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Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Audia Flight FLS9


High End Vollverstärker mit flexiblen Eingängen

Vollverstärker Audia Flight FLS9 im Test, Bild 1
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Audia Flight baut Vollverstärker, wie ich sie mag: Ein elegantes, aber nicht zu verspieltes Design treffen hier auf exzellente Technik und komfortable Ausstattung

Ein kurzer Rückblick: Vor gut 2 Jahren habe ich den Audia-Flight-Vollverstärker FLS10 getestet, der die Endstufen der Referenz-Vorstufe FLS4 einsetzt, während die Vorstufensektion auf dem Preamp FLS1 basiert. Der als reiner Line-Vollverstärker ausgelegte FLS10 besitzt in der Rückwand zwei Einschübe für Zusatzoptionen. Und nun also der FLS9, der nach dem Datenblatt der kleine Bruder des FLS10 ist. Nun, ein kleiner Bruder mit 25,5 Kilogramm Lebendgewicht, das lasse ich mir gefallen! Ein nicht ganz kleiner Teil dieser Masse, mit der man auch in den „goldenen“ Zeiten des Vollverstärkers zwischen den ganzen Flaggschiffen japanischer Verstärkerbaukunst gut ausgesehen hätte, geht auf die Kappe des mächtigen Ringkerntransformators, der mit satten 1000 Watt spezifiziert ist.

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Das können wir gerne bestätigen, denn - ich greife da mal dem Messprotokoll vor - der FLS9 ist in der Lage, fast exakt doppelt so viel Leistung an 4-Ohm-Lautsprechern abzugeben, wie an 8-Ohm-Modellen. Normalerweise schiebt da bei anderen Herstellern regelmäßig die Stromlieferfähigkeit des Trafos einen Riegel vor. Hier also schon einmal volle Punktzahl für den Audia Flight, der im Netzteil mit ebenfalls sehr beeindruckenden 120.000μF Siebkapazität aufwartet, womit er in Sachen Impulskontrolle ebenfalls die Nase ganz weit vorne hat. Der deutsche Vertrieb Sieveking Sound erklärt die lange Entwicklungszeit des FLS9 damit, dass man den Ehrgeiz hatte, einen „kleinen“ Amp zu bauen, der nahe an das große Modell FLS10 herankommt. Im Gegensatz zu diesem musste man hier aber die komplette Schaltung, mit Ausnahme des Kopfhörer-Eingangs, neu konzipieren. Gegenüber dem FLS10 ist die Anzahl der Leistungstransistoren auf 12 pro Stereokanal gesunken - trotzdem: Auch hier erfolgt die Signalverarbeitung komplett symmetrisch, . In Sachen Farbe hat man die Wahl zwischen dem Silber des Testgeräts und dem Audio-Flight-typischen anthrazit – beides hoch elegante Optionen. Immerhin ist im Gegensatz zu früher ist hier nicht nur die Frontplatte, sondern das ganze Gehäuse im jeweiligen Farbton gehalten. Alle Hochpegeleingänge sind symmetrisch in XLR und unsymmetrisch in Cinch ausgeführt. Zusätzlich zu den stets vorhandenen 3+2 Eingängen gibt es die Option, mit einem einfachen Eingangsmodul die Anzahl der XLR- oder Cinch-Eingänge zu erweitern. Die beiden Entwickler bei Audia Flight, Massimiliano Marzi und Andrea Nardini haben die beiden Verstärkerzüge spiegelsymmetrisch aufgebaut. Die Aufbereitung des Signals in der Vorstufe erfolgt in vergossenen Class-A-Modulen, die mit der lokalen Stromgegenkopplung arbeiten. Sämtliche Baugruppen werden separat mit ihrer Betriebsspannung versorgt. Die handbestückten Platinen haben eine deutlich dickere Kupferschicht als gemeinhin üblich ist. Neben dem Transformator für die Audioplatinen gibt es noch einen kleineren Trafo, der für die Versorgung der digitalen Steuerungssektion zuständig ist, die somit komplett von den Audio-Baugruppen getrennt wird - gut in Hinsicht auf eventuelle Einstreuungen. Die zwei XLR- und drei Cinch-Eingänge können in der Steuerung mit einem eigenen Namen versehen werden und zudem in einem gewissen Rahmen im Main angepasst werden. Ein schönes Feature in Hinblick auf unterschiedlich gepegelte Quellgeräte. Vorstufenausgänge gibt es in XLR und Cinch, dazu einen Ausgang für einen angeschlossenen Recorder. Die Phonoplatine ist die gleiche, die auch für den FLS10 angeboten wird: Für einen Aufpreis von gut 1000 Euro bietet sie Anschluss für MM- und MC-Systeme, samt einer umfangreichen Anpassung per DIP-Schalter. Sie wird von der Steuerung des FLS9 automatisch erkannt und kann dementsprechend angesteuert werden, auch über die beigefügte Fernbedienung. Lediglich die Werte für Eingangsimpedanz und -kapazität muss man nach guter alter Sitte mit einem feinen Werkzeug über das „Mäuseklavier“ an der Phonoplatine selbst einstellen. Und tatsächlich habe ich in meinem Sortiment keinen Tonabnehmer gefunden, mit denen die Phonosektion nicht zusammenarbeiten wollte: Auch MC-Systeme mit sehr niedriger Ausgangsspannung wurden adäquat verstärkt, wobei ich bei meinem alten Orotofon MC30 Super mit unter 0,1mV mit der Gainanpassung in der Hochpegelvorstufe nachhelfen musste, aber solche Exoten sind ja heutzutage nicht mehr üblich. Kraft gibt es genügend - auf dem Papier jetzt noch nicht ganz in der „Boliden-Liga“, aber mehr als ausreichen, um auch schwierige Kandidaten anzutreiben. Gerade die Stromlieferfähigkeit des Netzteils kann man bei niederohrigen Boxen gut heraushören: Wo andere Verstärker schon so ein bisschen ins Schwitzen geraten, legt der FLS9 gerade erst so richtig los. Und das tut er beileibe nicht als pure Demonstration purer Kraftmeierei - obwohl er das auch beherrscht - sondern als feinsinniger und eleganter Musikant, der auch feindynamisch weiß, wie man sich benimmt. Ich habe in letzter Zeit angefangen, mich vermehrt in die frühen Aufnahmen von Blue Note Records hineingehören. Und mit zweien meiner Favoriten aus dieser Zeit, die natürlich vom brillanten Rudy van Gelder aufgenommen wurden, „Idee Moments“ von Grant Green und „Blue Train“ von John Coltrane und dem Audia Flight habe ich ein paar wunderbare Stunden voll süffigen Klangs und Gänsehautatmosphäre pur erlebt: Das ist Musik von Schallplatte, wie sie sein soll: Emotional, wuchtig, dicht, atmosphärisch. Während der FLS9 im Bass packend und dynamisch auftrumpft, behandelt er gleichzeitig den Hochtonbereich mit Feingefühl und höchster Präzision. Und dazwischen spielt der die ganze Bandbreite musikalischer Koloratur aus, die die Quelle hergibt - immer neutral und dabei doch immer eine Spur schöner als die gesamte Konkurrenz.

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Fazit

Der FLS9 ist ein würdiger Vertreter seiner Zunft: Er bietet Leistung und Ausstattung satt und spielt dabei auf einem extrem hohen klanglichen Niveau. Einfach gut gemacht!

Preis: um 5950 Euro

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Audia Flight FLS9


04/2021 - Thomas Schmidt

 
Ausstattung & technische Daten 
Preis: 5.950 Euro / 1.100 Euro (Phonoteil) 
Vertrieb: Sieveking Sound, Bremen 
Telefon: 0421 6848930 
Internet: www.sieveking-sound.de 
Garantie: 2 Jahre 
B x H x T: 450/150/440 
Gewicht (in kg): 25,5 Kg 
Unterm Strich … Der FLS9 ist ein würdiger Vertreter seiner Zunft: Er bietet Leistung und Ausstattung satt und spielt dabei auf einem extrem hohen klanglichen Niveau. Einfach gut gemacht! 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 29.04.2021, 09:55 Uhr
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