Kategorie: Selbstbauprojekt

Einzeltest: Monacor Monitor CB


Gutes Werkzeug

Selbstbauprojekt Monacor Monitor CB im Test, Bild 1
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Gutes Werkzeug fällt dadurch auf, dass es eben nicht auffällt – es funktioniert einfach. Das Lautsprecheräquivalent dazu hat ein Leser aus Bremen gebaut

Sie hatte ihren ersten Auftritt beim Selbstbau-Contest der „Interessengemeinschaft DIY-HiFi“, kurz: „IGDH“ im vergangenen Herbst: Die vom ersten Vorsitzenden des Vereins Oliver Martin erdachte und gebaute Box namens „Monitor CB“. Das moderne Konzept verdient es zweifellos, seinen Weg in die KLANG+TON zu finden. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um eine geschlossene Box (CB = Closed Box). In 30 Litern steckt ein Achtzöller von Monacor, dessen Basswiedergabe nach dem GHP-Prinzip ein wenig auf die Sprünge geholfen wird. GHP steht für „geschlossen Hochpass“ und bedeutet, dass dem Tieftöner (inklusive Tiefpass) ein großer Kondensator vorgeschaltet wird. Bei korrekter Dimensionierung ergibt sich damit eine tiefere Basswiedergabe als ohne den Hochpass, unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz fällt der Schalldruck dafür aber relativ steil ab.

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Einerseits erhöht das die Belastbarkeit, andererseits kann man mit diesem Kniff ordentlich tiefe Töne aus kompakten geschlossenen Gehäusen zaubern. Als Hochtonergänzung wählte der Konstrukteur eine in einem Waveguide montierte Textilkalotte; diese sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Maßnahme hilft dem Hochtöner bei niedrigen Frequenzen auf die Sprünge, erlaubt tiefe Trennfrequenzen und ein gutes Rundstrahlverhalten. 

Bestückung


Als Tieftöner kommt der Monacor SPH220-HQ zum Zuge. Mit rund 130 Euro kein Billigheimer, aber eine überaus solide Konstruktion, die bei LPG in deutschen Landen gefertigt wird. Gewisse konstruktive Ähnlichkeiten mit den im gleichen Hause entstehenden und deutlich höher bepreisten Eton-Chassis sind also kein Zufall. Hier allerdings gibt’s keine Hightech-Sandwich-Membran, sondern beschichtetes luftgetrocknetes Papier. Die 38er-Schwingspule erlaubt einen Hub von 11 Millimetern zwischen beiden Auslenkungsgrenzen, das reicht für daheim. Die Gesamtgüte liegt im mittleren Bereich (0,44), die Resonanz tief (33,4 Hertz) – das ist in der Tat ein sehr geeigneter Kandidat für ein GHP-Gehäuse. Ohne den Kniff bräuchte der Treiber mindestens 40 Liter, so reichen derer 30. Beim Hochtöner gibt’s Besonderes zu vermelden. Olli flanschte an den Monacor- Waveguide WG-300 nicht die eigens dafür vorgesehene Kalotte DT-300, sondern eine DT-254. Die ist minimal teurer als die Erstere, macht in der Schallführung messtechnisch aber eine exzellente Figur. Die Kehrseite der Medaille: Die Front des Hochtöners ist nach außen gewölbt und passt nicht ohne Weiteres auf das Horn; man muss das Gitter vor der Membran entfernen und einen Adapterring montieren. Den gibt’s aber nicht zu kaufen, sondern muss selbst angefertigt werden. Olli hat sich zwei Stück aus sechs Millimeter starkem Aluminium anfertigen lassen; wer daheim mit Oberfräse und Fräszirkel und/oder Schablone tätig werden will, der möge zum Beispiel Acryl, Pertinax, Hartgewebe oder auch Fußbodenlaminat nehmen. Der Lohn der Mühe: Ein Hochtöner mit mächtig Wirkungsgrad um drei Kilohertz, geringem Klirr ab einem Kilohertz und keinerlei Schwächen beim Ausschwingverhalten. Entsprechend beschaltet ist das genau das, was man hier gebrauchen kann. 

Gehäuse


Olli schneiderte seiner „Monitor CB“ ein sehr stabiles Gehäuse auf den Leib. Es gibt eine senkrechte und eine waagerechte Versteifung, der Bereich zwischen den beiden Treibern, wo nicht mehr viel Material steht, wird so gut gestützt. Beide Treiber werden versenkt montiert, wobei es beim Hochtöner nachzuarbeiten gilt: Der Rand des Tieftöners schneidet den Waveguide, bei dem es entsprechend Material zu entfernen gilt. Das Kunststoffmaterial ist aber leicht zu bearbeiten. Die Seitenwände bestehen aus Multiplex, der Rest des Gehäuses aus MDF; an dieser Stelle sind Variationen erlaubt.

Frequenzweiche


Das Filter geriet ob des GHP-Ansatzes nicht ganz trivial. Vor dem Tieftonzweig tummeln sich gleich vier parallele Kondensatoren (C2 bis C5) mit insgesamt 637 Mikrofarad Kapazität. Drei Elkos und ein MKT – das hält die Angelegenheit bezahlbar. Die Filterung des Tieftöners übernehmen L2 und C6 in klassischer Zwölf-Dezibel-Manier, die Trennfrequenz liegt etwa bei 1,6 Kilohertz – das geht natürlich nur dank der Waveguide-Unterstützung. Dem eigentlichen Filter für den Hochtöner ist eine kleine „Nachhilfestufe“ vorgeschaltet. Der mit C7 und C8 gebrückte Vorwiderstand R2 sorgt für eine Pegelreduktion bei niedrigen Frequenzen, die nach oben heraus immer weniger wird. Das anschließende Filter ist wieder ein klassischer Zwölf-Dezibel-Typ, C9 und C10 kann man sicherlich auch zu einem Kondensator mit 5,6 Mikrofarad zusammenfassen. Beide Treiber sind phasengleich angeschlossen. Außerdem hat Olli eine Impedanzlinearisierung vorgesehen; sie besteht aus L1, C1 und R1 und ist dem kompletten Filterblock vorgeschaltet. 

Messungen


Der Frequenzgangschrieb offenbart nahezu mustergültiges Verhalten. Die Winkelmessungen sind übrigens über die „kurze Kante“ entstanden – der Hochtöner sitz ja unsymmetrisch angeordnet auf der Front. Misst man die andere Seite gibt’s durchaus Unterschiede, aber die sind gering. Bass? Geht gut. Die untere Grenzfrequenz liegt irgendwo zwischen 40 und 50 Hertz, das ist hoch anständig. Ansonsten sieht’s bis über zehn Kilohertz hinaus sehr linear aus, darüber liefert der Hochtöner auf Achse ein wenig Pegelüberschuss. Bereits unter 15 Grad ist davon nichts mehr zu sehen. Das Rundstrahlverhalten ist sehr gut, hier zahlt sich der Waveguide aus. Die Impedanzmessung erfolgte ohne die Linearisierung; die Nennimpedanz ist angesichts der großen Schwankungsbreite nicht einfach anzugeben und liegt auf alle Fälle deutlich über zehn Ohm. Wirkungsgrad? Realistische 84 Dezibel an 2,83 Volt. Die Klirrmessungen sehen sehr gut aus, bei 85 Dezibel ist die Box schon ab 150 Hertz sehr verzerrungsarm. Bei 95 Dezibel fällt ein Peak bei drei Kilohertz mit gut einem Prozent k2 auf, aber das ist immer noch sehr gut. Das Wasserfalldiagramm ist makellos.

Hörtest


Zu Beginn dürfen alte Bekannte auf den Plattenteller: Mumford & Sons spielen ihren Erstling „Sigh No More“. Die britischen Neo-Folk-Durchstarter und die Monitor CB – das passt schon mal gut. Der schön brummig-sonore Akustikbass der ausgezeichnet klingenden Aufnahme (Mastering by Bob Ludwig!) klingt auf der Box – schön brummig-sonor. Mit viel Zeichnung, dem nötigen Volumen und ohne Bauchansatz. Geschlossene Box? Aber sowas von. Ganz unten geht andernorts noch mehr, aber das ist angesichts des Konzeptes auch nicht verwunderlich. Beim Spielen mit der Aufstellung wurde klar, dass wir es hier in der Tat mit einem ausgezeichneten Nahfeldmonitor zu tun haben. Das Klangbild rastet auch bei geringen Hörabständen und Basisbreiten ein und zerfällt nicht im Geringsten. Der Anschluss beider „Töner“ zueinander ist ausgezeichnet gelungen, die Box klingt so richtig schön homogen. Seite zwei, „Little Lion Man“: Die Stahlsaiten auf der Akustikgitarre flirren energiereich und bestens aufgeräumt. Marcus M. und seine Sons haben hörbar Spaß und musizieren wirklich mitreißend: „I really fucked it up this time, didn’t I my dear?“ Kann man angesichts dieses Lautsprechers nicht sagen. Natürlich hat unsere vielfach teurere „Nada” in Sachen Tieftonstabilität und Hochtonauflösung noch den einen oder anderen Pfeil mehr im Köcher, aber angesichts des dynamisch großartigen und perfekt integrierten Klangbildes ist diese erfreulich preiswerte Kombination ein absoluter Knaller. Man muss nicht wie angenagelt auf dem Sofa sitzen, um in den Genuss der maximalen Performance zu kommen, die Energieverteilung im Raum funktioniert ausgezeichnet, man darf sich auch gerne beim Musikhören im Raum bewegen. Pegelreserven? Vorhanden. Ich empfehle Judas Priest, „Defenders oft the Faith“ – um der alten Zeiten willen. Das ist zwar nicht ein Highlight in Sachen Klangqualität, aber es rockt und ist ein typischer Vertreter der „Je lauter, desto besser“-Fraktion. Anspieltipp: „Some heads are gonna roll“. Das kann man wörtlich nehmen – das hier, das lässt in der Riege etablierter Zweiwegeriche nämlich ordentlich Köpfe rollen. Guter Job, Olli.

Aufbauanleitung


Die Seitenwände stehen rundum über, deshalb beginnt der Aufbau auf einer davon. Beachten Sie, dass Front und Deckel an der Kante, an der sie aneinanderstoßen, auf Gehrung geschnitten sind. Es ist sinnvoll, diese beiden Platten zuerst zu verleimen. Danach folgen der waagerechte Innenteiler, der senkrechte Innenteiler, die Rückwand und zum Schluss der Boden. Nach dem Verschließen des Gehäuses können die Ausschnitte und Fräsungen für die beiden Treiber erledigt werden. Die Gehäusedämmung erfolgt mit Noppenschaum an den Wänden hinter und neben dem Tieftöner, die beiden verbleibenden „Abteile“ werden relativ dicht mit Sonofill bestückt. 

Holzliste


Multiplex 18 Millimeter

 2 x 430 x 350 mm Seitenwände

MDF 19 Millimeter

 1 x 430 x 264 mm Front
 2 x 392 x 264 mm Rückw., Teiler senkrecht
 1 x 350 x 264 mm Deckel
 1 x 331 x 264 mm Boden
 1 x 173 x 264 mm Bodenplatte 


Zubehör pro Box

 Terminal nach Wunsch
 1/1 Beutel Sonofill
 1/4 Matte Noppenschaumstoff
 Dichtband
 Schrauben
 Kabel
 Material für Hornadapter

Preis: um 250 Euro

Selbstbauprojekt

Monacor Monitor CB


05/2014 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten Monitor CB 
Chassishersteller: Monacor 
Vertrieb: Leserprojekt 
Konstruktion Oliver Martin 
Chassisparameter K+T-Messung
Funktionsprinzip: geschlossen Hochpass 
Bestückung: Monacor SP220-HQ, DT-254, WG-300 
Nennimpedanz in Ohm: 12 
Kennschalldruckpegel 2,83V/1m 84 
Abmessungen (B / H / T in cm): 300/430/350 
Kosten pro Box (zzgl. Gehäuse): 250 
Technische Daten Monacor DT-254 7 WG-300 
Hersteller: Monacor 
Bezugsquelle: Monacor International, Bremen 
Unverb. Stückpreis (in Euro) 49,90 / 11,90 
Chassisparameter K+T-Messung
Z (in Ohm):
Z 1kHz (in Ohm): 15 
Z 10 kHz (in Ohm):
Fs (in Hz): 481 
Re (in Ohm): 6.34 
Rms (in Kg/s): Nein 
Qms: 2,49 
Qes: 1,16 
Qts: 0,79 
Cms (in mm/N): Nein 
Mms (in g): Nein 
BxL (in Tm): Nein 
Vas (in l): Nein 
Le (in mH): Nein 
Sd (in cm²): Nein 
Ausstattung
Korb / Frontplatte Nein 
Membran Gewebe 
Dustcap Nein 
Sicke Gewebe 
Schwingspulenträger Nein 
Schwingspule (in mm) 25 
Xmax absolut (in mm) Nein 
Magnetsystem Ferrit 
Polkernbohrung (in mm) Nein 
Sonstiges Nein 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 08.05.2014, 09:11 Uhr
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