Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Synthesis Metropolis NYC 100i


Von Ruhe und Kraft

Röhrenverstärker Synthesis Metropolis NYC 100i im Test, Bild 1
19936

Dem Besten aus beiden Welten hat sich der kolossale Röhrenvollverstärker Synthesis Metropolis NYC 100i verschrieben: Kraft, die einem Transistor gut zu Gesicht stünde und Musikalität, wie das nur eine Röhre kann

Die Geschichte dieses Tests beginnt mit einer unheilvollen Begegnung in unserem Testgerätelager. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ohne Erfolg nach dem Karton mit „der Röhre“ gesucht – im Regal, wo normalerweise die Testgeräte der LP lagern, war er jedenfalls nicht. Auf meine unverfängliche Frage, wo denn der Synthesis-Verstärker nun sei, fiel in der Antwort des zuständigen Kollegen das böse Wort „Palette“. Das klang nun so gar nicht nach einem kompakten Testobjekt … Tatsächlich ist der Synthesis „Metropolis“, um den es in diesen Zeilen geht, mit 50 Kilogramm Lebendgewicht nun wahrlich nicht mehr der Kompaktklasse zuzuordnen, aber ich kann ihm auch nicht vorwerfen, dass er dieses Gewicht oder auch die unhandlichen Abmessungen für Prunk und Protz verschwendet.

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Klar: Er sieht gut und edel aus, aber trotzdem hat man angesichts des wuchtigen Quaders auch sofort das Gefühl: Das muss so sein, dieser Verstärker kann auch was. Bevor wir uns aber den inneren Werten widmen, ein paar Worte zum Hersteller Synthesis. Die Geschichte der Firma geht zurück bis ins Jahr 1961, als der Vater des jetzigen Inhabers, FASEL gründete, einen Zulieferer für Transformatoren und Spulen, der sich vor allem im Sektor Musikinstrumente einen Namen machen konnte. Die Gitarristen unter uns werden mit der Zunge schnalzen, wenn sie hören, dass FASEL unter anderem Bauteile für das berühmte Dunlop „Cry-Baby“-Wah-Wah-Pedal und den Ausgangsübertrager für den legendären VOX-AC30-Röhrenverstärker gefertigt hat. Niemand geringeres als Brian May von Queen spielt dieses Modell nach wie vor für seinen unter allen Gitarristen der Welt herauszuhörenden Sound, um nur einen Namen von einer langen Liste zu nennen. Dieser technische Hintergrund liefert natürlich einen hervorragenden Nährboden für die Fertigung von Hifi -Geräten, mit der Luigi Lorenzon 1992 unter dem Namen Synthesis begann. Und wie könnte es bei einem italienischen Hersteller anders sein: Von Anfang an wurden die hochwertigen technischen Innereien verpackt in Hüllen aus edlen lackierten Hölzern – nicht so barock wie bei anderen italienischen Herstellern, aber je nach Farbwahl durchaus prominent. So ist bei unserem Testmodell die Front in einem stark abgedunkelten Farbton gehalten, der sich gut in die tiefschwarz lackierten Seiten, beziehungsweise eloxierten restlichen Oberflächen einfügt. Ein Sichtfenster erlaubt den Blick auf die Röhrenbestückung, die aber nicht so intensiv leuchtet, dass eine wirkliche heimelige Atmosphäre entsteht. Dafür sorgt dann schon eher die sanfte Illumination der Schriftzüge im Fenster. Der NYC 100i, so der eigentliche Typenname des Vertstärkers ist sozusagen der „kleinste“ der Metropolis-Vollverstärker- Reihe. Zwei Modelle mit den Ziffern 175 und 200 stehen ihm zur Seite – wenn Sie jetzt geraten haben, dass es sich hierbei um Leistungsangaben handelt, dann liegen Sie richtig. Die beiden „großen Modelle“ unterscheiden sich in Sachen Dimensionen gar nicht und in Sachen Schaltung nur marginal von unserem Testmodell: Lediglich die Bestückung bei den Leistungsröhren ist anders: Beim 200 sorgen acht KT120, beim 175 acht KT88 für die angegebene Ausgangsleistung (übrigens: pro Kanal!). Beim NYC 100i sind es dagegen „nur“ 100 Watt pro Seite, die an den Lautsprecherklemmen anliegen. Diese schöpft der Synthesis aus jeweils vier KT66-Endröhren pro Seite, die in einer klassischen PPP-Schaltung („parallel push pull“) eingesetzt werden. Die Angaben des Herstellers sind dabei nicht überoptimistisch – wir haben bei unseren Sinus-Messungen etwa 90 Watt bei 5 Prozent Klirr festgestellt. Legt man diese willkürliche Grenze noch etwas großzügiger aus, dann erreicht und übertrifft man locker die 100-Watt-Marke. Und das ist für einen Röhrenverstärker schon eine echte Ansage! Unter uns: Für Dauerlast braucht kein Mensch so viel Leistung – lediglich für grobe Dynamiksprünge ist so eben einfach etwas mehr Reserve vorhanden. Für die Verstärkung des Eingangssignals und für die Treiberstufe gibt es pro Kanal zusätzlich noch eine Doppeltriode. Da so viele Röhren in einem geschlossenen Gehäuse für ordentlich Abwärme sorgen, baut man bei Synthesis einen Lüfter ein, der für eine angemessene Luftzirkulation sorgt. Keine Sorge deswegen: Ich habe in keinem Betriebszustand und bei keiner noch so geringen Hörlautstärke auch nur annähernd etwas vom Lüfter hören können. Die Bedienung des NYC 100i ist denkbar einfach: Ein Drehschalter wählt die Eingänge an – neben mehreren Cinch- Buchsen bietet das Gerät auch einen XLR-Eingang an. Ein fernbedienbares Potentiometer regelt die Lautstärke. Ähnlich pragmatisch wie bei der Belüftung geht Synthesis auch bei der Schaltung vor: Hier gibt es keine künstlerische freie Verdrahtung, sondern einen sehr sauberen Aufbau der Audioschaltung auf der einen und des Netzteils auf der anderen Platine. Das Netzteil ist groß genug dimensioniert, um die Verstärkerschaltung immer gut im Futter zu halten. Die Röhren werden für maximale Brummfreiheit mit einer stabilisierten Gleichspannung geheizt. Und selbstverständlich gibt es für alle benötigten Hochspannungen aufwendige Siebungen mit entsprechenden Kapazitäten. Das Ganze sieht jetzt nicht wahnsinnig aufregend, aber sehr gekonnt aus – beim Blick ins Innere des NYC 100i hat man einfach ein gutes Gefühl. Und das setzt sich fort im Betrieb: Die meiste Zeit habe ich mit einem Pärchen Lautsprecher gehört, das mit einem Wirkungsgrad von 90 Dezibel an 2,83 Volt bei einer Nennimpedanz von 4 Ohm noch nicht gerade zu den Hochwirkungsgradmodellen zählt. Dennoch habe ich den Versuch, mal „richtig aufzudrehen“ nach ein paar Sekunden abgebrochen – der Synthesis Metropolis kann auf jeden Fall richtig laut. Was er aber noch besser kann, ist richtig gut: Seine Kraftreserven nutzt er nämlich nicht nur für dynamische Muskelspiele, sondern vor allem für die souveräne Umsetzung der feineren, leichteren Nuancen in der Musik. Das kann eine leichte Betonung bei einer Bassgitarre sein, die rhythmische Akzente setzt, oder das akzentuierte Spiel auf den Schlagzeugblechen, genau so wie das sanfte Vibrato einer Sologeige, ebenso wie das Flirren der Obertöne bei einer ganzen Streichergruppe, mit dem ja Tschaikowsky immer so gerne spielt. Hand in Hand mit dieser dynamischen und tonalen Souveränität geht eine exquisite räumliche Abbildung, die so absolut selbstverständlich wirkt, wie ich es kaum einmal erlebt habe. Ganz ehrlich: Angesichts der Außentemperaturen in der heißesten Phase des Sommers 2020 hatte ich so gar keine Lust auf einen Röhrenverstärkertest – aber was dieser mächtige italienische Amp an Charme und Eleganz verbreitet, ließ alle Strapazen vergessen: Quer durch alle Musikrichtungen und an allen angeschlossenen Lautsprechern überzeugt der NYC 100i mit seinen Leistungsreserven auf der einen und seinem ganz feinen Händchen für die Schönheit der Musik auf der anderen Seite.

Fazit

Mit jeder Menge Kraft und gleichzeitig Sinn fürs feinste Detail kann der Synthesis Metropolis NYC 100i auf ganzer Linie überzeugen. Trotz des fünfstelligen Preisschild: Ein großartiger Verstärker fürs Geld!

Preis: um 15999 Euro

Röhrenverstärker

Synthesis Metropolis NYC 100i


10/2020 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb The Orange Audio, Fulda 
Telefon 0661/93350800 
Internet www.synthesis-audio.de 
E-Mail: info@orange-audio.de 
B x H x T (in mm) 450/260/630 
Gewicht (in kg) 50 
Garantie 2 Jahre, 6 Monate auf die Röhren 
Unterm Strich... » Mit jeder Menge Kraft und gleichzeitig Sinn fürs feinste Detail kann der Synthesis Metropolis NYC 100i auf ganzer Linie überzeugen. Trotz des fünfstelligen Preisschild: Ein großartiger Verstärker fürs Geld! 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 02.10.2020, 15:01 Uhr
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