Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Peachtree Nova


Röhre trifft Internet

Vollverstärker Peachtree Nova im Test, Bild 1
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Ja, das ist ein wirklich hübscher Vollverstärker mit Röhrenvorstufe. Aber lesen Sie weiter, denn abgesehen vom glimmenden Glaskolben könnte der Peachtree Nova nicht digitaler sein.

Tja, gut dass ich vorbereitet war. Auf den Produktbildern im Netz sah dieser Vollverstärker in meinen ketzerischen Augen aus wie ein vergrößertes Tivoli-Radio. Das ist ja aus der Sicht eines Designers durchaus ein Lob, jedoch schiele ich ja immer in die ernst zu nehmende HiFi-Ecke und konnte deshalb den Gedanken nicht so ganz beiseite räumen. Trotzdem: Hübscher könnte er nicht sein. Ein optisches Kleinod ist er ja nun wirklich. Unser Testmuster kam in Kirsche Echtholzfurnier, was bei der Flut der mit optischer Sterilität gesegneten HiFi-Gerätschaften eine willkommene Abwechslung ist. Wem das Holz nicht in den Sinn oder ins häusliche Ambiente passt, dem kann geholfen werden, denn den Peachtree Nova gibt es auch mit hochglanzschwarzer Schale.

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Neben besagter Röhre finden sich zum einen ein ordentlicher Drehregler für die Lautstärke sowie eine ganze Reihe Eingangswahltaster, von denen 5 digitale Geräte als Quelle auswählen. Jawohl, ganze zwei optische, nochmals zwei koaxiale Eingänge und als Besonderheit ein USB-Eingang. Der USB-Eingang versteht sich wie folgt: Direkt mit einem Rechner verbunden, wird der Peachtree Nova als USB Audiogerät erkannt. Folglich kann mit Windows Media Player, Winamp, iTunes oder was auch immer Sie gern als Abspielprogramm nutzen, Musik an ihn geschickt werden. Das geht tatsächlich so einfach, wie es sich anhört. Anstöpseln, warten, bis Windows die USB-Audio-Geräte eingerichtet hat, und schon kann man loslegen. Und zwar ganz getrost auch mit 48-kHz-Dateien, die der Nova besonders gern und zu meiner Freude ohne Probleme entgegennimmt. Die USB-Verbindung ist galvanisch getrennt, was sehr wichtig ist, da ja doch immer ein wenig Spannungsmüll vom Schaltnetzteil des Computers und Prozessorrauschen fröhlich die Masseleitung der USB-Verbindung entlangwandert und Jitterprobleme verursacht. Auf diese Art wird dieser Unrat effektiv eliminiert, bevor der DAC überhaupt davon mitbekommt. Um die D/A-Wandlung kümmert sich ein ESS 9006 Sabre. In diesem Fall handelt es sich um einen 8-Kanal-Wandler, obwohl nur zwei für Stereo gebraucht werden. Das ist trotzdem
nicht falsch gedacht, denn im Stereo-Modus geht sogar der Rauschabstand um das Vierfache nach oben. Das Ding ist richtig klasse, und auch wenn das natürlich nicht der Hauptgrund für die Anschaffung des Nova ist: Man kann ihn auch richtig gut als reinen Wandler einsetzen. Egal was er für einen Bitstrom abbekommt, er mach ein 24-Bit-/96-kHz-Upsampling. Das tut jeder Art von Musik gut, egal ob CD oder Musikdatei aus dem Rechner. Damit man es auch jedem recht machen kann, lassen sich die Filtertypen umschalten. Der messtechnisch bessere Filter hat einen steileren Anstieg, die audiophile Fraktion bevorzugt allerdings einen etwas weicheren. Die zwischenzeitlich vergessene Anschlussflut ist aber an dieser Stelle noch lange nicht vorbei. „Normale“ Cincheingänge hat er schließlich auch noch. Ganz ohne Besonderheiten will sich aber auch die anaolge Sektion nicht geschlagen geben, denn man kann unseren Freund hier auch wunderbar in eine Heimkinokette einbinden. Einer der Aux-Eingänge hat nämlich einen Bypass-Schalter, der die Vorstufe umgeht. Mit den Pre-outs eines A/V-Receivers verbunden, werden die Endstufen von dort aus geregelt. Nicht schlecht, wenn man nicht extra Lautsprecher nur für den Nova kaufen will und eine bereits bestehende Heimkinoanlage hat. Außerdem, und das werde ich noch ausführlich bestätigen, werden die internen Amps der meisten AV-Receiver klanglich hinter dem Nova hinterherhinken. Die anderen Cincheingänge kann man für Non-fading-Buchsen, beispielsweise von Fernsehgeräten, nutzen. Es kann ja nicht sein, dass es das schon war. Ist es auch nicht, einen Class-A-Kopfhörerverstärker bringt der Nova auch noch mit. Den habe ich in Ruhe bei mir zu Hause ausprobiert, bevor es an den eigentlichen Klangtest im Verlag ging, und war begeistert. Er hat klanglich weitaus mehr aus dem Material geholt, als ich das von meinen privaten Gerätschaften gewohnt war.

Klappe, die erste ...


Den Großteil der Rückseite nimmt eine Klappe ein, die für weitaus mehr gedacht ist, als Fläche für das RoHS-Kennzeichen bereitzuhalten. Dahinter sitzt der Einschub eines Zone-Players des Sonos Systems. Er verschwindet im Gerät, nur die Anschlüsse bleiben sichtbar. Klasse, einfach ein ganz kurzes Signalkabel vom Zone-Player in
den Nova, fertig ist die kleine, feine und komplett digitale Kette. Die Vorstellung, den Nova auf einem passenden Rack stehen zu haben, der mit ein paar richtig guten Lautsprechern verbunden ist und mit der Fernbedienung jederzeit das komplette Archiv abrufen zu können, obwohl man nichts weiter sieht als diese Schönheit in Form des Nova, ist verführerisch, das muss mal gesagt werden. Und das sage ich, obwohl ich oft große Lautsprecher und viel, viel Elektronik gut geheißen habe. Große Lautsprecher können es durchaus auch sein, er liefert ganz schnuckelige 70 Watt. Den kompletten Straßenzug bekommt man damit zwar nicht beschallt, aber für eine gehörige Portion Spaß durch erhöhten Pegel ist er auf jeden Fall gut. Die Verstärkersektion gepaart mit meiner eingangs gestellten Aussage, der Nova könne abgesehen von der Röhre nicht digitaler sein, bringt mich übrigens an einen Punkt, an dem ich sowohl mit Vorurteilen aufräumen als auch belehren kann. Zur unberechtigterweise großen Enttäuschung einiger Befragter verstärkt unser Nova nicht in Class-D-, sondern in bewährter Class-A/B-Technik. Das ist, ungeachtet des in die Irre führenden „D“ im Namen nicht analoger als die Verwendung von Schaltverstärkern. Und so sollte man, um Missverständnisse zu vermeiden, diese Schaltungsart auch nennen, denn einen „Digitalverstärker“, auch wenn er vom Namen her gut in die Thematik des Heftes passen würde, gibt es nicht. Punkt.

... und Action!


Sie sehen, das ist alles andere als ein als nett und hübsch abstempelbares Verstärkerchen; wir befinden uns hier in ernst zu nehmen Regionen, die einfach eine sympathische Hülle verpasst bekamen. Und das nicht nur auf dem Datenblatt, denn dieses Designerstück spielt auch noch. Und zwar richtig gut. Ich will ja auch gar nicht behaupten, ich wäre mit höchsten Erwartungen in den Hörraum gelaufen, irgendwie hatte ich in einem Teil meines Gehirns diesen „Technisch gut, aber gucken wir mal, ob da was rauskommt“-Gedanken. Da kommt was raus und zwar richtig. Ich hatte meinen Laptop dabei, auf dem hatte ich vor einiger Zeit die „HDTracks Ultimate Download Experience“ gespeichert. Das ist übrigens eines der kostenlosen Alben, die HDTracks.com ab und an mal zum Download an bietet. Ich habe einfach nur meinen Laptop per USB angeschlossen. Während der zugegebenermaßen recht kurzen Verkabelung fiel mir auf, welche Ruhe in unserem Hörraum herrschte. Da kam nichts aus den Lautsprechern, kein Brummen, kein Fiepen und ein Rauschteppich, der erst wahrnehmbar war, als ich an meinem Ohr schon die Kälte des Alu-Lautsprecherkorbes spürte. Ungläubig, ob denn überhaupt alles richtig verstrippt war, drückte ich einfach mal auf Play, und siehe da: Es spielte. Und zwar so, dass ich mich recht überrascht auf die Couch fallen ließ, um mir das ganz genau anzuhören. Das begann mit – ich erwähnte bereits den HDTracks. com-Download – Klassik in Form von „The Snow Maiden: Dance of the Tumblers“, geschrieben vom mir sogar bekannten Nikolai Rimsky-Korsakov. Und sofort hatte ich den Eindruck, das Richtige getan zu haben, denn obwohl ich die Aufnahme nicht kannte, war ich sicher, dass diese Direktheit, Auflösung und Unangestrengtheit von der Art und Weise der Verbindung abhing. Das bestätigte sich, als ich die gebrannte CD ins Laufwerk des nicht ganz zufällig im Hörraum stehenden Shanling CD-S100MKII legte und umschaltete. Tatsächlich konnte in meinen Augen ein schnöder Laptop mehr Drive und Ruhe am Peachtree Nova verkörpern. Liebe Leute, damit muss man sich erstmal abfinden. Übrigens: Auch mir gefiel der weiche Digitalfilter etwas besser. Er verstärkte in meinen Augen den schlüssigen Charakter des Nova. Die Unterschiede sind nicht riesig, aber definitv hörbar vorhanden.

Entspannte Momente


Ich mache gar keinen Hehl daraus, dass ich ein bekennder Frankk-Zappa-Fan bin. Späte Stunde, kein Mensch mehr im Verlag – das ist eine gute Zeit für ein ganz entspanntes Zurücklehnen in die Couch, Musik des von mir erwähnten Meisters und geschlossene Augen. „Sheik Yerbouti“ hat ein paar Jährchen auf dem Buckel, gehört habe ich es sicher schon tausendmal, was das, was der Nova daraus macht, umso beachtenswerter dastehen lässt. Denn obwohl ich alle glänzenden Akzente und Fehler des Albums kenne, muss ich sagen: Was ich an diesem Abend hörte, war einfach nur „schön“. Mochte es ein erhöhter Grundton sein, egal. So fand ich das passend. Als ich die Augen öffnete, fiel mir auf, dass immer noch der Laptop spielte und da ein Stapel CDs lag, der auch noch seine Chance bekommen sollte. Resultat: Die Tendenz
des „Aufwärmens“ blieb auch bei Musik von CD erhalten. Übrigens klingt wie zu erwarten die digitale Verbindung eines CD-Players merklich besser als die analoge. Ich habe beide Eingänge verbunden und konnte mit der Fernbedienung ganz bequem umschalten und gegenhören – keine Frage, die HF Strippe hat gewonnen! Ich empfand mehr Ausdruck in den Stimmen, mehr Auflösung, vernahm mehr Feinstinformationen. Das Beste an meiner langen spätabendlichen Sitzung war aber Folgendes: Der
Peachtree Nova hat mal wieder etwas in mir geweckt. Während des Hörens und Experimentierens habe ich mir mit geschlossenen Augen vorgestellt, wie er wohl in meinem Wohnambiente zu Hause aussehen würde. Was ich so alles anschließen und wie ich die Musik genießen würde und, ganz wichtig, wie ich mal wieder ein HiFi-Gerät nach Hause schleppen würde, ohne dass meine bessere Häfte mit den Augen rollt. Unter anderem das in Kombinationen mit den ausgezeichneten klanglichen Eigenschaften ist es, was mir den Peachtree Nova so sympathisch macht.

Fazit

Der Peachtree Nova hat‘s mir angetan. Nicht nur klanglich liegt er oberhalb dessen, was man von einem Vollverstärker dieser Größe erwartet. Auch die Möglichkeiten, die er bietet, machen ihn zu einem dem Auge schmeichelnden Tausendsassa.

Preis: um 1300 Euro

Vollverstärker

Peachtree Nova

Referenzklasse


08/2009 - Christian Rechenbach

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Autor Christian Rechenbach
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Datum 20.08.2009, 11:46 Uhr
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