Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Violinkonzerte - Interpreten: Robert Masters Chamber Orchestra, Festival Chamber Orchestra, Yehudi Menuhin, Christian Ferras (EMI / Speakers Corner)


Violinkonzerte - Interpreten: Robert Masters Chamber Orchestra, Festival Chamber Orchestra, Yehudi Menuhin, Christian Ferras

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Kaum zu glauben: Yehudi Menuhin war zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen (1958/59) schon in seinen Vierzigern. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass die Interpretation klassischer Musik auf höchstem Niveau keine Frage des Alters ist – noch Jahrzehnte später war der Altmeister auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, wenn auch dann mehr als Dirigent und Förderer der Jugend. Auf die Frage, warum er im hohen Alter immer noch täglich Geige übe, hat er denn auch geantwortet: „Weil ich dadurch besser werde“. In den Bach-Violinkonzerten (BWV 1041, 1042 und 1043) zieht der auf der Höhe seiner Schaffenskraft stehende Menuhin alle Register seines Könnens – nicht mit einer expressiven Spielweise, sondern diszipliniert und werkgetreu, im Doppelkonzert D-moll zusammen mit dem fabelhaften Christian Ferras. Der französische Violinist war zum Zeitpunkt der Aufnahme ebenfalls auf der Höhe seiner Karriere, die ihn schon in jungen Jahren an die Spitze seiner Zunft geführt hatte.

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So leidenschaftlich sein Spiel war, so sehr hatte er in seinen späteren Jahren mit Sucht und Depression zu kämpfen, bis hin zu seinem viel zu frühen Freitod mit nicht einmal 50 Jahren. In der vorliegenden Aufnahme nimmt er sich aber ebenso werkdienlich zurück wie der Kollege Menuhin, setzt aber durch seinen ganz anderen klanglichen Ansatz einen wunderbaren Gegenpart im Doppelkonzert. Johann Sebastian Bach steht es ohnehin gut zu Gesicht, wenn man seine Werke nicht zu sehr im Lichte der Romantik interpretiert, sondern sie, wie die beiden Solisten hier, durch ihre Schönheit von Innen heraus leuchten lässt. Die große Leistung Menuhins bei diesem Album ist die meisterliche Bewältigung der Doppelbelastung Solist/Dirigent, die man zu keinem Zeitpunkt heraushören kann. Im Gegenteil: Wunderbar leicht und mühelos klingen die Konzerte, mit einer Eleganz, die man manchmal dem oft schon allem Irdischen entrückten Bach gar nicht zutrauen mag. Tatsächlich war Bach aber auch immer ein aufmerksamer Beobachter seiner Zeit und Konkurrenz, so dass er durchaus auch mit der Mode gehen konnte. Und so klingt es durchaus auch mal feurig-italienisch, wenn Solisten und Orchester in die Vollen gehen. Was Bach dann aber doch Vivaldi unterscheidet, ist die Konsequenz, mit der der Thomaskantor diese Ausflüge in die „weltlichen Niederungen“ wieder zurückführt in die fast schon mathematischstrenge Ordnung, die ihn ja vor allem in seinen Werken für Klavier auszeichnet, die sich aber durch sein gesamtes Werk zieht. Die Aufnahme in der akustisch wunderbaren Kingsway Hall klingt für ihr Alter sehr offen und weiträumig – die Platzierung der Sologeige ist ungewohnt weit entfernt von den ersten Geigen, dadurch aber gut freigestellt. Auch die Trennung der Solisten im Doppelkonzert gelingt hervorragend. Die Pressqualität ist hervorragend. Im Vergleich zu einer etwas älteren Wiederauflage der originalen „His-Masters-Voice“-Scheibe klingt diese Neupressung unter der Ägide von Speakers Corner etwas zurückhaltender, aber auch deutlich in sich geschlossener und klanglich homogener, was den Werken durchaus gut zu Gesichte steht.

Fazit

Klanglich makellose Wiederveröffentlichung einer äußerst gelungenen Aufnahme der Bachschen Violinkonzerte

Schallplatte

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12/2020 - Thomas Schmidt

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