man zwei Abtaster betreiben kann. Der Drehknopf auf der Front erlaubt eine stufenlose Justage der Eingangsimpedanz zwischen zehn Ohm und einem Kiloohm, per Taster können fixe 47 Kiloohm angewählt werden. Die Verstärkung ist sechsfach zwischen 40 und 65 Dezibel anwählbar, die für MMs wichtige Lastkapazität vierstufig. Die Stromversorgung übernimmt ein externes 18-Volt-Steckernetzteil. Nicht schlecht für 600 Euro.   

Klären wir zuerst die Frage, ob der symmetrische Anschluss des Tonabnehmers in der Praxis Vorteile bringt. In der Theorie gibt es Argumente dafür und dagegen, das gerne postulierte niedrigere Rauschen im symmetrischen Fall stimmt nicht, weil bei Symmetrie zwei Verstärkerstufen elektrisch in Serie arbeiten und der Vorteil des doppelt so hohen Pegels damit neutralisiert wird. Möglicherweise entscheidend ist jedoch der massefreie Anschluss des Abtasters, wodurch die Signalverabeitung von Störungen auf dem Massepotenzial verschont bleibt. Der Hörtest gibt dieser Vermutung Recht: Symmetrisch betrieben, klingt das Quintet Blue merklich dynamischer und energischer. Das bekommt der insgesamt durchaus warm und voluminös tönenden Pro-Ject-Kombi ziemlich gut und rückt sie näher an den Thorens- Direkttriebler TD-403 heran. Die Pro-Ject-Offerte vermag Nina Simones Carnegie Hall-Auftritt ein Maß an Seele und Inbrunst einzuhauchen, wie ich es sonst nur von erheblich teureren Kombinationen kenne. Trotz aller tonalen Limitationen bekommt die Platte eine enorme Strahlkraft und Intensität – tolle Sache. Fest steht schon jetzt, dass die Phono Box DS3 B künftig mein Maßstab für bezahlbare Phonovorstufen wird – vor allem bei symmetrischem Anschluss. „Black Swan“ darf so mono sein wie es will – hier entwickelt der Titel eine schon unheimliche Direktheit. Und jetzt? Dire Straits. Ganz im Ernst. Mache ich ja überdosierungsbedingt sehr selten. Die 45er MFSL-Ausgabe von „Communiqué“ allerdings ist ein Gedicht über diese Kombi. Energisch,warm und satt tönt der Bass auf „Once Upon A Time In The West“, mit ganz vielen Nuancen im Ausdruck. Abermals legt der Durchzug im symmetrischen Betrieb merklich zu. Das Erzeugen der unverwechselbareb ECM-Atmosphäre ist für dieses Gespann ebenfalls überhaupt kein Problem. Die feine Addition der Impulse von John Scofield und seiner Truppe zu einem stimmigen und entspannten Ganzen erledigen Pro-Ject und Ortofon völlig mühelos. Eine großartige Vorstellung! 

Fazit

Die faustdicke Überraschung ist die symmetrische Phonovorstufe – in Kombination mit dem soliden Masselaufwerk plus Ortofon-Abtaster gibt‘s hier ungeheuer viel Musik fürs Geld. In dieser Preisklasse ist dieser Auftritt kaum zu schlagen.

Preis: um 2300 Euro

Pro-Ject X8 SuperPack

07/2022 - Holger Barske

Preis: um 600 Euro

Pro-Ject Phono Box DS3 B

07/2022 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten: Pro-Ject X8 SuperPack
Vertrieb ATR, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet www.audiotra.de 
Abmessungen 465 x 150 x 350 
Gewicht (in Kg) ca. 15 Kg 
Unterm Strich ... » Die faustdicke Überraschung ist die symmetrische Phonovorstufe – in Kombination mit dem soliden Masselaufwerk plus Ortofon-Abtaster gibt‘s hier ungeheuer viel Musik fürs Geld. In dieser Preisklasse ist dieser Auftritt kaum zu schlagen. 
Ausstattung & technische Daten: Pro-Ject Phono Box DS3 B
Vertrieb ATR, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet www.audiotra.de 
B x H x T (in mm) 206/72/194 
Gewicht ca. 1,5 kg 
Unterm Strich... » Die faustdicke Überraschung ist die symmetrische Phonovorstufe – in Kombination mit dem soliden Masselaufwerk plus Ortofon-Abtaster gibt‘s hier ungeheuer viel Musik fürs Geld. In dieser Preisklasse ist dieser Auftritt kaum zu schlagen. 
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Autor Holger Barske
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Datum 06.07.2022, 10:03 Uhr
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