Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Transfiguration Axia


The Next Generator

Tonabnehmer Transfiguration Axia im Test, Bild 1
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Normalerweise findet ja so etwas nicht statt – schlicht und ergreifend aus mangelnder Verfügbarkeit. Wenn wir aber einmal ein Generationentreffen ausrichten dürfen, dann ergreifen wir die Gelegenheit beim Schopfe

Mitspieler


Plattenspieler:

 Denon DP6000 mit Stax UA7
 Holborne Analog 2

Phonovorverstärker:

 Trigon Advance
 Quad Twentyfour P
 PS Audio GCPH
 Malvalve Preamp Three Phono

Verstärker:

 Accustic Arts Power I MK3
 Linn Akurate Kontrol und 2200
 MalValve Preamp Four Line

Lautsprecher:

 Xavian XN250
 Klang + Ton Mini Monitor TS

Zubehör:

 Stromversorgung: PS-Audio
 Phonokabel Musical Wire, Horn Audiophiles
 NF-Kabel: Van den Hul, Musical Wire
 Lautsprecherkabel: Silent Wire
 Racks und Basen: SSC, Tabula Rasa 


Gegenspieler


Tonabnehmer:

 Benz Ace SL
 Phase Tech P-3G
 Van den Hul The Condor

Unglaublich: Selbst die Firmen, die sich während und trotz der Analogkrise nach dem damaligen Siegeszug des CD-Players gegründet haben, können inzwischen ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern. Woran das wohl liegt? Transfiguration ist so eine Marke: 1992 als „Jetzt-erst-recht“-Reaktion auf den kommerziellen Niedergang der Schallplatte aus der Taufe gehoben, begann sogleich die Erfolgsgeschichte der Tonabnehmermanufaktur von Seiji Yoshioka. Das mit dem „manuell“ ist übrigens wörtlich zu nehmen: Nach wie vor werden die edlen Abtaster ausschließlich von Hand gefertigt.

Tonabnehmer Transfiguration Axia im Test, Bild 2Tonabnehmer Transfiguration Axia im Test, Bild 3Tonabnehmer Transfiguration Axia im Test, Bild 4Tonabnehmer Transfiguration Axia im Test, Bild 5
Stefan Becker vom BT-Vertrieb hat es möglich gemacht: Ein Transfiguration Axia der letzten Baureihe und die aktuelle Version, die vor wenigen Wochen ganz frisch aus Japan eingeflogen ist, standen uns zum Hören zur Verfügung. Bevor wir uns an den Familienvergleich machen, noch kurz ein paar Worte zur speziellen Bauweise der Transfiguration-Tonabnehmer, deren Hauptunterschied zu Systemen anderer Hersteller im Aufbau des Magnetsystems liegt. Normalerweise wird ein einzelner Magnet mehr oder weniger parallel über dem Nadelträger angebracht, der sein Magnetfeld über ein magnetisches Joch um die Spulen legt. Dagegen arbeitet man bei Transfiguration Phoenix mit zwei ringförmigen Magneten vor und hinter dem Spulenkreuz auf dem Nadelträger. Damit liegen die Spulen genau zwischen den beiden ringförmigen Neodym- Magneten und bewegen sich in einem äußerst homogenen Magnetfeld. Außerdem reduziert sich die Distanz zwischen Neodymmagneten und den über Kreuz gewickelten Spulen – das Magnetfeld wirkt wesentlich stärker als bei herkömmlichen Konstruktionen. Und: Man kommt mit weniger Windungen und durch die spezielle Wickeltechnik eben auch nur mit zwei Spulen aus. Ich habe bisher vom Axia in der Einzahl gesprochen, weil die technischen Daten der beiden Systemgenerationen absolut identisch sind – lediglich die (vierstelligen) Seriennummern unserer Exemplare unterscheiden sich um wenige Zehner. Das Hauptunterscheidungsmerkmal der beiden Systeme besteht im Material: Kupfer beim alten, Silberdraht beim neuen Axia und ein durch weniger Windungen reduzierter Innenwiderstand. Die Magneten mussten dadurch verstärkt werden – man benutzt die vom Phoenix. Dennoch erzielt man eine ziemlich hohe Ausgangsspannung von immerhin 0,4 Millivolt, für ein niederohmiges System mit einem Innenwiderstand von 8 bzw. 4 Ohm ziemlich beachtlich. Die Schwingung des Nadelträgers ist in alle Richtungen gleichmäßig bedämpft – die vom Hersteller sogenannte Push-Pull- Bedämpfung. Auf dem sehr steifen Bor-Nadelträger sitzt ein Diamant im sogenannten PA-Schliff von Ogura Systems – ein scharfes Profil im „Line-Contact“-Stil mit Verrundungsradien von dreißig und drei Mikrometern. Der schlanke Generator sitzt in einem „Halbgehäuse“ aus massivem Aluminium, das den wesentlichen Teil des Gesamtgewichts von nur sieben Gramm ausmacht. Die Compliance liegt bei 12 Millimeter/Newton; mit diesen technischen Daten passt es in jeden mittelschweren bis schweren Tonarm. Und doch: Die optisch nicht zu unterscheidenden Tonabnehmer verkörpern zwei gegensätzliche Klangwelten. Zuerst das alte Axia: Unbestechlich, nüchtern, fast schon ein wenig spröde setzt es die Signale aus der Rille in Musik um. Das ist – hat man so ein kraftvoll aufspielendes System wie das größere Phoenix in den Ohren – fast ein bisschen zu viel der Neutralität. Auf der anderen Seite drängt sich durch die fast schon unheimliche Präzision der Wiedergabe nach und nach der Eindruck auf, es hier mit einer absolut unbestechlichen Wiedergabe ganz nah am tatsächlich aufgenommenen Musiksignal zu tun zu haben. Ganz anders das neue Axia: Ich weiß nicht, was Seiji Yoshioka genau gemacht hat – aber hier erwächst selbst dem fulminanten Phoenix ein respektgebietender Gegner. Ab dem Grundtonbereich bis hinab in den tiefsten Bass zieht das neue Axia dem älteren doch deutlich davon. Es gibt schlicht und ergreifend mehr: Mehr Tiefgang, mehr Dynamik und damit die deutlich kraftvollere Spielweise mit Wucht und Verve. Speziell etwas blutarmen Produktionen und dünnen Abmischungen kommt diese Extraportion zugute – und gute Aufnahmen machen einfach noch mehr Spaß. Erst ab dem Mitteltonbereich halten sich beide die Waage – das alte etwas mehr „laid back“, das neue eine Nuance direkter, zupackender. In den Höhen das gleiche Bild: Das neue Axia brillant und unheimlich schnell in der Ansprache, das alte seidig und sehr fein auflösend – Geschmackssache. Die Wertung für die räumliche Abbildung geht zunächst an den Newcomer: Seine auf den Punkt gebrachte Spielweise beinhaltet auch eine sehr deutliche Staffelung von Stimmen und Instrumenten – dem entgegen steht die feine und homogene Abbildung des gesamten Raums, den das Vorgängermodell zwischen die Boxen stellt. Diese ganzen Unterschiede sind nicht nur eine Sache der Balance: Versuche, mittels VTA-Verstellung jeweils dem einen System die Spielweise des anderen anzuerziehen, sind allesamt grandios gescheitert. Sobald ein Teilerfolg erzielt wurde, geraten die anderen Qualitäten ins Hintertreffen – keine gute Idee also. Mit den zwei Axias im Wechsel könnte man die gesamte Bandbreite der analogen Wiedergabe auf höchstem Niveau abdecken – da sich aber jetzt kaum jemand beide Tonabnehmer nach Hause holt, bleibt mir die undankbare Aufgabe, jetzt eine Empfehlung aussprechen zu müssen. Auch wenn es mit einem wehmütigen Blick auf das wunderbar entspannte und unbestechliche Vorgängermodell geschieht: Insgesamt ist das neue Axia die rundere Geschichte – und macht durch seine deutlich dynamischere Art vor allem mehr Spaß. Der Preis-Leistungs- Sieg (wenn es so etwas bei uns gäbe) geht an das alte System, das man nach wie vor kaufen kann. Und die letzten Exemplare werden mit Sicherheit ihre Liebhaber finden.

Fazit

Unterm Strich  muss ich die Entscheidung doch Ihnen überlassen: Präzise Neutralität oder kraftvolle Dynamik – jede der beiden Axia-Generationen setzt die Priorität anders. Ich bin jedenfalls dankbar für diese Erfahrung mit zwei großartigen Tonabnehmern.

Preis: um 1790 Euro

Tonabnehmer

Transfiguration Axia


04/2012 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb BT Hifi-Vertrieb 
Telefon 02104 175560 
Internet www.bt-vertrieb.de 
Garantie (in Jahre)
Gewicht (in g)
Ausgangsspannung 0,4 mV (1hHz, 3,65 cm/sek) 
Übertragungsbereich 10 Hz - 40 kHz 
Kanalabweichung bei 1kHz 0,5 dB 
Kanaltrennung > 27 dB 
Nadelschliff Ogura PA 0,03 x 0,003 mm 
Compliance (inµm/mN) 12 
Empfohlende Auflagekraft 20 mN 
Abschlussimpedanz (in Ohm) 40 
Einspielzeit (ca in Stunden) 50 
Unterm Strich... » muss ich die Entscheidung doch Ihnen überlassen: Präzise Neutralität oder kraftvolle Dynamik – jede der beiden Axia-Generationen setzt die Priorität anders. Ich bin jedenfalls dankbar für diese Erfahrung mit zwei großartigen Tonabnehmern. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 11.04.2012, 15:19 Uhr
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