Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Gustav Mahler - Symphonie Nr. 2 „Auferstehungssymphonie“ Orchestra e coro Teatro Regio Torino, Anna Maria Chiuri, Regula Mühlemann Dirigent: Gianandrea Noseda (Fonè)


Gustav Mahler - Symphonie Nr. 2 „Auferstehungssymphonie“ Orchestra e coro Teatro Regio Torino, Anna Maria Chiuri, Regula Mühlemann Dirigent: Gianandrea Noseda

Schallplatte Gustav Mahler - Symphonie Nr. 2 „Auferstehungssymphonie“ Orchestra e coro Teatro Regio Torino, Anna Maria Chiuri, Regula Mühlemann Dirigent: Gianandrea Noseda (Fonè) im Test, Bild 1
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Ich war dabei! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht oder wie Sie dazu stehen, aber diese Platte ist für mich etwas ganz Besonderes, weil ich Teil der Aufnahme war. Nicht, dass ich ein Instrument im Orchester gespielt hätte oder sonstwie eine bedeutsame Rolle, nicht einmal ein Husten zum unpassenden Zeitpunkt ist von meiner Seite zu hören (im Gegensatz zur Mehrheit des übrigen Publikums, das im Oktober 2015 mit den winterlichen Temperaturen in Turin zu kämpfen hatte – immerhin musste man seine Jacke anbehalten, wenn man im Café draußen sitzen wollte….) Aber ich war eben dabei in dem Konzert (und in der Generalprobe zuvor), das auf dieser Platte verewigt wurde. Mein Dank dafür gilt Giulio Ceasare Ricci vom Label Fonè, der mich eingeladen hat und Bernd Kammerer von Da Capo Records, der die Reise organisiert hat. Natürlich fallen mir noch eine Menge Live-Aufnahmen ein, bei denen ich auch gerne „mitgemacht“ hätte – damals, 1972 im Budo-Kan, als Deep Purple Teile ihrer „Made in Japan“ eingespielt haben und so manche Oper in Bayreuth und anderswo, aber einmal ist besser als keinmal. Jetzt sollte ich natürlich sofort, wie das ja in audiophilen Kreisen stets mythisch überhöht wird, beschreiben, wie nah dran die Platte am Livekonzert ist. Kann ich nicht. Und ist sie ganz bestimmt nicht. Und das möchte ich jetzt begründen:
1. Zeit:Die Aufnahme fand statt am 24.10.2015. Es ist egal, dass es in diesem Fall wegen Abstimmungsproblemen sogar recht lange gedauert hat, bis die fertige Platte vorlag, nämlich über ein Jahr – Klangvergleiche aus der Erinnerung heraus sind etwas, das nicht zuverlässig funktioniert. Selbst mit der unmittelbar nach dem Konzert bereits downloadbaren Digital-Edition hätte ich nicht hundertprozentig sagen können, wie authentisch die Aufnahme denn eigentlich ist, wegen der
2. Perspektive:Die Aufnahmen wurden gemacht mit der für Fonè typischen Mikrofon-Aufstellung: Zwei Neumann-Paare in hintereinander versetzter Aufstellung, dazu zwei seitliche Stützmikrofone, alle mitten im Orchester. Ich selbst saß im Turiner Teatro Regio auf einem (recht guten) Balkonplatz, bei der Generalprobe mittig auf dem Rang. Die Saalakustik habe ich als okay empfunden, mit einer teilweise zu langen Nachhallzeit, die zu etwas schwammigen Mitten geführt hat. Die Aufnahme KANN also gar nicht so klingen, wie im Konzertsaal. Meistens ist man von einem technischen Standpunkt aus gesehen sogar mit der Tonkonserve besser bedient, weil diese im wahrsten Sinne des Wortes näher dran ist. Und glauben Sie mir, ich habe das in verschiedenen Hörräumen mit diversen Lautsprechern gehört – vom Schönklinger bis zum neutralen Studiomonitor. Und dann wäre da noch die
3. Einstellung:Ich tauge nicht zum Konzertkritiker. Seit ich das erste Mal, mit 16 oder 17 Jahren in der Philharmonie saß, bin ich bei klassischen Konzerten buchstäblich „weggetreten“: Die Atmosphäre eines großen Saals, die zahlreichen Orchestermusiker, das Eintauchen in die große Akustik lassen mich ein Konzert zum überwiegenden Teil sehr unmittelbar erleben – ich beneide (und bedauere) die Leute, die bei einem so überwältigend sinnlichen Erlebnis wie ebendieser Mahler-Symphonie in der Lage sind, dem musikalischen Geschehen nüchtern und partiturgetreu zu folgen und danach zu analysieren. Je überwältigender für mich ein Konzert oder eine Oper ist, desto weniger kann ich das.
Aus diesen Gründen sind für mich Konzert und Platte immer zwei unterschiedliche Zugänge zu einem Werk. Was ich der vorliegenden Aufnahme zugestehen kann, ist, dass sie die Faszination dieses großen Werks Gustav Mahlers wieder aufleben lässt, vor allem den Spannungsbogen, den Gianandrea Noseda über das gesamte Werk zieht. Das ist in diesem Fall sogar besser gelungen als im Konzert: Dort gab es eine Stelle, ich meine, zwischen dem ersten und zweiten Satz, da sah man an der Konzentration des Orchesters und der Körperspannung des Dirigenten, dass er nahtlos weiterspielen wollte, um im Fluss des Geschehens zu bleiben. Nun, das mehrheitlich von Atemwegsreiz geplagte Publikum hat sich seine Pause buchstäblich erhustet – trotz Nosedas mehrfacher Bemühungen, das in den Saal hinein „wegzudirigieren“, bis er resigniert in sich zusammensackte und abwartete, bis es weitergehen konnte. In so einem Fall ist die nachträgliche Schnittmöglichkeit natürlich Gold wert. Das recht unbekannte Turiner Orchester mit überwiegend sehr jungen Musikern und die beiden Solistinnen machen ihre Sache sehr gut – die Qualität steht denen großer Orchesternamen in nichts nach. Und im Quervergleich wirkt so manche renommierte Produktion der Auferstehungssymphonie wie eine aneinandergereihte Nummernrevue – hier kann sich die Interpretation Nosedas allemal behaupten. Die Aufnahmequalität des auf Ampex- Bandmaschinen live mitgeschnittenen Konzerts ist wie immer bei Fonè über alle Zweifel erhaben – man hat sich dem unerreichbaren Ziel „klingt wie im Konzert“ so weit wie möglich angenähert. Ich konnte mich beim Anhören zumindest wieder ein bisschen in meinen „Liverausch“ hineinversetzen – ein größeres Kompliment kann ich einer Platte nicht machen.

Fazit

Rein analoger Konzertmitschnitt einer hoch interessanten Mahler-Interpretation
Gustav Mahler - Symphonie Nr. 2 „Auferstehungssymphonie“ Orchestra e coro Teatro Regio Torino, Anna Maria Chiuri, Regula Mühlemann Dirigent: Gianandrea Noseda (Fonè)

08/2017 - Thomas Schmidt

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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 16.08.2017, 12:02 Uhr
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