Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Air Tight PC-7


Grossmeister

Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 1
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Und dann sind da immer wieder die Japaner – vielleicht nicht mit der  Marktmacht einstiger glorreicher Tage, aber in homöopathischen  Dosen immer wieder gut für Juwelen  faszinierender HiFi-Technik

Dieses Mal handelt es sich meines Wissens um eine Premiere für die LP – ei- nen Tonabnehmer aus dem Hause Air Tight hatten wir noch nicht im Heft. Höchste  Zeit also und zudem ein Glücksfall, dass  nach langer Zeit im  „Einsteigersegment“  beim japanischen Hersteller eine Wachablösung stattgefunden hat. Das wohl beleumundete PC-3 wurde nämlich nach langen  Jahren vom neuen PC-7 abgelöst. Damit  gibt es im Moment je nach Zählweise nur  zwei (oder drei) Tonabnehmer im Line-up:  den neuen PC-7 und das schon länger gebaute Spitzensystem PC-1, das auch noch  in einer Supreme-Variante angeboten wird.  Kurzfristig wird auch noch das Opus-1 zu  erwarten sein, das sich Atsushi Miura anlässlich des dreißigsten Firmenjubiläums  selbst gegönnt hat.  Ja, im zarten Alter von 82 Jahren möchte  es der Mann noch einmal wissen und legt  sich ordentlich ins Zeug, immer noch ganz  im Sinne der Motive, die ihn in den 80er- Jahren zur Gründung getrieben haben. Angesichts der Digitalisierung, die für ihn  (und etliche andere) stellvertretend für den  Wandel des Musikhörens zum beliebigen  Konsum war, hob er eine Firma aus dem  Taufbecken,  die  eben  das  nicht  machte.  Air-Tight-Geräte stehen seit jeher für sorgfältige Entwicklung, lange Produktzyklen  und einen immens hohen Qualitätsstandard. Dazu kommt, dass in der langen  Konstruktionsphase immer das Gehör  letzte Instanz ist, nicht die Messtechnik.

Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 2Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 3Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 4Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 5Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 6Tonabnehmer Air Tight PC-7 im Test, Bild 7
So hat sich Miura im Laufe der Jahre eine  kleine, aber extrem feine Produktpalette  aufgebaut, die sich im wahrsten Sinne des  Wortes sehen lassen kann: Es gibt optisch  eine echte Corporate Identity, die noch ganz entfernt an alte Luxman-Geräte erinnert  – wie bei vielen japanischen Verstärkerherstellern stammt auch hier der Gründer aus  der glorreichen Zeit Luxmans. Die kantigen Fronten mit den dezenten goldenen  Typenschildern und den Reglern und Anzeigeinstrumenten im alten Stil erkennt  man unter Hunderten Geräten sofort.  Und sogar am neuen Tonabnehmer kann  man diese Linie sofort ausmachen: Zwei  ineinander verschachtelte Metallblöcke  sorgen für die charakteristische Air-Tight-Front: Senkrecht der Generator-Block,  waagerecht die mehr als stabile Montageplatte. Die Kanten sind sauber und elegant  angefast, dennoch verbleiben genügend  rechtwinklige Kanten, um das System anhand einer Schablone sauber auszurichten  – das kann man hier guten Gewissens tun,  steht doch der Nadelträger absolut gerade  im Gehäuse. Dieser ist aus Bor und damit  einerseits sehr steif, andererseits sehr leicht  und doch resonanzarm. Der Diamant trägt  einen Microridge-Schliff, der sich heute  recht  großer  Beliebtheit  erfreut  –  scharf,  aber  noch  nicht  kritisch.  Das  wohl  durch  den Google-Übersetzer gejagte Datenblatt  schweigt sich über die genaue Compliance  des Systems aus – wir können aber davon  ausgehen, dass diese sich um die 10 mm/N  bewegen wird. Die empfohlene  Auflagekraft liegt zwischen 1,9 und 2,2 Gramm bei  einem Eigengewicht von 9,6 Gramm. Die  angegebene  Ausgangsspannung  liegt  bei sehr gesunden 6 Millivolt – und das bei  einem Spulenwiderstand von nur 7 Ohm.  Man kann also davon ausgehen, dass das  Magnetfeld im System recht kräftig ist.  Zum Preis: 3.000 Euro muss man für den  Einstieg in die Welt der Air-Tight-Tonabnehmer auf den Tisch legen – da tröstet es  nur wenig, dass das PC-1 gut das Doppelte,  das PC-1 Supreme das Dreifache und das  zu erwartende Opus-1 vermutlich noch  einmal mehr kosten. Andererseits bewegen wir uns hier in einem  Bereich, wo die Luft schon sehr dünn wird  und nur noch ganz wenige Topsysteme anderer Hersteller unterwegs sind.  Im Hörtest offenbart das PC-7 zunächst  einmal eine recht große Flexibilität – es  hat keine bevorzugte Musikrichtung, sondern kann (eigentlich ein bisschen untypisch für meine Erfahrung mit japanischen  Top-Systemen) sowohl den Schöngeist als  auch den Rocker geben. Klar – von einer  sauberen Abtastung und der daraus resultierenden Bandbreite profitieren  sowohl  Fein- als auch Grobdynamik. Tonal verliert sich das Air Tight aber keineswegs in  grenzenloser ätherischer Feinzeichnung,  sondern zeichnet den Hochtonbereich auf  den Punkt – genau wie die Mitten und den  Bass, wo es je nach aufgelegter Platte auch  gerne mal ein ordentliches Pfund sein darf.  AC/DC und danach Gustav Mahler – kein  Problem! Klar reizt eine durchschnittliche  Rock- oder Pop-Produktion einen solchen Tonabnehmer nicht aus, aber es ist schön,  zu wissen, dass man auch mal ein Brett  fahren kann.  Dennoch kommt während einer Hörsession der Moment, wo ich mich der reinen  Schönheit zuwenden möchte, und zwar  buchstäblich: „I Came So Far for Beauty“ in der Version von Jennifer Warnes, aber  auch ein  „Hallelujah“ von Jeff Buckley  sorgt mit dem PC-7 für Gänsehaut und  das eine oder andere feuchte Auge – Leonard Cohen möge mir verzeihen, aber als  Komponist ist er einfach stärker denn als  Sänger. Das  Air Tight lässt große Stimmen sich völlig frei entfalten – Begriffe wie  „saubere Mittenabbildung“,  „große Bühne“ und „präzise Platzierung“ treffen zwar  uneingeschränkt zu, treten aber angesichts  der großartigen, entspannten und völlig  selbstverständlichen  Klangatmosphäre  in  den Hintergrund – das ist authentische  und lebendige Musikwiedergabe! Dabei  kann  man  in  Sachen  Tonalität  noch ein bisschen am  VTA oder an der  Eingangs impedanz  schrauben  –  in  Nuancen, versteht sich.  Am Übertrager klingt  das PC-7 ein bisschen runder, mehr nach  „old style“, aber ungemein charmant, während der Anschluss an eine MC-Stufe etwas offener und „moderner“ wirkt. Dabei  muss ich erwähnen, dass mir der passender  Übertrager von Air Tight nicht zur Verfügung stand. In  jeder  Betriebsart  behält  das  Air  Tight  PC-7 aber seine große, entspannte Souveränität – für ein  „Einsteigermodell“ aller  Ehren wert!

Fazit

Mit 3.000 Euro Einstandspreis ist das Air Tight PC-7 kein Schnäppchen, ist aber auch in  dieser Klasse einzigartig in seiner  entspannten Überlegenheit. Ein Allrounder auf höchstem Niveau!

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: Air Tight PC-7

Preis: um 2990 Euro


11/2016

Ein Allrounder auf höchstem Niveau!

Air Tight PC-7

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Axiss Europe 
Telefon 0234 3254190 
Email jl@axiss-europe.de 
Internet www.axiss-europe.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Gewicht (in g) 9.6 
Empfohlende Auflagekraft 1,9-2,2 Gramm 
Nadelträger Bor 
Nadelschliff Micro Ridge 
Innenwiderstand (in Ohm) 7 Ohm 
Abschlussimpedanz (in Ohm) ab 70 Ohm 
Ausgangsspannung 0,6 mV (1 kHz, 5 cm/sec) 
Unterm Strich... Mit 3.000 Euro Einstandspreis ist das Air Tight PC-7 kein Schnäppchen, ist aber auch in dieser Klasse einzigartig in seiner entspannten Überlegenheit. Ein Allrounder auf höchstem Niveau! 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 07.11.2016, 10:03 Uhr
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