Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Encore Seven Egg-Shell Prestige 12 WKT


Aus dem Ei gepellt

Röhrenverstärker Encore Seven Egg-Shell Prestige 12 WKT im Test, Bild 1
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Röhrenverstärker sind bekannte und beherrschte Technik – bahnbrechende  Innovationen sind hier nicht mehr zu erwarten. Was aber im Rahmen der  baulichen Möglichkeiten doch noch an erfrischenden Varianten drin ist,  zeigt der ausgesprochen hübsche Stereoverstärker von Egg-Shell

Björn Kraayvanger ist – er möge mir den Ausdruck verzeihen – ein HiFi- Verrückter. Einige Jahre ein Kollege, hat er irgendwann die Fronten gewechselt und mit seiner nach dem Sohnemann benannten Firma Len-Hifi einen kleinen, feinen Vertrieb für die schönen Dinge des audiophilen Leben aufgemacht. Neben der Zusammenarbeit mit Audioplan hat er sich auch ein eigenes Portfolio aufgebaut – vieles nach Lust und Laune und immer mit einem wachen Auge (und Ohr) am Markt. Unlängst rief er mich also an und schwärmte mir von einem polnischen Röhrenverstärker namens Egg-Shell vor – ein Name, den ich offen gesagt zumindest für etwas exotisch hielt.

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Nun, ein paar Wochen später, stand der Mann mit einem großen und einem kleinen Paket in der Tür und überließ uns ein frisch aus dem Osten eingetroffenes Gerät zum Testen. Röhrenverstärker haben wir in unserem Leben schon ein paar gesehen, also hielt sich die Aufregung in Grenzen – was sich beim Auspacken aber gründlich änderte. Das nenne ich doch mal ein gelungenes Design! Für den fairen Preis von 3.600 Euro erhält man einen wertigen und eleganten Röhrenverstärker, der sich ohne einen einzigen Ton gespielt zu haben, schon einmal sehr gut im HiFi-Rack macht – eine schicke Metallic-Lack-Oberfläche und die gute Verarbeitung machen den Egg-Shell auch haptisch zu einem echten Vergnügen. Mit ein paar optischen Finessen (die man jede für sich auch schon mal woanders gesehen hat) wird der Prestige 12 WKT zu einem echten Hingucker: Die blaue Glasscheibe, die zwei Drittel der Front einnimmt, macht unglaublich viel her – auf unseren Fotos wirkt sie nur halb so eindrucksvoll wie in der Realität. Die spiegelnden Oberfl ächen im Inneren vergrößern den Verstärker optisch – und dann sind da noch die in einer flachen V-Form angeordneten Endstufenröhren, die seitlich vom zentralen „Motorblock“ wegstehen – der Egg-Shell hat ganz viel der Formen-und Farbsprache amerikanischer Straßenkreuzer und Music-Boxen der fünfziger Jahre – wunderbar! Im Inneren des schweren Geräts steckt dann auch traditionell eine Menge Eisen: Hinter den Röhren sitzen unter einer eigenen Abdeckung das Netzteil mit einem entsprechend schweren Trafo – und die beiden Ausgangsübertrager, die auf die KT88 optimiert sind. Da es keine sich selbst anpassende Bias-Schaltung gibt, ist die KT88-Bestückung auch die einzig momentan realisierbare. Der Verstärker arbeitet single-ended ohne Gegenkopplung – eine solche Schaltung erfordert aber erstens eine hohe Bauteilequalität möglichst ohne Toleranzen und zweitens ein hohes Maß an Diszplin bei der Fertigung. Ein Blick in das Innere des Prestige kann diesbezügliche Zweifel schnell ausräumen – die nach alter Väter Sitte frei verdrahtete Schaltung ist sehr ordentlich bestückt und sauber ausgeführt. Konsequenterweise hat man auch das Netzteil in Röhrentechnik aufgebaut: Eine 5AR4-Röhre fungiert als Gleichrichter, vor der aufwändigen Siebung der Gleichspannung. Etwas ungewöhnlich erscheint auch die Schaltung der Vorstufe, die am Eingang mit zwei 6SN7-Doppeltrioden und dann noch einem nachgeschalteten Paar EF86- Pentoden als Treiberröhren arbeitet – das ist in jedem Fall eine mehr als großzügige Bestückung. Ein paar Worte noch zum Design: Die rote Sonderlackierung haben wir schon gewürdigt – die Basisversionen sind deutlich weniger spektakulär ausgeführt. Grundsätzlich können aber alle Farbwünsche des Kunden befriedigt werden. Des Weiteren kann nach Vorlage auf dem mit Magneten befestigten Deckel ein beliebiges Grafikdesign aufgedruckt werden. Auch die Form der ausgefrästen Lüftungsöffnungen kann angepasst werden. Und zu guter Letzt kann man die Frontscheibe nach Belieben färben und sogar mit „Hinterglasbildern“ versehen lassen: Die Webseite des Herstellers zeigt hierzu einige Impressionen. Eingangsseitig bietet der Egg-Shell drei Line-Kanäle, die Lautstärke wird stilecht über eine große Walze unter dem Quellenwahlschalter geregelt - oder über die Fernbedienung gesteuert. Allein dieser Geber lohnt schon den Kauf des Egg-Shell: In der Hand hält man eine farblich passend gestaltete Holzkugel ohne sichtbare Knöpfe: Über Gyrosensoren reagiert der Geber auf Drehbewegungen und leitet diese dann als Leiser-Lauter-Befehl an den Verstärker weiter. Das funktioniert gut und ist echt mal eine tolle Idee, schon aus gestalterischen Gründen! An den Klemmen können Lautsprecher mit vier und acht Ohm Nennimpedanz angeschlossen werden. Tun war das doch einfach mal, und zwar die Ascendo D7, die vom Wirkungsgrad her nicht gerade prädestiniert sind, um an einer Single-Ended- Röhre mit gerade einmal 10 Watt pro Kanal betrieben zu werden. Aber: Der Impedanzund Phasenverlauf der Standbox ist nicht kritisch, also haben wir es eben versucht. Und – Überraschung – der polnische Schönling musiziert kraftvoll und satt. Bei Röhrenverstärkern und gerade bei Single-Ended-Konzepten achten wir immer zuerst auf den Tiefbassbereich: Bricht er ein, wird es zu dünn? Kurze, knappe Antwort: Nein, der Egg-Shell gibt sich keine Blöße, er lässt die Bässe rollen und knallen – Dynamik und Kontrolle sind voll da. Oberhalb des farbenreichen Mitteltonbereichs gibt er auch noch mal richtig Gas: Glanz und Offenheit, ohne dass der Verstärker die Feinheiten unterschlägt. Bei dynamischen Pop-Produktionen geht das ebenso gut wie bei großorchestraler Klassik – das hat natürlich nicht diese letzte Ruhe und Souveränität wie die großartige Synästec- Kombination, schlägt sich aber wacker mit einem ganz eigenen, charmanten Klang. Noch etwas dynamischer geht es mit einem wirkungsgradstarken Lautsprecher wie der großen Trenner & Friedl Isis, mit der die beiden Endröhren zu ganz großer Form auflaufen.

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Fazit

Klar – der Encore 7 Egg-Shell macht seinen  eigenen Sound. Das aber tut er auf eine so  charmante Art und Weise, dass man ihm gerne stundenlang dabei zuhört. Dicke  Extrapunkte gibt es für die Möglichkeit, als Kunde sein eigenes Design  zu kreieren und für die extrem witzige Fernbedienung.

Preis: um 3600 Euro

Encore Seven Egg-Shell Prestige 12 WKT

02/2016 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Len-Hifi , Duisburg 
Telefon 02065 544 139 
Internet www.lenhifi.de 
E-Mail: info@lenhifi.de 
B x H x T (in mm) 400/190/390 
Gewicht 20 
Ausführung Alle RAL-Farben, Design nach Kundenwunsch 
Unterm Strich... Klar – der Encore 7 Egg-Shell macht seinen eigenen Sound. Das aber tut er auf eine so charmante Art und Weise, dass man ihm gerne stundenlang dabei zuhört. Dicke Extrapunkte gibt es für die Möglichkeit, als Kunde sein eigenes Design zu kreieren und für die extrem witzige Fernbedienung. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 04.02.2016, 14:54 Uhr
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