Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Audiomat Adagio


Volle Transparenz

Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 1
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Röhrenverstärker zu bauen, die sich technisch möglichst wenig wie Röhrenverstärker verhalten, das ist seit jeher das Ziel der Clarisse-Brüder aus Südfrankreich. Mit ihrem Modell „Adagio“ machen sie einmal eine Ausnahme – ein bisschen

Sage und schreibe neun Jahre ist es her, dass ich den letzten Audiomat-Vollverstärker in den Fingern hatte. Das ist mir bei einem Besuch von Arndt Rieschmüllers Vorführung bei den Norddeutschen HiFi- Tagen 2020 schmerzlich aufgefallen. Nun, weil ich gerade noch einen Platz im Kofferraum frei hatte, sollte es am Transport nicht scheitern. Und so sitze ich jetzt vor meiner Anlage und genieße einmal mehr einen der einzigartigen und immer noch recht exklusiven Verstärker mit dem charakteristischen Aussehen. Eine kurze Exkursion für diejenigen unserer Leser, die über kein so komplettes LP-Archiv verfügen: Von den Brüdern Norbert und Denis Clarisse im Jahr 1986 gegründet, hat sich das französische Familienunternehmen durch stetige Arbeit einen Namen gemacht.

Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 2Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 3Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 4Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 5Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 6Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 7Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 8Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 9Röhrenverstärker Audiomat Adagio im Test, Bild 10
Und das bedeutet beileibe nicht, dass man in den fast dreieinhalb Jahrzehnten eine Unzahl von Modellen kreiert hat – im Gegenteil: Die Kundschaft schätzt vor allem die Nachhaltigkeit der Verstärkerbauer, bei denen man sich sicher sein kann, nicht schon ein Jahr nach dem Kauf ein veraltetes Modell zu besitzen. Die Produktzyklen werden bei Audiomat in großzügigen Zeitspannen gerechnet, alles andere verhindert schon die Art und Weise, wie die Geräte gefertigt werden: Ein einziger Spezialist baut sämtliche Röhrengeräte in Südfrankreich zusammen, die Transistoreinheiten, wie die wunderbare kleine Phonovorstufe, werden zumindest teilweise in den USA zusammengebaut. Unser Testmodell hört auf den schönen Namen Adagio und bildet im Sortiment von Audiomat das Spitzenmodell der „kleinen“ Verstärkerserie, die noch aus den Modellen Arpège Référence und Aria besteht, ebenjenem Verstärker, den ich vor neun Jahren getestet habe – siehe oben. In der Nomenklatur darüber angesiedelt ist eine Reihe sehr ähnlicher Verstärker, die sich von der anderen Serie schon optisch mit ihrem eher technisch unterkühlten Aluminiumgehäuse unterscheiden. Der Adagio kostet 5.600 Euro. Zum Vergleich: Der Aria war im Jahr 2011 mit einem Preis von 4.650 Euro gelistet, im Jahre 2020 für 5.150 Euro. Das ist eine äußerst bescheidene Steigerung, gerade im Verhältnis zu den schieren Preisexplosionen, die wir anderswo in unserer Sparte zu beklagen haben. Für das Geld gibt es einen sehr gut verarbeiteten Röhrenvollverstärker im traditionellen Stahlblechgehäuse, das geschickt und elegant mit einer Acrylfrontplatte kaschiert wurde. Durch das bräunlich eingefärbte Acryl kann man im Dunkeln gut die vor sich hin glimmenden Röhren betrachten – der direkteste optische Zugang nach einer offenen Montage der Glaskolben. Anschluss über Cinchbuchsen an der Rückwand finden fünf Hochpegelquellen und ein Rekorder – ebenso üppig sieht es bei der Zahl der Lautsprecherklemmen aus: Pro Kanal gibt es am Ausgangsübertrager einen Abgriff für acht und für vier Ohm, und das jeweils doppelt. Das hat man für die Freunde des echten und wahrhaften Bi-Wirings so gehandhabt. Es sollte eben nur niemand auf die Idee kommen, hier mehrere Paare Lautsprecher parallel anschließen zu wollen. Die Schaltung des Adagio ist nahezu identisch zu der des Aria. Eine Eingangsstufe mit einer Doppeltriode wird gefolgt von je einer Phasenumkehrstufe, ebenfalls bestückt mit Doppeltrioden, die das Signal verteilen auf die beiden KT88-Endröhren pro Seite, die für eine Gesamtleistung von 40 Watt pro Kanal verantwortlich zeichnen. Im Gegensatz zum Aria, den ich wie vom Hersteller beschrieben als einen recht universellen Verstärker erlebt habe, der den Betrieb einer großen Anzahl von Lautsprechern ab einem Wirkungsgrad von 85 Dezibel zulässt, ist der Adagio hier etwas wählerischer. Der Grund dafür: Bei einer identischen Schaltung, die nur im Hinblick auf die andere Bestückung bei den Endröhren bei den Baueilewerten modifiziert wurde, bietet der Adagio gegenüber dem Aria einen nur halb so großen Dämpfungsfaktor. Damit wird natürlich die Auswahl an geeigneten Lautsprechern kleiner. Norbert Clarisse selbst spricht am Telefon von großen Boxen ab etwa 91 dB Wirkungsgrad, bei denen „die Sonne aufgeht“. Nun, das wäre noch zu prüfen. Den Class-A-Betrieb verlässt der Adagio bei etwa 2 x 30 Watt und geht über in den AB-Bereich – zu ersehen an der dann leicht steigenden Leistungsaufnahme. Augenfällig im Inneren des aufgeräumt wirkenden Geräts sind zunächst einmal die teilweise vergossenen Siebkondensatoren, die somit keinerlei Anfälligkeit mehr für Resonanzen haben dürften. Was man hier dankenswerterweise nicht mehr einsetzt: Eine Art von Knetmasse, die man beim Aria noch großzügig auf vermeintlich bedürftige Elemente der Schaltung geklebt hat. Ganz offensichtlich vertraut man an dieser Stelle einfach auf die technische Grundqualität der Schaltung an sich – gut so! Natürlich habe ich die Empfehlung mit den wirkungsgradstarken Boxen erst einmal geflissentlich ignoriert und den Audiomat mit der hOrns Aria III und einem Paar selbst gebauter Lautsprecher mit einem Wirkungsgrad von rund 86 Dezibel gehört, denen ich immerhin eine Impedanzlinearisierung gegönnt habe. Auch hier zeigt der Adagio sehr schön, was das Ziel bei seiner Entwicklung war: Ein klarer, kraftvoller Sound, der weniger den Effekt „ah, eine Röhre“ als viel mehr „ah, klingt richtig gut“ erzeugt. Klar: Die neutral-humorlose völlige Kontrolle über den Lautsprecher hat man so nicht, aber für seine technischen Möglichkeiten holt der Audiomat das Beste aus dem angeschlossenen Schallwandler heraus. Und das ist tonal ebenso gut wie in Sachen Feinauflösung. Und selbst die Dynamik kommt nicht zu kurz, wenn man es nicht übertreibt mit der gewünschten Endlautstärke. Im Ernst: In einem kleineren Hörraum kann man auch mit einem verhältnismäßig normalen Lautsprecher und dem Audiomat Adagio gut leben – die Feindynamik und die präzise Räumlichkeit suchen ihresgleichen! Mit einem Paar 8-Zoll-Breitbänder im Horngehäuse mit einem Wirkungsgrad von etwa 93 Dezibel geht es dann auch dynamisch richtig zur Sache: In dieser Kombination gerät der Adagio nicht mehr ins Hintertreffen, was Lautstärkesprünge angeht, und kann seine ganze Stärke ausspielen: Jenen Hauch von Extra- Atmosphäre und Ausstrahlung, den ein gut gemachter Röhrenverstärker dem reinen Musiksignal hinzufügt.

Fazit

Mit dem Modell Adagio zeigt Audiomat einmal mehr, dass sich mit wenigen gekonnten Änderungen an einem bewährten Design ganz neue klangliche Aspekte erzielen lassen. An wirkungsgradstarken Lautsprechern eine Macht!

Preis: um 5600 Euro

Röhrenverstärker

Audiomat Adagio


03/2020 - Thomas Schmidt

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb H.E.A.R. GmbH, Hamburg 
Telefon 040 41355882 
Internet www.h-e-a-r.de 
E-Mail: info@h-e-a-r.de 
B x H x T (in mm) 445/180/380 
Gewicht (in kg) 26 
Garantie 2 Jahre 
Unterm Strich... Mit dem Modell Adagio zeigt Audiomat einmal mehr, dass sich mit wenigen gekonnten Änderungen an einem bewährten Design ganz neue klangliche Aspekte erzielen lassen. An wirkungsgradstarken Lautsprechern eine Macht! 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 09.03.2020, 09:58 Uhr
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