Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Amplifon Amplifon SET 42 SE


Weil‘s geht

Vollverstärker Amplifon Amplifon SET 42 SE im Test, Bild 1
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Single-Ended-Röhrenverstärker kennen Sie schon? Ist nix für Ihre Ohren und Ihre Lautsprecher? Denn kennen Sie den hier noch nicht

Eigentlich will ich ja weg von so was. Verstärker, die ohne Rollwagen nicht mehr sinnvoll zu transportieren sind, ermüden mich mittlerweile. Und wenn sie dann noch 520 Watt Verlustleistung generieren, ohne dass überhaupt ein Ton spielt, dann kann ich das nicht mehr lustig finden. Das Dumme ist nur: Bedenken dieser Art sind zwar legitim, bei entsprechender Gegenleistung in akustischer Hinsicht aber schlagartig bedeutungslos. So viel schon mal vorweg. Mittlerweile habe ich ziemlich viel Verständnis für Christof Kaintoch, dem Deutschlandvertrieb des polnischen Herstellers Amplifon. Der schildert auf seiner Webseite nämlich blumig, wie er nach jahrzehntelanger Suche über diese Verstärker gestolpert war und seinen heiligen Gral fand.

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Und dabei ist jenes 56 Kilogramm schwere Ungeheuer mit einem Viertelquadratmeter Grundfläche nicht mal das schwerste Geschütz im Arsenal von Andrzej Piwowarczyk; jenseits unseres 11.000-Euro-Probanden gibt’s da noch ein paar Monos mit Sendetrioden vom Typ 833 und noch deutlich mehr Leistung, Gewicht und Abwärme. Das hier, das ist nur ein Vollverstärker. Okay, einer der etwas anderen Art, aber ein Vollverstärker. Einer mit vier (relaisgeschalteten Cinch-) Hochpegeleingängen, einem aus dicken Aluplatten CNC-gefrästen Gehäuse und makelloser Verarbeitung. Und zwei eingebauten Leselampen. Das ungewöhnlich helle, fast weiße Licht, das die beiden russischen Endröhren vom Typ GM70 abstrahlen, rührt vom Thorium-Anteil im Wolframdraht ihrer Heizfäden her. Die Röhre ist eine späte Entwicklung der Röhrenära und für den Einsatz im Rundfunkbetrieb gedacht. Die echte Triode macht sich aber auch in HiFi-Anwendungen ganz ausgezeichnet und gilt als „845-Killer“. Wenn man einen modernen, potenten Eintaktverstärker bauen will, dann ist die GM70 eine logische und gute Wahl – wenn man bereit ist, die Konsequenzen zu tragen: Da wären umfangreiche Schutzschaltungen, um den Umgang mit vierstelligen Anodenspannungen überhaupt erst zu ermöglichen, reichlich Aufwand bei der Stromversorgung und nicht zuletzt eine angemessene Eingangs- und Treiberstufe. Natürlich musste es auch hier eine Triodenlösung sein; Piwowarczyk wählte eine E86C zur Spannungsverstärkung, die zwei Systeme einer 6N6P bringen das Gitter der Endröhre auf Trab. Strom liefern zwei satte 600-VA-Ringkerntrafos, die mittig hochkant im Gehäuse angeordnet sind. Während die noch vom Zulieferer kommen, kam für die Fertigung der Ausgangsübertrager nur selber machen in Betracht: Eintaktübertrager dieser Leistungsklasse gleichzeitig breitbandig, hoch belastbar und ausreichend isoliert hinzubekommen, ist die ganz hohe Schule der Trafowickelei – das können auf der ganzen Welt nicht mehr viele Leute. Piwowarczyk gehört offenbar dazu, seine Endstufe benimmt sich nämlich auch messtechnich extrem gesittet und leistet mit echten 42 Triodenwatt für Eintaktverhältnisse geradezu Sensationelles. Der Blick ins Geräteinnere offenbart einiges an Aufwand. Heizung (jede Endröhre alleine braucht 60 Watt Heizleistung), Hochspannungsaufbereitung und Schutzfunktionen fordern ihren Tribut. Der Aufbau erfolgt zum großen Teil auf Platinen, der Röhrenpart selbst ist frei verdrahtet. Die Röhren erledigen ihren Job gut geschützt vor neugierigen Fingern; die Käfige scheinen mir nicht zum Entfernen gedacht zu sein. Was in Anbetracht der Brandblasengefahr auch besser so ist. Ganz auf natürlichem Wege war die Abwärme der GM70 nicht wegzubekommen; unter jeder Endröhre hilft ein langsam drehender Lüfter nach. Jedenfalls glaube ich, dass er das tut, gehört habe ich nichts davon. In Sachen Bauteilequalität steckt das Maximum dessen in dem Gerät, was man tun kann. Ich sehe Teflonkondensatoren vom Typ „Vcap“, der Hersteller verspricht Tantalwiderstände und andere Leckereien. Die Lautstärke wird mit einem Alps-Motorpoti eingestellt, ein schwerer Metall-Fernbedienungsgeber (ausschließlich für den Pegel) gehört zum Lieferumfang. Der gesamte Aufbau geriet so doppelmonofon wie möglich; anders geht’s auch gar nicht, weil die erforderlichen Energien für beide Kanäle von einem Bauteil alleine gar nicht zu bewältigen wären. Okay. Gehen wir‘s an. Nichts, was Sie jemals von einer 300B oder einer anderen typischen Audioröhre für solche Anwendungen gehört haben, hat irgendetwas damit zu tun, was dieser Verstärker zu leisten imstande ist. Gut, wenn ein turmhohes Hornsystem mit aktiver Bassunterstützung der 300B zu Hilfe geeilt ist, dann haben Sie vielleicht eine Ahnung. Sonst nicht. Das Besondere am Amplifon SET 42 SE ist nämlich seine unvergleichliche Disziplin. Jetzt könnten Sie sagen, mit einem Lautsprecherkaliber wie der Unison MAX-2 hätte der Amplifon auch leichtes Spiel, aber so einfach ist‘s nicht: Wenn ich unsere gewiss nicht ganz einfach anzuteibende Audio Physic Avantera plus+ mit ihren vier Langhubbässen an die Röhre klemme, dann macht der Verstärker nämlich ganz genau dasselbe. Er ist ein gnadenloser Präzisionsverfechter über den ganzen Frequenzbereich, er spielt weder satt noch schlank im Bass, sondern generiert genau die Tonalität, die auf der Aufnahme drauf ist. Ich bemühe abermals Dominic Millers akustische Gitarre auf „Silent Light“ und bin erstaunt, wie kompakt das Instrument hier tönt. Aber dafür so greifbar und holografisch im Raum, wie ich‘s anders nicht hinbekommen habe. Die Saitenanrisse explodieren förmlich, aber nicht vordergründig, sondern selbstverständlich, locker und unverstellt. Feindnynamik lautet das Zauberwort hier – in dieser Form habe ich das selten erlebt. Tatsächlich büßen sowohl die MAX-2 als auch die Audio Physik etwas von ihrer klanglichen Statur ein – aber nur manchmal. Wenn gefordert, dann kann sie der Amplifon zur ausgewachsenen PA mutieren lassen. Seine Sache indes ist die Variabilität, die Zwischentöne, die Farbe in der Musik. Und da hilft es ungemein, dass er einen angeschlossenen Lautsprecher so weit disziplinieren kann, dass das Feinstoffliche zutage tritt. Das produktionstechnische Gefälle zwischen der ECM-Scheibe und dem zweifellos hübschen Keyboard-Kunstwerk „An Ancient Observer“ des armenischen Jazzpianisten Tigran Hamasyan ist geradezu schmerzhaft. Klasse Platte und auch nicht wirklich schlecht, aber mit diesem Wiedergabewerkzeug eine andere Welt. Abgesehen davon sollten Sie dem offensichtlichen Keith-Jarrett-Fan unbedingt mal ein Ohr leihen. Vermutlich ist‘s in erster Linie der ziemlich geringe Aufnahmepegel, der die Klavierminiaturen etwas im Störgeräuschteppich versinken lässt – alles bestens „aufdröselbar“ hier. Kraft ist da. Und wie. Man hört‘s schon, wenn siwch die Nadel in die Rille senkt. Manchmal ist‘s halt ein bisschen lauter, mit dem Amplifon wird‘s schnell beängstigend. Schockiert war ich auch, als bei „Helpless“ von Neil Youngs Massey Hall-Konzert das Publikum zu Beginn applaudierte – das reißt einem den Kopf in den Nacken. Überhaupt macht der Amplifon das Konzert erster Güte, serviert auch den letzten Huster im Publikum, baut eine Wahnsinnsbühne und macht‘s unmöglich, zwischendurch eine andere Platte aufzulegen. Geringer Mikrofonabstand beim Singen, ein deutlich größerer bei den knappen Kommentaren zwischen den Titeln – es ist wirklich unheimlich, was der Verstärker daraus macht. Jawohl, das ist etwas Besonderes. Anhören unbedingt empfohlen!

Fazit

Ein in jeder Hinsicht atemberaubender Verstärker. Höchst transparent, extrem schnell, praktisch ohne tonale Signatur, erstaunlich lautsprecherunkritisch.

Preis: um 11000 Euro

Vollverstärker

Amplifon Amplifon SET 42 SE


09/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Analog Natural Sound Christoph Kaintoch, Mainz 
Telefon 06131 330249 
Internet www.annasound.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 460/280/490 
Gewicht (in Kg) 56 
Unterm Strich... Ein in jeder Hinsicht atemberaubender Verstärker. Höchst transparent, extrem schnell, praktisch ohne tonale Signatur, erstaunlich lautsprecherunkritisch. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 14.09.2017, 09:58 Uhr
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