Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln (Edel Music)


Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln

Schallplatte Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln (Edel Music) im Test, Bild 1
15379

Ja, ich weiß, Globalisierung und so weiter. Dennoch finde ich, dass der Titel eines Albums, der von einem Kölner Ensemble in Kooperation mit dem Deutschlandfunk eingespielt wurde, durchaus „Brandenburgische Konzerte“ heißen darf und nicht „Brandenburg Concertos“. Vor allem hat man es auf der rückseitigen Titelliste (fast wäre ich jetzt in meine eigene Falle getappt und hätte „Tracklist“ geschrieben) bei der originalen deutschen Schreibweise belassen. Wie auch immer: Es gibt nun eine neue Gesamtaufnahme der wohl berühmtesten Orchesterwerke des Urvaters der deutschen Klassik. Eingespielt wurden die sechs Konzerte in den Jahren 2013 und 2014 von einem der bedeutendsten Originalklang-Ensembles überhaupt: Concerto Köln. Und man hat es nicht etwa bei einem vorhandenen Instrumentarium belassen, sondern ernsthaft Forschung betrieben. Im Original-Manuskript Bachs wird an mehreren Stellen die sogenannte Echoflöte als Soloinstrument erwähnt – eines der leider vielen im Laufe der Musikgeschichte verloren gegangenen Instrumente.

Schallplatte Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln (Edel Music) im Test, Bild 2Schallplatte Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln (Edel Music) im Test, Bild 3
Davon hat man sich nicht aufhalten lassen und einen erfahrenen Flötenbauer mit so viel historischen Überlieferungen versorgt, dass er diese Echoflöte nachbauen konnte. Es handelt sich um eine „doppelläufige“ Flöte, mit der der Spieler die bei Bach so häufigen Themen- und Phrasenwiederholungen zunächst auf dem Forte-Teil spielt und dann auf dem leiseren und weicheren Piano-Teil quasi als Echo wiederholt, um an die anderen Solisten zu übergeben. Schon alleine diese Leistung, der originalen Aufführungspraxis wieder näher gekommen zu sein, ist aller Ehren wert. Aber es geht noch weiter: Man hat sich für eine extrem tiefe Stimmung der Konzerte entschieden und den Referenzton auf 390 Hertz festgelegt. Dadurch ergibt sich eine warme und relativ sanfte Grundstimmung – sogar das Timbre der Solotrompete im zweiten Konzert ist angenehmer und nicht ganz so spitz, wie man das sonst kennt. Das Ensemble ist aber nicht nur durch seine penible Hintergrundarbeit zu der zentralen Kompetenz in Sachen alter Musik geworden: Man beherrscht die verschiedenen Instrumente wie im Schlaf. Man muss sich das einfach mal vorstellen: Da lassen sich die Musiker ein Instrument bauen, das seit über 200 Jahren wahrscheinlich niemand mehr gehört hat und das von der Grifftechnik her komplett anders zu spielen ist als die herkömmlichen Instrumente. Auf der Aufnahme ist nur davon nur technische Perfektion zu hören, als hätten die Flötisten schon mit vier Jahren unterm Weihnachtsbaum „Oh du Fröhliche“ auf der Echoflöte gespielt. Man muss aber die Streicher genauso zu ihrem Recht kommen lassen: Auch sie beherrschen natürlich ihren Part perfekt und auch sie wechseln zwischen den Konzerten die Instrumente, denn das ist eine der Besonderheiten dieses Zyklus: Jeder der sechs Teile hat eine eigene Instrumentierung. Der Aufnahme, die im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks entstanden ist, kann man anhören, dass nicht nur die Musiker ihre „Technik“ perfekt beherrschen. Es handelt sich hier um eine hochmoderne Studioproduktion, die eben nicht dem puristischen Ansatz nachgeht, ein Ensemble im umgebenden Raum mit Minimal-Mikrofonierung einzufangen. Hier hat man konsequent mit hochauflösender digitaler Mehrkanaltechnik gearbeitet und abgemischt. Das nimmt den Aufnahmen ein bisschen die „Gemütlichkeit“, verschafft dem Hörer aber die einmalige Gelegenheit, so nah dran an den Brandenburgischen Konzerten zu sein, wie es nur geht. Und es bricht wieder mal eine Lanze für die gute alte Schallplatte, dass sie in der Lage ist, diese Perfektion auch „nur“ mit einer in Vinyl gekratzten Rille in höchster Qualität zu reproduzieren.

Fazit

Von der Auswahl der Instrumente über spielerische Perfektion, modernste Aufnahmetechnik bis hin zu einer exzellenten Pressqualität einfach durch und durch gelungene Neueinspielung der Brandenburgischen Konzerte.

Kategorie: Schallplatte

Produkt: Brandenburg Concertos - Komponist: Johann Sebastian Bach Interpret: Concerto Köln (Edel Music)

4/2018
 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. Car & Hifi

ePaper Jahres-Archive, z.B. Car & Hifi
>> mehr erfahren
Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 17.04.2018, 11:59 Uhr
379_21926_2
Topthema: Die ewige Legende
Die_ewige_Legende_1667396535.jpg
Harwood Acoustics LS3/5A

Es gibt Lautsprecher und dann gibt es noch die LS3/5A. Sie spaltet sowohl ihre Hörer, als auch die, die sie gar nicht kennen. Warum das so ist? Nun, dafür muss man sich vor allem anschauen und natürlich hören, was sie kann und nicht, was sie nicht kann.

>> Mehr erfahren
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 13.99 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (, PDF, 21.23 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (, PDF, 7.2 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (deutsch, PDF, 7 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages

HiFi Gogler | Oliver Gogler e.K.