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Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Heed Audio Lagrange


Balanceakt

Vollverstärker Heed Audio Lagrange im Test, Bild 1
19856

Balance ist ein fester Begriff in der Audiotechnik, doch Heed versteht darunter mehr als die übliche Kanalanpassung. Der neue Lagrange Vollverstärker soll die Philosophie der Balance anschaulich machen.

Das Gleichgewicht ist etwas, wonach alle streben. Egal ob es dabei um tatsächliche Dinge geht, wie die Symmetrie im Design, Gewichtsverteilung bei Autos und die richtige Mischung von Butter und Brot, oder um Konzepte wie die immer wichtiger werdende Work-Life-Balance - Gleichgewicht ist eine gute Sache. Allerdings kann ständiger Ausgleich auch zu Langeweile führen. Wenn niemals etwas besonders hervorsteht, werden Dinge austauschbar und trist. Der ungarische Hersteller Heed möchte mit seinem neuen Verstärker namens Lagrange ebenfalls das Gleichgewicht finden. Die Balance zwischen Stille und Sound, zwischen den Instrumenten und der Musik, zwischen Kraft und Finesse, zwischen Moderne und Klassik. An unserem Testgerät wollen wir prüfen ob es möglich ist dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen und gleichzeitig der damit verbundenen Gefahr der Tristesse zu entgehen. Beim Design scheint die Rechnung schon einmal gut aufzugehen, denn Heed verbindet hier gekonnt klassische HiFi-Ästhetik mit modernen Einflüssen. Der Lagrange weist das für einen Vollverstärker typische Layout mit zwei großen Drehreglern auf. Dabei verzichtet man aber auf übermäßige Beschriftungen oder unnötige Tasten. Unter dem beleuchteten Firmenschriftzug versteckt sich ein kontrastreiches Display, das sich allerdings nur zu erkennen gibt, wenn der Nutzer eine Eingabe macht. Hat man also beispielsweise die Quelle geändert, wird diese angezeigt, bevor das Display nach einigen Sekunden wieder erlischt. Die Lautstärke wird hingegen ganz ohne Display und Skala angezeigt. Stattdessen signalisiert ein kleiner Lichtpunkt, der vom entsprechenden Drehregler ausgeht, die momentan ausgewählte Lautstärke. Silberne Elemente um die tiefschwarze Front sorgen für Abwechslung und dank der recht geringen Höhe von unter zehn Zentimetern, lässt sich der Lagrange leicht im Wohnzimmer unterbringen.

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Auch die hohe Verarbeitungsqualität und die üppigen Materialstärken sollen hier lobend erwähnt sein, gerade auch weil die beiden Faktoren zu einer sehr angenehmen Haptik führen. In Sachen Anschlüsse ist die Gewichtung beim Lagrange jedoch zunächst deutlich auf analoge Verbindungen gelegt, denn in der Standardausführung verfügt der Verstärker über keinerlei kabelgebundene digitale Eingänge. Allerdings ist auch hier bereits eine Bluetooth-Verbindung integriert. Für die Verwendung von stationären Quellgeräten wird dann ein optionales DAC-Board angeboten, für das in jedem Gerät ein spezieller Platz freigehalten wird. Damit wird die Anschlussvielfalt des Lagrange dann um einen USB-Port, einen optischen und einen koaxialen Anschluss erweitert. Verantwortlich für die Wandlung der digitalen Signale ist ein AK4490EQ des japanischen Chipherstellers AKM. Eine gute Wahl, denn der Premiumwandler kommt in vielen hochwertigen DACs unter und wird wegen seines detaillierten und neutralen Spiels geschätzt. Mit maximal 384 kHz bei bis zu 32 Bit bietet das DAC-Modul ausgezeichnete HiRes-Kompatibilität und mit DSD-Unterstützung bis hin zu 5,8 MHz ist man hier bestens ausgerüstet. Mit einem Preis von etwa 640 Euro, ist das Upgrade fair bemessen und daher eine echte Empfehlung für alle, die unkompliziert HiRes Audio nutzen wollen. Auch rein Analog überzeugt der Verstärker durch seine Anschlussvielfalt, denn neben den vier Cinch-Eingängen spendierte Heed dem Lagrange außerdem einen Phono-Input für MM-Tonabnehmersysteme und einen Home  Theater Bypass. Dabei wird die Lautstärkeregelung des Gerätes umgangen, so dass man angeschlossene Stereolautsprecher als Front-Kanäle in einem Surround-Setup mit AV-Receiver nutzen kann. Heed hat also an alles Gedacht um den Verstärker für möglichst viele moderne Anwendungen auszustatten. Egal ob per Smartphone, Streamer, Plattenspieler oder bei der Filmwiedergabe, der Lagrange lässt sich sehr flexibel einsetzen und bietet, das optionale Modul vorausgesetzt, eine gute Balance aus digitalen und analogen Möglichkeiten. Bei der Verstärkung der Signale geht Heed beim Lagrange seinen eigenen Weg und nutzt eine Technik, die von vielen Herstellern schon Lange ad acta gelegt wurde. Im Sinne des Klangs nimmt Heed einen erhöhten Aufwand in Kauf und setzt auf die RC-Coupling Technologie. Dabei werden zwischen den Verstärkerstufen Widerstände und Kondensatoren kombiniert, um ein gleichmäßigeres Signal zu erzeugen. Damit das fehlerfrei funktioniert muss zunächst einmal viel selektiert werden, um die Bauteile anschließend genau aufeinander abzustimmen. In Kombination mit der Transistorstufe soll so aber ein besonderer Sound entstehen, der sich von dem direkt aus den Halbleitern angetriebener Lautsprecher unterscheiden soll. Heed selbst spricht davon, dass sich dieser Unterschied weniger auf die Messwerte, als auf den generellen Charakter des Verstärkers auswirken soll, doch auch in unserem Labor muss sich der Lagrange keineswegs verstecken. Bei vier Ohm Impedanz liegen etwas unter 110 Watt pro Kanal an den Lautsprecherklemmen an, während Schallwandler mit acht Ohm von etwa 65 Watt angetrieben werden. Das ist gut dimensioniert und im Betrieb schob der Verstärker bereits im unteren Drittel der Skala sehr ordentlich an. Sowohl per Fernbedienung als auch mit dem äußerst angenehm zu bedienenden Drehregler an der Front, ließ sich die Lautstärke dabei sehr gut justieren. Das ist auch gut so, denn der Lagrange ist einer dieser Verstärker, bei dem man stets geneigt ist, immer noch ein wenig mehr aufzudrehen. Wunderbar direkt und druckvoll legt er bei Alanis Morisettes „Reasons Why I Drink“ los. Der Hintergrund ist dunkel, während die Komponenten sich mit Dynamik und kräftigem Punch davor ausbreiten können. Weit in alle drei Dimensionen breitet sich die Bühne aus, wobei die gute Tiefenstaffelung ihren Teil zur gelungenen Ortung beiträgt. Alles scheint den richtigen Körper zu besitzen, wirkt dreidimensional und niemals l ach. Bei CD-Qualität setzt sich der gute Eindruck fort. Der AKM-Wandler, der oft mit enormer Präzision glänzt, dabei aber teilweise sehr analytisch wirkt, harmoniert hier toll mit Heeds Verstärkertechnik. Der Queens Of  The Stone Age Klassiker „Songs For  The Deaf“ wirkt differenziert, behält aber seine Kraft und Emotionalität bei. Auch andere Rock-Alben behalten ihren teils etwas dreckigen Sound, denn der Lagrange bügelt das Signal keineswegs glatt. Stattdessen stellt er auf eine sehr angenehme Weise scheinbar stets genau die richtigen Tugenden heraus, die beim jeweiligen Genre gefragt sind. Mit zunehmender Abtastrate wirkt das Spiel noch ein wenig detaillierter und offener, was gleichzeitig stets mit tollem, musikalischen Fluss und natürlichem Timbre kombiniert wird. Heed hat hier scheinbar genau das erreicht, worum es ihnen beim Lagrange ging. Er wirkt einfach ausgewogen und hält alle Aspekte der Musik ein wenig im Gleichgewicht. Langeweile kann man ihm dabei zu keiner Zeit unterstellen, denn die klangliche Ausrichtung wirkt dadurch insgesamt sehr natürlich und lebendig. Das macht es dem Hörer einfach voll in die Musik einzutauchen, ganz ohne übertrieben Ideen von HiRes-Präzision oder analoger Wärme. Es scheint einfach wie so oft: Die Mischung macht’s.

Fazit

Der lebendige Sound des Heed Lagrange ist sein größter Trumpf, doch auch in allen anderen Bereichen macht der Vollverstärker eine tolle Figur. Egal ob für knallharte Vinyl-Verfechter oder detailverliebte HiRes-Enthusiasten, der Lagrange liefert einfach tolle Performance in einem gut durchdachten Gesamtpaket.

Preis: um 3850 Euro

Heed Audio Lagrange


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Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 3850 Euro (DAC-Modul etwa 640 Euro) 
Vertrieb: Ibex Audio, Heidenheim 
Telefon: 07321 25490 
Internet: www.ibex-audio.eu 
B x H x T: 430 x 90 x 345 mm 
Eingänge: 1 x USB-B, 1 x S/PDIF koaxial, 1 x Toslink optisch, 6 x RCA Stereo (davon 1 x Phono, 1 x Bypass), Bluetooth 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 384 kHz, 32 Bit DSD bis DSD128, 5,6 MHz, 1 Bit 
Ausgänge: 1 x Lautsprecher Stereo, 2 x RCA Stereo (dacon 1 x Pre-Out), 1 x 6,3 mm Kopfhörerausgang (vorne) 
Leistung: etwa 64 Watt an 8 Ohm etwa 109 Watt an 4 Ohm 
checksum: „Der lebendige Sound des Heed Lagrange ist sein größter Trumpf, doch auch in allen anderen Bereichen macht der Vollverstärker eine tolle Figur. Egal ob für knallharte Vinyl-Verfechter oder detailverliebte HiRes-Enthusiasten, der Lagrange liefert einfach tolle Performance in einem gut durchdachten Gesamtpaket.“ 

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Die neue "LP" ist da!
Und wie üblich haben wir einen genauen Blick auf neue Dinge geworfen, mit denen der Analogfan das Erlebnis Schallplatte zu etwas Besonderem machen kann. Wir hätten unter Anderem drei potente Phonovorstufen in verschiedenen Preisklassen im Angebot, zwei sehr besondere Lautsprecher und einen feinen, erfreulich bezahlbaren Plattenspieler aus Italien. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!
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Es geht wieder in Richtung Herbst und Winter - wegen der doch eingeschränkten Möglichkeiten, sich draußen zu betätigen, die Hauptsaison der gemütlichen Musik- und Filmabende in den eigenen vier Wänden.
A propos Wände: In dieser Ausgabe finden Sie eine Reportage über die Zukunft des Lautsprechers als Begleiter des täglichen Lebens, nämlich unsichtbar in der Wand eingelassen, versteckt hinter der Tapete oder sogar Putz!
Aber auch die klassischen Hifi-Themen kommen nicht zu kurz: So haben wir die PS-Audio-Stellar M1200 Endstufen getestet, mit deren Leistung von über 1000 Watt pro Kanal dynamisch keine Wünsche mehr offen bleiben.
Viel Spaß beim Lesen!
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Interessante Links:
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