Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Audia Flight FL Three


Die italienischen Momente

Vollverstärker Audia Flight FL Three im Test, Bild 1
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Röhren und Walnussholz – überspitzt und etwas böse formuliert ist es das, wie man sich italienisches Klischee-HiFi vorstellt. Dabei gibt es südlich der Alpen durchaus auch richtig trockene und hochwertige Ingenieurskunst – auch diese im Dienste höchster klanglicher Vollendung

Wieder einmal hat man bei Audia Flight das Portfolio umgearbeitet. Dabei wurde zum ersten Mal so etwas wie ein „Baukastensystem“ verwendet – in unserem Testgerät, dem FLS10 werkeln die Endstufen der FLS4 genannten Endstufe, während die Vorstufensektion eine eigenständige Geschichte ist, die auf dem Preamp FLS1 basiert. Die Zeichen der Zeit wurden ebenfalls berücksichtigt: Der in der Grundversion als reiner Line-Vollverstärker ausgelegte FLS10 besitzt in der Rückwand zwei Einschübe für Zusatzoptionen. Wir haben uns natürlich die Phonoplatine mitliefern lassen, während der zweite Steckplatz für Digitaloptionen zur Verfügung steht, die wir in unserem analogen Magazin mal außen vor lassen. In Sachen Farbe hat man die Wahl zwischen dem Silber des Testgeräts und dem Audio-Flight-typischen Anthrazit – beides hoch elegante Optionen.

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Immerhin ist im Gegensatz zu früher hier nicht nur die Frontplatte, sondern das ganze Gehäuse im jeweiligen Farbton gehalten. Mit einem Preis von 9.500 Euro exklusive Phonoteil macht der FLS10 schon eine Ansage: Wir kämpfen hier in einer gehobenen Gewichtsklasse. Um die Sache einmal einzugrenzen: Die hier eingesetzte Endstufensektion kostet als separates Gerät schon 7.500 Euro – da ist ein Aufpreis für die Vorstufensektion und nicht zuletzt die komfortable Bedieneinheit schon als wirklich fair zu bezeichnen. Was man bei Audia Flight für sein Geld erwarten kann, macht der FLS10 innen wie außen unmissverständlich klar: extrem saubere Verarbeitung, Technik, bei der der Kenner mit der Zunge schnalzt, und als gewagtestes Designelement, quasi die Reminiszenz an das Dolce Vita, das geschwungene Fenster in der Frontplatte, in das das Display eingebettet ist. An den Seiten hinter der dicken Frontplatte sitzen die Rippen der beiden Kühlkörper, die die Abwärme von immerhin 32 Leistungstransistoren an die Außenwelt abgeben. Ehre wem Ehre gebührt: Sogar diese technische Notwendigkeit hat man bei Audia Flight auf die elegantestmögliche Art und Weise gelöst und die Kühlrippen durch versenkten Einbau ins Gehäuse quasi integriert. Ehrensache, dass es da keinerlei schlecht entgratete Stellen gibt. Alle Hochpegeleingänge sind symmetrisch und unsymmetrisch ausgeführt – das ist erfreulich aber auch technisch durchaus sinnhaft: Intern arbeitet der FLS10 voll symmetrisch. Die beiden Köpfe hinter Audia Flight, Massimiliano Marzi und Andrea Nardini, verwenden auch in unserem Testmodell die sogenannte Transimpedanz-Schaltung mit lokaler Stromgegenkopplung. Herz und Kraftquelle ist der doppelt geschirmte Ringkerntrafo mit einer Nennleistung von zwei Kilowatt, der die spiegelsymmetrisch aufgebauten linken und rechten Verstärkerzüge versorgt. Die Aufbereitung des Signals vor der Endstufensektion erfolgt in vergossenen Class- A-Modulen, die mit der lokalen Stromgegenkopplung arbeiten. Sämtliche Baugruppen werden separat mit ihrer Betriebsspannung versorgt. Die handbestückten Platinen haben eine dickere Kupferschicht als handelsüblich – damit wird auch ein Bolide wie der FLS 10 noch in vielen Jahren zuverlässig seinen Dienst verrichten. Apropos handbestückt: Das Finish der Gehäuse wird nach wie vor in Eigenregie durchgeführt. Auf unseren Fotos ist er gut zu erkennen: Auf dem riesigen Haupttrafo hat noch ein kleiner Trafo seinen Platz gefunden. Dieser ist ausschließlich für die Versorgung der digitalen Steuerungssektion zuständig und somit komplett von den Audio-Baugruppen getrennt. Die zwei XLR- und drei Cinch-Eingänge können in der Steuerungseinheit mit Namen versehen werden und zudem intern um plusminus 6 dB im Pegel angepasst werden. Das ist natürlich ideal bei der Verwendung von Quellen mit stark unterschiedlicher Ausgangsspannung. Auch ausgangsseitig steht alles zur Verfügung, was das Herz begehrt. Vorstufenausgänge gibt es symmetrisch XLR und unsymmetrisch Cinch, dazu einen unsymmetrischen Ausgang für einen angeschlossenen Rekorder. Die Phonoplatine für einen Aufpreis von etwa 800 Euro bietet Anschluss für MM- und MC-Systeme. Sie wird von der Steuerung des FLS10 automatisch erkannt und kann dementsprechend angesteuert werden, auch über die beigefügte Fernbedienung, die standesgemäß in Aluminium gehalten ist. Lediglich die Werte für Eingangsimpedanz und -kapazität muss man nach guter alter Sitte „zu Fuß“ über DIP-Schalter an der Phonoplatine selbst einstellen. Wie nach den überzeugenden Leistungsmessungen zu erwarten war, kann der Audia Flight ordentlich zupacken. Nicht im Sinne von schierer Kraftmeierei, sondern mit einer absolut überlegenen Kontrolle in Sachen Ausgewogenheit und Dynamik. Dazu vielleicht eine kurze Parallele aus der Welt des Musikers: Ein Pianist braucht die Kraft in seinen Fingern nicht etwa für donnernde Fortissimo-Passagen – die gehen verhältnismäßig einfach, nein: Die trainierten Hände haben eine bessere Kontrolle über die feinsten Abstufungen in leisen Sequenzen, in denen es auf zarteste Nuancen ankommt. So auch der FLS10: Elegant und eloquent musiziert er vom ersten Ton an – obwohl der Hersteller eine Aufwärmzeit von über einer Viertelstunde angibt, nach der das Klangbild vielleicht noch einen Hauch besser sitzt. Der Audia Flight nimmt sich angenehm zurück, gibt nicht den Poser, sondern nutzt seine Kraft und Kontrolle, um das anliegende Musiksignal möglichst neutral an die angeschlossenen Boxen weiterzureichen. Und diese kontrolliert er mit seinen Leistungsreserven nach Belieben – wo Lautsprecher mit einem „schwierigen“ Impedanzverlauf weniger leistungsfähigen Verstärkern schon einmal ihren Sound aufzwingen, macht der FLS10 klar, dass es keine Extrawurst gibt: Unter seiner Kontrolle ordnet sich die ganze Anlage der Musik unter und sonst nichts. Extrem schwarz und tief und mächtig kommt dadurch der Bass, der mit den zur Verfügung stehenden Leistungsreserven auch bei einer schon deutlich gehobenen Grundlautstärke noch einmal den Hammer rausholen kann. Auf Deutsch: Dynamisch ist der Audia Flight in jeder Situation Herr der Lage. Dazu kommen noch diese wundervolle Feinsinnigkeit und sein Differenzierungsvermögen bei jeder noch so zart dahingehauchten Nuance – das Samtpfötchen funktioniert also auch. Mit diesen beiden Fähigkeiten im Rücken ist es natürlich ebenfalls ein Kinderspiel, eine in jeder dynamischen Situation stabile räumliche Abbildung zu erzielen, die in ihrer Auflösung und Nachvollziehbarkeit keine Wünsche offenlässt.

Fazit

Der Audia Flight FLS10 kann anschlussseitig alles und ist in der Lage, sowohl mit Kraft als auch mit sehr viel Feingefühl zu musizieren - mit Fug und Recht kann man ihn als einen der ganz großen Allrounder in Sachen Vollverstärker bezeichnen.

Preis: um 9800 Euro

Vollverstärker

Audia Flight FL Three


12/2018 - Thomas Schmidt

 
Ausstattung & technische Daten 
Preis: 9.800 Euro / 10.600 Euro (mit Phonostufe) 
Vertrieb: Sieveking Sound, Bremen 
Telefon: 0421 6848930 
Internet: www.sieveking-sound.de 
Garantie: 2 Jahre 
B x H x T: 450/177/440 
Gewicht (in kg): 36 
Unterm Strich … Der Audia Flight FLS10 kann anschlussseitig alles und ist in der Lage, sowohl mit Kraft als auch mit sehr viel Feingefühl zu musizieren - mit Fug und Recht kann man ihn als einen der ganz großen Allrounder in Sachen Vollverstärker bezeichnen. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 20.12.2018, 09:55 Uhr
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