Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Goldnote IS-1000


Kann ich nicht? Gibt´s nicht!

Vollverstärker Goldnote IS-1000 im Test, Bild 1
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Nach dem ganz und gar klassischen Plattenspieler, den wir im letzten Heft gezeigt haben, zeigt uns Gold Note dieses Mal einen Vollverstärker, der technologisch ganz weit vorne mitspielt

Eigentlich ist „Vollverstärker“ eine Beleidigung für das Gerät. Ja, es vollverstärkt auch, und das ziemlich amtlich, im Grunde seines italienischen Herzens aber ist der IS-1000 der Traum vieler Musikhörer: eine Kiste, alles drin. Außer den Lautsprechern. Und dem Plattenspieler. Aber den hatten wir ja schon, wie erwähnt. Aber mit eingebauter Phonovorstufe. Und noch ganz viel mehr. Gold Note ist ein im Herzen der Toskana – wo auch sonst – ansässiger, verhältnismäßig kleiner Hersteller mit einem erstaunlich großen und anspruchsvollen Portfolio, in dem es erstaunlicherweise fast keine Elektronenröhren gibt. Dafür eine ganze Reihe hochmoderner Gerätschaften, die man im ambiente-orientierten Florenz kaum vermuten würde.

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„Fast“ keine Elektronenröhren, weil´s da zwei separate Tuning- Ausgangsstufen für Quellgeräte gibt. Der IS-1000 ist interessanterweise keine bahnbrechende Neuentwicklung, bei der sich der Hersteller beliebig weit aus dem Fenster lehnt, sondern „nur“ ein Kondensat der Funktionen, die es in separaten Komponenten schon länger gibt. Der klassisch analoge Verstärkerzweig ist stark von der hauseigenen Verstärkerkombi P-1000 / PA-1175 inspiriert; von Ersterem hat das Gerät auch das „Gesicht“ geerbt. Das nämlich geriet erfreulich schlicht, für italienische Verhältnisse eher kantig, aber die klare Linie hat was. Die zentrale Komponente ist ein farbiges LC-Display, bei dem die hohe maximale Helligkeit und beste Ablesbarkeit auch unter ungünstigen Winkeln im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge fallen. Eine Touch-Funktion hat die Anzeige nicht, zur Bedienung genügt allein der mit einer Tastfunktion ausgestattete Drehknopf ganz rechts. Oder die kleine mitgelieferte Kunststoff-Fernbedienung. An Bord der mit 18 Kilogramm ordentlich schweren Maschine sind neben dem Vollverstärker eine MM- und MC-fähige Phonovorstufe, ein potenter Digital-/Analogwandler für alle möglichen Digitalformate und eine moderne Streaming-Plattform. Das Ganze kostet ab 4.200 Euro, mit dem größeren D/A-Wandlerboard 4.950 Euro. Möglicherweise vermissen Sie ein CD-Laufwerk, das gibt´s tatsächlich nur als externen Player namens C-1000 mk-2, was leider fast genau so viel kostet wie der IS-1000, nämlich 3.800 Euro. Anschließen können Sie jede Menge: drei analoge Quellen, eine davon darf ein MM- oder MC-Tonabnehmer sein, ein unsymmetrisches und ein symmetrisches Hochpegelsignal. Es gibt fünf digitale Eingänge in allen marktüblichen Formaten inklusive USB, fürs Streaming gibt´s eine WLAN-Antenne oder eine Netzwerkbuchse. Sogar an die Tonbandfreunde hat man gedacht und dem Gerät einen Aufnahmeausgang spendiert. Regelbarer Vorstufenausgang? Aber sicher doch. Der sehr erfreulich bestückten Rückwand eher unwürdig sind die Lautsprecherterminals, das sind nämlich WBT-Nextgen- Kopien aus der untersten Schublade. Und wie kommt man mit der Maschine in die Gänge? Der Hersteller sagt: Strom dran, Lautsprecher dran, Netzwerkkabel dran, App herunterladen und loslegen. Ich hab mal noch nen Plattenspieler angestöpselt, aber ansonsten hat der Hersteller absolut recht. Prinzipiell. Weil: Die App und ich, wir können nicht so recht miteinander. Oder besser gesagt: Die App und das Gerät wollen nur sehr eingeschränkt miteinander kommunizieren. Bis dahin allerdings bin ich angenehm überrascht davon, dass sich das Gerät im heimischen Netzwerk vollautomatisch zu Hause fühlt. Die App ist aufgeräumt, hübsch gestylt und bestimmt klasse, ich scheitere aber an diversen Stellen. So gelingt es mir zwar, Musik von verschiedenen Quellen abzuspielen, das Gerät fernbedienen klappt aber nicht; der Lautstärkesteller meines Smartphones verstellt nur den Pegel des vom Telefon gestreamten Signals. Macht nichts weiter, ich überantworte die Maschine dann gerne dem Kollegen von der HIFI EINSNULL, bei dem ist der Netzwerkkram besser aufgehoben als bei mir, und ich lasse mich dann auch gerne ein bisschen von ihm beleidigen, weil ich mich vermutlich irgendwo ziemlich dämlich angestellt habe. Bei uns hier steht das Gerät ohnehin, um seine klassischen Qualitäten unter Beweis zu stellen, deshalb muss es sich erst einmal den einen oder anderen Blick unter den Deckel gefallen lassen. Apropos Deckel: Sechs Millimeter dicke Alu-Wände, eine doppelt so dicke Front – in Sachen Gehäuse lassen sich die Italiener nicht lumpen. In den Deckel wurden hübsch geschwungene Konturen hineingelasert, die fungieren als Kühlöffnungen für die Elektronik darunter. Davon gibt´s reichlich, im Inneren des IS-1000 ist kein Platz übrig geblieben. Das Verstärkerteil sitzt rechts im Gehäuse. Ein ziemlich massiver Kühlkörper beherbergt zwei integrierte Verstärkerchips pro Kanal, die die Ansteuerung der Lautsprecher übernehmen. Erstaunlich, wie viel Leistung sich damit heutzutage erzielen lässt – wohlgemerkt, wir haben es hier mit klassischen linearen Verstärkern zu tun, nicht mit Schaltverstärkern. Vier dicke rote Siebelkos sorgen für ungehemmten Stromnachschub, gespeist wird das Ganze von einem Ringkerntrafo der imponierenden Sorte, der sitzt links vorne im Gehäuse. Kurz gezuckt habe ich bei den zwei auf dem Kühlkörper montierten Lüftern. Die scheinen jedoch nur für den absoluten Extremfall da zu sein, ich hab´s nämlich während des Musikhörens nicht geschafft, den „Quirls“ irgendwelche akustischen Lebenszeichen zu entlocken. Gut so. Integrierte Bausteine sind auch für den Rest der Verstärkung und die Lautstärkeregelung zuständig. Die Phonovorstufe arbeitet ebenfalls mit Operationsverstärkern und ist auf einer Platine an der Rückwand, unmittelbar zwischen den Eingangsbuchsen untergebracht. Dort sitzen auch gleich die Relais für die Umschaltung der analogen Eingänge. Das gibt kurze Signalwege, so wollen wir das. Der Rest der Elektronik gehört zur unterhaltungselektronischen Moderne, da lässt sich nicht mehr so ohne Weiteres über Typen und Topologien referieren. Jedenfalls steckt da noch eine Menge Zeug auf der großen Grundplatine und den insgesamt vier Huckepack-Boards. Besonders erwähnen darf man das mit 750 Euro ordentlich aufpreispflichtige D/A-Wandlerplatinchen, auf dem eine der wenigen verbliebenen Chiplegenden Dienst tut: der Burr-Brown PCM 1792A. Wenn auch etwas betagt, 24 Bit und 192 Kilohertz schafft er ohne Probleme, der Rest des Wandlerteils des IS- 1000 übrigens auch. Und DSD-fähig ist er auch. Fürs Abspielen von Musik aller gängigen Streamingdienste ist er vorbereitet, Musik vom heimischen NAS, von USB-Quellen und Woher-weiß-ich-nicht-nochalles kann er auch. Der Anaolgi freut sich darüber, dass sowohl MM- als auch MC-Abtaster mit praxisgerechter Verstärkung bedient werden. Leider war ich nicht in der Lage, die Eingangsimpedanz des MC-Anschlusses herauszubekommen, sie scheint aber im üblichen Bereich zu liegen, klangliche Auffälligkeiten konnte ich nicht feststellen. Tatsächlich hat mir das eingebaute Phonoteil sogar überraschend gut gefallen, es spielt den Verdacht einer Alibilösung mit Verve und Drive locker an die Wand. Ich hab´s mit einem gut abgehangenen Benz ACE SL als Tonabnehmer probiert und wollte auch gar nichts anderes mehr, das funktioniert nämlich exzellent. Nina Simones Stimme steht glockenklar und fest umrissen im Raum, Ryan Adams verbreitet auf seine unnachahmliche Weise Gänsehaut in der Carnegie Hall. Der IS-1000 bietet ein modernes, tonal unauffälliges Klangbild, das von einer sehr präzisen Raumdarstellung und exquisiten dynamischen Fähigkeiten getragen wird, sowohl im Groben als auch im Bereich feinster Nuancen. Sehr gut, vor allem in Anbetracht des luxuriösen Funktionsumfangs des Gerätes. Eine kleine Ergänzung kurz vor Schluss: Ich hab das Problem mit der App gelöst bekommen – zugegebenermaßen hätte ich auch die Bedienungsanleitung im Vorfeld komplett lesen können: Die Gerätefernsteuerung funktioniert nur mit aktiver WLAN-Verbindung, ein Betrieb nur am kabelgebundenen Netzwerk reicht dafür nicht. Alles gut!

Fazit

Der IS-1000 ist ein topmodernes Multifunktionsgerät und vereint einen Großteil der Funktionen einer HiFi-Anlage unter einem Dach. Er klingt stramm, kernig, klar und kann dank der guten Phonovorstufe auch Plattenspielerfreunde glücklich machen.

Preis: um 4200 Euro

Vollverstärker

Goldnote IS-1000


06/2019 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Preis: ab 4.200 Euro 
Vertrieb: TAD Audiovertrieb 
Telefon: 08052 9573273 
Internet: www.golddnote.de 
Garantie:
B x H x T: 430/135/375 
Gewicht (in kg): 18 
Unterm Strich … » Der IS-1000 ist ein topmodernes Multifunktionsgerät und vereint einen Großteil der Funktionen einer HiFi-Anlage unter einem Dach. Er klingt stramm, kernig, klar und kann dank der guten Phonovorstufe auch Plattenspielerfreunde glücklich machen. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 05.06.2019, 09:58 Uhr
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