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Büsra Kayıkçı – Places
Fast reine Piano-Alben können unendlich öde sein, wenn der Künstler oder die Künstlerin eigentlich nichts zu sagen haben oder sich unsicher fühlen und daher versuchen, vor allem technisch fehlerfrei zu spielen, statt Ausdruck in ihr Spiel zu bringen. Und dann hört man dieses Album von Büsra Kayıkçı und fragt sich, warum man nicht öfter mal in den Tastenklängen dieses Instruments versinkt.
Dabei spielt die junge Türkin weder bewusst gefällig noch überkandidelt künstlerisch. Sie lässt den Tönen Raum zum Entstehen und zum Verklingen, wandelt unglaublich sicher auf den Tasten, trifft immer die perfekte Dosierung des Tons, baut Klangschichten zu Kathedralen auf und wechselt in Sekunden von dräuend-drohenden zu flatternd-spielerischen Gemütszuständen. Auf einmal meint man, im Hinterzimmer eines Varietés den Träumen einer Tänzerin musikalisch zu lauschen, dann wieder auf einem Marktplatz dem geschäftigen Trieben zuzusehen. Immer wieder webt Büsra Kayıkçı Geräusche – Klicken, Klacken, Rasseln, Schaben – in ihre Musik hinein, was zu Beginn irritiert (sind da Schrauben im Lautsprecher locker?), dann aber fasziniert, weil es eine zusätzlich Tiefe – räumlich wie lyrisch – schafft.
Das ergibt spätestens dann Sinn, wenn man ihren synästhetischen Ansatz kennt: Büsra Kayıkçı verbindet Musik und Architektur, und wie man einen Raum gestaltet, indem man Farben, Materialien und Texturen sorgfältig auswählt und dann kombiniert, definiert sie für ihre Musik Harmonien, Melodien, Themen und Motive als modulare Versatzstücke, um sie miteinander zu verbinden. Schade, dass diese Art von Musik in unserer schnelllebigen Zeit so selten die Beachtung findet, die sie verdient.
Fazit
Sehr spannender, faszinierender Klangkosmos mit viel Fantasie.Kategorie: Schallplatte
Produkt: Büsra Kayıkçı – Places (Warner Classics)
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144-612
ArtPhönix Vinyl |
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