Kategorie: Vollverstärker

Test High-End-Hybrid-Vollverstärker · Advance Paris A12 Classic


Der Wert einer Marke

Vollverstärker Advance Paris A12 Classic im Test, Bild 1
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Ich habe mir als 16-jähriger auf der Vorläufermesse der Münchener High-End in Düsseldorf schon bewundernd die Nase an einer Panzerglasscheibe plattgedrückt, hinter der eine McIntosh-Endstufe mit blau leuchtenden VU-Metern stand. Vielleicht fühlte sich deshalb die Kette von Advance Paris, die ich kürzlich unter die Lupe nehmen durfte, so vertraut an. Und nun steht mit dem A12 Classic ein Hybrid-Vollverstärker vor mir, der in seiner Spielklasse kaum Konkurrenz hat.

Ein Bolide


Der erste Gedanke, als ich den Classic 12 Hybrid-Vollverstärker von Advance Paris aus dem Karton aufs Regal gewuchtet hatte, war: „Bolide.“ Wissen Sie eigentlich, was Bolide bedeutet? Ich habe es nachgeschlagen und heraus gefunden, dass Bolide vom griechischen „Bolis“ abgeleitet ist, was „Wurfgeschoss“ bedeutet. Heute bezeichnet Bolide entweder einen sehr hellen Meteoren in der Astronomie oder einen schnellen Renn- oder Sportwagen.

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Wir bewegen uns zwar in keinem der beiden Felder und doch ist der Bolidenbegriff auch im High-End-Sektor gebräuchlich und meint eine Art schweres Kaliber, einen richtigen Brocken, eine Ansage also.  

Die Marke

 
Advance Paris bezeichnete ursprünglich eine Produktlinie der Firma Advance Acoustics, die ihren Sitz in der Nähe von Paris hat. Advance Acoustic wurde 1995 von Jean Christian Gesson ins Leben gerufen, der bis 2016 Chefentwickler aller Geräte war. Wobei bis 2005 ausschließlich Lautsprecher entstanden. Bis Gesson 2005 eine IPod-Docking- Station namens MIP Station auf den Mark brachte, was den Lauf der Firmengeschicke deutlich veränderte. Im selben Jahr stellte die Firma zum ersten Mal auf der IFA in Berlin aus, wodurch sich ganz neue Vetriebswege öffneten. Heute ist man in 30 Ländern vertreten und bietet eine breite Produktpalette an, in der Lautsprecher nur noch eine Nebenrolle spielen. 2013 wurde dann die Marke Advance Paris eingeführt und bis 2022 hatte man sämtliche Produkte der Firma danach benannt, der Name Advance Acoustics taucht nun nicht mehr auf.  

Inzwischen sorgt ein Team von nur drei Ingenieuren sehr effektiv für Entwicklung und Verfeinerung der Produkte. Die mechanische und die elektronische Produktentwicklung sowie das Softwaredesign werden komplett in Frankreich geleistet. Bauteile und Module für bestimmte Anwendungen kauft man weltweit zu, die Fertigung findet bei bestens beleumundeten Partnern in China statt. Nicht zuletzt deshalb glänzen die Advance Paris Produkte mit einem besonders guten Preis-Leistungsverhältnis, was definitiv auch für den A12 Classic gilt. Und mit seiner so markentypischen Front aus schwarzem Methacrylat und den blau beleuchteten VU-Metern hat Advance Paris einfach einen hohen Wiedererkennungswert geschaffen. Keine Angst vor Retro könnte das Motto dazu lauten, vor allem wenn Retro so modern präsentiert wird.  

Technik und Features

 
Der A12 Classic nimmt selbstbewusst seinen Platz zwischen dem A10 Classic und dem Xi-1100 ein und ist mit 2 x 180 Watt an 8 Ohm der kräftigste und vielseitigste der Advance Paris Hybridvollverstärker. Da der A10 Classic nach wie vor einer der Verkaufsschlager der Firma ist, wollten die Franzosen mit dem A12 Classic nachlegen und einen Verstärker anbieten, der mehr Leistung und noch mehr Funktionalität bietet.

Vollverstärker Advance Paris A12 Classic im Test, Bild 7
Das ist der Advance-Look, der die Geräte von anderen unterscheidet und sie wiedererkennbar macht
Das deutet bereits die so typische Front mit gleich zwei Wahlreglern für analoge und die digitale Eingänge an, die sich links und rechts vom Lautstärkesteller befinden. Rechts unten warten wie auch bei der X-P700 Vorstufe gleich zwei Kopfhörerausgänge für 6,3 und 3,5 mm auf ihren Einsatz. Rückseitig kann man sie sowohl in Punkto Ausgangsimpedanz als auch Lautstärke anpassen – das sieht man auch nicht häufig. Apropos Eingänge: sehr üppige sieben Line-Eingänge, davon fünf für Cinch- und zwei weitere für XLR-Verbindungen stehen bereit. Dazu gibt es einen Amp-Direct und einen Phonoeingang, der sowohl MM- als auch MC-Tonabnehmer verstärken kann. MC-Tonabnehmer mit hohem oder niedrigem Gain können verwendet werden, für Magnettonabnehmer stehen zudem drei verschiedene Kapazitäten zur Verfügung. Und das waren jetzt nur die analogen Eingänge, an digitalen Eingängen zähle ich ganze neun! HDMI Audio und HDMI ARC hat man ebenfalls nicht vergessen, ein Bluetooth-Modul lässt sich nachrüsten. Und wie Sie sich vielleicht schon denken können, mangelt es auch an Ausgängen nicht. Mir gefällt besonders, dass das Designteam sogar an einen Rec-Out-Ausgang gedacht hat, denn der ist inzwischen alles andere als standardmäßig vorgesehen. Außerdem lassen sich gleich zwei Subwoofer anschließen, deren Einsatzfrequenz von 75 oder 150 Hz gewählt werden kann – das sind höchst sinnvolle Features.  

Der D/A-Wandler ist derselbe wie in der X-P700 Vorstufe, ein gut beleumundeter PCM1796DB von Texas Instruments. Und wie dort findet sich auch hier wieder ein USB-B Eingang, wodurch man den D/A Wandler des A12 Classic als klanglich besseren externen Wandler für einen PC oder Mac verwenden kann. Hybridverstärkern sagt man ja nach, sie verknüpften das Beste aus der Röhrentechnologie mit den Stärken von Transistorverstärkern. Häufig stolpert man dabei über begriffliche Klischees wie „Klangschönheit der Röhren“ im Verbund mit der (Bass)-Kontrolle von Transistoren. Im Fall des A12 Classic wird das Klischee jedoch zur Realität, denn die Technik ist nachgerade perfekt umgesetzt, worauf ich im Klangteil noch eingehen werde. In der Eingangsstufe arbeiten ECC 81 Doppeltrioden von JJ aus der Slowakei, die nach meiner Erfahrung eine sehr gute Wahl sind. Für Kraft und Kontrolle sorgen OnSemi Transistoren in einer Triple-Push-Pull-Konfiguration. Für die stabile Leistungsbereitstellung steht pro Kanal in klassischer Doppelmono-Konfiguration jeweils ein großzügig dimensionierter Ringkerntransformator bereit. Dazu kommen 24000 Mikrofarad an Siebkapazität, was mehr als ausreichend und was ich viel wichtiger finde, nicht sinnlos überdimensioniert ist, wie man das eine Zeitlang in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts betrieben hat.  

Wenn ich mir den Innenaufbau des A12 Classic anschaue, kann ich nur über die höchst raffinierte und effektive 3-D-Bauweise staunen, bei der unterschiedliche Platinen übereinander geschichtet, aber mit sinnvollem Abstand zueinander arbeiten und bestens voneinander abgeschirmt sind, was die Praxis mit ausgezeichneter Störarmut belegt. Die Verarbeitungsqualität ist ausgezeichnet, der Betrieb höchst unkompliziert, worauf ich gleich noch eingehe.  

Der Klang

 
Ich habe den Advance Paris A12 Classic als das eingesetzt, was er ist: als Arbeitstier. Bitte nicht falsch verstehen, damit zolle ich ihm höchsten Respekt. Denn egal, welche Quelle spielt, egal welcher Lautsprecher angeschlossen ist, der A12 Classic macht ungerührt seinen Job und das auf sehr hohem Niveau. Die meiste Zeit habe ich ihn mit der brandneuen Revival Audio Atalanta 5 betrieben, einem Lautsprecher, der geradezu perfekt zu ihm passt: herrlich old school und gleichzeitig technologisch auf der Höhe der Zeit. Ab Werk ist der A12 Classic auf „High Bias“ eingestellt. Schaltet man diesen Modus aus, ergibt sich ein etwas weicherer, nicht ganz so konturierter Klang, der je nach Musikart durchaus passend sein kann. Mir hat die knackiger wirkende High-Bias-Einstellung besser gefallen und deshalb habe ich sie belassen. Wie von den anderen Advance Paris Komponenten her gewohnt, ist auch der A12 Classic ein total unkompliziertes Gerät. Nach seiner 30-sekündigen Aufwärmphase ist er fast augenblicklich auch klanglich voll da und geht geräuschlos seiner Arbeit nach. Ich möchte den Klang des A12 Classic am besten mit neutral, angereichert mit einer sehr schönen Melange aus Kontrolle und einem Touch Wärme beschreiben. So lässt er sich nicht von den komplexen Klangschichten auf Emmylou Harris vielleicht bestem Album The Wrecking Ball aus der Ruhe bringen, was für seine Auflösungsfähigkeiten spricht. Und er bildet gerade auch mikrodynamisch die Klangwelt des libanesischen Oud-Großmeister Anouar Brahem mit Luft und Mut zur Nähe ab. Ani di Francos erdiger Stimme verleiht er ebenso ihren angemessenen Raum wie Duke Ellingtons Big Band die nötige Grobdynamik und Bühnenbreite.

Fazit

Der Advance Paris A12 Classic ist ein formidabler Alleskönner, der nicht nur mit einer unfassbaren Ausstattung und einer souveränen Leistungsentfaltung besticht. Er gibt sich auch klanglich keine Blöße und wird so zum idealen Allrounder für alle Anwendungen und Lebenslagen.

Kategorie: Vollverstärker

Produkt: Advance Paris A12 Classic

Preis: um 2700 Euro

Ganze Bewertung anzeigen


12/2022
4.0 von 5 Sternen

Spitzenklasse
Advance Paris A12 Classic

12/2022

Advance Paris A12 Classic
PREISTIPP
 
Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 2.700 Euro 
Vertrieb: Quadral, Hannover 
Telefon: 0511 79040 
Internet: www.quadral.com 
Ausstattung
Messwerte
Leistung (8 Ohm): 2 x 190 W 
Leistung (4 Ohm): 2 x 280 W 
Frequenzgang 10 Hz – 35 kHz 
Klirrfaktor: < 0,007 % 
Signal/Rauschabstand > 103dB 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm): 430 x 195 x 455 
Gewicht: 17,9 kg 
Analog Eingänge: 5 x Line Cinch; 2 x Line XLR; Phono; Amp in 
Digitale Eingänge 3 x SPDIF; 3 x optisch; 1 x AES EBU; 1 x Wireless Modul (optional); 1 x HDMI; 1 x HDMI ARC; 1 x USB A; 1 x USB Audio; 1 x USB Update 
Ausgänge: 2 x Lautsprecher; Pre Out; 2 x Sub-Out; 2 x Trigger; 2 x Sub Out; REC OUT 
DAC PCM 1796 
High Bias Ja 
Garantie 3 Jahre 
+ gigantische Ausstattung 
+ hohe Leistung 
+/- + Top Klang 
Klasse: Spitzenklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Christian Bayer
Autor Christian Bayer
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Datum 29.12.2022, 09:56 Uhr
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Topthema: Die ewige Legende
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Harwood Acoustics LS3/5A

Es gibt Lautsprecher und dann gibt es noch die LS3/5A. Sie spaltet sowohl ihre Hörer, als auch die, die sie gar nicht kennen. Warum das so ist? Nun, dafür muss man sich vor allem anschauen und natürlich hören, was sie kann und nicht, was sie nicht kann.

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