Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thorens TD 203


Auf den Punkt gebracht

Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 1
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Nach den beeindruckenden Vorstellungen der neuen Thorens-Serie mit den Modellen TD309 und TD206/209 hat man beim Traditionsunternehmen konsequentes Downsizing betrieben und bietet einen hoch interessanten Plattenspieler für deutlich unter 1.000 Euro an

Genau 700 Euro kostet er, der TD203, der – der Name verrät es ja schon – in der neuesten Serie aus dem Hause Thorens das Einsteigermodell unter dem futuristischen TD209 und dem klassisch-rechteckigen TD206 darstellt. Bei Thorens gibt es zurzeit die unterschiedlichsten Baureihen: Die subchassisgelagerten Topmodelle TD550 und TD350 weisen noch eine gewisse formale Ähnlichkeit zu den früheren Laufwerken der Marke auf – vor allem der TD350 ist der legitime Nachfolger des legendären TD320, wenn auch die Zutaten und technische Details weiterentwickelt und verfeinert wurden. Einen ganz anderen Zugang zum Thema finden die Modelle TD2015 und TD2035, klassische Masselaufwerke mit Acrylzarge und schwerem Teller, bei denen auch das Auge gerne „mithört“.

Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 2Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 3Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 4Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 5Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 6Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 7Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 8Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 9Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 10Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 11Plattenspieler Thorens TD 203 im Test, Bild 12
Im Ein- und Aufsteigersegment gibt es die Modelle TD170 bis TD295, die mit einem gefälligen flachen Design und Automatikfunktionen den Komfortaspekt betonen. Dazu hat man vor recht kurzer Zeit die komplett neu entwickelte TD20x/30x-Serie gestellt, die einen noch mal etwas anderen gedanklichen Ansatz verfolgt. Von den Abmessungen her eher der „kleinen“ Serie zuzuordnen, stecken jeden Menge Entwicklungs- und Forschungsarbeit in den neuen Laufwerken und Tonarmen. Bei der Entwicklung von Laufwerks- und Tonarmkomponenten wurde permanent gemessen und optimiert – eine Vorgehensweise, die normalerweise im Plattenspielerbau selten genug zur Anwendung kommt. Resultat sind teilweise recht unkonventionelle Detaillösungen, die man so noch nicht gesehen hat, die aber – wie beim TD309 und TD206 an dieser Stelle schon überprüft, ausgesprochen gut funktionieren. Wie bei den größeren Schwestermodellen ist auch beim letzten und mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 700 Euro günstigsten Modell der Serie ganz klar der Tonarm das hervorstechendste Merkmal: Wir haben es beim TP82 mit einem Einpunkter zu tun, ein absolutes Novum in der Thorens-Geschichte. Äußerlich ist er eng mit dem TP90 verwandt, die gleiche effektive Länge und zumindest eine ähnliche effektive Masse. Wie beim kardanisch gelagerten Schwestermodell wird das Aluminium-Armrohr durch ein spezielles Wälzverfahren nahtlos gefertigt und ist innen mit Kunststoff beschichtet. Die Resonanzen im Armrohr wurden im Laufe der Entwicklungsphase immer wieder mittels Laser-Vibrometer vermessen. Die nach den Bedämpfungsmaßnahmen noch verbliebene Hauptresonanz längs des Armrohrs wurde dann mit einem speziellen Dämpfungsring eliminiert – der Ring sitzt denn auch fest an der vorgegebenen Position auf dem Rohr. Das Gegengewicht ist zweiteilig: Mit dem größeren, vorderen Teil balanciert man den Arm aus und stellt die Auflagekraft ein, mit dem exzentrisch gebohrten hinteren Teil stellt man am TP80 den korrekten Azimut ein. Die Gewichte liegen mit ihrem Schwerpunkt deutlich unter dem Armrohr, das heißt der Schwerpunkt des Arms liegt auf Nadelhöhe. Das Headshell ist verdreh- und verschiebbar eingebaut – damit lassen sich Kröpfung und Überhang getrennt voneinander einstellen. Der Überhang kann bei Bedarf noch durch „Verlängern“ des Armrohrs am Lagerblock verstellt werden. Wie bei Einpunkt-Tonarmen üblich wird das Antiskating über ein Gewicht am Faden, Hebel und Umlenkung eingestellt. Den zentralen Dreh- und Angelpunkt bildet ein geschliffener Edelstahldorn, der in ein Präzisionskugellager eintaucht – genauere Einsichten erlaubt der nicht zerlegbare Aufbau nicht. Für den Transport wird das Lager durch eine praktische Kunststoffgabel entlastet und fixiert – einfach und sicher. Tonabnehmer ist ein Thorens-gelabeltes System, das mit einiger Sicherheit aus dem Hause Audio Technica stammt – als Basis dient das bewährte AT-91. Kommen wir zum Laufwerk: Den Antrieb besorgt ein in Gummidämpfern schwingend gelagerter Gleichstrommotor über einen Flachriemen auf den Subteller. Nach dem Lösen der Halteschrauben der Motorkapsel kann diese in einem gewissen Umfang verdreht werden – so kann man die Riemenspannung einstellen. Die Feineinstellung der Drehzahl wird über Trimmpotenziometer an der Motor-Regelung in der Zarge erledigt. Der Subteller dreht sich um einen Edelstahldorn in einer Bronzebuchse. Der Hauptteller aus steifem ABS liegt auf dem Subteller auf und wiegt trotz seines massiven Aussehens nur knapp ein Kilo, der gesamte Thorens TD203 nur etwas mehr als sieben Pfund – ein echtes Leichtgewicht. Dazu passt es, dass man als Staubschutz keine „richtige“ Haube vorgesehen hat, sondern ein passend ausgeführtes Abdeckteil, das Teller und Tonarm schützt und für den Betrieb entfernt wird. Kritikpunkte? Nicht wirklich – das Gesamtpaket macht einen runden Eindruck. Der Tonarm ist trotz seiner gegenüber dem TP90 etwas abgespeckten technischen Ausstattung sicherlich das Highlight des TD203 – lediglich die etwas zu steifen Tonarmkabel trüben den wertigen Eindruck des TP82 etwas, machen in der Praxis aber keine Probleme. Die Verarbeitung ist sauber, angesichts des Preises sogar lobenswert. Der TD203 wird als Plug-and-Play-Gerät verkauft, das trifft es aber nicht ganz: Die Gewichte müssen noch montiert werden, der Tonarm bezüglich Auflagekraft und Azimut eingestellt werden. Die Bedienungsanleitung hilft dabei, dazu gibt es eine gut gemachte Einstellschablone und die mitgelieferte Tonarmwaage. Wer sich danach noch unsicher ist, kann einen im Einstellen von Plattenspielern erfahrenen Menschen vor Inbetriebnahme noch einen Blick auf das Setup werfen lassen. Trotz des vermeintlich simplen Tonabnehmers macht der TD203 im Praxistest einen guten Eindruck: Der Tausch auf höherwertige Systeme zahlt sich natürlich aus – der Thorens geht qualitativ einen weiten Weg nach oben mit, selbst mit Tonabnehmern, die ein Mehrfaches des „Trägers“ kosten. Aber zurück zum Paket: Der TD203 dreht ausgesprochen ruhig seine Runden – selbst in nächster Nähe und bei absoluter Stille im Raum kann man den Motor nicht arbeiten hören – Lagergeräusche sind ohnehin kein Thema. Der ruhige Betrieb überträgt sich auch auf die Wiedergabe. Angesichts seiner geringen Masse gelingt es dem Thorens wirklich souverän, die viel beschworene Schwärze des Hintergrunds zu erzeugen. Davor entfaltet er eine in Sachen Frequenzbandbreite und Dynamik weit gefasste und vor allem sehr ausgewogene Wiedergabequalität. Der Einpunkt-Tonarm und das Tonabnehmersystem arbeiten harmonisch zusammen – die runde und vollmundige Tonalität des TAS 257 und die feindynamisch sehr gut auflösende Spielweise des TP82 ergänzen sich zu einem größeren Ganzen. Da macht sogar großorchestrale Klassik – gemeinhin nicht gerade die Stärke leichtgewichtiger Plattenspieler – richtig Freude, und das bis hin zum Kaliber der Ouvertüre des fliegenden Holländers, bei der der Thorens bis in die untersten Lagen hin sehr schön differenziert abbildet. Die drohenden Kontrabässe erscheinen authentisch grollend und sauber abgebildet – die flirrenden Violinen einige Oktaven darüber werden genauso fein und präzise wiedergegeben. Seine Fähigkeit zur Breitenstaffelung demonstriert der TD203 eindrucksvoll bei kleineren Besetzungen – die Gesamtaufnahme der brahmsschen Kammermusik von der Deutschen Grammophon gerät so zu einem sinnlich-musikalischen Ereignis. Und auch die Keule auspacken kann er – die vorzügliche MFSL-Reissue des Faith-No-More-Klassikers „Angel Dust“ rockt in allen ihren Facetten hochdynamisch, dramatisch, klar und dynamisch im Bass und mit genau der richtigen Mischung aus Aggressivität und Musikalität – der neue Thorens findet zu jeder Musik die richtige Gangart. 

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Fazit

Etwas einfacher, deutlich günstiger: Das Downsizing der neuen Thorens-Reihe bringt uns mit dem TD203 einen echten Allrounder mit ein paar technischen Leckerbissen und vor allem einer echt souveränen und sehr musikalischen Spielweise.

Preis: um 699 Euro

Thorens TD 203

04/2015 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Reichmann Audiosysteme 
Telefon 07728 1064 
Internet www.reichmann-audiosysteme.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 400/93/320 
Gewicht (in Kg) 3,53 
Varianten/Ausführungen: Rot, Schwarz, Weiß 
Unterm Strich... » Etwas einfacher, deutlich günstiger: Das Downsizing der neuen Thorens-Reihe bringt uns mit dem TD203 einen echten Allrounder mit ein paar technischen Leckerbissen und vor allem einer echt souveränen und sehr musikalischen Spielweise. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 15.04.2015, 17:07 Uhr
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