Kategorie: Tonabnehmer
Tonabnehmer Ortofon Concorde Elite

Überschall-Knall

Tonabnehmer Ortofon Concorde Elite im Test, Bild 1
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Seit über 40 Jahren baut der dänische Hersteller Ortofon nunmehr seine Profi -Abtaster aus der Concorde-Baureihe. Dieses hier ist ein ganz besonderer Ableger dieser Fraktion.

Zur Einordnung


Doch, doch, das Concorde Elite ist ein ziemlich waschechter Club-Abtaster. Also einer, der definitiv dafür gedacht ist, professionellen Plattenlegern am Ende eines Technics-Tonarms nächtelang treue Dienste zu leisten. Ob so etwas vielleicht auch für den Heimanwender interessant ist versuchen wir an dieser Stelle herauszufinden. 1979 hat Ortofon angefangen, Abtaster im Look des Cockpits des berühmten Überschall-Passagierjets zu bauen. Es wird der modernen Formgebung einerseits und andererseits dem Umstand, dass es an diesem Abtaster kaum etwas zu justieren gibt geschuldet sein, dass sich die Reihe alsbald in der HiFi-Welt etablierte. Durch die Decke ging’s jedoch erst, als die DJ-Szene diese Abtaster entdeckte, die fortan den Standard überhaupt beim Einsatz von Technics SL-1200 und Co bildeten. Das letzte Mal präsentierte Ortofon mit dem „Concorde Century“ 2019 eine HiFi-Variante des Themas.

Tonabnehmer Ortofon Concorde Elite im Test, Bild 2Tonabnehmer Ortofon Concorde Elite im Test, Bild 3
Das limitierte Jubiläumsmodell gab es für 600 Euro zu erstehen und war mit seinem edlen Fine- Line-Diamanten ganz eindeutig nicht für den Club-Einsatz gedacht. Beim neuen Elite ist das etwas anders: Mit 400 Euro bewegt es sich preislich merklich oberhalb dessen, was der DJ üblicherweise an sein Bajonett flanscht, in den etwas feineren Clubs scheint das Elite jedoch durchaus schon Einzug gehalten zu haben. Wie alle Concorde-Abtaster will auch das Elite an einem SME-Bajonett befestigt werden. Nun gibt’s hier aber kein Headshell, auf dem man den eigentlichen Abtaster verdrehen oder verschieben könnte, sprich: Entweder kann man die Tonarmbasis zur Überhangeinstellung verschieben oder man ist auf die herstellergegebene Geometrie fixiert. Wenn’s ein Technics-Direkttriebler oder einer der zahlreichen Nachbauten davon ist geht das in Ordnung, hier passt die Geometrie.  

Konstruktives


Einer der Gründe, warum das Concorde Elite für den HiFi-Anwender interessant sein könnte ist seine für HiFi-Verhältnisse ungewöhnlich hohe Ausgangsspannung: Bei nominellen 8,5 Millivolt bei einer Schnelle von fünf Zentimetern pro Sekunde muss man sich garantiert keine Gedanken darüber machen, ob der Abtaster den auch genügend Pegel für die Phonovorstufe liefert. Die Erfahrung hat gar gezeigt, dass Phonovorstufen es durchaus mögen, etwas höher ausgesteuert zu werden, in vielen Fällen bekommt das der Gesamtdynamik definitiv zugute. Der Fairness halber muss man sagen, dass es in der DJ-Abteilung bei Ortofon auch Abtaster mit elf Millivolt gibt, die dürften sich für HiFi-Anwendungen aber weniger eignen. Denn: Für viel Ausgangsspannung braucht man viel Magnetfeld, will sagen: kräftige Magnete und viele Spulenwindungen. Letzteres scheint beim Concorde Elite der Fall zu sein; ein Innenwiderstand von 1,2 Kiloohm und eine Induktivität von 800 Millihenry sind eine Menge. Was das Elite zudem von den anderen Concorde-Modellen unterscheidet sind Nadelträger und Nadel: Ersterer besteht nämlich aus einer exklusiven Magnesium-Aluminiumlegierung und soll besonders leicht und steif sein. An seinem Ende sitzt ein nackter und kleiner elliptischer Diamant, wie man ihn eher aus HiFi-Gefilden kennt. Auch jener trägt zu einer wünschenswert geringen bewegten Masse bei. Ortofon bemerkt ausdrücklich, dass diese Nadel „zum Hören gedacht ist, und nicht für intensives Cueing und Scratching“. Der Hersteller verweist zudem darauf, dass der Nadeleinschub in einem echt vergoldeten Gehäuse steckt –

Tonabnehmer Ortofon Concorde Elite im Test, Bild 3
Der Nadeleinschub des Concorde Elite ist tatsächlich echt vergoldet
man gibt freimütig zu, dass das dazu dient, Wertigkeit zu vermitteln. Zweifellos macht die Kombination aus mattschwarzem Korpus und goldenem Nadeleinschub optisch etwas her, insbesondere dann, wenn der Abtaster an einem schwarzen Arm montiert ist. Den hatten wir fürs Aufmacherfoto leider nicht im Angebot, aber das Concorde Elite fühlte sich auch am silberfarbenen Ausleger eines SL-1500C wohl. Ortofon empfiehlt eine Auflagekraft zwischen 20 und 40 Millinewton, die Mitte soll der Königsweg sein. Ich bin schließlich bei etwa 33 Millinewton gelandet.  

Klang


Die Montage des Concorde Elite in besagtem Technics SL-1500C ist ein bisschen wie Urlaub für den vielgeprüften Tonabnehmerjustierer: Reinschrauben, Auflagekraft ohne Tonarmwaage einstellen und den VTA im Auge behalten – schon geht’s los. Daran könnte ich mich zugegebenermaßen gewöhnen. Ich war ausgesprochen gespannt, wie sich meine um 50 Dezibel verstärkende Röhrenphonovorstufe mit den achteinhalb Millivolt des Concorde Elite vertragen würde – Sorgen ob möglicher Übersteuerung machte ich mir nicht, Röhrenschaltungen vertragen ohne Probleme hohe Eingangspegel. Die Kinnlade bewegte sich bei den ersten Takten dann auch schnell nach unten, denn das, was das Ortofon hier zum Besten gab, das war schlicht Feuerwerk. Dynamik und Kraft pur. Aber auch: einen kantigen und ziemlich eindimensionalen Bass, einen kratzigen Hochton und einen wenig ausgedehnten Raum. Man sollte sich jedoch hüten, jetzt schon Schlüsse zu ziehen, denn das Concorde Elite will unbedingt geduldig eingespielt werden. Bereits nach fünf Stunden gibt sich das Ganze deutlich zahmer, nach etwa 30 Stunden verändert sich nur noch wenig. Die Ecken sind runder, der Spaß ist aber noch da: Das Concorde Elite verleugnet auch jetzt seine Wurzeln nicht und läuft bei Musik wie den teilweise kräftig elektronisch unterlegten Klängen von The XX zu großer Form auf und füllt den Raum mit purer Energie. Es klingt rund, saftig und eindringlich. Ein wahres Wunder an Auflösungsvermögen ist der Abtaster auch jetzt nicht, bei Steely Dans Klassiker „Do It Again“ freuen wir uns über die kernige Percussion, Donald Fagens Stimme haben wir allerdings schon mit mehr Ausdruck gehört. Erfreulich gut gelingt dem Elite das Auffächern das Klangbildes. Es rastet förmlich auf dem Rhythmus des Titels ein und transportiert so reine Spielfreude. Das macht das Concorde Elite nicht zu einem ausgesprochenen Allrounder, aber zu einem Tonabnehmer mit ganz besonderen Talenten.

Fazit

Dynamik, Rhythmus, Kraft – das Concorde Elite macht keinen Hehl aus seinen Wurzen im Club-Business. Wenn Sie für sowas einen passenden Zweittonarm frei haben sollten – dicke Empfehlung!

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: Ortofon Concorde Elite

Preis: um 400 Euro


11/2022

Dynamik, Rhythmus, Kraft – das Concorde Elite macht keinen Hehl aus seinen Wurzen im Club-Business. – dicke Empfehlung!

Ortofon Concorde Elite

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb ATR, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet www.audiotra.de 
Garantie (in Jahre) k.A. 
Nadelnachgiebigkeit 13 μm/mN 
Gewicht (in g) ca. 18,5 g 
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Autor Holger Barske
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Datum 16.11.2022, 09:54 Uhr
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