Es stimmt schon, nicht jede Anlage profitiert gleichermaßen von einem Riesen-Transformator wie dem Rowen PT 2000. Wenn der Klang aber zulegt, dann häufig in unerwarteten Dimensionen
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Ein Musikbegeisterter (in diesem Fall ein extrem talentierter Schreiner) übertreibt es mit dem Hobby HiFi und baut plötzlich sagenhaft gute Lautsprecher.
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Wucht und Ordnung
Wer viel Erfahrung mit Testgeräten hat, meint häufig schon anhand von Daten und Preisen zu wissen, wohin die Reise geht. Oft liegt man richtig, manchmal, wie in diesem Fall, aber auch ziemlich daneben.
Seit über drei Jahrzehnten baut die Schweitzer Firma Dynavox electronics SA Verstärkerelektronik unter dem Namen Rowen. Den kennt man in Deutschland mittlerweile ganz gut. SwissHD hat man hingegen sicher noch nicht so auf dem Schirm, aber auch hinter diesem Namen steckt Rowen. Der kompakte Verstärker hat einige Besonderheiten unter der Haube, über die es zusprechen lohnt, aber eigentlich ist eine Sache noch viel ratsamer: Anhören. Wer nur auf Messwerte schaut (siehe Kasten), dessen Interesse mag vielleicht nicht so recht aufkommen. Wer es optisch opulent und wuchtig mag, der ist ebenfalls sicher abgeschreckt. Wer aber guten Klang zu einem sehr fairen Preis sucht und keinesfalls auf Komfort verzichten möchte, der lese unbedingt weiter.
Messwerte
Räumen wir die Sache mit den Messwerten vielleicht schnell aus dem Weg. Eine gewisse Ausrichtung auf Messergebnisse hat sich in den letzten 40 Jahren in der Verstärkertechnik ausgebreitet, laut Yvo Aebischer, einer der Chefs von Dynavox, der andere ist sein Bruder Pascal, eine ungünstige Entwicklung. Perfekte Messwerte seien nämlich kein Problem, sofern man bereit sei, klangliche Kompromisse zu machen.







Schaltung
So ziemlich jeder Hersteller setzt auf kurze Signalwege. Im Rowen-Schaltungslayout sind sie sogar sehr kurz, da die Geräte kompakt sind, doppelt beschichtete Leiterplatinen haben und bei der Entwicklung von vornherein auf die Anordnung der Schaltkreise geachtet wird. Daher gibt es auch keine Klang-, zumindest aber Balance-Regler (mit der Möglichkeit, die Einstellung separat für jeden Eingang zu speichern). Man verzichtet bei Rowen aus klanglichen Gründen auf Koppelkondensatoren, und zwar im kompletten Signalweg! Dafür ist die Schaltung durchgehend DC-gekoppelt und die Vorstufe ist in Single-Ended-Class-A gehalten. Das gilt auch für die Vorverstärker und Phonovorverstärker von Rowen. Das bedeutet, dass die Schaltung an Röhren-Verstärker angelehnt ist, Aebischer bezeichnet den SmartAMP auch als Hommage an Röhrenamps. Gegenüber der Transistortechnik bietet die Schaltung klangliche Vorteile, etwa in Sachen Räumlichkeit. Zusätzlich gibt es keine Übernahmeverzerrungen und auch kleinste Signale werden sehr detailliert wiedergegeben. Der Grund dafür ist die hohe Empfindlichkeit der Eingangsstufe. Sie ist bis zu zehnmal empfindlicher als bei üblichen Transistorschaltungen und sogar immer noch zwei- bis dreimal höher als bei Trioden-Röhrenschaltungen. Diese Technik nennt Aebischer ODS (optimal dynamic sensitivity), also „optimale dynamische Feinfühligkeit“ der Eingänge. Die soll dafür sorgen, dass die ankommenden Signale aller angeschlossenen Quellen ihre volle Dynamik behalten. Aebischer berichtet zudem, dass die Qualität der Ausgangsstufe der angeschlossenen Quelle dadurch nebensächlich wird, selbst einfachere Quellen würden hier schon sehr gut klingen.
„Negative Ausgangsimpedanz“
Ein Verstärker hat es bei einem Lautsprecher mit einer Last zu tun. Die Rowen-Geräte sind so ausgelegt, dass sie bei niedrigen Impedanzen, wenn also vom Lautsprecher viel Strom gefordert wird, stabil bleiben. Die Spezialität ist gerade der sehr niederohmige Bereich, bei 0,5 Ohm knicken die Amps von Rowen nicht ein, sondern liefern jede Menge Leistung (2 x 400 Watt), zumindest kurzzeitig. Um möglichst stabil zu bleiben, verzichten die Schaltungen auf Strombegrenzer und Lautsprecher-Relais. Die überkompensierte Dämpfung (auch als „negative Ausgangsimpedanz“ bezeichnet) soll wiederum die dynamischen Verluste von Kabeln, Frequenzweiche aber auch die Massenträgheit der Treiber berücksichtigen. Der Hersteller verspricht deutlich mehr Dynamik als bei den Mitbewerbern.
Komfort
Aber Moment, was ist denn nun eigentlich so „schlau“ am SmartAMP? Nun, Smart greift vielleicht ein bisschen hoch, denn es handelt sich eigentlich um Komfort-Aspekte des Gerätes. So schaltet es sich ähnlich einer Aktivbox automatisch ein, wenn ein Signal an einem der Eingänge anliegt. Zudem stellt es dabei die voreingestellte Lautstärke für den Eingang ein, sofern man diese im Menü angegeben hat. Wenn man beispielsweise den Pegel beim Betrieb des Streamers per App steuert, ist womöglich ein anderer voreingestellter Pegel praktisch als bei CD-Wiedergabe. Zu den Smart-Features zählt Rowen auch die Anlernbarkeit von Fernbedienungen. Von denen hat man genug zuhause, da wird der ein oder andere froh sein, keine weitere hinzufügen zu müssen. Das Konzept geht sogar so weit, dass für jeden Eingang eine eigene FB angelernt werden kann. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass andere wiederum das Fehlen einer FB als Nachteil ansehen. Nicht smart, aber individuell ist die Gestaltung der Deckplatte. Mit Gold, Titan, Schwarz, Weiß und geölter Eiche auf Stahlplatte stehen fünf Ausführungen zur Wahl. Genau genommen gibt es aber noch mehr Optionen, den das gesamte Stahlgehäuse inklusive Deckel ist gegen einen Aufpreis von 400 Euro in jeder RAL-Farbe lackierbar.
Hörtest
Wenn der SwissHD ein Signal bekommt und sich einschaltet, ertönt ein leises, kurzes Ploppen aus den Boxen, bevor eine Sekunde später Musik ertönt. Das ist nicht ideal, aber weil das Geräusch nicht allzu laut ist, auch nicht weiter tragisch. Klanglich ist der Amp sofort da und zeigt sich von seiner aufgeräumten, sehr gut strukturierten Seite. Das ist ein Klang, mit dem ich sehr gut leben könnte. Die Durchhörbarkeit ist unmittelbar auffallend gut, das Klangbild ist sauber, tendenziell schlank und hat Druck. „At The Bottom Of Everything“, der Opener des wunderbaren Bright-Eyes-Albums „I’m Wide Awake, It’s Morning“, bietet einen schönen, warmen Kontrabass, den der SmartAMP sehr genau und realistisch wiederzugeben versteht. Was auch sofort auffällt ist, wie viel Druck der Klang schon bei nicht allzu hohen Pegeln hat. Ein musikalischer Wechsel zum 1997er-Megadeth- Album „Cryptic Writings“: Auch hier spielt der smarte Verstärker seine Stärken aus. Das Klangbild ist ungemein sauber und aufgeräumt, kippt nie ins Schrille und bietet jede Menge Druck und Power. Man hat den Eindruck, dass sich die Musik hier einen Hauch schneller von den Lautsprechern löst. Das Ganze hat einen tollen Antritt und exzellentes Timing. Selbst bei sehr hohen Lautstärken bleibt der Schweizer unbeirrbar auf Kurs. Das ist eine tolle, spannende Hörerfahrung. Zum Vergleichshören habe ich einerseits den um 5.000 Euro liegenden Cambridge Audio Edge A und andererseits den Symphonic Line RG 14 Edition Mk5S ins Rack gewuchtet, der ungefähr das Doppelte des SwissHD kostet. Angefangen habe ich mit dem RG 14. Der macht einen anderen Raum auf, baut Klangbilder weiter in die Höhe, spielt jedoch etwas diffuser, aber sehr angenehm und hochwertig. Den sehr genauen Fokus des SmartAMP und diese klare Struktur im Klang hat er nicht und im Bass macht er (allerdings nur im Vergleich) ein bisschen zu viel für meinen Geschmack. In Sachen Stimmwiedergabe jedoch ist er dem SwissHD leicht überlegen. Und der Edge? Nun, ich sage das ungern, aber der hat keine Chance gegen die Wucht und Ordnung des SmartAMP! Er macht etwas zu viel Bass und serviert das Schlagzeug in „Trust“ einfach eine Spur zu fett. Verblüffend, denn für sich genommen ist der Edge super. Aber das zeigt mal wieder, dass der Preis nicht immer klar zeigt, wohin die Reise geht. Der SwissHD ist einfach trotz des günstigen Preises in allen Belangen viel besser, Auflösung, Dynamik, innere Spannung der Musik. Und so ist dieser Verstärker ohne Zweifel ein Schnäppchen zu nennen.
Fazit
Aufgrund eines Missverständnisses dachte ich, der SmartAMP kostet 6500 Euro. Und was soll ich sagen, auch für diese Summer wäre er eine gute Anschaffung. Dass er „lediglich“ 3900 Euro kostet, macht ihn zur ganz dicken, warmen Empfehlung!Kategorie: Vollverstärker
Produkt: SwissHD SmartAMP
Preis: um 3900 Euro

Referenzklasse
SwissHD SmartAMP
| Klang | 70% | |
| Labor | 15% | |
| Praxis | 15% |
| Vertrieb | Rowen Sonox Werksvertretung, Rauenberg |
| Kontakt | de@rowen.ch |
| Ausstattung | |
| Ausführungen | Gehäuse Titan, Deckel Titan, Schwarz, Weiß, Gold, Eiche, Gerät auf Wunsch auch in jeder RAL-Farbe erhältlich (+400 Euro) |
| Abmessungen (B x H x T in mm) | 330 x 65 x 330 |
| Gewicht | 6 kg |
| Anschlüsse | 3 × RCA, 2 × digital (jeweils Coax oder optisch) |
| Ausgänge | 1 x PreOut RCA, 1 x Source RCA |
| Ausgangsleistung | 2 × 50 W an 8 Ohm, 2 × 400 W an 0,5 Ohm |
| Garantie | 5 Jahre |
| + | großartiger, klarer, aufgeräumter Klang |
| + | sehr dynamisch und musikalisch |
| + | tolle, komfortable Ausstattung |
| - | Menünutzung erfordert etwas Eingewöhnung |
| Klasse: | Referenzklasse |
| Preis/Leistung: | hervorragend |




