Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: van den Hul DDT-II Special


Manufaktur

Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 1
7450

Dieses gerade im HiFi-Bereich wahrlich überstrapazierte Wort kann nur noch in den seltensten Fällen auf seine wahre Bedeutung zurückgeführt werden. Zum Glück gibt es diese seltene Spezies immer noch: Den Hersteller, der seine Produkte mit der Hand fertigt

Mitspieler


Plattenspieler:

 Luxman PD-171
 VPI Traveler
 Denon DP-6700 mit Stax UA7

Phonoverstärker:

 Trigon Advance
 Dubiel Phonomaster
 Quad Twentyfour P

Verstärker:

 Lindemann 830S und 858
 MalValve Preamp Four
 DIY 2A3 SE

Lautsprecher:

 Cessaro Chopin
 K+T Minimonitor TS

Zubehör:

 Netzleisten von PS Audio, Silent Wire
 Kabel von van den Hul, Horn Audiophiles
 Basen von Liedtke Metalldesign, Thixar und Accurion


Gegenspieler

 Zyx R100 Yatra
 Van Den Hul The Condor
 Phase Tech P3G

Angesichts des hier zu testenden Systems wird sich der eine oder andere treue Leser erinnert haben: Das DDT-II Special gab es doch in den Anfangstagen unseres Magazins doch schon einmal. Und diese Leser haben recht: In der offiziellen Nomenklatur van den Huls ist der Tonabnehmer der gleiche geblieben.

Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 2Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 3Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 4Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 5Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 6Tonabnehmer van den Hul DDT-II Special im Test, Bild 7
Warum also noch einmal das Ganze? Nun – siehe oben. Das Wesen der Manufaktur ist nicht nur die manuelle Fertigung, sondern eben auch, dass der Meister in seiner Werkstatt bei jedem neuen Werkstück alle Erfahrungen aus der Vergangenheit einfließen lässt und so sukzessive jedes Modell nach seinem besten Wissen und Gewissen verändern und verbessern kann. Und so war das 2005er-DDT das beste, was man damals kaufen konnte und das 2013er das beste, das man heute kaufen kann. Aber keine Sorge: Das System ist von seinem grundsätzlichen Aufbau gar nicht so sehr verändert worden – in Sachen Nadelträger und Diamant hat sich nichts verändert. Dafür sind die wie immer handschriftlich im Deckel der Holzschachtel vermerkten Empfehlungen für die Abschlussimpedanz deutlich nach unten gewandert, während die Ausgangsspannung gleich geblieben ist. Das deutet auf einen geringeren Innenwiderstand und weniger Wicklungen auf der Spule hin, was in Sachen Spannung durch ein stärkeres Magnetfeld oder eine weiter optimierte Magnetfeldgeometrie kompensiert werden kann. Nach wie vor erledigt Meister van den Hul das händische Wickeln der Spulen, das Vorbohren und Kleben des Diamanten im Nadelträger sowie die gesamte Montage und Einstellung des fertigen Systems selbst – bei seinem letzten Besuch in der Redaktion konnte er aber vermelden, dass es bei der Nachfolgeregelung in Sachen Tonabnehmerbau und -service Fortschritte gibt. Mit einer angegebenen Compliance von 28 liegt das DDT in puncto Nadelnachgiebigkeit etwas unter den sehr weichen 35 der meisten anderen van den Huls, so dass mit dem praxisgerechten Gesamtgewicht von nur knapp über acht Gramm der Betrieb an allen mittelschweren Armen ohne Probleme möglich ist. Der Hersteller selbst empfiehlt Tonarme mit effektive Massen zwischen acht und vierzehn Gramm, während die Auflagekraft bei moderaten eineinhalb Gramm liegt. Auf dem sehr leichten Bor-Nadelträger sitzt der Diamant mit dem berühmt-berüchtigten vdH-I-Nadelschliff, der allerdings durch polierte Kanten heutzutage nicht mehr ganz so extrem ausfällt wie die legendenbildende Ursprungsversion, die viel zur Polarisierung der vdH-Freunde und -Gegner beigetragen hat. Beim Hörtest gab es dann eine kleine Überraschung: Das aktuelle DDT-II Special hat im ersten Moment nichts mit den der vdH-Familie üblicherweise zugeschriebenen Klangeigenschaften zu tun. Da ist nichts von einer fast schon sezierenden Hochtonauflösung und -energie, sondern erst einmal einfach – Musik. Erdig, dynamisch aus der Mitte heraus marschiert das DDT drauflos und sagt dem verblüfften Hörer: „Wir können auch anders“. In einem kurzen Quercheck zu meinem Galerietonabnehmer The Condor zeigt das DDT eine Menge von dessen Ruhe und Kraft, freilich, ohne dessen absolute Souveränität zu erreichen. Statt dessen musiziert es – und das fi nde ich persönlich ungemein sympathisch – mit einer gewissen muskelbepackten Dreckigkeit, die ihren ganz eigenen Charme verströmt. Flexibel reagiert das DDT-II Special auf die Einstellung des Abschlusswiderstands: Die eben beschriebene Abstimmung erzielt man mit einem Impedanzwert von etwa 50 Ohm (der sogar noch unterschritten werden darf), während eine Steigerung auf 200 Ohm oder mehr die ursprüngliche Erwartungshaltung an ein vdH-System eher befriedigt – die ganz hohen Töne werden prägnanter herausgearbeitet, während der Grund- und Mitteltonbereich etwas verschlankt. Das kann man mögen – mein Ding ist es nicht so sehr, habe ich mich doch schon in die sehr „analoge“ Spielweise verliebt, die das DDT mit dem empfohlenen Abschlusswiderstand zeigt. Recht deutlich reagiert das System übrigens auch auf Veränderungen des Vertical Tracking Angle (VTA) mittels Höhenverstellung des Tonarms, so dass man unter dem Strich eine riesige Spielwiese zum Einstellen und Ausprobieren hat – ein nicht zu unterschätzender Teilaspekt für viele HiFi-Hobbyisten. Die angesprochene Erdigkeit und Direktheit geht übrigens nicht zulasten der Fähigkeit des Systems, Details aufzulösen – es geht hier mehr um die zentrale Ausrichtung, während die Feinauflösung eher Akzente am Rand setzt. Das ist gut für die räumliche Darstellung und die Feindynamik, die vdH-typisch ungemein präzise umgesetzt wird. Gerade bei einer konsequent analogen Aufnahme wie die neu erschienene Erste von Gustav Mahler mit den Wiener Symphonikern unter Fabio Luisi ist das DDT in seinem Element: Kraftvoll und rund aus einem absolut stabilen Klangzentrum heraus werden die im ersten Satz so weit verteilten Klangtupfer tief und breit im virtuellen Konzertsaal verteilt, sind aber auch in Tutti-Passagen räumlich klar zuzuordnen. Beeindruckend finde ich die 1:1-Umsetzung der Akustik des Aufnahmeraums – hier kann auch das große The Condor nichts mehr draufsetzen; der Unterschied ist mehr im Umgang mit großen Dynamiksprüngen zu sehen, wo das immerhin viermal so teure System noch etwas leichtfüßiger agiert. Zu ganz großer Form läuft das DDT bei Jazz, Rock und Pop auf, wo es mit guten Aufnahmen ein wahres Feuerwerk an Dynamik, Schwung und Rhythmik entfacht und sogar leblosen aktuellen Produktionen wieder einen Hauch analoger Seele verleiht.

Fazit

Auch im Jahr 2013 hat van den Huls „Einsteigersystem“ DDT-II Special ein gewaltiges Wörtchen mitzureden – so lebendig und erdig spielt in der Klasse um 1.000 Euro kein Zweiter.

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: van den Hul DDT-II Special

Preis: um 1090 Euro


3/2013
 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb BT-Vertrieb, Erkrath 
Telefon 02104 175560 
Internet www.bt-vertrieb.de 
Garantie (in Jahre)
Gewicht (in g)
Ausgangsspannung 0,65 mV (1kHz, 5 cm/sek) 
Übertragungsbereich 5 Hz - 50 kHz 
Kanalabweichung bei 1kHz < 0,75 dB 
Kanaltrennung 35 dB (1 kHz) 
Nadelschliff vdH - l (3 x 85 Mikrometer Verrundungsradius 
Nadelnachgiebigkeit (inµm/mN) 28 
Empfohlende Auflagekraft 15 mN (13,5 - 16 mN) 
Empf. Armmasse 8 - 14 g 
Innenwiderstand (in Ohm)
Abschlussimpedanz (in Ohm) 25 - 100 Ohm (35 Ohm bis 47 kOhm) 
Einspielzeit (ca in Stunden) 70 
Unterm Strich... » Auch im Jahr 2013 hat van den Huls „Einsteigersystem“ DDT-II Special ein gewaltiges Wörtchen mitzureden – so lebendig und erdig spielt in der Klasse um 1.000 Euro kein Zweiter. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 27.03.2013, 15:23 Uhr
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