Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Moon 371


Fanpost aus Duisburg

Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 1
24766

Ich oute mich jetzt mal: ich bin Fan von Moon. Warum? Ganz einfach: Ich habe noch nie ein klanglich und featuretechnisch auch nur annähernd mittelmäßiges Gerät aus Ontario gehört. Wo reiht sich der Moon 371 ein?

Moon und / oder die Mutterfirma Simaudio gibt es seit mehr als 45 Jahren, aber die Marke wirkt so frisch, wie gerade erst gegründet. Ich freue mich jedes Mal schon im Vorfeld, wenn ich ein neues Moon-Gerät besprechen darf. Das galt für ihren kleinsten Vollverstärker Moon 250i V2 im Zusammenspiel mit der Dynaudio Contour 20i vor etwa anderthalb Jahren. Oder an anderer Stelle für die große Vor-End- Kombi, die ich in München bei Schall + Rauch hören durfte. Der begeisterte Händler zog mich direkt in den Hörraum: „Die müssen Sie unbedingt hören!“ Er meinte die Netzwerkspieler- Vorstufe 891 und die 861 Endstufe.

Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 2Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 3Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 4Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 5Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 6Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 7Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 8Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 9Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 10Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 11Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 12
Und er hatte Recht. Für mich symbolisiert Moon High- End at it‘s best, weil ich nie das Gefühl habe, der Preis bestimme die Performance. Das erhält die Freude am Musikhören und die hatte ich mit jedem Moon-Gerät.   

Neue Technologien, Teil 1 

 
Denn nachdem die edle Moon North Collection 2025 abgeschlossen war, ging es mit der neuen Compass-Serie direkt weiter. Deren Komponenten sind deutlich günstiger, aber trotzdem nicht geschenkt.

Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 3
Ich bin mir gar nicht sicher, welche Version mir besser gefällt: bicolor oder wie unten ganz schwarz
Das erste Produkt dieser Linie ist der Moon 371 Streaming-Vollverstärker. An ihm sind vor allem zwei Features neu, die Dominique Poupart, Produktdirektor und selbst ein Top-Ingenieur der Moon-Mutterfirma Simaudio, in einem Video hervorragend erklärt. Da ist zum einen das sogenannte Hybrid-MHP-Netzteil, dem eine berückend logische Konzeption zu Grunde liegt. Bislang wurde es nur in Vorstufen und Quellgeräten eingesetzt. Für Endstufen und Vollverstärker wird ja mehr und immer wieder unterschiedliche Leistung benötigt. Dafür arbeitet zuerst eine Class-D-Leistungs- Korrekturstufe, die direkt am Netz hängt und sicherstellen soll, dass Strom und Spannung phasenkorrekt arbeiten und keine Schweinereien in den Signalpfad einspeisen. Die Spannung wird hier auf 400 Volt gesetzt. Durch diesen Trick stabilisiert sich der Verstärker selbst und ist nicht von Netzschwankungen betroffen: das finde ich mal clever. Die zweite Stufe, eine LLC-Schaltung (zwei Spulen und ein Kondensator) stellt die galvanische Trennung dar und agiert als Schaltwandler: sie bestimmt, was das Netzteil an Spannung bekommt und stabilisiert sie. Damit sollen die typischen Probleme eines Schaltnetzteils ebenso wie harmonische Verzerrungen vermieden werden. Die dritte Stufe schließlich ist der diskret aufgebaut Spannungsregler, der dem Hybrid-Netzteil seinen Namen gibt. Hier wird für alle Sektionen sauberer Gleichstrom bereitgestellt. Noch ein Vorteil dieser Technologie ist der Umstand, dass man keinen fetten Trafo mit all seinen Nachteilen braucht, da ein Gutteil der Arbeit bereits in den ersten beiden Stufen erledigt ist. So soll sauberer Strom gerade auch einden Signalquellen zu gute kommen. Klingt für mich wie ein ideales Netzteil, wenn es tut, was es verspricht.   

Neue Technologien, Teil 2  


Die zweite relativ neue Kerntechnologie nennt sich MDCA (Moon Distortion Cancelling Amplifier). Jeder Entwickler möchte Verzerrungen auslöschen, das ist ja ganz klar. Aber wie geht Moon das an? Grundsätzlich arbeitet im Moon 371 ein klassischer Class A/B Verstärker mit einem eigenen, dezidierten Zweig für diese Verzerrungsauslöschung. Doch anders als bei einer traditionellen Feedbackschleife, wo man das ja auch versucht, häufig aber auf Kosten des Klangs, wird das Ausgangssignal nicht zum Eingang geschickt, wo es im selben Signalpfad bleibt. Moon setzt eine Komparatorschaltung ein, die dem Ausgangssignal die Verzerrungsanteile gewissermaßen entzieht. Das Signal wird dann mit dem Eingangssignal verglichen – comparare heißt auf deutsch vergleichen – und nur das, was übrig bleibt, wird als Ausgangssignal mit gedrehter Phase zurückgeschickt, um alle Restverzerrungen auszulöschen. Es wird also immer genau das korrigiert, was nötig ist. Das ist natürlich Futter für die Tech-Nerds, die ich schon aus der Ferne hören kann, denn es klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Lassen Sie es mich so sagen: ich höre, wie gut der Moon 371 klingt und das ist das Einzige, was mich interessiert. Lustig dabei ist, dass die Moon-Geräte nach meiner Erfahrung immer gut geklungen haben. Klingen sie mit dem Hybrid-Netzteil und der MDCA-Technologie anders, am Ende noch besser? Dazu müsste ich ein älteres Gerät derselben Kategorie zum direkten Vergleich haben. So oder so ist der Moon 371 exzeptionell störgeräuscharm und spielt wundervoll.  

Die verschiedenen Zweige

  
Kern dieses Streamingvollverstärkers ist der ESS ES9039Q2M 32-Bit-Zweikanal-DAC mit Hyperstream 4 Architektur. Er unterstützt PCM bis 384 kHz und DSD256. Sehr schlau finde ich, dass die Antennen des MOON 371 abgeschaltet werden, sobald eine LAN-Verbindung anliegt. Die typischen Streaminganbieter wie Qobuz, Tidal, Spotify oder Deezer werden über die hauseigene MIND 2 Plattform eingebunden, meist auch in ihrer Connect-Version. So oder so kann man durch diese Connect-Funktion die MOON-App umgehen und spart sich eine Art Filter. Wie man das alles genau tut, findet der zukünftige Besitzer selbst schnell heraus. Es macht auf jeden Fall Freude mit dem 371 zu arbeiten, denn man kann alle Funktionen auch mithilfe der schicken Fernbedienung steuern. Natürlich geht das auch mit der hauseigenen MIND-App, aber ich gebe zu, mir macht es mit der Fernbedienung mehr Spaß und es geht zumeist auch schneller. Und natürlich kann der 371 auch Roon, AirPlay 2 und Bluetooth 5, aber das ist ja eigentlich keine Meldung wert. Sein Display ist mit seiner 17cm Diagonale angenehm groß und gut ablesbar. Bei einem Streaming- Verstärker ist ja entscheidend, dass er trägerlose Musik klangstark und geschmeidig in der Anwendung für den Hörer bereitstellt. Und das genau tut der Moon 371.   

Und mehr ...  


Auch wenn wir Analogies vielleicht eine aussterbende Spezies sein mögen, noch ist es nicht so weit. Deshalb, und weil Moon auch ein Herz für uns hat, können wir an den 371 ein analoges Hochpegelgerät via Cinch und XLR-Eingang sowie einen Tonabnehmer an die sehr fähige und gut klingende Phonostufe anschließen. Die versorgt MMund/ oder MC-Tonabnehmer gleichermaßen, ebenfalls bequem durch die Fernbedienung einstellbar. Damit nicht genug, es gibt sogar einen analogen Ausgang. HDMI ARC darf übrigens ebenso nicht fehlen wie ein USB-Anschluss für Festplatten/SSDs mit eigener Musik. Mittels MOON-Link lassen sich zudem mehrere Komponenten des Herstellers miteinander verbinden und zentral steuern.  


Praxis und Klang 

 
Ich habe es bereits erwähnt: mit dem Moon 371 zu streamen ist ein Vergnügen – dank des hervorragenden DACs auch klanglich.

Vollverstärker Moon 371 im Test, Bild 6
Analog wie digital: Moon hat an alle Anschlüsse gedacht. Mit diesem Verstärker ist man perfekt ausgerüstet
Und während ich, kein Witz, „Walking on the Moon“ von Police spiele, schaue ich mir dieses unverkennbare Design des Moon an und habe zum ersten Mal den Eindruck, dass es wirklich an Bilder der Mondoberfläche erinnert. Ich habe in der Zeit, in der ich auf den Moon 371 zugreifen durfte, etliche Lautsprecher mit ihm kombiniert. Alle konnten ihre Qualitäten voll ausspielen. Die beste Kombination ging er aber mit den PS Audio Aspen FR5 ein – die beiden spielen miteinander wie füreinander gemacht: flüssig, organisch, kraftvoll und mitreißend. Egal ob ich Emmylou Harris‘ sehr anspruchsvolles Album „The Wrecking Ball“ auflege, das größte Anforderungen an die Auflösungsfähigkeit von Komponenten stellt. Oder Vikingor Olafssons so ätherisch durchscheinendes „Opus 109“, bei dem es vor allem auf Transparenz und tonale Reinheit ankommt – der Moon 371 kann das alles mit links. Und das gilt für alle Quellen, exemplarisch auch für Qobuz als Streaminganbieter. Joan as Policewomans neuestes Album „Lemons, Limes And Orchids“ klang natürlich, dynamisch und mitreißend. Diese für mich unwiderstehliche Mischung aus Soul, Pop und Joan Wassers Geheimzutaten wird auf Stücken wie „Back Again“ besonders deutlich. Dieses Stück entwickelt mit dem Moon 371 einen Sog, der mich in die Kirche auf Amsterdams Prinsengracht in den Oktober 2024 zurück beamt, wo sie dieses Album zum ersten Mal in Europa vorgestellt hat. So gut ist der Moon 371.   

Den Test finden Sie in der HiFi Test 2/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich

Lust auf mehr? Entdecke unser HiFi Test Abo!


Kategorie: Vollverstärker

Produkt: Moon 371

Preis: um 6800 Euro

Ganze Bewertung anzeigen


3/2026
5.0 von 5 Sternen

Referenzklasse
Moon 371

3/2026

Moon 371
HIGHEND-TIPP
 
Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie: Streaming-Verstärker 
Preis: 6.800 Euro 
Vertrieb: Dynaudio, Rosengarten 
Telefon: 04108 41800 
Internet: www.dynaudio.de 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm): 429 x 87 cm x 385 
Gewicht: 9 kg 
Leistung: 145 Watt / 8 Ohm; 267 Watt / 4 Ohm 
Eingangsempfindlichkeit 0,3 V – 4 V 
Eingangsimpedanz 9,5 kΩ 
Gain 40 dB 
Frequenzgang 5 Hz – 100 kHz +0 dB/–3 dB 
Harmonische Verzerrungen (1 Watt) 0,009 % 
Harmonische Verzerrungen (100 Watt) 0,003 % 
Geräuschspannungsabstand 108 dB 
Übersprechen –108 dB 
Dämpfungsfaktor 425 
Eingänge Digital: W-Lan; Bluetooth, USB-Media, 2x Coax, 1x TOS, HDMI ARC Analog: 1x Cinch, 1x Phono MM/MC, 1x XLR 
Ausgänge: Stereo Cinch; LS 
Garantie: 10 Jahre 
+ mit allen Quellen gleichermaßen herausragender Klang 
+ geschmeidige Bedienung 
+ vollständige Ausstattung 
Klasse: Referenzklasse 
Preis/Leistung: hervorragend 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. Car & Hifi

ePaper Jahres-Archive, z.B. Car & Hifi
>> mehr erfahren
Christian Bayer
Autor Christian Bayer
Kontakt E-Mail
Datum 26.03.2026, 10:01 Uhr
651_18465_1
Topthema: Revox T77 Turntable
Revox_T77_Turntable_1772196020.jpg
Anzeige
High-End Plattenspieler für Home- und Studio Systeme

Mit integriertem MC-Phono-Vorverstärker und XLR-Anschlüsse für beste Klangqualität

>> Mehr erfahren
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 8.96 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (, PDF, 8.11 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 11.45 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (, PDF, 6.7 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (, PDF, 12.96 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages

Schneller Hören